Sertralin – Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Sertralin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Sertralin-Mepha®, Zoloft®, Sertralin Sandoz®, Sertralin ratiopharm® |
| ATC-Code | N06AB06 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Filmtabletten: 50 mg, 100 mg; teilbar Kapseln oder orale Lösungen (seltener) |
| Hersteller in Österreich | Mepha Pharma GmbH, Pfizer GmbH, Sandoz GmbH, ratiopharm GmbH |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig gemäß Arzneimittelgesetz AMG), Abgabe in Apotheken |
Wirkmechanismus
Für Patient:innen: Sertralin ist ein sogenannter „selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“ (SSRI). Es erhöht die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn, was zur Besserung der Stimmung und zur Linderung von Angst beiträgt.
Für Fachkreise: Sertralin blockiert selektiv den präsynaptischen Serotonin-Transporter (SERT), erhöht so die synaptische Serotoninkonzentration, ohne nennenswert auf andere Neurotransmittersysteme (wie Noradrenalin oder Dopamin) einzuwirken.
Pharmakokinetik
- Resorption: Die Bioverfügbarkeit beträgt nach oraler Einnahme ca. 45%, maximale Plasmakonzentration nach 4–8 Std.
- Metabolisierung: Leber (v. a. durch CYP3A4, CYP2C19, CYP2B6); Hauptmetabolit: N-Desmethylsertralin (deutlich weniger wirksam).
- Ausscheidung: Über Urin (< 50%) und Stuhl (< 40%); Eliminationshalbwertszeit ca. 26 Std.
- Wirksamkeitsdauer: Einmal tägliche Einnahme ausreichend; steady state nach ca. 1 Woche.
Einnahme im Alltag und praktische Empfehlungen
- Typische Anfangsdosierung (Erwachsene): 50 mg einmal täglich.
- Steigerung: Nach ärztlicher Anweisung, meist schrittweise bis max. 200 mg/Tag.
- Anwendung: Immer zur gleichen Tageszeit mit einem Glas Wasser schlucken. Tabletten sind teilbar.
- Empfohlene Therapiedauer: In der Regel mindestens 6 Monate, bei Bedarf länger. Absetzen stets ausschleichend!
- Kinder/Jugendliche: Ab 6 Jahren möglich, alters- und gewichtsdosiert (siehe Tabelle unten).
- Ältere Patient:innen: Meist niedrigere Anfangsdosis, langsame Steigerung.
Morgens oder abends einnehmen?
Grundsätzlich kann Sertralin morgens oder abends eingenommen werden. Viele Menschen bevorzugen die Einnahme morgens, da gelegentlich Schlaflosigkeit auftreten kann.
- Vorteile morgens: Weniger Schlafprobleme, leichter Routine einzuhalten.
- Vorteile abends: Bei starker Tagesmüdigkeit kann abendliche Einnahme sinnvoll sein.
Tipp: Immer zur gleichen Zeit einnehmen; bei Problemen mit der Verträglichkeit beraten Sie sich bitte mit Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt.
Mit oder ohne Nahrung einnehmen?
Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Allerdings empfiehlt sich bei empfindlichem Magen die Einnahme zu oder nach einer Mahlzeit. Schwere österreichische Hauptmahlzeiten (z. B. mit viel Fett) verlangsamen zwar die Aufnahme, beeinflussen aber die Gesamtwirkung nicht wesentlich.
