Basisinformationen zu Lithium
| Wirkstoff (INN) | Lithium |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Litarex®, Quilonum® retard |
| ATC-Code | N05AN01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Retardtabletten (300 mg, 400 mg), Filmtabletten (250 mg), Kapseln (verschiedene Stärken). Hersteller: Lundbeck Austria GmbH, Arcana Arzneimittel GmbH. |
| Apothekenpflicht & Rezeptstatus | Verschreibungspflichtig, Abgabe nur gegen Rezept (ärztliche Verordnung erforderlich). |
Wirkmechanismus (einfach & für Fachleute)
Für Patient:innen
Lithium wirkt im Gehirn, indem es den Austausch von Botenstoffen (Neurotransmittern) beeinflusst. Dadurch kann es Stimmungsschwankungen ausgleichen und zur Stabilisierung beitragen.
Für Fachleute
Lithium beeinflusst die Signalübertragung im zentralen Nervensystem über Hemmung der Inositolmonophosphatase, Modulation der GSK-3β und Beeinflussung anionischer Austauschpumpen. Der genaue Mechanismus der stimmungsstabilisierenden Wirkung ist aber nicht vollständig geklärt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme wird Lithium fast vollständig im Dünndarm aufgenommen.
- Verteilung: Lithium verteilt sich in Körperwasser; es passiert die Blut-Hirn-Schranke langsam.
- Metabolismus: Lithium wird im Körper nicht verstoffwechselt, sondern unverändert ausgeschieden.
- Ausscheidung: Über die Nieren, vor allem durch glomeruläre Filtration. Die Halbwertszeit beträgt 18–24 Stunden (bei älteren Personen länger).
- Dauer der Wirkung: Wirkungseintritt meist nach 7–14 Tagen, vollständige Wirkung nach mehreren Wochen.
Anwendung und best practices im Alltag
Lithium wird in Österreich meist bei bipolaren Störungen, aber auch zur Vorbeugung von Rückfällen („Rezidivprophylaxe“) eingesetzt. Start und Kontrolle erfolgen immer ärztlich.
- Übliche Startdosis: 450–900 mg täglich, aufgeteilt auf 1–2 Einzelgaben. Die genaue Dosis wird individuell eingestellt und nach Blutspiegel kontrolliert.
- Blutspiegelmessung: Regelmäßige Blutspiegelkontrollen sind zwingend nötig (optimaler Bereich meist 0,6–1,2 mmol/l).
- Selbstmanagement: Nehmen Sie Lithium täglich zur gleichen Uhrzeit, am besten nach Absprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.
- Keine eigenmächtige Änderung der Dosis oder des Präparats!
Einnahme morgens oder abends?
- Vorteil abends: Reduziertes Risiko für Tagesmüdigkeit, praktisch bei Nebenwirkungen wie Durstgefühl oder Harndrang.
- Vorteil morgens: Leichter in die Tagesstruktur zu integrieren, besser bei Schlafproblemen.
- Praxis-Tipp: Halten Sie immer die gleiche Uhrzeit ein und besprechen Sie Umstellungen mit Ihrem Arzt.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Grundsätzlich kann Lithium mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
- Die Verträglichkeit ist mit Essen (z.B. österreichisches Frühstück oder Abendessen) oft besser, da Magenbeschwerden vermindert werden.
- Salzaufnahme beachten: Größere Schwankungen (besonders bei Diäten oder traditioneller Hausmannskost) sollten mit der Ärzt:in besprochen werden.
