Desyrel (Trazodon) – Patienteninformation für Österreich
Basisinformationen zum Arzneimittel
| Wirkstoff (INN) | Trazodon |
|---|---|
| Markennamen in Österreich | Desyrel®, Trazodone-ratiopharm®, weitere Generika |
| ATC-Code | N06AX05 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten: 50 mg, 100 mg, 150 mg, 300 mg (retard). Tropfen und Suspensionen sind ebenfalls erhältlich. |
| Hersteller | Viatris/Mylan, ratiopharm, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig in ganz Österreich; Abgabe nur in Apotheken |
Wirkmechanismus
Für Patienten:
Desyrel (Trazodon) ist ein Antidepressivum, das auf die Botenstoffe im Gehirn wirkt – vor allem auf das sogenannte Serotonin. Es hilft, das Gleichgewicht dieser Substanzen wiederherzustellen, was die Stimmung hebt, den Schlaf verbessert und Unruhe reduziert. Die Wirkung kann einige Tage bis Wochen nach Beginn der Einnahme einsetzen.
Für Fachkreise:
Trazodon ist ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Antagonist (SARI). Es blockiert 5-HT2A- und 5-HT2C-Rezeptoren und hemmt selektiv die Serotonin-Wiederaufnahme. Die zusätzliche Blockade von Histamin-H1 und α1-adrenergen Rezeptoren erklärt die sedierenden wie antihypertensiven Effekte.
Pharmakokinetik
- Resorption: Trazodon wird nach oraler Einnahme schnell (Peak: 1-2 h bei unretardierten Tabletten) resorbiert. Retardierte Formen verlängern die Freisetzung auf bis zu 4–6 h.
- Metabolismus: Leber (CYP3A4), hauptsächlich zu m-Chlorphenylpiperazin (mCPP).
- Elimination: Ausscheidung überwiegend renal (Niere).
- Halbwertszeit: ca. 6–12 Stunden (verlängert bei Senioren, Nieren-/Leberinsuffizienz).
- Dauer der Wirkung: 8–12 Stunden, abhängig von Formulierung und individuellem Stoffwechsel.
Anwendung im Alltag und empfohlene Einnahme
Die Dosierung richtet sich nach der Indikation und individuellen Verträglichkeit. In Österreich wird Trazodon häufig zur Behandlung depressiver Störungen und bei Schlafproblemen im Rahmen psychischer Erkrankungen verwendet. Halten Sie stets Rücksprache mit Ihrem Arzt, bevor Sie die Dosierung ändern.
- Typische Anfangsdosis: 75–150 mg pro Tag, aufgeteilt auf 2–3 Einnahmen.
- Erhaltungs-/Zieldosis: 150–300 mg pro Tag. Maximaldosis: 400 mg/Tag (ambulant); bis 600 mg/Tag (stationär, unter Überwachung).
- Bei älteren und geschwächten Patienten wird niedrig begonnen (z. B. 50–100 mg/Tag).
- Für Schlafstörungen reichen oft schon (off-label) 25–100 mg abends.
- Tabletten sollten stets mit etwas Wasser eingenommen werden.
Einnahme am Morgen versus Abend
- Abendliche Einnahme: Bewährt bei Einschlaf-/Durchschlafstörungen wegen der sedierenden Wirkung. Reduziert Risiko von Tagesmüdigkeit.
- Morgendliche Einnahme: Selten empfohlen – erhöhtes Risiko für Müdigkeit am Tag.
- Tipp: Einnahme täglich zur selben Zeit, bevorzugt abends nach dem Abendessen.
- Insbesondere bei Senioren: Sturzrisiko nachts beachten!
Einnahme zu oder unabhängig von Mahlzeiten
- Mit einer Mahlzeit: Empfohlen, da dies Magenreizungen reduziert. In Österreich ist ein leichtes Abendessen mit Brot, Käse oder Wurst üblich – dies beeinträchtigt die Wirkung nicht.
