Erythromycin: Umfassende Produktinformation für Patient:innen in Österreich
Grundlegende Produktinformationen
- Wirkstoff (INN): Erythromycin
- Handelsnamen in Österreich: Erythrocin®, Erythromycin Genericon®, Infectomycin®, Ery Hexal®, u.a.
- ATC-Code: J01FA01
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
- Filmtabletten (250 mg, 500 mg)
- Granulat zur Suspension (125 mg/5 ml, 250 mg/5 ml)
- Infusionslösungen
- Salben (bei bestimmten Hauterkrankungen)
- Hersteller in Österreich: Genericon Pharma, Hexal, Abbott, Pfizer, Sandoz, u.a.
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (Pflicht zur Vorlage eines gültigen ärztlichen Rezepts)
Wirkungsweise (Mechanismus)
Einfach erklärt: Erythromycin ist ein Makrolid-Antibiotikum, das das Wachstum von Bakterien hemmt. Es blockiert ein Enzym, das Bakterien zur Proteinsynthese benötigen, sodass diese keine lebenswichtigen Eiweiße mehr herstellen können und schließlich absterben.
Für Fachkreise: Es bindet an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen und hemmt dort die Translokation während der Proteinsynthese. Es ist vorwiegend bakteriostatisch, kann aber in hohen Konzentrationen bakterizid wirken.
Pharmakokinetik
- Absorption: Orale Bioverfügbarkeit ca. 30-65%, nahrungsabhängig und besser auf nüchternen Magen.
- Metabolisierung: In der Leber über das Enzym CYP3A4, Bildung aktiver und inaktiver Metaboliten
- Elimination: Hauptroute biliär (über die Galle), geringer Anteil renal (über den Urin); nur ca. 5% unverändert ausgeschieden
- Wirkdauer: 6-12 Stunden; Dosierungsintervall meist 2-4 mal täglich.
Anwendung im Alltag & Gute Praxis (insbes. Österreichbezug)
Zur Behandlung bakterieller Infektionen wird Erythromycin üblicherweise oral als Tablette oder Suspension eingenommen. Die Einnahme sollte möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt erfolgen, am besten zu festen Zeiten, um konstante Blutspiegel sicherzustellen. Typische Dosierungen für die meisten Infektionen bei Erwachsenen liegen bei 1-2 g Wirkstoff/Tag, aufgeteilt in 2–4 Einzeldosen. In österreichischen Arztpraxen werden laufend die regionalen Resistenzdaten und nationalen Empfehlungen (z.B. der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin – ÖGI) berücksichtigt.
Die Darreichungsform richtet sich nach dem klinischen Bild und dem Alter der Patient:innen. Kinder erhalten meist Suspensionen, während Tabletten bei Erwachsenen Standard sind.
Morgens vs. abends Einnahme – Tipps zur Regelmäßigkeit
- Die Einnahmezeit spielt vor allem bei mehreren Tagesdosen (z.B. alle 6 h oder alle 8 h) eine Rolle. Wichtig ist die gleichmäßige Verteilung (z.B. morgens, mittags, abends, ggf. nachts).
- Bei Beschwerden wie Übelkeit empfiehlt sich die Einnahme morgens und mittags (mit genügend Abstand zur Nachtruhe).
- Regelmäßige Einnahme ist essenziell für die Wirksamkeit – nutzen Sie Handy- oder Armbanduhr-Alarm als Erinnerung!
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Die Aufnahme von Erythromycin ist auf nüchternen Magen besser, daher wird empfohlen, das Arzneimittel mindestens 30 Minuten vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit einzunehmen.
- Bei Magenbeschwerden ist die Einnahme nach leichter Mahlzeit (z.B. österreichischem Frühstück, Toast oder Zwieback) erlaubt, auch wenn die Wirksamkeit leicht vermindert sein kann.
- Schwere oder fettreiche Speisen (z.B. Wiener Schnitzel, Gulasch) unmittelbar mit dem Arzneimittel sollten vermieden werden.
