Levofloxacin – Patienteninformation für Österreich
1. Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Levofloxacin |
|---|---|
| Handelsnamen (Österreich) | Tavanic®, Levofloxacin Genericon®, Levofloxacin ratiopharm®, Levofloxacin Teva® |
| ATC-Code | J01MA12 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken |
|
| Hersteller | Sanofi Aventis, Teva, ratiopharm, Genericon u.a. |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Rx) |
2. Wirkmechanismus
Levofloxacin gehört zur Gruppe der Fluorchinolon-Antibiotika. Es wirkt, indem es die Gyrase und die Topoisomerase IV von Bakterien hemmt – Enzyme, die für die Vervielfältigung der bakteriellen DNA unerlässlich sind. Dadurch wird das Wachstum und die Vermehrung von Bakterien gestoppt, sodass das Immunsystem die Erreger effektiv bekämpfen kann.
Für Fachkreise: Levofloxacin ist das L-Enantiomer von Ofloxacin. Es blockiert die bakteriellen Enzyme DNA-Gyrase (Typ II-Topoisomerase) und Topoisomerase IV, was zur Hemmung der Replikation, Transkription und Reparatur der bakteriellen DNA führt.
3. Pharmakokinetik
- Resorption: Levofloxacin wird schnell und fast vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt bei über 99%.
- Metabolismus: Minimal, kein signifikanter First-Pass-Effekt. Kein wesentlicher Metabolit.
- Elimination: Hauptsächlich über die Nieren (ca. 85% unverändert im Urin nach 48 Stunden).
- Halbwertszeit: Ca. 6–8 Stunden.
- Wirkdauer: Die antibakterielle Wirkung hält je nach Dosierung und bakterieller Empfindlichkeit 12–24 Stunden an.
Wichtig für Österreichische Patienten: Die Dosierung muss ggf. bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden. Die Nierenwerte werden routinemäßig kontrolliert.
4. Anwendung im Alltag & Beste Anwendungspraxis in Österreich
Levofloxacin wird gemäß ärztlicher Verordnung regelmäßig eingenommen. Die Tabletten sind unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) einzunehmen. Infusionslösungen werden ausschließlich in einer Klinik oder Ordination verabreicht.
- Bei Tabletten: Einnahme einmal täglich zur gleichen Tageszeit, meist morgens.
- Dosierung: Siehe folgende Tabelle. Niemals selbstständig absetzen!
- Therapiedauer: Abhängig vom Krankheitsbild, meist 5 bis 14 Tage.
- Wichtiger Hinweis: Entsorgen Sie Antibiotika nicht im Hausmüll, sondern geben Sie nicht mehr benötigte Tabletten in der Apotheke zurück.
5. Einnahme: Morgens oder abends?
- Vormittag (empfohlen): Eine morgendliche Einnahme fördert Regelmäßigkeit und senkt das Risiko für Schlafstörungen durch potenzielle Nebenwirkungen.
- Abendliche Einnahme: Wird im Allgemeinen nicht bevorzugt, kann aber in Ausnahmefällen von Ihrem Arzt angeordnet werden (z. B. bei anderen morgendlichen Medikamenten).
- Tipp: Versuchen Sie, Levofloxacin immer zur gleichen Tageszeit einzunehmen. Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, holen Sie diese baldmöglichst nach – niemals aber zwei Dosen gleichzeitig einnehmen!
6. Einnahme zu oder zwischen den Mahlzeiten
- Levofloxacin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Wichtige Ausnahme: Milchprodukte (Milch, Joghurt), kalziumreiche Säfte sowie Antazida mit Magnesium/Aluminium oder Eisenpräparate können die Aufnahme beeinträchtigen. Halten Sie einen Abstand von mindestens 2 Stunden!
Empfehlung für Österreichische Ernährung: Besonders bei klassischen Frühstücksgewohnheiten (z.B. Milchkaffee, Joghurt) am besten Tablette mindestens 2 Stunden vor oder nach solchen Lebensmitteln einnehmen.
7. Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktion | Beschreibung | Klinischer Hinweis |
|---|---|---|
| Antazida, Sucralfat, Eisenpräparate, Zinkpräparate | Vermindern die Aufnahme von Levofloxacin | Mindestens 2 Stunden Abstand halten |
| Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin) | Verstärkte Blutungsneigung möglich | Regelmäßige INR-Kontrolle |
| Glukokortikoide | Steigendes Risiko für Sehnenschäden (insbesondere Achilles-Sehne) | Gemeinsame Anwendung nur nach ärztlicher Abklärung |
| Andere QT-verlängernde Arzneimittel | Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen | Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme |
| Alkohol | Keine direkte Interaktion, jedoch können Nebenwirkungen verstärkt werden | Am besten Alkohol während der Therapie meiden |
8. Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Akute bakterielle Sinusitis | Zugelassen | Entzündung der Nasennebenhöhlen durch Bakterien |
| Exazerbation einer chronischen Bronchitis | Zugelassen | Verschlechterung einer chronischen Bronchitis durch bakteriellen Infekt |
| Pneumonie (ambulant & nosokomial, leichte/mittlere Schwere) | Zugelassen | Lungenentzündung durch Bakterien |
| Komplizierte Harnwegsinfektionen & Pyelonephritis | Zugelassen | Schwere bakterielle Infektionen der Harnwege/Nieren |
| Chronische bakterielle Prostatitis | Zugelassen | Langanhaltende Prostataentzündung |
| Weichteil- und Hautinfektionen | Zugelassen | Wenn andere Antibiotika nicht anwendbar sind |
| Tuberkulose (& Multi-Resistenz-Fälle) | Off-label | Spezialanwendung bei Resistenzen o. Unverträglichkeiten |
| Behandlung von Anthrax (Milzbrand, postexpositionell) | Zugelassen | Prophylaxe nach möglicher Exposition |
9. Dosierung – Erwachsene, Kinder, Ältere
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Akute Sinusitis | 500 mg 1×/Tag für 10–14 Tage | Nur nach strenger Indikation und ab 6 Jahren | Meist wie Erwachsenendosis, ggf. Nierenanpassung |
| Pneumonie | 500–750 mg 1×/Tag für 7–14 Tage | Nur bei schweren Infektionen | Siehe oben, auf Nierenfunktion achten |
| Harnwegsinfektionen | 250–500 mg 1×/Tag für 7–10 Tage | In Ausnahmefällen, strenge Indikation | Wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion |
| Prostatitis | 500 mg 1×/Tag für 28 Tage | Keine Zulassung | Siehe Erwachsene |
| Anthrax | 500 mg 1×/Tag für 60 Tage | Ja (Dosierung nach Körpergewicht) | Wie Erwachsene, ggf. Nierenanpassung |
Hinweis: Die Dosierung richtet sich immer nach der ärztlichen Empfehlung. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist häufig eine Reduktion notwendig.
10. Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispielhafte Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (>10%) | Übelkeit, Durchfall |
| Häufig (1–10%) | Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Pilzinfektion im Mund oder Scheide, Erhöhung der Leberwerte |
| Gelegentlich (0,1–1%) | Herzrhythmusstörungen, Sehnenbeschwerden (u.a. Achillessehnenentzündung), allergische Hautreaktionen, Krampfanfälle |
| Selten (<0,1%) | Schwere allergische Reaktionen (z.B. Anaphylaxie), psychische Störungen, Sehnenrisse, Muskelabbau (Rhabdomyolyse), Leberfunktionsstörungen |
| Sehr selten (<0,01%) | Störung der Blutzuckerregulation, Blutbildungsstörungen, Herzstillstand |
- Warnhinweis: Bei ersten Anzeichen von Sehnenschmerzen, Muskelkrämpfen, Hautausschlägen, schweren Durchfällen oder psychiatrischen Symptomen unverzüglich einen Arzt informieren.
- Nicht für schwangere oder stillende Frauen empfohlen.
- Nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, außer bei besonderen Indikationen.
11. Richtlinien zur sicheren Anwendung
- Arzneimittel immer vollständig und wie verordnet einnehmen – auch wenn Sie sich bereits besser fühlen.
- Vermeiden Sie UV-Strahlen (starke Sonnenbestrahlung, Solarium), da die Hautempfindlichkeit erhöht ist.
- Überwachen Sie den allgemeinen Zustand. Bei ungewöhnlichen Symptomen sofort eine:n Ärzt:in aufsuchen.
- Levofloxacin nicht mit Milchprodukten oder s.o. genannten Wechselwirkungspräparaten gleichzeitig einnehmen.
- Lagern Sie Tabletten trocken und bei Raumtemperatur, vor Kindern geschützt.
- Kein Alkohol während der Anwendung!
Tipp: Für Patient:innen mit bekannten Vorerkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, psychische Erkrankungen) vorher nochmal mit dem Arzt Rücksprache halten.
12. Alternativen (Kassenerstattung Österreich, Vergleich)
- Amoxicillin/Clavulansäure (z.B. Augmentin®): Breitspektrum-Penicillin, 1. Wahl bei vielen Atemwegsinfektionen; weniger Sehnen- und ZNS-Nebenwirkungen; nicht wirksam gegen alle Erreger.