Wechselwirkungen und Warnhinweise
Sertralin kann mit verschiedenen Nahrungsmitteln, Alkohol und Medikamenten wechselwirken:
| Interaktion | Beispiele | Hinweise |
|---|---|---|
| Alkohol | Bier, Wein, Spirituosen | Kann Wirkungen/ Nebenwirkungen verstärken – besser vermeiden. |
| Mao-Hemmer | Moclobemid, Tranylcypromin | Streng kontraindiziert! Mindestabstand von 2 Wochen erforderlich. |
| Andere Antidepressiva | Amitriptylin, Citalopram | Nur unter ärztlicher Kontrolle. |
| Blutverdünner (Antikoagulanzien) | ASS, Warfarin, NOAK | Blutungsneigung erhöht. Regelmäßige Überwachung ratsam. |
| Johanniskraut (Phytotherapeutikum) | diverse Präparate | Wirkungsverstärkung/Serotoninsyndrom möglich. Besser vermeiden. |
| Grapefruitsaft | Frischsaft | Erhöht Sertralin-Spiegel, mehr Nebenwirkungen möglich. Vermeiden. |
| Antiepileptika | Carbamazepin, Phenytoin | Sertralinspiegel und -wirkung können verändert werden. |
Anwendungsgebiete („Indikationen“)
| Indikation | Zulassung Österreich | Off-Label |
|---|---|---|
| Depressive Episoden (Major Depression) | Ja | Nein |
| Panikstörung | Ja | Nein |
| Zwangsstörung (OCD) | Ja | Nein |
| Soziale Angststörung/Soziale Phobie | Ja | Nein |
| Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) | Ja | Nein |
| Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) | Nein | Ja (nach ärztlicher Bewertung) |
| Generaliserte Angststörung | Nein | Ja (Einzelfallentscheidung) |
Dosierung je Indikation
| Patientengruppe | Anfangsdosis | Zieldosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 50 mg/Tag | 50–150 mg/Tag | 200 mg/Tag |
| Ältere Menschen (≥65 J.) | 25–50 mg/Tag | 50–100 mg/Tag | 150 mg/Tag |
| Kinder/Jugendliche (Zwangsstörung, 6–17 J.) | 25 mg/Tag | 50 mg/Tag | 200 mg/Tag (abhängig von Alter/Gewicht) |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Wie bei allen Arzneimitteln können auch bei Sertralin Nebenwirkungen auftreten. Diese sind meist leicht bis mäßig ausgeprägt und vor allem zu Therapiebeginn ausgeprägt.
| Häufigkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Übelkeit, Durchfall, Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Ejakulationsstörungen |
| Häufig (<10%) | Appetitverlust, Angst, Schwindel, Zittern, Schwitzen, vermindertes sexuelles Verlangen |
| Gelegentlich (<1%) | Herzklopfen, Blutdruckanstieg, Hautausschläge |
| Selten (<0,1%) | Krampfanfälle, Leberfunktionsstörungen, schwerwiegende allergische Reaktionen |
| Warnhinweis | Bei Suizidgedanken, schweren allergischen Reaktionen (z. B. Atemnot, Gesichtsschwellung), schneller ärztlicher Kontakt notwendig! |
Richtige Anwendung – Tipps vom Apothekenteam
- Nehmen Sie Sertralin regelmäßig ein – Tageszeit beibehalten!
- Absetzen immer nur schrittweise in Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
- Alkohol möglichst vermeiden, um Nebenwirkungen nicht zu verstärken.
- Eine gesunde, ausgewogene österreichische Ernährung kann helfen, Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Appetitminderung zu mildern.
- Bei ausbleibender Besserung oder unerwünschten Wirkungen suchen Sie medizinischen Rat.
- Tabletten nie zerkauen sondern ganz mit Wasser einnehmen.
- Lagern Sie das Arzneimittel bei Raumtemperatur, außerhalb der Reichweite von Kindern.
Alternativen (rezeptpflichtig, erstattungsfähig lt. österreichischer Sozialversicherung/NFZ)
- Citalopram: SSRI, weniger aktivierend; ggf. bessere Verträglichkeit beim Magen-Darm-Trakt.
- Escitalopram: SSRI, höher selektiv, oft geringere sexuellen Nebenwirkungen.
- Paroxetin: SSRI, stärker beruhigend, mehr Gewichtszunahme möglich.
- Fluoxetin: SSRI, antriebssteigernd, eher bei ausgeprägter Antriebslosigkeit.
