Flagyl® (Metronidazol) – Ihr umfassender Ratgeber für Patient:innen in Österreich
Basisinformationen zu Flagyl® (Metronidazol)
| Wirkstoff (INN) | Metronidazol |
|---|---|
| Österreichische Handelsnamen | Flagyl®, Clont®, Metronidazol Generika |
| ATC-Code | J01XD01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (250mg, 400mg, 500mg), Suspensionslösung zum Einnehmen, Infusionslösung (5mg/ml), Vaginalcreme (10mg/g), Zäpfchen |
| Hersteller | Sanofi, Sandoz, Genericon u.a. |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach AMG und §5 Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus von Metronidazol
Für Patient:innen: Flagyl® enthält Metronidazol. Dieser Wirkstoff wirkt gezielt gegen bestimmte Bakterien und Einzeller (Protozoen), indem er deren Erbgut (DNA) schädigt. Dadurch wird die Vermehrung und das Überleben der Keime verhindert.
Für Fachpersonal: Metronidazol entfaltet seine antimikrobielle Wirkung durch die Reduktion seines Nitro-Rings im anaeroben Stoffwechsel. Die resultierenden Metabolite führen zu Strangbrüchen in der bakteriellen/parasitären DNA.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute orale Bioverfügbarkeit (über 90%), schneller Wirkungseintritt (max. Plasmaspiegel nach 1–2 Stunden)
- Verteilung: Weite Verteilung im Körper, Durchdringung in Liquor, Gewebe und Eiter
- Metabolismus: Hepatisch durch CYP450-Systeme
- Elimination: Hauptsächlich renal (ca. 60–80%); Halbwertszeit ca. 8 Stunden
- Wirkdauer: 8–12 Stunden nach Einzeldosis
Flagyl® im Alltag – Anwendung und bewährte Praktiken
- Typische Dosierung: Erwachsene meist 2x täglich 400–500 mg über 7–10 Tage (je nach Indikation)
- Kinderdosierung: Gewichtsabhängig (z. B. 20–30 mg/kg/Tag aufgeteilt auf zwei bis drei Einzeldosen)
- Anwendung: Tablette mit Wasser unzerkaut einnehmen. Möglichst zu regelmäßigen Tageszeiten.
- Österreichischer Kontext: Zum Auflösen mit Wasser bei Schluckbeschwerden; Hinweis auf Dextrin in Suspensionsformen, Glutenfreiheit meist gewährleistet.
- Dauer: Einnahmedauer exakt nach ärztlicher Anweisung; nicht vorzeitig absetzen!
Dosis morgens oder abends?
- Gleichmäßigkeit: Wichtig ist die Einnahme alle 12 Stunden bei 2x täglicher Dosierung (z. B. 8:00 und 20:00 Uhr)
- Vorteile morgens: Leichteres Erinnern, bessere Verträglichkeit bei Magenempfindlichkeit
- Vorteile abends: Praktisch für berufstätige Patient:innen; Einnahme kurz vor dem Schlafen senkt Übelkeit
- Tipp: Smartphone-Erinnerung oder Einnahme gemeinsam mit anderen Medikamenten/Frühstück/Abendessen
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
- Mit Nahrung: Reduziert oft das Risiko von Magenbeschwerden. Empfehlenswert insbesondere bei empfindlichem Magen.
- Ohne Nahrung: Resorption wird nicht wesentlich beeinflusst – Einnahme unabhängig vom Essen möglich.
- Österreichische Ernährungshinweise: Einfache Integration in den Alltag (z. B. mit Semmel, Schwarzbrot oder Joghurt).
- Alkohol: Strikt vermeiden! Gefahr schwerwiegender Unverträglichkeit (Disulfiram-ähnliche Reaktion mit Übelkeit, Flush, Kopfschmerz, Erbrechen).
