Dapson (Diaminodiphenylsulfon) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Dapson (Diaminodiphenylsulfon) |
| Handelsnamen in Österreich | Dapson® (generisch, internationale Anbieter), Avlosulfon® (von externen Herstellern) |
| ATC-Code | J04BA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten zu 50 mg, 100 mg |
| Hersteller (Österreich & EU) | Accord Healthcare, Meda Pharma, diverse internationale Generika-Anbieter |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (ärztliches Rezept erforderlich laut österreichischem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus
Dapson gehört zur Gruppe der Sulfone. Es wirkt, indem es das Wachstum bestimmter Bakterien hemmt, insbesondere von Mycobacterium leprae (Erreger der Lepra) und bestimmten bakteriellen Hauterkrankungen. Im Detail blockiert Dapson die Folatbiosynthese in Bakterien, was zu deren Zellteilungsstörung führt.
Für Fachkreise: Dapson hemmt die Dihydropteroat-Synthetase und unterbindet so die Purinsynthese in Mikroorganismen. Die Wirkung ist bakteriostatisch.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme wird Dapson gut (ca. 70-80%) aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen.
- Verteilung: Gleichmäßige Verteilung im Körper, auch in Haut und Nervengewebe.
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch durch Acetylierung und Hydroxylierung, Hauptmetaboliten sind pharmakologisch aktiv.
- Elimination: Über Niere (Urin), teilweise mit Galle; Halbwertszeit 20-30 Stunden, kann je nach Stoffwechseltyp variieren.
- Wirkeintritt/Wirkdauer: Wirkspiegel nach ca. 2-4 Stunden, anhaltende Wirkung durch Depot in Geweben; Wirkdauer 24 Stunden und länger.
Alltag & Best Practices: Einnahme und Anwendung in Österreich
- Übliche Dosis: Für Lepra und Dermatitis herpetiformis bei Erwachsenen meist 50–100 mg täglich, individuell angepasst durch den Arzt.
- Einnahme: Einmal täglich, vorzugsweise zur gleichen Tageszeit.
- Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes. Tabletten mit ausreichend Flüssigkeit schlucken, nicht zerkleinern.
- Bei Kindern und älteren Personen werden geringere Dosen verwendet, genaue Anpassung durch den Facharzt erforderlich.
- Während der Behandlung regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Blutbild, Leber- und Nierenwerte).
- Nach österreichischem Apothekenstandard nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezepts erhältlich.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme: Tipps zur Regelmäßigkeit
- Morgens: Viele Patienten empfinden die Einnahme am Morgen zusammen mit dem Frühstück als bekömmlicher; erinnert leichter an die Einnahme im Tagesablauf.
- Abends: Bei begleitenden Magenbeschwerden kann die abendliche Einnahme nach einer Hauptmahlzeit sinnvoll sein.
- Wichtig: Idealerweise immer zur selben Tageszeit einnehmen, um konstante Blutspiegel zu gewährleisten und die Wirkung zu optimieren.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern – Auswirkungen & Ernährungstipps
- Dapson kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen, vor allem bei typisch österreichischen, reichhaltigen Speisen.
- Bestimmte Nahrungsmittel (z. B. fettreiche Kost, Rotwein) beeinflussen die Wirksamkeit nicht signifikant, können aber Magenreizungen verstärken.
