Pamelor (Nortriptylin): Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff | Nortriptylin (Internationaler Freiname, INN) |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Pamelor®, Nortrilen® (nicht alle Marken jederzeit verfügbar) |
| ATC-Code | N06AA10 (trizyklische Antidepressiva) |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken |
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| Hersteller | u.a. Teofarma, Lundbeck, Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verschreibung erforderlich, Suchtgiftgesetz nicht zutreffend) |
Wirkmechanismus
Nortriptylin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Es wirkt, indem es die Aufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und in geringerem Maße Serotonin im Gehirn hemmt. Dadurch wird der Spiegel dieser stimmungsaufhellenden Neurotransmitter erhöht.
- Für Laien: Das Arzneimittel gleicht ein Ungleichgewicht bestimmter Stoffe im Gehirn aus – das kann Stimmung und Antrieb verbessern.
- Für Fachpersonal: Nortriptylin inhibiert präsynaptisch den Noradrenalin-Transporter (NET) sowie in geringerem Maße den Serotonin-Transporter (SERT). Es weist geringe Affinität zu muskarinischen, histaminergen und adrenergen Rezeptoren im Vergleich zu anderen TZA auf.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute orale Bioverfügbarkeit (~65%). Maximale Plasmaspiegel nach 2–8 Stunden.
- Metabolismus: In der Leber hauptsächlich durch CYP2D6 zu Pamelinsäure. CYP2D6-Polymorphismen beeinflussen Wirkung und Nebenwirkungsprofil.
- Ausscheidung: Über den Urin, teils als inaktive Metaboliten.
- Halbwertszeit: 18–44 Stunden – erlaubt meist 1x tägliche Einnahme.
Anwendung im Alltag & Einnahmehinweise
- Übliche Dosierung Erwachsene: Beginn oft mit 10–25 mg, schrittweise Steigerung auf 75–150 mg pro Tag, in Einzeldosen oder verteilt (maximal 150 mg/Tag, höhere Dosen unter stationärer Kontrolle).
- Besondere Vorsicht bei älteren Menschen – oft reicht eine niedrigere Dosis.
- Therapiedauer: Mindestens 4–6 Wochen für vollen antidepressiven Effekt; nicht abrupt absetzen!
- Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen.
- Medikament regelmäßig zur gleichen Tageszeit einnehmen, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden.
- Übernahme der Behandlungskosten nach individueller Antragstellung oder ärztlicher Begründung durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) möglich (siehe unten).
Tabletteneinnahme morgens vs. abends
- Morgen: Kann antriebsfördernd wirken, fördert ggf. die Tagesaktivität. Allerdings sind Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit tagsüber spürbarer.
- Abend: Viele Patient:innen profitieren von der abendlichen Einnahme, da Nortriptylin zu Müdigkeit führen kann. Dadurch wird auch die Gefahr von erhöhter Tagesmüdigkeit reduziert.
- Tipp: Einnahmezeitpunkt am besten mit dem behandelnden Arzt individuell festlegen. Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Uhrzeit.
Mit oder ohne Nahrung?
- Nortriptylin kann grundsätzlich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen.
- Österreichischer Kontext: Mahlzeiten wie Frühstück mit Brot, Hauptmahlzeiten und Abendessen beeinflussen die Wirkung nicht signifikant.
- Bei Appetitverlust (eine mögliche Nebenwirkung) auf ausgewogene Ernährung achten.
Wichtige Wechselwirkungen
| Wechselwirkungspartner | Hinweise & Risiken |
|---|---|
| Alkohol | Alkoholkonsum kann die sedierende Wirkung verstärken und Nebenwirkungen erhöhen – nach Möglichkeit vermeiden. |
| Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) | Gefahr schwerwiegender Wechselwirkungen (u.a. Serotoninsyndrom). Mindestabstand 2 Wochen! |
| Andere Antidepressiva, Antipsychotika | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, z.B. Herzrhythmusstörungen. |
| CYP2D6-Inhibitoren (z.B. einige Beta-Blocker, SSRI: Paroxetin, Fluoxetin) | Verstärkung der Nortriptylin-Wirkung und Nebenwirkungen möglich. Dosisanpassung ggf. erforderlich. |
| Antihypertensiva | Blutdruck schwankungen. |
| Johanniskraut | Abschwächung oder Verstärkung der Wirkung, erhöhte Nebenwirkungen möglich. |
| Lebensmittel | Keine bedeutsamen Wechselwirkungen bekannt. Kein besonderer Verzicht notwendig. |
Indikationen
| Indikation | Status | Klinische Relevanz |
|---|---|---|
| Depressive Erkrankungen | Offiziell zugelassen | Hauptanwendungsgebiet (unipolare Depression, rezidivierende/therapieresistente Verläufe) |
| Chronische neuropathische Schmerzen | Off-label | z.B. Diabetische Polyneuropathie, Post-Zoster-Neuralgie |
| Chronische Spannungskopfschmerzen, Migräneprophylaxe | Off-label | Als Option bei Therapieresistenz oder Unverträglichkeit von Alternativen |
| ADHS, Enuresis nocturna | In Österreich nicht zugelassen | Nur in spezialisierten Zentren, selten verwendet |
Dosierung nach Indikation & Altersgruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Senioren (>65 Jahre) |
|---|---|---|---|
| Depression | Start: 10–25 mg, Erhalt: 75–150 mg/Tag | Nicht empfohlen | Start: 10 mg, max. 75 mg/Tag |
| Neuropathischer Schmerz (off-label) | Start: 10 mg, Erhalt: 25–75 mg/Tag | Nicht empfohlen | Start: 10 mg, max. 50 mg/Tag |
Hinweis: Dosisschritte und individuelle Anpassungen immer nach ärztlicher Anordnung.