Interaktionswarnungen
| Interagierender Stoff | Wirkung/Risiko |
|---|---|
| Alkohol (auch in Speisen wie Pariser Schnitzel, Saucen, Tiroler Marillenlikör) | Schwere Reaktionen (Flush, Übelkeit, Herzrasen, Erbrechen) |
| Antikoagulanzien (z. B. Phenprocoumon, Warfarin) | Verstärkte Blutungsneigung; INR-Kontrolle erforderlich |
| Carbamazepin, Phenytoin | Spiegelveränderungen möglich (Dosisanpassung notwendig) |
| Lithium | Erhöhtes Risiko für Lithiumintoxikation |
| Ciclosporin | Erhöhte Plasmaspiegel, mögliche Toxizität |
| Lebendige Impfstoffe (z. B. Typhus oral) | Wirkungsverminderung des Impfstoffs |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Klar zugelassen (offiziell, österreichische Fachinformation) | Off-label / Erweiterte Nutzung |
|---|---|
| - Bakterielle Vaginose und andere urogenitale Infektionen - Infektionen mit anaeroben Bakterien (z. B. intraabdominal) - Trichomoniasis - Giardiasis - Amöbiasis (Amöbenruhr) - Infektionen nach Kolorektaleingriffen (Prophylaxe) | - Helicobacter pylori-Eradikation (Kombination) - Hautinfektionen anaerober Ursache - Chronische Parodontitis - Rosazea (insb. topisch) |
Dosierungen nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patient:innen |
|---|---|---|---|
| Bakterielle Vaginose | 2x 400–500 mg täglich für 7 Tage | 10–15 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 2 Dosen | Wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion bei Nieren-/Leberinsuffizienz |
| Trichomoniasis | 1x 2g einmalig oder 2x 500 mg für 7 Tage | 15–20 mg/kg/Tag | Wie Erwachsene |
| Amöbiasis | 3x 500–750 mg für 7–10 Tage | 35–50 mg/kg/Tag (max. 2,4g/Tag) | Wie Erwachsene |
| Giardiasis | 2x 400 mg für 5–7 Tage | 15–40 mg/kg/Tag | Wie Erwachsene |
| Helicobacter pylori (Kombi) | 2x 400 mg + andere AB x 7 Tage | - | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Metronidazol wird in Österreich im Allgemeinen gut vertragen. Nebenwirkungen können auftreten, sind aber meist mild und reversibel:
| Sehr häufig / Häufig (>1–10%) | Gelegentlich | Selten / Sehr selten | Spezielle Warnhinweise |
|---|---|---|---|
| - Übelkeit, Magenbeschwerden, Durchfall - Metallischer Geschmack - Kopfschmerzen | - Hautausschlag - Juckreiz - Dunkler Urin | - Neurologische Symptome (Kribbeln, Taubheit) - Leberwertanstieg - Allergische Reaktionen | - Alkohol: Unbedingt vermeiden! - Bei längerer Anwendung: Neurologische Überwachung - Bei Schwangerschaft: Einschränkungen beachten (1. Trimenon ggf. vermeiden) - Stillzeit: Einnahme besprechen |
Richtige Anwendung – Tipps aus Ihrer Apotheke
- Stets zu den selben Tageszeiten einnehmen – die vollständige Kur auch bei Symptomfreiheit beenden
- Nie eigenmächtig die Dosis ändern oder absetzen!
- Bei ausgeprägten Nebenwirkungen oder Allergiezeichen (Atemnot, Ausschlag, Schwellung, Kribbeln) rasch ärztliche Hilfe aufsuchen
- Alkohol in jeder Form strikt meiden – auch alkoholhaltige Speisen und Arzneien (z. B. Mundspülung)
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel dem Arzt/der Ärztin und Apotheker:in angeben – Wechselwirkungen sind möglich
- Bei Tabletten: Mit ausreichend Wasser einnehmen, nicht mit Fruchtsäften, Milch, Alkohol!