- Nüchtern: Erhöhte Nebenwirkungswahrscheinlichkeit (besonders Übelkeit, Magenbeschwerden).
- Hinweis: Grapefruitsaft meiden – Wechselwirkungen möglich!
Wechselwirkungen: Was sollte beachtet werden?
| Interaktionspartner | Empfehlungen / Hinweise |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkt die sedierende Wirkung. Vermeiden! |
| Antikoagulanzien, Antithrombotika | Erhöhtes Blutungsrisiko. Ärztliche Kontrolle nötig. |
| MAO-Hemmer | Nicht kombinieren (serotonerges Syndrom!). Mindestens 2-wöchiger Abstand. |
| Antihypertensiva | Blutdruckabfall möglich (Schwindel, Ohnmacht). |
| Carbamazepin/Phenytoin | Kann den Trazodon-Spiegel senken. |
| Andere Antidepressiva, Antipsychotika | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (Serotonin-Syndrom). |
| Grapefruitsaft | Verstärkt die Wirkung. Meiden! |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Zulassungsindikationen (Österreich) | Off-label-Einsatz |
|---|---|
| Depressive Episoden (ICD-10: F32, F33) | Schlafstörungen im Rahmen psychischer Erkrankungen |
| Angst- und Unruhezustände (zusätzlich zur Depression) | Pruritus, chronischer Schmerz (off-label) |
| Therapie-resistente Depressionen (als Add-on) | PTBS, Fibromyalgie (unter ärztlicher Kontrolle) |
Dosierung gemäß klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Seniore/geriatrische Patient:innen | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Depression | 75–150 mg, aufgeteilt, Erhöhung möglich bis 300–400 mg/Tag | Start 50 mg/Tag, Steigerung langsam bis max. 300 mg/Tag | Keine Zulassung & Empfehlung unter 18 Jahren (Einzelfallentscheidung) |
| Schlafstörung (off-label) | 25–100 mg abends | 25–50 mg abends | Keine Zulassung, Spezialfall |
| Angststörung (Zusatzbehandlung) | 75–150 mg/Tag | 50–100 mg/Tag | Keine Zulassung |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig/Häufig (>1–10%): Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen.
- Gelegentlich: Verstopfung, Sehstörungen, Blutdruckabfall (vor allem beim Aufstehen), Hautausschlag, Gewichtszunahme.
- Selten (<1%): Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung), epileptische Anfälle, Priapismus (schmerzhafte Dauererektion), Leberfunktionsstörungen.
- Sehr selten/Unbekannt: Serotonin-Syndrom (bei Kombinations- oder Überdosierung), allergische Reaktionen.
Warnhinweise:
Plötzliche Absetzung vermeiden. Trazodon sollte nicht mit anderen serotonergen Substanzen kombiniert werden. Bei älteren Menschen erhöhte Sturzgefahr. Herzpatienten: EKG-Kontrolle empfohlen.
Anwendungshinweise für Patient:innen
- Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen.
- Keinen Alkohol konsumieren.
- Plötzliche Dosisänderung vermeiden, nie eigenständig absetzen.
- Im Falle vergessener Dosis möglichst bald nachholen – aber nicht doppelt einnehmen!
- Tägliche Routine etablieren (z. B. Einnahme abends nach dem Essen).
- Regelmäßige ärztliche Kontrolltermine wahrnehmen, insbesondere zu Therapiebeginn und bei Dosisanpassungen.
Alternative Arzneimittel (Erstattung durch ÖGK/Sozialversicherung)
- SSRIs (z.B. Sertralin, Escitalopram, Fluoxetin): Gut verträglich; weniger sedierend; bei Depression, Angst, Zwang; ggf. Nebenwirkungen wie Unruhe, Magen-Darm.
- SNRIs (z.B. Venlafaxin, Duloxetin): Auch bei Schmerzen einsetzbar; können zu erhöhtem Blutdruck führen.
