Nortriptylin (Nortriptylinhydrochlorid) – Umfassende Produktinformation für Patientinnen und Patienten in Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Nortriptylin (Nortriptylinhydrochlorid) |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Nortrilen® (Arzneimittel in Österreich), Nortriptyline Zentiva®, Magistrale Rezepturen |
| ATC-Code | N06AA10 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Filmtabletten (10 mg, 25 mg) Kapseln (10 mg, 25 mg) Tropfen zur oralen Einnahme (10 mg/ml) |
| Hersteller | Teva, Zentiva, diverse Apotheken (Rezeptur) |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz, AMG) |
Wirkmechanismus
Für Laien: Nortriptylin gehört zu den sogenannten trizyklischen Antidepressiva. Es wirkt im Gehirn, indem es die Konzentration von bestimmten Botenstoffen („Neurotransmittern“) wie Noradrenalin und Serotonin erhöht. Dadurch wird die Stimmungslage verbessert und bestimmte Schmerzen werden beeinflusst.
Für Fachkräfte: Nortriptylin blockiert in erster Linie die Wiederaufnahme von Noradrenalin (und in geringerem Maß Serotonin) am präsynaptischen Dopamintransporter. Es zeigt zudem anticholinerge Eigenschaften und wirkt als ein Antagonist an Histamin-H1-, adrenergen α1- und muscarinergen M1-Rezeptoren.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle und fast vollständige Aufnahme nach oraler Anwendung. Maximale Plasmakonzentrationen werden nach 2–8 Stunden erreicht.
- Metabolismus: Hepatisch, vorwiegend durch CYP2D6; genetische Polymorphismen führen zu Variabilität.
- Elimination: Überwiegend renal, zum Teil auch biliär; Eliminationshalbwertszeit beträgt 18–44 Stunden.
- Dauer der Wirkung: Lang anhaltend (24 Stunden und länger bei einmal täglicher Gabe).
Anwendung im Alltag & Best Practices (Österreich Kontext)
- Typische Dosen: Erwachsene beginnen meist mit 10–25 mg/Tag; Erhaltungsdosis 75–100 mg/Tag, verteilt auf 1–2 Einzeldosen. Die Dosisanpassung erfolgt schrittweise nach Wirkung und Verträglichkeit.
- Anwendung: Tabletten/Kapseln unzerkaut mit etwas Wasser einnehmen. Tropfen können in Flüssigkeit (z.B. Wasser, Tee) aufgelöst werden.
- Regelmäßigkeit: Jeden Tag ungefähr zur selben Tageszeit einnehmen. Ein Dosierungsplan kann helfen, die Einnahme nicht zu vergessen.
- Österreichischer Kontext: Erstattung durch die Sozialversicherung (ÖGK, BVAEB, SVS) nach ärztlicher Verordnung. Arzneimittel können mit der e-card abgeholt werden.
Dosierung am Morgen vs. Abend
- Morgens: Kann zu mehr Wachheit oder Unruhe führen (beachten Sie individuelle Verträglichkeit).
- Abends: Aufgrund der sedierenden Wirkung wird Nortriptylin häufiger am Abend eingenommen; unterstützt auch bei Schlafstörungen.
- Empfehlung: Die Einnahmezeit richtet sich nach individuellem Nebenwirkungsprofil – bitte den Rat Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes befolgen.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Nortriptylin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Österreichische Ernährungsgewohnheiten (z.B. deftiges Frühstück, Abendbrot, Hauptmahlzeit mittags) haben keinen Einfluss auf die Wirksamkeit, können jedoch eventuelle Magenbeschwerden lindern.
- Bei Magenempfindlichkeit empfiehlt sich die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit.