Wechselwirkungen – Warnhinweise (Lebensmittel, Alkohol, Medikamente)
| Interaktionspartner | Mögliche Wirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Alkohol | Kann Nebenwirkungen wie Übelkeit/Schwindel verstärken | Am besten meiden |
| Grapefruit, Grapefruitsaft | Kann Abbau des Medikaments hemmen und Nebenwirkungen verstärken | Vermeiden |
| Blutverdünner (z.B. Warfarin) | Verstärkte Blutungsgefahr | Gerinnungswerte engmaschig überwachen lassen |
| Cholesterinsenker (Statine wie Simvastatin, Atorvastatin) | Erhöhte Muskelschädigungs-Gefahr | Arzt informieren, ggf. Statin pausieren |
| Antiarrhythmika (z.B. Amiodaron) | Erhöhte Gefahr von Herzrhythmusstörungen | Elektrokardiogramm (EKG)-Kontrolle empfohlen |
| Theophyllin | Erhöhte Theophyllin-Spiegel möglich | Spiegelhinweis oder Dosisanpassung erforderlich |
| Orale Kontrazeptiva ("Pille") | Möglicherweise verminderte Wirksamkeit | Zusätzlicher Verhütungsschutz empfehlenswert |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Indikation | Status | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Respiratorische Infektionen (Bronchitis, Pneumonie) | Offiziell zugelassen | Bei Penicillinallergie bevorzugt |
| Haut- und Weichteilinfektionen (z.B. Erysipel, Impetigo) | Offiziell zugelassen | Auch bei Akne vulgaris topisch |
| Chlamydien-Infektionen | Off-Label / begrenzt | Alternative bei Unverträglichkeit anderer Wirkstoffe |
| Keuchhusten (Bordetella pertussis) | Offiziell zugelassen | Als Erst- oder Zweitlinientherapie |
| Diphtherie | Offiziell zugelassen | Als Ergänzung zur Antitoxin-Behandlung |
| Prophylaxe bei rheumatischem Fieber | Offiziell zugelassen | Behandlung oder Prophylaxe nach Streptokokken-Angina |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Gruppe | Übliche Dosis pro Tag | Dosierungsintervall | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 1000–2000 mg | auf 2–4 Einzeldosen verteilt | Je nach Schwere der Infektion |
| Kinder (> 2 Monate) | 30–50 mg/kg Körpergewicht | auf 2–4 Einzeldosen verteilt | An Körpergewicht/Alter anpassen |
| Ältere Menschen (> 65 Jahre) | Wie Erwachsene, ggf. niedriger im Falle von Leberfunktionsstörungen | auf 2–4 Einzeldosen verteilt | Leber- und Nierenfunktion beachten |
Sicherheit & Nebenwirkungen – Profil
| Häufigkeit | Art der Nebenwirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig / Häufig (>1/100) | Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen | Meist milde Ausprägung |
| Gelegentlich (1/1.000–1/100) | Kopfschmerzen, Müdigkeit, leichte Hautausschläge | Symptommonitoring empfohlen |
| Selten (1/10.000–1/1.000) | Leberfunktionsstörungen, Gelbsucht, Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung) | Bei Auftreten Arzt aufsuchen! |
| Sehr selten (<1/10.000) | Schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie), akutes Nierenversagen | Notfall: sofortiger ärztlicher Kontakt! |
- Warnhinweise: Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Makrolide, ausgeprägten Leberfunktionsstörungen, schweren Herzrhythmusstörungen oder gleichzeitiger Anwendung bestimmter Medikamente.
- Schwangerschaft/Stillzeit: Anwendung nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung möglich. Wird häufig als Penicillin-Alternative in der Schwangerschaft eingesetzt.
- Verkehrstüchtigkeit: Beeinträchtigungen (Schwindel) bisweilen möglich.
Richtlinien zur richtigen Anwendung – Praktische Tipps für Österreich
- Nehmen Sie Ihr Medikament nach Rezeptvorgabe ein – keine Dosis auslassen oder vorzeitig beenden!
- Bewahren Sie Erythromycin bei Zimmertemperatur auf, vor Feuchtigkeit geschützt und außerhalb der Reichweite von Kindern.
- Mit Wasser (kein Fruchtsaft!) einnehmen.
- Ungeöffnete Zubereitungen regelmäßig auf das Ablaufdatum prüfen (APO-Tipp: In Apotheken abgefüllte Suspensionen sind meistens 7 Tage im Kühlschrank haltbar).
- Bei anhaltenden Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten kontaktieren Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Apotheke in Österreich.
- Ziehen Sie bei Schwierigkeiten mit der Einnahme eine pharmazeutische Beratung (z.B. Medikationsmanagement durch Apotheker:innen) in Erwägung.