- Alkohol sollte während der Behandlung möglichst gemieden werden, um das Risiko von Nebenwirkungen (v. a. Leberstörungen) gering zu halten.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Interaktionspartner | Mögliche Wirkung | Empfehlung |
| Antikonvulsiva (z. B. Phenytoin) | Erhöhte Toxizität, veränderte Plasmakonzentration | Regelmäßige Blutspiegelkontrollen |
| Rifampicin | Erhöhte Ausscheidung von Dapson | Dosisanpassung durch Arzt |
| Trimethoprim, Sulfamethoxazol | Verstärkte Nebenwirkungen (Blutbildveränderungen) | Kombination vermeiden, falls möglich |
| Vitamin K-Antagonisten (z. B. Warfarin) | Verstärkte Blutungsneigung | INR-Überwachung, ggf. Dosisanpassung |
| Alkohol | Erhöhtes Risiko für Leberschäden | Alkoholverzicht empfohlen |
Indikationen: Zulassung und Off-Label-Anwendungen
| Klinische Indikation | Zugelassen in AT | Bemerkung |
| Lepra (Morbus Hansen) | Ja | Teil der Standardtherapie (multi-drug therapy) |
| Dermatitis herpetiformis Duhring | Ja | Alternative zu glutenfreier Ernährung |
| Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP, Off-Label) | Nein | Nur bei Unverträglichkeiten anderer Medikamente |
| Akne vulgaris (schwere Formen, Off-Label) | Nein | Nur nach Rücksprache mit Spezialisten |
Dosierung entsprechend Indikation und Patientengruppe
| Klinische Situation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Patienten |
| Lepra (Kombinationsbehandlung) | 100 mg/Tag | 1-2 mg/kg/Tag | Start mit 50 mg/Tag, vorsichtige Steigerung |
| Dermatitis herpetiformis | 50–100 mg/Tag | 1 mg/kg/Tag | 50 mg/Tag, ggf. unter engmaschiger Kontrolle |
| Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (Off-Label) | 100 mg/Tag + Trimethoprim | 1 mg/kg/Tag | Keine spezifischen Empfehlungen, individuelle Anpassung |
Dosisanpassung bei Nieren- oder Lebererkrankungen notwendig. Immer nach ärztlicher Anweisung vorgehen! Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Übelkeit, leichte Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit
- Häufig: Hautausschläge, Fieber, Schlaflosigkeit, Blutbildveränderungen (z. B. Met-Hämoglobinämie, Agranulozytose)
- Gelegentlich: Leberfunktionsstörungen, periphere Neuropathien, gastrointestinale Beschwerden
- Selten: Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (Dapson-Syndrom: Hautausschlag, Fieber, Organbeteiligung), Gelbsucht, Hämolyse insbesondere bei G6PD-Mangel
- Warnhinweise: Patienten mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen dürfen Dapson nicht oder nur unter strenger Kontrolle erhalten.
Regelmäßige Blutkontrollen und Leberwerte werden empfohlen. Bei Anzeichen von schweren Nebenwirkungen (z. B. Gelbfärbung der Haut, starke Hautreaktionen) sofort Arzt aufsuchen!
Richtige Anwendung – Ihre Apotheke und Ihr Ärzteteam beraten Sie
- Nehmen Sie Dapson stets exakt nach ärztlicher Verschreibung ein.
- Vergessen Sie eine Dosis, holen Sie diese baldmöglichst nach – nie doppelte Dosis einnehmen!
- Bewahren Sie das Medikament bei Raumtemperatur, geschützt vor Feuchtigkeit und außerhalb der Reichweite von Kindern auf.
- Bringen Sie alle Ihre Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zu Kontrollterminen mit.
- Bei geplanten Impfungen oder zahnärztlichen Eingriffen informieren Sie Ihr medizinisches Team über die Einnahme von Dapson.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (durch den österreichischen Versicherungsträger erstattungsfähig)
- Clofazimin (Lampren®): Wird bei Lepra als Teil der Mehrfachbehandlung eingesetzt; färbt die Haut rotbraun, aber dafür tendenziell weniger hämatologisch-toxisch.
- Rifampicin: Ebenfalls Standardtherapie bei Lepra, sehr wirksam, aber Leberkontrollen notwendig.
- Sulfapyridin: Alternativ bei Dermatitis herpetiformis, jedoch mehr Nebenwirkungen, insbesondere bei langfristiger Anwendung.