- Cotrimoxazol (Trimethoprim/Sulfamethoxazol): Häufig bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen; Resistenzlage beachten.
- Cefuroxim/Ceftriaxon (Cephalosporine): Alternative bei Penicillinallergie; parenteral und oral verfügbar.
- Makrolide (Azithromycin, Clarithromycin): Besonders bei Penicillinallergie; Wirkungsspektrum eingeschränkt.
- Fosfomycin: Einnahme als Einmalgabe besonders bei unkomplizierter Blasenentzündung.
Vorteile von Levofloxacin: Hohe Wirksamkeit bei schweren, komplizierten oder resistenten Infektionen.
Nachteile: Relativ häufige Neben- und Wechselwirkungen, Resistenzentwicklung, Schäden an Sehnen und Nervensystem.
13. Rechtliche, Zulassungs- & Erstattungsinformationen Österreich
- Rechtsstatus: Verschreibungspflichtig nach Arzneimittelgesetz (AMG) und Rezeptpflichtverordnung.
- Zulassung: Durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), auf EU-Ebene durch EMA koordiniert.
- Erstattung: In der „Grünen Box“ der Österreichischen Gebietskrankenkassen/NFZ erstattungsfähig, sofern medizinisch notwendig und gemäß Indikation.
- Dokumentationspflicht bei Verordnung wegen möglichen Nebenwirkungen und Resistenzmanagements.
14. Neue Forschung & klinische Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und AG Antibiotic Stewardship (2023) empfehlen strengere Indikationsstellung und Reduktion der Fluorchinolon-Verordnungen bei unkomplizierten Infekten, um Resistenzentwicklung zu vermeiden.
- Neue Erkenntnisse (u.a. RKI 2024) bestätigen erhöhtes Risiko für Sehnen-, Nerven- und psychiatrische Nebenwirkungen. Fluorchinolone sollen vorrangig bei schweren, komplizierten Infekten eingesetzt werden.
- Stärkere Pharmakovigilanz: Pflicht zur Erfassung schwerer Nebenwirkungen im Praxis-Reporting an das BASG.
- Neue EU-Hinweise (2023/2024): Fluorchinolone bitte nicht mehr als „Reserveantibiotikum“ für unkomplizierte Harnwegsinfekte!
15. Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße (Tabletten) | Unverbindlicher Apothekenpreis* | Lieferzeit (Wien) | Lieferzeit (Graz) | Lieferzeit (Salzburg) |
|---|---|---|---|---|
| 5 Tabletten × 500 mg | ca. €25–30 | verfügbar am selben Tag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| 10 Tabletten × 500 mg | ca. €40–55 | verfügbar am selben Tag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Infusionslösung (1 × 250 ml) | ca. €80–120 | auf Bestellung 2 Werktage | auf Bestellung 2–3 Werktage | auf Bestellung 2–3 Werktage |
*Preise variieren je nach Hersteller/Verpackungseinheit und können sich kurzfristig ändern. Kassenpatienten erhalten Zuzahlung gemäß aktueller NFZ-Regelung.
16. FAQ – Häufige Patientenfragen zu Levofloxacin
- Kann ich mit Levofloxacin Auto fahren oder Maschinen bedienen?
Ja, jedoch können Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrtheit auftreten. Nehmen Sie zum ersten Mal Levofloxacin ein, verzichten Sie besser zumindest während der ersten Einnahmetage auf das Steuern von Fahrzeugen oder Maschinen, bis Sie wissen, wie Sie das Medikament vertragen. - Muss ich das Medikament bei einer Verbesserung meiner Beschwerden zu Ende einnehmen?
Ja! Beenden Sie niemals die Behandlung vorzeitig, auch wenn die Symptome verschwinden. Dies verhindert einen Rückfall oder die Entstehung resistenter Bakterienstämme. - Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Möglichst bald nachholen. Liegt der Zeitpunkt der nächsten Einnahme kurz bevor, überspringen Sie die vergessene Dosis. Niemals die doppelte Dosis einnehmen! - Kann ich während der Einnahme Milch oder Joghurt essen?
Ja, aber mindestens 2 Stunden Abstand zwischen Einnahme und Milchprodukten einhalten, da sonst die Wirkung abgeschwächt werden kann. - Darf ich Alkohol trinken?
Alkohol sollte während der Behandlung gemieden werden, da Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit oder Magen-Darm-Beschwerden verstärkt werden können.
Für weitere Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte stets an Ihre/n behandelnde/n Arzt/Ärztin oder Ihre Apotheke vor Ort!