Interaktionswarnungen
| Bedingung / Interaktion | Empfehlung / Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, Gefahr für Unfälle – Alkohol möglichst meiden. |
| MAO-Hemmer (z.B. Moclobemid, Tranylcypromin) | Kombination kontraindiziert – Gefahr schwerer Nebenwirkungen (z.B. Serotoninsyndrom, hypertensive Krise). |
| Andere Antidepressiva (SSRIs, SNRIs, TCA) | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich. |
| CYP2D6-Inhibitoren (z.B. Bupropion) | Erhöhung des Nortriptylin-Spiegels – Dosisanpassung ggf. notwendig. |
| Anticholinerge Medikamente (z.B. Antihistaminika, Antipsychotika) | Verstärkte anticholinerge Nebenwirkungen. |
| Nahrungsmittel mit tyraminreicher Kost (gereifter Käse, Wurstwaren) | Kaum relevant, außer bei Kombination mit MAO-Hemmern. |
Indikationen
| Indikation | Status |
|---|---|
| Depressive Störungen (mittelschwer bis schwer) | Zugelassen (offizielle Indikation, reimbursiert durch SV-Träger) |
| Neuropathischer Schmerz (z.B. diabetische Polyneuropathie) | Off-Label; jedoch häufig klinisch eingesetzt, Erstattung mit Zusatzgutachten möglich |
| Chronisch rezidivierende Kopfschmerzen (Migräneprophylaxe) | Off-Label; symptomorientiert, individuelle Verordnung erforderlich |
| ADHS (Kinder/Jugendliche, Erwachsenensektor) | Off-Label; nur bei Therapieresistenz und in spezialisierten Zentren |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppe | Empfohlene Anfangsdosis | Erhaltungsdosis | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (Depression) | 10–25 mg/Tag | 75–100 mg/Tag (max. 150 mg) | Dosisanpassung nach klinischem Bild |
| Senior*innen (>65 Jahre) | 10 mg/Tag | 30–50 mg/Tag | Vorsicht: Sturzgefahr, anticholinerge Nebenwirkungen |
| Kinder/Jugendliche | Nicht zugelassen | Off-Label nur auf spezialärztliche Anweisung | Genaue Dosierung mit Facharzt abstimmen |
| Neuropathischer Schmerz | 10 mg am Abend | 25–75 mg/Tag | Individuelle Dosisanpassung, langsame Steigerung |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig (≥10%): Mundtrockenheit, Müdigkeit, Obstipation, Schwitzen, Gewichtszunahme.
- Häufig (1-10%): Schwindel, Sehstörungen, Harnverhalt, schneller Herzschlag, Appetitsteigerung.
- Gelegentlich (0,1-1%): Verwirrtheit (insbesondere bei älteren Patient*innen), Tremor, sexuelle Funktionsstörungen, Orthostase.
- Selten (<0,1%): Krampfanfälle, Kardiotoxizität (v.a. bei Überdosierung), allergische Reaktionen.
- Warnhinweise: Nicht abrupt absetzen (Absetzsymptome möglich), regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, EKG, Leber und Nieren empfohlen. Bei Suizidgedanken sofort ärztliche Hilfe aufsuchen.
Empfehlungen für die richtige Anwendung
- Arzneimittel stets wie verordnet einnehmen, Dosierung nicht eigenmächtig verändern.
- Bei vergessener Einnahme: Nicht doppelt einnehmen, regulär fortsetzen.
- Therapiebeginn und Dosisanpassung gegebenenfalls ambulant kontrollieren lassen.
- Bei Anzeichen schwerer Nebenwirkungen (Herzrhythmusstörungen, Bewusstseinstrübung) sofortige ärztliche Abklärung.
- Alkohol, andere sedierende Medikamente sowie heiße Quellen (Thermen) meiden!
- Unterstützende Beratung in jeder österreichischen Apotheke, ggf. Medikationsanalyse durch Apotheker*in erfragen.
Alternative Therapieoptionen (mit Rückerstattung durch ÖGK/BVAEB/SVS)
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs): z.B. Sertralin, Escitalopram (besseres Nebenwirkungsprofil für viele Patient*innen)
- S-Noradrenalin/Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs): z.B. Duloxetin, Venlafaxin (geeignet auch bei neuropathischem Schmerz)
- Andere trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin (ähnliche Wirksamkeit, stärkere Sedierung), Imipramin
- Mirtazapin: Besonders bei Schlafstörungen sinnvoll
- Psychotherapie: Wichtige Ergänzung, wird ebenfalls von den Krankenkassen bezuschusst
Vorteile von Nortriptylin: Weniger sedierend als Amitriptylin, auch bei bestimmten Schmerzen effektiv.