Sicherheitsprofil, Nebenwirkungen & Warnhinweise
| Häufig (≥1/10–1/100) | Gelegentlich (1/100–1/1000) | Selten/Schwerwiegend |
|---|---|---|
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Kontraindikationen: Akuter Herzinfarkt, bekannte Arrhythmien, schweres Leberversagen, bekannte Überempfindlichkeit.
Vorsicht: Bei Schwangerschaft/Stillzeit, Prostatahyperplasie, Engwinkelglaukom, Epilepsie, Lebererkrankungen und älteren Menschen nur unter strenger ärztlicher Kontrolle einsetzen.
Anwendungstipps & Beratung für Patient:innen in Österreich
- Erste Einnahme möglichst abends wegen Müdigkeit
- Keine plötzliche Dosisänderung/Abruptes Absetzen
- Regelmäßige Kontrolle: Blutdruck, Herzfrequenz, ggf. EKG
- Fahrtüchtigkeit prüfen: Am Anfang keine Fahrzeuge lenken oder Maschinen bedienen
- Arzneimittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren
- Wechselwirkungen mit rezeptfreien Präparaten (z. B. Johanniskraut) beachten
- Bei Fragen Apotheker:innen oder behandelnden Arzt konsultieren!
Alternativen & Kassenleistungen (exemplarische Übersicht)
- Andere Antidepressiva (NFZ erstattungsfähig):
- SSRIs (z. B. Escitalopram, Sertralin)
- SNRIs (z. B. Duloxetin, Venlafaxin)
- Mirtazapin
- Agomelatin
- Imipramin, Amitriptylin (andere Trizyklika, höheres Nebenwirkungsrisiko)
- Vergleich:
- SSRIs allgemein besser verträglich, geringeres Interaktionsrisiko
- Trizyklika wie Nortriptylin wirksamer bei bestimmten chronischen Schmerzen
- Individuelle Auswahl nach Nebenwirkungsspektrum, Begleiterkrankungen und Ansprechen
Zulassung, rechtliche Einstufung, Erstattung in Österreich
- Nortriptylin ist in Österreich als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen, KEIN Suchtgift
- Zulassungsbehörde: Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES)
- Kassenübernahme nach Einzelfallprüfung und gesonderter ärztlicher Begründung (Generika bevorzugt)
- Erstantrag durch Facharzt bzw. hausärztlich mit Nachweis der Notwendigkeit, vor allem bei neuropathischen Schmerzen
Aktuelle Forschung & klinische Leitlinien (2022–2025)
- Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP): Nortriptylin als Option bei therapieresistenter Depression, häufig nach SSRI/SNRI oder bei chronischen Schmerzen eingesetzt (ÖGPP-Leitlinie 2023)
- Internationale Studien (z. B. NICE UK 2022, DGPPN Deutschland 2023) bestätigen Wirksamkeit bei chronischen Schmerzen, aber Anwendung außerhalb Zulassung (off-label)
- MRT-basierte Studien zeigen, dass Nortriptylin neuroprotektive Eigenschaften haben könnte (Lancet Psychiatry 2024)
- Dosierungsanpassungen bei CYP2D6-Poor-Metabolisierern werden stärker empfohlen (Pharmacogenomics Journal, 2023)
Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Richtpreise & Lieferzeiten (Österreich)
| Packungsgröße | Inhalt | Unverbindlicher Apothekenverkaufspreis (UVP)* | Lieferzeit (Wien, Graz, Linz, Salzburg) |
|---|---|---|---|
| Klein | 30 Tabletten (25 mg) | ca. 18–24 € | 1 Werktag – Wien, Graz; 2 Tage – Linz, Salzburg |
| Mittel | 50 Tabletten (25 mg) | ca. 30–33 € | 1–2 Werktage österreichweit |
| Groß | 100 Tabletten (25 mg) | ca. 57–60 € | 2–3 Werktage (bei Großpackungen ggf. Vorbestellung nötig) |
*Preise können in einzelnen Apotheken variieren, Erstattung durch die Krankenkasse nach individueller Bewilligung möglich.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie lange dauert es, bis Nortriptylin wirkt?
Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt meist nach 2–4 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Bei chronischen Schmerzen kann eine Besserung bereits nach 1–2 Wochen beobachtet werden. - Kann ich Nortriptylin zusammen mit meinen anderen Medikamenten einnehmen?
Es kann Wechselwirkungen geben, vor allem mit anderen Psychopharmaka, blutdrucksenkenden Mitteln, bestimmten Schmerzmitteln und Alkohol. Teilen Sie Ihrem Arzt oder Apotheker immer mit, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel Sie einnehmen. - Darf ich unter Nortriptylin Auto fahren?
Zu Therapiebeginn, bei Dosiserhöhung oder bei starken Nebenwirkungen (z. B. Benommenheit) sollten Sie kein Fahrzeug lenken. Klären Sie dies vorher mit Ihrem Arzt ab. - Können Nebenwirkungen wieder verschwinden?
Ja, häufige Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Schläfrigkeit lassen im Laufe der Behandlung oft nach. Bleiben Beschwerden bestehen, melden Sie sich bitte bei Ihrem Arzt. - Wie bewahre ich Nortriptylin am besten auf?
Lagern Sie das Medikament in der Originalverpackung, geschützt vor Feuchtigkeit, bei Raumtemperatur und außerhalb der Reichweite von Kindern.
Haben Sie weitere Fragen? Unsere Apothekerinnen und Apotheker beraten Sie gerne persönlich – telefonisch oder vor Ort in Ihrer Vor-Ort-Apotheke!