Interaktionen und Warnhinweise
| Interagierender Faktor | Wirkung auf Lithium | Empfehlung |
|---|---|---|
| Entwässernde Medikamente (Diuretika, z. B. Furosemid) | Steigen Lithiumspiegel | Regelmäßige Kontrolle, ggf. Anpassung der Dosis |
| ACE-Hemmer/Sartane (z. B. Ramipril) | Steigen Lithiumspiegel | Vorsicht, engmaschige Überwachung des Spiegels |
| NSAR (z. B. Ibuprofen) | Steigen Lithiumspiegel | Arzt/Ärztin informieren, alternative Schmerzmittel bevorzugen |
| Salzarme Ernährung, plötzlicher Flüssigkeitsmangel | Steigen Lithiumspiegel | Regelmäßige Salzaufnahme einhalten |
| Alkohol | Verstärkt Nebenwirkungen | Möglichst vermeiden oder sehr zurückhaltend konsumieren |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Bipolare Störung (manische und depressive Phase, Prophylaxe) | zugelassen (offiziell) | Stimmungsstabilisierung, Rückfallverhinderung |
| Akute Manie | zugelassen (offiziell) | Behandlung und Eindämmung exzessiver Stimmungshochs |
| Unipolare Depression (additiv) | off-label (in Leitlinien empfohlen) | Verstärkung der Antidepressivawirkung |
| Schwere Suizidalität | off-label | Verminderung der Suizidgefahr bei Affektstörungen |
| Clusterkopfschmerz | off-label | Therapiealternative bei schwerem chronischem Verlauf |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Indikation/Patientengruppe | Empfohlene Dosis | Hinweis |
|---|---|---|
| Erwachsene (akute Manie/Bipolare Störung) | 450–900 mg/Tag (ein- oder zweigeteilt) | Spiegelkontrolle alle 7–14 Tage zur Einstellung, dann alle 3 Monate |
| Kinder/Jugendliche (ab 12 Jahre) | Start niedrig: 150–300 mg/Tag, langsam steigern | Engmaschige Labor-/Spiegelkontrolle, spezialisierte Kindermedizin |
| Ältere Patient:innen (> 65 Jahre) | Start besonders niedrig: 150–300 mg/Tag | Erhöhtes Toxizitätsrisiko, sehr langsame Dosissteigerung |
Bekannte Nebenwirkungen und Sicherheit
Viele Nebenwirkungen treten dosisabhängig auf und lassen sich durch Anpassung der Dosis sowie regelmäßige Laborkontrollen gut beherrschen.
| Häufigkeit | Beispielhaft genannte Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Durstgefühl, häufiger Harndrang, feinschlägiger Tremor, Gewichtszunahme, Müdigkeit |
| Häufig (>1%–10%) | Magenbeschwerden, Durchfall, leichter Gedächtnisverlust, Muskelschwäche, Hautausschlag |
| Gelegentlich (<1%) | Haarausfall, Veränderungen der Schilddrüsenfunktion, Akne, Polyurie |
| Selten (<0,1%) | Herzrhythmusstörungen, Nephrogene Diabetes insipidus, schwere Hautausschläge |
| Warnzeichen für Überdosierung | Starke Übelkeit, Erbrechen, grober Tremor, Verwirrtheit, undeutliche Sprache – Sofort ärztliche Hilfe! |
Richtige Anwendung: Tipps für den Alltag in Österreich
- Immer zur gleichen Zeit einnehmen
- Pausieren Sie Lithium nie abrupt, da dies das Rückfallrisiko erhöht
- Regelmäßige Blutkontrollen unumgänglich – Labore in ganz Österreich führen dies durch
- Trinken Sie ausreichend (1,5–2,5 Liter täglich), v. a. bei Hitze oder Sport
- Salzspektrum der österreichischen Küche beachten – keine radikalen Diäten während der Therapie!
- Informieren Sie alle behandelnden Ärzt:innen, dass Sie Lithium nehmen
- Fragen Sie Ihre Apotheke nach Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Alternativen zu Lithium (in Österreich verfügbar & NFZ-erstattet)
- Valproinsäure: Ebenfalls stimmungsstabilisierend, besonders bei manischen Episoden wirksam; mögliche Leber- und Gewichtsrisko-Nebenwirkungen.
- Carbamazepin: Empfehlenswert bei Unverträglichkeit von Lithium; Nebenwirkungsspektrum umfasst Schwindel, Hautreaktionen.
- Lamotrigin: Vor allem antidepressiv wirksam, Nebenwirkungen meist milde; vorsichtiger Dosisaufbau nötig.
- Quetiapin (Atypisches Neuroleptikum): Wirksam gegen manische und depressive Phasen, Gewichtszunahme möglich.
