Imipramin – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformation
| Wirkstoff (INN) | Imipramin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Tofranil®, Imipramin Generika |
| ATC-Code | N06AA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten (10 mg, 25 mg, 50 mg), Filmtabletten (25 mg, 50 mg), Retardtabletten |
| Hersteller | Chemische Werke Linz, mehrere internationale Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verordnung erforderlich) |
Wirkmechanismus
Imipramin ist ein trizyklisches Antidepressivum (TCA). Es wirkt, indem es die Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Noradrenalin und Serotonin im Gehirn hemmt. Dadurch erhöht sich deren Konzentration im synaptischen Spalt, was Stimmung und Antrieb verbessert. Für Fachkreise: Imipramin blockiert den präsynaptischen Serotonin- und Noradrenalin-Transporter und besitzt zusätzlich anticholinerge, antihistaminerge und alpha-adrenerge Eigenschaften.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme wird Imipramin schnell und nahezu vollständig resorbiert (ca. 90 %).
- Metabolismus: Umwandlung hauptsächlich in der Leber über das CYP2D6-Enzym zu Desipramin (aktiver Metabolit).
- Elimination: Ausscheidung überwiegend renal (über die Nieren). Die Halbwertszeit beträgt 12–24 Stunden, bei älteren Menschen auch länger.
- Wirksamkeitsdauer: Wirkung setzt üblicherweise nach 1–2 Wochen regelmäßiger Einnahme ein.
Anwendung im Alltag und beste Vorgehensweisen
- Typische Dosierung: Erwachsene: Beginn mit 25 mg/Tag, Steigerung schrittweise auf 75–150 mg/Tag, abhängig von Wirkung und Verträglichkeit.
- Anwendung: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Wasser einnehmen, vorzugsweise zur gleichen Zeit jeden Tag.
- Besondere Hinweise für Österreich: Rezept durch Fachärztin/Facharzt (Psychiatrie, Allgemeinmedizin). Meist als Teil eines umfassenden Therapieplans inklusive Psychotherapie.
- Beste Ergebnisse durch regelmäßige Einnahme – kein abruptes Absetzen ohne ärztliche Rücksprache!
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Morgens: Vorteilhaft bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit durch das Medikament; fördert leichteren Tagesablauf. Nachteil: Intoleranz bei initialer Müdigkeit.
- Abends: Nützlich bei Schlafproblemen, da Imipramin leicht sedierend wirken kann. Tipp: Einnahme vor dem Zubettgehen, um Schwindel und Benommenheit tagsüber zu vermeiden.
- Regelmäßigkeit: Immer zur gleichen Tageszeit einnehmen – unterstützt die Verträglichkeit und Effektivität.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern
- Imipramin kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Eine Einnahme während oder nach dem Essen kann gastrointestinale Nebenwirkungen mildern.
- Traditionelle österreichische Kost (fett- oder ballaststoffreich) beeinflusst die Aufnahme kaum, jedoch sollte übermäßiger Alkoholkonsum grundsätzlich vermieden werden.
Wechselwirkungen
| Wechselwirkungsquelle | Wirkung |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, erhöhte Unfallgefahr – möglichst vermeiden. |
| Amphetamine, MAO-Hemmer, SSRIs (z.B. Fluoxetin) | Erhöhtes Risiko für Serotonin-Syndrom; Abstand von mindestens 2 Wochen einhalten. |
| Anticholinerge Substanzen (z.B. Antihistaminika der 1. Generation) | Verstärkte anticholinerge Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Verwirrtheit). |
| Herzglykoside (z.B. Digoxin), Antihypertensiva | Wechselwirkungen möglich – ärztliche Kontrolle empfohlen. |
| Johanniskraut-Präparate | Abschwächung oder Verstärkung der Wirkung, erhöhtes Nebenwirkungsrisiko. |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Status | Anmerkung |
|---|---|---|
| Depressive Störungen, Major Depression | Offiziell (Zulassung) | Primäre Anwendung in der Psychiatrie |
| Panikstörung, Angststörungen | Off-label (Erfahrungsmedizin) | Bei Therapieresistenz anderer Substanzen |
| Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen bei Kindern) | Offiziell (Zulassung) | Nur bei strenger Indikation, Nach Ausschluss organischer Ursachen |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Depression | Beginn: 25 mg abends Steigerung auf 75–150 mg/Tag, verteilt auf 2–3 Dosen | Nicht empfohlen für Depression | Reduzierte Anfangsdosis (10–25 mg/Tag), max. 50–75 mg/Tag |
| Enuresis nocturna | — | 1–1,5 mg/kg KG abends; max. 50 mg (6–8 Jahre), 75 mg (>8 Jahre) | — |
| Angststörung, Panik | 50–100 mg/Tag, individuell anpassen | Nur nach Facharztentscheidung | Reduzierte Dosierung, engmaschige Überwachung |
Die endgültige Dosierung erfolgt immer in Abstimmung mit Ihrer behandelnden Ärztin bzw. Ihrem behandelnden Arzt.