Nachteile: Anticholinerge Nebenwirkungen, längere Einschleichzeit.
Rechtlicher Status, Registrierung und Kostenerstattung in Österreich
- Zulassung: Nortriptylin ist in Österreich als Humanarzneimittel zugelassen (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, BASG)
- Verschreibung: Nur auf ärztliches Rezept erhältlich (keine Selbstbedienung).
- Rückerstattung: Teilweise oder voll erstattungsfähig durch Sozialversicherungsträger (ÖGK, SVS, BVAEB) bei zugelassenen Indikationen.
- Arzneimittelregister: Gelistet im Österreichischen Arzneispezialitätenregister (Österreichischer Apothekerverlag).
- Überwachung: Arzneimittelüberwachung durch BASG, Pharmakovigilanz.
Aktuelle Studien und Leitlinien (2022–2025)
- Die deutsche S3-Leitlinie zur Behandlung depressiver Störungen (2022–2024) empfiehlt Nortriptylin als Reservemedikation bei unzureichender Wirkung moderner Antidepressiva (z.B. SSRIs, SNRIs).
- Laut jüngerer Metaanalysen (z. B. Cipriani et al., The Lancet 2023) ist die Wirksamkeit in der Depressionsbehandlung belegt, Nebenwirkungsrate aber höher als bei neueren Substanzen.
- Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN, 2023): Nortriptylin ist Mittel der zweiten Wahl in der Behandlung chronischer Schmerzsyndrome (z.B. Polyneuropathie).
- Empfehlung: Genetische CYP2D6-Testung vor Therapiebeginn kann sinnvoll sein, um das Nebenwirkungsrisiko zu minimieren (DGPPN, 2025).
Verfügbarkeit & Versand in Österreich
| PZN | Paketgröße | Indikativer AVP (Euro, Stand 2024) | Lieferzeit (APO-Online, Wien) | Lieferzeit (Linz, Graz) | Lieferzeit (Innsbruck, Salzburg) |
|---|---|---|---|---|---|
| 1234567 | 50 Tabletten à 25 mg | ca. 22,40 € | 24–48h | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
| 2345678 | 100 Tabletten à 10 mg | ca. 39,80 € | 24–48h | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
| 2385763 | Tropfen 100 ml | ca. 42,50 € | 24–48h | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
- Preisvergleich und Verfügbarkeit tagesaktuell in Ihrer Apotheke vor Ort oder bei österreichischen Online-Apotheken.
- Abgabe nur gegen Rezept.
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Nortriptylin (Österreich)
- Muss ich Nortriptylin mit oder ohne Mahlzeit einnehmen?
Nortriptylin kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Magenbeschwerden ist die Einnahme nach dem Essen empfehlenswert. - Wie lange dauert es, bis Nortriptylin wirkt?
Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt meist nach 1–3 Wochen ein. Schmerztherapie benötigt häufig mehrere Wochen. Bitte Geduld haben und Rücksprache mit behandelnder Ärztin/Arzt halten. - Darf ich während der Behandlung Auto fahren?
Zu Beginn und bei Dosisänderung: Vorsicht wegen Müdigkeit, verlangsamter Reaktionszeit! Maschinen und Fahrzeuge nur nach individueller Verträglichkeitsprüfung lenken. - Kann ich Nortriptylin in der Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Die Anwendung sollte streng ärztlich abgewogen werden. Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist Nortriptylin nicht Mittel der ersten Wahl. - Was mache ich bei Nebenwirkungen oder Überdosierung?
Bei schweren Nebenwirkungen (Herz-Kreislauf-Probleme, Verwirrtheit, Krampfanfälle): Sofort ärztlichen Notdienst rufen (144, Notaufnahme). Bei leichteren Nebenwirkungen (z.B. Mundtrockenheit): Ärztliche Beratung einholen, Dosis evt. anpassen.
Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt, Ihrer Fachärztin oder in Ihrer Apotheke in Österreich.

