Nitrofurantoin – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Nitrofurantoin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Furadantin®, Macrobid®, Nifurantin®, diverse Generika |
| ATC-Code | J01XE01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken |
|
| Hersteller | Verschiedene, u. a. Orion Pharma, Mylan, Teva |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (apothekenpflichtig) |
Wirkmechanismus (Einfach erklärt und für Fachkreise)
Für Patienten erklärt: Nitrofurantoin ist ein Antibiotikum, das spezielle Bakterien bekämpft, die häufig Blasenentzündungen (Harnwegsinfekte) verursachen. Es wirkt direkt in der Harnblase und hemmt die Vermehrung und das Wachstum dieser Keime.
Für medizinisches Fachpersonal: Nitrofurantoin wirkt vorwiegend bakteriostatisch, teils bakterizid, durch Reduktion im Bakterium zu aktiven Intermediaten, die ribosomale Proteinsynthese und DNA, RNA, Zellwandsynthese sowie metabolische Enzyme inhibieren. Gramnegative und -positive Erreger, wie Escherichia coli, Enterococcus faecalis und einige Staphylokokkus-Arten, sind meist sensibel. Resistenzen sind im Vergleich zu anderen Antibiotika seltener.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle Aufnahme im Dünndarm (~90 % bei Retardformen), maximale Plasmaspiegel nach 0,5–2 Stunden.
- Verstoffwechselung: Teilweise hepatisch, überwiegend aber unverändert renal ausgeschieden.
- Elimination: Hauptsächlich über die Nieren (glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion), HWZ ca. 20 Minuten (Verlängerung bei Niereninsuffizienz). Akkumulation möglich bei eingeschränkter Nierenfunktion.
- Wirkdauer: Wirkspiegel werden im Harn über 8–12 Stunden aufrechterhalten.
Anwendung im Alltag & Praktische Hinweise
Nitrofurantoin wird zur Behandlung von unkomplizierten unteren Harnwegsinfekten, speziell der akuten Blasenentzündung (Zystitis), eingesetzt. In Österreich ist die Anwendung besonders bei Frauen und Jugendlichen üblich, seltener bei Männern. Die Anwendung erfolgt oft nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt oder Apotheke.
- Typische Dosierung bei Erwachsenen: 2- bis 4-mal täglich 50–100 mg, meist über 5–7 Tage (siehe Dosis-Tabelle).
- Zur Prophylaxe: 1-mal abends 50–100 mg über mehrere Wochen/Monate möglich.
- Eine Therapie sollte immer so lange wie verordnet, mindestens jedoch über den vorgegebenen Zeitraum durchgeführt werden.
Einnahme morgens vs. abends
Es gibt keine zwingende Vorgabe für die Tageszeit. Die Wirksamkeit ist über den ganzen Tag stabil, jedoch wird die Verträglichkeit oft verbessert, wenn Nitrofurantoin zu den Hauptmahlzeiten (z. B. Frühstück, Abendessen) eingenommen wird.
Vorteile einer festen Einnahmezeit:
- Weniger Magenbeschwerden, wenn mit der Mahlzeit eingenommen
- Bessere Gewohnheitsbildung und Therapieadhärenz
- Bei prophylaktischer Anwendung bevorzugt abends, um nächtliche Blaseninfekte zu verhindern
Nachteil: Mögliche Schlafstörungen bei empfindlichen Personen (selten). Empfehlung: Bei Magenproblemen Einnahme zum Abendessen, aber nicht unmittelbar vor dem Schlafen.
Einnahme zusammen mit oder ohne Nahrung (Auswirkung von Mahlzeiten, Österreichische Ernährungsgewohnheiten)
Die Verträglichkeit von Nitrofurantoin verbessert sich spürbar bei Einnahme direkt nach einer Mahlzeit (z. B. österreichisches Frühstück – Brot, Gebäck, Milchprodukte). Dadurch werden Nebenwirkungen wie Übelkeit reduziert und die Aufnahme im Dünndarm verbessert. Insbesondere bei fettärmeren Speisen empfiehlt sich ein Glas Milch oder ein kleines Häppchen als Basis.