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Typische Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig & häufig |
|
| Gelegentlich & selten |
|
| Sehr selten & Warnhinweise |
|
Besonders wichtig: Bei neu auftretenden Herzsymptomen, anhaltender Verwirrtheit, Fieber oder Hautausschlägen sofort ärztliche Hilfe suchen!
Hinweise zur sachgerechten Anwendung – Beratung durch Apotheke und Klinik
- Beginnen Sie die Therapie stets mit niedriger Dosierung und steigern Sie diese langsam nach ärztlicher Anweisung.
- Nehmen Sie die Tabletten täglich zur gleichen Uhrzeit mit ausreichend Flüssigkeit ein — idealerweise abends oder aufgeteilt.
- Vermeiden Sie plötzliche Therapieunterbrechungen; ein langsames Ausschleichen ist bei Beendigung notwendig, um Entzugssymptome zu vermeiden.
- Bei Operationen, zahnärztlichen Eingriffen oder neuer Medikation informieren Sie bitte immer Ihre behandelnden Fachkräfte über die Einnahme von Imipramin.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Blutbild, EKG, Leberwerte) sind insbesondere bei Langzeiteinnahme empfohlen.
- Lagern Sie das Arzneimittel außerhalb der Reichweite von Kindern.
Alternative Therapieoptionen (Kassenvergütung durch die Österreichische Gesundheitskasse – ÖGK)
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI): z.B. Sertralin, Citalopram (meist besser verträglich, weniger anticholinerge Nebenwirkungen)
- Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): z.B. Venlafaxin, Duloxetin
- Andere trizyklische Antidepressiva: z.B. Amitriptylin, Clomipramin (ähnliche Wirkung, teils anderes Nebenwirkungsprofil)
- Mirtazapin: für Depressionen mit Schlafstörungen, anerkannte Alternative
Vergleich: Moderne Antidepressiva (SSRI, SNRI) zeigen tendenziell bessere Verträglichkeit und weniger kardiovaskuläre Risiken als ältere TCAs wie Imipramin. Dennoch bleibt Imipramin in bestimmten Situationen, etwa bei Therapieresistenz, weiterhin relevant.
Rechtliche Situation, Zulassung und Erstattung in Österreich
- Zugelassen durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)
- Verschreibungspflicht gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz (AMG)
- Erstattungsfähig unter bestimmten Indikationen laut Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK), insbesondere bei Depression und Enuresis nocturna
- Apothekenpflichtig – keine Abgabe ohne Rezept
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie “Unipolare Depression” der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (2022) empfiehlt TCAs wie Imipramin bei therapieresistenten Depressionen und bestimmten Angststörungen, vorrangig nach Versagen von SSRIs/SNRIs.
- Studien der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (2023) bestätigen die Wirksamkeit in selektierten Fällen von Enuresis nocturna, jedoch nur nach ausführlicher Diagnostik.
- Internationale Reviews (z.B. The Lancet, 2024) bewerten Imipramin als wirksam, jedoch mit erhöhtem Nebenwirkungsrisiko im Vergleich zu modernen Antidepressiva – sorgfältige Indikationsstellung bleibt essenziell.
- Neuester Stand: Einzelnachweise, etwa zur QT-Verlängerung und Suizidprävention, erfordern bei trizyklischen Antidepressiva weiterhin regelmäßige Labor- und EKG-Kontrollen (WFSBP Consensus 2025).
Verfügbarkeit und Lieferung
| Packungsgröße | Tablettenanzahl | Unverbindlicher Apothekenpreis | Lieferzeit in Hauptstädte (z.B. Wien, Graz, Linz) |
|---|---|---|---|
| Klein | 30 | ca. 15–19 € | in der Regel 24–48h bei lagernder Ware |
| Mittel | 100 | ca. 45–60 € | 24–72h, abhängig von Lieferdienst und Verfügbarkeit |
| Groß | 200 | ca. 80–110 € | bis zu 96h, selten länger |
Die tatsächlichen Preise können je nach Hersteller, Rabattvertrag und Rezeptur variieren. Nach Vorlage eines Kassenrezepts übernimmt die ÖGK die Kosten gemäß Erstattungsrahmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie schnell wirkt Imipramin?
Die stimmungsverbessernde Wirkung tritt meist nach 1–2 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Bei Enuresis nocturna gelegentlich schon nach wenigen Tagen. - Kann ich Imipramin in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Imipramin sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nur in Ausnahmefällen nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch Fachärztin/facharzt eingenommen werden. - Darf ich Auto fahren oder Maschinen bedienen?
Während der Dosisanpassung sowie bei Müdigkeit oder Schwindel sollten Sie kein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt nach der Einstellungsphase. - Was mache ich bei vergessener Einnahme?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sobald wie möglich ein, überspringen Sie sie jedoch, wenn es fast Zeit für die nächste reguläre Einnahme ist. Nehmen Sie niemals eine doppelte Dosis ein! - Welche Lebensmittel sollte ich meiden?
Vermeiden Sie Grapefruit(-saft) und größere Mengen Alkohol, um gefährliche Wechselwirkungen zu verhindern.