- Für Diabetiker:innen: Orale Suspension kann Zuckeraustauschstoffe enthalten – Kontrolle empfohlen
- Fahrtüchtigkeit: Bei Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Sehstörungen keine Fahrzeuge führen
Alternative Therapien – vergütet durch die österreichische Krankenversicherung (ÖGK, SVS, BVAEB)
- Clindamycin (z.B. Dalacin®): Wirkt gegen Anaerobier, bei Unverträglichkeit oder Resistenz gegenüber Metronidazol; Cave: mögliche C. difficile-assoziierte Diarrhö
- Tinidazol: Eng verwandt, längere Halbwertszeit, ähnliche Indikationen; oft bei Unverträglichkeit oder Therapieversagen
- Amoxicillin + Clavulansäure (Augmentin®): Breitband, auch gegen Anaerobier; z. B. bei Mischinfektionen als Alternative
- Fosfomycin-trometamol (Monuril®): Spezifisch bei unkomplizierten Harnwegsinfekten empfohlen
- Vaginale Antiseptika: Bei unkomplizierten Fällen – kein Antibiotikum, aber wirksam in bestimmten Situationen
Rechtslage, Registrierung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: Österreichische Arzneimittel-Zulassungsbehörde (BASG/AGES)
- Rezeptpflicht: Nur auf ärztliches Rezept erhältlich (kein OTC, keine Selbstmedikation)
- Erstattung: Aufnahme in die Erstattungsliste des Hauptverbandes (EKO-Listung für nahezu alle Indikationen); Zuzahlungspflichtig entsprechend Tarifklasse
- Handelspräparate: Originalpräparate und zahlreiche Generika verfügbar (bei Rabattverträgen ggf. vorrangige Abgabe)
- Registrierungsnummern: Je nach Hersteller und Darreichungsform unterschiedlich (ersichtlich am Umkarton)
Neue Forschung & klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Aktuelle S3-Leitlinien (z. B. Österreichische Gesellschaft für Infektiologie, 2023/24): Flagyl® bleibt Mittel der Wahl bei bakterieller Vaginose, anaeroben Infektionen, parasitären Erkrankungen
- Resistenzlage stabil, gelegentliche Resistenzen bei Bacteroides-Spezies
- Kurzzeittherapien (5–7 Tage) genauso wirksam wie längere Schemata, Nebenwirkungsrisiko niedriger
- 2022: EMA-Empfehlung zur Überwachung neurologischer Nebenwirkungen bei Dauergabe >10 Tage
- Literatur: "Current Infection Disease Reports", "Deutsches Ärzteblatt", AGES Arzneimittelsicherheitsbericht 2023
Verfügbarkeit & Lieferung
| Paketgröße | Hinweispreis (EUR, Stand 2024) | Lieferzeit Wien* | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz | Lieferzeit Innsbruck |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 Tabletten (400mg) | ca. 12,80 € | sofort / 0–1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 10 Tabletten (500mg) | ca. 8,30 € | sofort / 0–1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| Infusionslösung (20ml x 5) | ca. 21,50 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 2 Werktage | 2–4 Werktage |
* Auslieferung/Lieferfähigkeit abhängig von regionalen Apotheken-Lieferdiensten (Samstagszustellung begrenzt).
FAQ – Häufige Fragen und Antworten
- Muss ich Flagyl® immer zuende nehmen, auch wenn die Symptome weg sind?
Antwort: Ja, die Therapie sollte immer vollständig nach ärztlicher Vorgabe abgeschlossen werden, um Rückfälle und Resistenzbildung zu verhindern! - Darf ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Antwort: Nein, während und bis 48 Stunden nach der letzten Dosis sollte kein Alkohol konsumiert werden (auch keine Speisen mit Alkohol), da sonst schwere Nebenwirkungen drohen. - Kann ich Flagyl® auch in der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Antwort: Die Einnahme ist im ersten Schwangerschaftsdrittel nur bei strenger Indikation erlaubt. Bitte immer mit Ärztin oder Arzt absprechen. In der Stillzeit sollte ggf. kurzzeitig abgestillt werden. - Beeinflusst Flagyl® die Wirkung meiner Antibabypille?
Antwort: Grundsätzlich ist das Risiko gering, aber bei schwerem Durchfall/Erbrechen kann die Wirkung herabgesetzt werden. In diesen Fällen zusätzliche Verhütung (Kondom) verwenden. - Kann ich Flagyl® bei Glutenunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz einnehmen?
Antwort: Die meisten Präparate sind glutenfrei; prüfen Sie aber immer die Packungsbeilage bezüglich Hilfsstoffe, insbesondere bei Tabletten und Suspensionen.
Wichtiger Hinweis:
Dieser Text ersetzt nicht die Beratung durch Ihre/n behandelnde/n Ärztin/Arzt oder Apotheker:in. Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Fachpersonal.