- Glutenfreie Diät: Bei Dermatitis herpetiformis ebenso wirksam wie medikamentös, sollte aber lebenslang eingehalten werden.
| Wirkstoff | Vorteile | Nachteile | Kostenübernahme |
| Dapson | Breites Einsatzgebiet, gute Wirksamkeit | Hämatologische Nebenwirkungen | Ja |
| Clofazimin | Gut verträglich, gute Ergänzug zu Dapson | Hautverfärbung, lange Halbwertszeit | Ja |
| Rifampicin | Sehr effektiv, kurze Einnahmedauer | Lebertoxizität, Wechselwirkungen | Ja |
| Sulfapyridin | Alternative bei Unverträglichkeit | Abwehrschwäche, selten verfügbar | Ja (nach Antrag) |
Rechtslage, Registrierung & Kostenerstattung in Österreich
- Dapson ist in Österreich durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES) zugelassen und registriert.
- Verschreibung: Nur auf ärztliches Rezept in öffentlichen Apotheken erhältlich.
- Erstattungsstatus (ÖGK, SVS etc.): Im Rahmen von Kassenrezepten für zugelassene Indikationen (v.a. Lepra, Dermatitis herpetiformis) erstattungsfähig.
- Für Off-Label-Anwendungen kann eine Kostenübernahme bei den Sozialversicherungsträgern im Einzelfall beantragt werden.
- Dapson ist nicht rezeptfrei erhältlich und fällt nicht unter die Suchtgiftregelung.
Aktuelle Studien und Leitlinien (2022–2025)
- Die aktuelle deutschsprachige S3-Leitlinie für Lepra (AWMF, 2023) bestätigt Dapson als zentralen Bestandteil der multidrug therapy. (S3-Leitlinie, Registernummer 047-053)
- Neue Daten (Böhm et al., J Dtsch Dermatol Ges, 2024) zeigen die nachhaltige Wirksamkeit bei Dermatitis herpetiformis, insbesondere bei Patienten mit glutenhaltiger Ernährung.
- Europäische HIV-Leitlinien (EACS, 2023) empfehlen Dapson für Patienten mit Unverträglichkeit gegenüber Cotrimoxazol bei Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie.
- Stand April 2025 sind keine neuen schwerwiegenden Sicherheitsbedenken in den europäischen Pharmakovigilanzdatenbanken gemeldet.
Verfügbarkeit & Lieferung
| Paketgröße | Stärke | Apothekenpreis (Richtwert, Juni 2024) | Lieferzeiten (Wien, Graz, Innsbruck, Linz) |
| 20 Tabletten | 100 mg | ca. 36–40 € | Wien: 1 Tag, Graz: 1–2 Tage, Innsbruck: 2–3 Tage, Linz: 1 Tag |
| 50 Tabletten | 50 mg | ca. 48–55 € | Wien: 1 Tag, Graz: 1–2 Tage, Innsbruck: 2–3 Tage, Linz: 1 Tag |
| 100 Tabletten (Bulk, Import) | 100 mg | ca. 100–120 € | Importbestellungen: 4–7 Tage Österreich-weit |
FAQ – Die häufigsten Patientenfragen zu Dapson in Österreich
- Kann ich während der Dapson-Behandlung Alkohol trinken?
Alkohol sollte möglichst gemieden werden, da das Risiko für Leberprobleme steigt. Gelegentlicher, geringer Konsum nach Rücksprache mit Arzt/Ärztin. - Darf ich Dapson mit anderen Medikamenten kombinieren?
Dapson kann mit vielen Medikamenten Wechselwirkungen zeigen. Geben Sie Ihrer Apotheke/Ärztin immer eine vollständige Liste Ihrer Arzneimittel. - Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis baldmöglichst ein, aber niemals zwei Tabletten auf einmal. Setzen Sie die Einnahme zum nächsten regulären Zeitpunkt fort. - Darf ich Dapson während Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden?
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und strenger ärztlicher Kontrolle. Informieren Sie Ihr Behandlungsteam über Schwangerschaft oder Stillwunsch. - Welche Kontrollen sind während der Einnahme nötig?
Zu Therapiebeginn und während der Behandlung: Regelmäßige Blutbild- und Leberwertkontrollen, ggf. Nierenwertüberprüfungen.