Vergleichsvor- und Nachteile
- Lithium gilt als einer der wirksamsten Suizid-Prophylaktika
- Alternativen können bei bestimmten Nebenwirkungen, Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen bevorzugt sein
Alle genannten Präparate sind in Österreich NFZ-erstattungsfähig bei entsprechender Indikation und Rezept.
Rechtlicher und erstattungsrechtlicher Status in Österreich
- Lithium-Präparate sind von der Österreichischen Arzneimittelbehörde (BASG/AGES) zugelassen
- Verschreibungspflichtig laut §12 AMG (ärztliches Kassenrezept)
- Erstattung bei entsprechender Indikationsstellung durch alle gesetzlichen Kassen (NFZ), inklusive Langzeittherapie
- Verordnung muss unter regelmäßiger Laborüberwachung erfolgen
- Liegt seit über 30 Jahren im Österreichischen Arzneimittelregister (URPL)
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) sowie die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPB) empfehlen Lithium weiterhin als Mittel erster Wahl zur Rückfallprophylaxe der bipolaren Störung.
- Meta-Analysen aus 2023 (Lancet Psychiatry, JAMA) zeigen: Lithium reduziert das Risiko für Suizidalität signifikant.
- Eine kombinierte Therapie mit Antidepressiva ist in ausgewählten Fällen sinnvoll, sollte aber stets ärztlich begleitet werden.
- Bei älteren Patient:innen ist eine niedrigere Dosierung (Start 150–300 mg) aufgrund erhöhter Toxizitätsgefahr empfohlen.
Verfügbarkeit und Lieferung in Österreich
| Paketgröße | Inhalt | Indikativer Preis (Stand 2024, €) |
|---|---|---|
| Kleinpackung | 50 Retardtabletten Quilonum® retard 450 mg | ca. 20 € |
| Standardpackung | 100 Tabletten Quilonum® retard 450 mg | ca. 40 € |
| Großpackung | 200 Tabletten Quilonum® retard 450 mg | ca. 65 € |
Lieferzeiten in österreichische Städte (Apothekenversand, werktags)
| Stadt | Lieferzeit |
|---|---|
| Wien | am nächsten Werktag |
| Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck | 1–2 Werktage |
| Klagenfurt, Bregenz, St. Pölten, Eisenstadt | 2–3 Werktage |
Hinweis: Aktuelle Preise und Lieferzeiten können je nach Apotheke leicht variieren. Lithium ist als „Lagerware“ fast überall kurzfristig verfügbar.
FAQ – Häufige Fragen zu Lithium
- Wie oft muss der Lithiumspiegel kontrolliert werden?
Zu Therapiebeginn etwa alle 1–2 Wochen, nach Einstellung alle 3 Monate. Bei Änderungen von Dosis, Diät oder anderen Medikamenten ggf. häufiger. Die Blutabnahme erfolgt meist morgens, ca. 12 Stunden nach der letzten Einnahme. - Kann ich Lithium auch dauerhaft einnehmen?
Ja, Lithium ist zur Langzeittherapie geeignet. Wichtig sind regelmäßige Arztbesuche und Kontrollen, um Wirkung und Nebenwirkungen optimal abzustimmen. - Was tun bei vergessenener Dosis?
Holen Sie eine vergessene Einnahme möglichst nach, sofern es nicht zu knapp vor der nächsten Dosis ist. Nie die doppelte Menge einnehmen. Bei Unsicherheit ärztlichen Rat holen! - Kann ich mit Lithium schwanger werden oder stillen?
Eine Lithiumtherapie während Schwangerschaft/Stillzeit ist sehr sorgfältig abzuwägen. Unbedingt mit dem behandelnden Facharzt besprechen; ggf. engmaschige Überwachung und Anpassung. - Wie mache ich mit anderen Ärzten oder im Krankenhaus auf die Lithiumtherapie aufmerksam?
Tragen Sie einen Medikamentenpass bei sich und informieren Sie bei jeder Behandlung explizit über die Lithiumtherapie, da viele Medikamente Wechselwirkungen haben!
Dieser Informationstext ersetzt nicht das Arztgespräch. Für weiterführende Beratung wenden Sie sich an Ihre Hausärzt:in, Ihre/n Psychiater:in oder Ihre Apotheke in Österreich.