Alternative Therapieoptionen (Kassenpräparate nach ÖGK/NFZ)
| Wirkstoff | Vergleich | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Clarithromycin, Azithromycin (Makrolide) | ähnliche Wirksamkeit | Bessere Verträglichkeit, längere Wirkdauer (bes. Azithromycin: 1x täglich möglich) | Kosten evtl. höher, Interaktionen vergleichbar |
| Doxycyclin (Tetrazykline) | ähnliches Wirkspektrum bei Atemwegsinfektionen | Günstig, gut verträglich, 1-2x tägl. | Kontraindiziert bei Kindern <8 Jahre |
| Amoxicillin (Penicillin-Derivat) | 1. Wahl bei bakteriellen Atemwegsinfektionen (bei fehlender Allergie) | Gut verträglich, günstig, selten Resistenzen | Ungeeignet bei Penicillinallergie |
Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsinformationen (Österreich)
- Zulassung: Erythromycin ist von der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) zugelassen.
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig nach österreichischem Arzneimittelgesetz (AMG).
- Kostenerstattung/Kassenliste: Je nach Präparat Kassenerstattung durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) oder andere Krankenkassen. Verschreibung nach EKO/ELGA-Regelung möglich.
- Rezeptpflicht: Ärztliche Verschreibung erforderlich; Missbrauch strafbar.
Aktuelle Studien und Leitlinien (2022–2025)
- Nach S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (2023) bleibt Erythromycin essenziell als Penicillin-Alternative bei Allergie, v.a. bei Atemwegs-, Haut- und Weichteilinfektionen (Quelle: AWMF Leitlinienregister).
- Laut neuer randomisierter Studien (Lancet Infect Dis. 2023; 23:791–804) wurde Erythromycin bei Pertussis und akuten Atemwegsinfekten weiterhin als effektiv bestätigt.
- Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Österreichischen Instituts für Arzneimittelüberwachung (AGES Medizinmarktaufsicht) betonen die hohe Relevanz bei speziellen Infektionen und nachgewiesener Empfindlichkeit.
- Neue Daten zur Resistenzentwicklung belegen: Erythromycin-Resistenz bleibt im deutschen und österreichischen Raum gering, regelmäßige Aktualisierung der Empfehlungen durch Fachexperten gemäß Antibiotic Stewardship (ABS) erforderlich.
Verfügbarkeit & Lieferung (Packungsgrößen, Preise, Lieferzeit)
| Packungsgröße | Preis (UVP, Stand 2024) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz | Lieferzeit Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 Tabletten (500 mg) | ca. 17,80 € | Abholung in 2–4 Std Lieferung 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 100 ml Suspension (250 mg/5 ml) | ca. 13,50 € | Abholung in 2–4 Std Lieferung 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| Infusionslösung 500 mg/10 ml | Apothekenpreis auf Anfrage | 1-2 Werktage (Vorbestellung nötig) | 2–3 Werktage | 2–3 Werktage | 2–3 Werktage |
Preise können apothekenabhängig variieren. Für Kassenrezepte gelten jeweils verhandelte Vertragspreise. Derzeit bestehen keine Lieferengpässe (Stand 06/2024).
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Was soll ich tun, wenn ich eine Einnahme vergesse?
Holen Sie die vergessene Dosis nach, sobald Sie daran denken. Wenn es jedoch fast Zeit für die nächste Dosis ist, lassen Sie die vergessene Dosis aus und nehmen Sie die nächste regulär ein – niemals die doppelte Menge auf einmal einnehmen! - Was mache ich bei Durchfall während der Therapie?
Leichte Beschwerden sind häufig und klingen meist von selbst ab. Bei starkem, langanhaltendem oder blutigem Durchfall kontaktieren Sie umgehend Ihren Hausarzt – es könnte eine seltene antibiotikabedingte Darmentzündung (Clostridioides difficile) vorliegen. - Kann ich während der Therapie Milchprodukte zu mir nehmen?
Milchprodukte haben keinen erheblichen Einfluss auf die Wirksamkeit von Erythromycin. Sie können aber nahrungsunabhängig leichte Mahlzeiten zu sich nehmen. - Wie lange muss ich das Medikament einnehmen?
Die Standardtherapie dauert üblicherweise 7–10 Tage. Wichtig: Auch wenn sich Ihre Symptome bessern, beenden Sie die Therapie erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt. - Muss ich während der Behandlung auf alkoholische Getränke verzichten?
Alkohol sollte gemieden werden, da er Nebenwirkungen verstärken kann und die Leber zusätzlich belastet.
Für weitere Informationen und eine persönliche Beratung stehen Ihnen Ihre Apotheke oder Ihr behandelnder Arzt in Österreich jederzeit zur Verfügung.