- Mirtazapin: tetrazyklisches Antidepressivum, besonders bei Schlafstörungen/Untergewicht hilfreich.
- Venlafaxin: SNRI, Kombi-Wirkung auf Noradrenalin und Serotonin.
Alle o. g. Arzneimittel sind kassenpflichtig (Erstattung durch die Österreichische Sozialversicherung je nach Indikation/Verordnung möglich). Rücksprache mit dem behandelnden Facharzt ist ratsam.
Rechtlicher/regulatorischer Status, Erstattung & Registrierung (Österreich)
- Zulassung & Registrierung: In Österreich zugelassen, Registrierung durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES-Medizinmarktaufsicht)
- Verschreibung: Rezeptpflichtig gemäß AMG, nicht frei verkäuflich
- Erstattung: Nach „gelber Box“ im Erstattungskodex, abhängig von Indikation & Diagnose, durch Sozialversicherungsträger (z. B. Gebietskrankenkassen, SVS)
- Apothekenpreisbindung: Preisbindung nach amtlicher Preisliste, keine freien Internetlieferungen ohne ärztliches Rezept
Aktuelle Studienlage und Leitlinien (2022–2025) – Stand 2024
Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN, Stand 2023) empfiehlt Sertralin als Mittel erster Wahl bei depressiven Erkrankungen, Panik- und Zwangsstörungen. Internationale Studien (z. B. Cipriani et al., Lancet 2018; Update 2022) belegen eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit auch im direkten Vergleich.
Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie (ÖGPB) bestätigt dies in ihrer 2024 aktualisierten Praxisempfehlung. Neue klinische Untersuchungen sehen einen deutlichen Zugewinn bezogen auf Lebensqualität und Funktionsfähigkeit – auch im höheren Alter und bei Multimorbidität. Für spezielle Patientengruppen (z. B. Schwangere oder Jugendliche) werden individuelle Dosisanpassungen betont. Auch die Notwendigkeit des schrittweisen Absetzens wurde erneut hervorgehoben.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Preis, Lieferzeiten
| Packungsgröße | Inhalt | Ungefähre Apothekenpreis/Erstattung (Stand 2024) | Lieferzeit (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) |
|---|---|---|---|
| Kleine Packung | 20 Tabletten 50 mg | ca. 18–24 € (mit Rezept teils erstattet) | Wien: 0–1 Tag, Graz: 0–2 Tage, Linz: 0–2 Tage, Salzburg/Innsbruck: 1–2 Tage |
| Große Packung | 100 Tabletten 50 mg | ca. 68–84 € (mit Rezept kassenpflichtig) | s. o., meist lagernd |
Häufige Patientenfragen („FAQ“)
- Darf ich mit Sertralin Auto fahren?
Zu Therapiebeginn oder bei Dosiserhöhung kann es zu Schwindel oder Konzentrationsstörungen kommen. Fahren Sie erst dann wieder, wenn Sie sich sicher fühlen und keine Nebenwirkungen spüren. - Wie lange muss ich Sertralin einnehmen?
Meist mindestens 6 Monate nach Symptomfreiheit, je nach Krankheitsbild auch länger. Die genaue Dauer bestimmt Ihre Fachärztin/Ihr Facharzt. - Welche Nahrungsmittel sollte ich vermeiden?
Vermeiden Sie Grapefruitsaft und Johanniskraut. Alkohol sollte reduziert oder besser ganz gemieden werden. - Kann ich Sertralin in der Schwangerschaft/Stillzeit nehmen?
Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch Ärztin/Arzt! Nicht ohne Rücksprache selbstständig absetzen oder beginnen. - Kann ich Sertralin absetzen, sobald es mir besser geht?
Nein! Absetzen immer schrittweise und nur nach Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin/ Ihrem behandelnden Arzt, um Entzugserscheinungen zu vermeiden.
Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Ihr Apothekenteam oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren Arzt.