Wichtiger Hinweis: Nitrofurantoin NIE mit Alkohol, säurehaltigen Getränken (wie Grapefruitsaft) oder schweren Mahlzeiten wie sehr fettreichen Speisen einnehmen, da dies die Wirkung beeinträchtigen kann.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Interaktion | Empfohlene Maßnahmen |
|---|---|
| Antazida (Aluminium, Magnesium) | Verringerte Wirksamkeit: Einnahmeabstand > 2 h empfohlen |
| Probenecid, Sulfinpyrazon | Erhöhtes Risiko von Nebenwirkungen, da Nitrofurantoin verzögert ausgeschieden wird – vermeiden |
| Chinolone (z. B. Ciprofloxacin) | Wirkungsabschwächung gegenseitig – Kombination vermeiden |
| Alkohol | Kann Nebenwirkungen verstärken – meiden während der Behandlung |
| Lebensmittel | Mahlzeiten verbessern Verträglichkeit, Grapefruit meiden |
| Antikoagulanzien (z. B. Warfarin) | Könnte deren Wirkung verstärken – INR-Kontrollen ggf. häufiger durchführen |
Indikationen (offiziell & Off-label)
| Indikation | Offiziell zugelassen | Off-label |
|---|---|---|
| Akute unkomplizierte Zystitis | Ja (bei Frauen und Jugendlichen ab 12 J.) | Nein |
| Langzeitprophylaxe rezidivierender Harnwegsinfekte | Ja | Bei Kindern nach individueller ärztlicher Rücksprache |
| Komplizierte Infektionen, Pyelonephritis | Nein | Kein empfohlenes Einsatzgebiet |
| Urosepsis, systemische Infekte | Nein | Nein |
Dosierung je nach klinischer Indikation
| Patientengruppe/Indikation | Standarddosis | Dauer |
|---|---|---|
| Erwachsene – akute Zystitis | 4 × täglich 50 mg oder 2 × täglich 100 mg Retard | 5–7 Tage |
| Erwachsene – Prophylaxe | 1 × täglich 50–100 mg (meist abends) | Langfristig, ärztliche Kontrolle 3–6 Monate |
| Pädiatrie (ab 6 Jahren) | 1–1,5 mg/kg Körpergewicht 2–4 × täglich, max. 100 mg pro Dosis | Abhängig von ärztlicher Verordnung |
| Ältere Patient:innen (über 65 Jahre) | Wie Erwachsene, ggf. geringere Dosierung je nach Nierenfunktion | Wie oben |
| Niereninsuffizienz (eGFR < 45 ml/min) | Gegenanzeigen – Anwendung kontraindiziert | – |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig/häufig (1–10 %): Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, leichtes Unwohlsein
- Gelegentlich (0,1–1 %): Juckreiz, Hautausschlag, vorübergehende Leberwerte-Erhöhung, Lungenbeschwerden
- Selten/schwerwiegend (< 0,01–0,1 %):
- Pneumonitis, Lungenfibrose (v. a. bei Langzeitbehandlung)
- Allergische Reaktionen (z. B. Angioödem, anaphylaktischer Schock)
- Polyneuropathie (Gefühlsstörungen in den Gliedmaßen, Risiko erhöht bei Vitamin-B12-Mangel, Diabetes, Niereninsuffizienz)
- Leberentzündung oder -versagen
- Warnhinweise: Beim Auftreten von Atembeschwerden, starkem Ausschlag, Gelbfärbung der Haut oder starken Magen-Beschwerden unverzüglich Arzt/Ärztin kontaktieren.
Empfehlungen zur richtigen Anwendung
- Tabletten oder Kapseln immer unzerkaut mit reichlich Wasser einnehmen.
- Bei Kindern auf altersgerechte Darreichungsform (z. B. Suspension) achten.
- Während der gesamten Therapie auf Zeichen von Allergien oder Nebenwirkungen achten.
- Bei Dunkelfärbung des Urins während der Behandlung: harmlos!
- Regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich – insbesondere bei Langzeitprophylaxe oder Patienten mit Grunderkrankungen
- Vollständige Einnahmedauer beachten (auch wenn die Symptome abklingen)
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (erstattungsfähige Arzneimittel durch die ÖGK)
- Fosfomycin (Monuril®):
- Einmaldosis bei unkomplizierter Zystitis, hohe Verträglichkeit, allerdings höhere Resistenzraten bei wiederholter Anwendung
- Pivmecillinam (Selexid®):
- Gut wirksam, außerhalb Österreichs häufiger eingesetzt, kaum Resistenzen
- Trimethoprim (Mono- und Kombinationen):
- Klassische Alternative, Resistenzen regional zunehmend
- Cephalosporine (z. B. Cefuroxim):
- Breiteres antibakterielles Spektrum, aber Selektionsdruck auf Darmflora
Vergleich: Nitrofurantoin bleibt in Österreich für unkomplizierte Harnwegsinfekte wegen geringer Resistenzentwicklung und gezielter Wirkung eine wichtige Option – Fosfomycin ist oft die Alternative für Einmaltherapie.
Rechtlicher, regulatorischer und erstattungsrechtlicher Status (Österreich)
| Aspekt | Status |
|---|---|
| Zulassung | Europäische Zulassung über EMA, nationale Zulassung durch BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen) |
| Rezeptpflicht | Ja (Suchtgiftgesetz nicht relevant) |
| Erstattung durch die Sozialversicherungen (ÖGK, BVAEB, SVS) | Ja, in den Erstattungslisten als "grünes Rezept" gelistet, Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt |
| Verfügbarkeit | Alle öffentlichen Apotheken in Österreich |
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie "Unkomplizierte Harnwegsinfektion" (AWMF 2023, DGU/ÖGU) empfiehlt Nitrofurantoin explizit als Mittel der 1. Wahl bei unkomplizierter Zystitis der Frau (siehe: AWMF-Leitlinie 043/044).
- Meist bleibt die Resistenzlage in Österreich auf niedrigem Niveau gegenüber Nitrofurantoin (AGES, Arzneimittelverordnungsreport 2024).
- Neue Metaanalysen [z. B. Grigoryan et al., 2023; JAMA] bestätigen die Effektivität und Sicherheit über verschiedenste Altersgruppen.
- Keine Empfehlung bei systemischen Infekten oder schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 45 ml/min).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße / Darreichungsform | Nettopreis Österreich (2024, unverbindlich) | Lieferzeit vorrätig (Wien, Graz, Linz, Salzburg) |
|---|---|---|
| 20 × 100 mg Tabletten | ca. 18–22 € | Wien: sofort; Graz/Linz/Salzburg: 24h |
| 60 × 50 mg Tabletten | ca. 38–44 € | Österreichweit: meist lagernd, sonst 1–2 Werktage |
| Kinder-Suspension 50 mg/5 ml (100 ml) | ca. 23–27 € | Spezialbestellung, 2–3 Tage |
FAQ – Häufig gestellte Fragen
- 1. Kann ich während der Einnahme von Nitrofurantoin Alkohol trinken?
Alkohol sollte gemieden werden, da er das Risiko für Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen deutlich erhöhen kann. - 2. Ist Nitrofurantoin in der Schwangerschaft oder Stillzeit erlaubt?
Während der Schwangerschaft ist Nitrofurantoin (vor allem im 1. und 3. Trimenon) nur nach strenger ärztlicher Prüfung erlaubt. In der Stillzeit ist eine kurze Anwendung meist unproblematisch, jedoch Rücksprache mit Ärztin/Arzt halten! - 3. Was kann ich tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nicht doppelt einnehmen. Die vergessene Dosis schnellstmöglich nachholen, sofern die nächste Medikamentengabe nicht unmittelbar bevorsteht. - 4. Muss ich während der Behandlung besonders viel trinken?
Ja, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1,5–2 Liter/Tag) unterstützt die Heilung und hilft, Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden zu reduzieren. - 5. Wie schnell wirkt Nitrofurantoin?
In der Regel setzen die Beschwerden nach 1–2 Tagen deutlich zurück. Die Einnahmedauer sollte jedoch immer bis zum Ende der Verordnung erfolgen.