- Mirtazapin: Stark sedierend, oft bei Schlafproblemen; Gewichtszunahme möglich.
- Amitriptylin: Auch bei chronischen Schmerzen; anticholinerge Nebenwirkungen.
Vergleich: Trazodon ist besonders bei schlafgestörten, älteren Patienten beliebt, weil es im niedrigen Dosisbereich selten anticholinerge Effekte zeigt.
Rechtlicher Status und Erstattung in Österreich
- Zulassung: Von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zugelassen.
- Verschreibungspflicht: Ja, nur gegen ärztliches Rezept in Apotheken erhältlich.
- Erstattungsfähigkeit: Desyrel und Generika sind gemäß österreichischem Erstattungskodex (EKO) von der österreichischen Sozialversicherung (ÖGK, BVAEB, SVS) bei entsprechender Indikation erstattungsfähig.
- Preise (Stand 2024): Kassenpreise für 100 Tabletten (100 mg): etwa 19–25 €. Zuzahlung variiert je nach Kassa zwischen 6–12 €.
Neueste Studien & Empfehlungen (2022–2025)
- Die aktuelle S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ der DGPPN (2022, 2024) sieht Trazodon als Zweitlinientherapie bei schlafgestörter Depression. Für ältere Menschen weiter empfohlen.
- Eine Metaanalyse (Baldwin et al., Journal of Psychopharmacology 2023) bestätigt die Wirksamkeit im niedrigen Dosisbereich bei Insomnie mit verbessertem Nebenwirkungsprofil gegenüber klassischen Schlafmitteln.
- Trazodon-Einsatz in der Geriatrie: Günstig bei multidimensional vorerkrankten Patienten, aber streng ärztlich zu überwachen (Müller et al., Psychopharmakotherapie 2024).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten in Österreich
| Packungsgröße | Stärke | Geschätzter Preis* | Lieferzeit nach Wien | Lieferzeit nach Graz | Lieferzeit nach Salzburg | Lieferzeit nach Innsbruck |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 20 Tabletten | 100 mg | ca. 7–9 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 2 Tage |
| 100 Tabletten | 100 mg | ca. 19–25 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 2–3 Tage |
| 30 Retardtabletten | 150 mg | ca. 13–16 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 2 Tage |
*Preise sind Richtwerte für Selbstzahler. Erstattung möglich, sofern Kassenrezept und gültige Indikation vorliegen.
Häufige Patientenfragen (FAQ)
1. Wie lange dauert es, bis Desyrel wirkt?
Erste Verbesserungen des Schlafs und der Unruhe treten meist nach 1–2 Wochen auf, stimmungsaufhellende Effekte nach 2–4 Wochen. Bitte die Therapie nicht zu früh abbrechen.
2. Darf ich Desyrel zusammen mit anderen Schlaf- oder Schmerzmitteln einnehmen?
Das hängt von den anderen Medikamenten ab. Unbedingt den behandelnden Arzt oder Apotheker informieren, da Wechselwirkungen auftreten können!
3. Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Die vergessene Dosis so bald wie möglich nachholen. Ist bereits der nächste Einnahmezeitpunkt erreicht, keine doppelte Dosis einnehmen und den normalen Rhythmus fortsetzen.
4. Kann ich mit Desyrel Auto fahren oder Maschinen bedienen?
Zu Beginn der Behandlung sowie bei Dosisänderungen kann es zu Schläfrigkeit und Schwindel kommen – in dieser Zeit auf das Führen von Fahrzeugen oder Bedienen von Maschinen verzichten!
5. Ist Gewichtszunahme unter Desyrel zu erwarten?
Leichte Gewichtszunahme ist möglich, aber seltener als bei anderen Antidepressiva wie Mirtazapin. Regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung helfen, das Risiko zu minimieren.
Für weitere Fragen steht Ihr behandelnder Arzt oder Ihr Apothekenteam gerne zur Verfügung.

