Danazol – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Danazol |
| Markenname in Österreich | Danol®, Danazol Mepha®, Danazol Mylan® |
| ATC-Code | G03XA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Kapseln zu 100 mg und 200 mg |
| Hersteller | Mepha Pharma GmbH, Mylan Pharma GmbH, Zentiva Pharma GmbH |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig nach österreichischem Arzneimittelgesetz (AMG) |
Wirkmechanismus (Für Patienten und Spezialisten)
Danazol ist ein synthetisches Derivat von 17-α-Ethinyltestosteron. Es wirkt vor allem, indem es die Ausschüttung weiblicher Geschlechtshormone (Gonadotropine: LH, FSH) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) hemmt. Dadurch werden die Ovarien weniger stimuliert, was zu einer Senkung des Östrogen- und Progesteronspiegels führt.
Für Patienten erklärt: Dies führt zu einer Abschwächung hormonell abhängiger Beschwerden, wie sie bei Endometriose oder bestimmten Formen von Brustkrankheiten auftreten.
Für Spezialisten: Danazol bindet an Androgen-, Progesteron- und Glukokortikoidrezeptoren und führt zu einem teilweisen antiöstrogenen Effekt. Die Ovulationshemmung ist dabei ein wichtiger Therapieansatz bei endokrin abhängigen Erkrankungen.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle und variable Aufnahme aus dem Gastrointestinaltrakt; Bioverfügbarkeit etwa 20%.
- Metabolisierung: Stark hepatisch, via CYP3A4.
- Elimination: Vorwiegend über die Leber zu inaktiven Metaboliten, die renal ausgeschieden werden.
- Wirkdauer: Je nach Dosis, im Schnitt 6–16 Stunden.
Anwendung im Alltag und Best Practices
Übliche Dosierung: Die Einnahme richtet sich nach der Erkrankung. Typisch beginnen Patienten mit 200–400 mg/Tag, verteilt auf zwei Einzeldosen. Kapseln sind unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einzunehmen.
Hinweise zum Alltag: In Österreich wird die Behandlung streng durch den Arzt überwacht; regelmäßige Kontrollen der Leberwerte und Blutbilder werden empfohlen. Die Einhaltung der ärztlichen Anweisungen, insbesondere zur Einnahmedauer (meist 3–6 Monate), ist sehr wichtig.
Der Therapiebeginn erfolgt meist am 1. Tag des Menstruationszyklus zur Vermeidung einer bestehenden Schwangerschaft.
Morgens oder abends einnehmen?
- Vorteile einer morgendlichen Einnahme: Leichtere Routine, seltenere Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zur Nacht.
- Vorteile einer abendlichen Einnahme: Teilweise geringere Wahrnehmung von Nebenwirkungen, günstiger bei Schlafstörungen.
- Tipp: Möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Nicht eigenmächtig wechseln – bei Unsicherheiten Rücksprache mit Arzt oder Apotheker!
Mit oder ohne Nahrung?
- Die gleichzeitige Einnahme mit einer Mahlzeit – insbesondere fetthaltiger – kann die Aufnahme von Danazol erhöhen.
- Zur Verbesserung der Magenverträglichkeit empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen, besonders für Patienten mit empfindlichem Magen.
- Traditionell werden Therapien in Österreich gerne nach dem Frühstück und Abendessen durchgeführt.
Wechselwirkungen – Interaktionen (Ernährung, Alkohol, Medikamente)
| Interaktionspartner | Empfohlene Maßnahmen/Hinweise |
| Alkohol | Steigerung der Lebertoxizität möglich; Alkohol möglichst meiden. |
| Warfarin, Antikoagulanzien | INR-Überwachung notwendig; Danazol kann Wirkung verstärken. |
| Simvastatin & andere Statine | Erhöhtes Risiko für Muskelbeschwerden, ggf. Dosisanpassung durch den Arzt. |
| Ciclosporin, Tacrolimus | Danazol erhöht die Konzentration – engmaschige Kontrolle! |
| Antidiabetika | Blutzuckerspiegel können steigen; ggf. Anpassung der Antidiabetikadosierung. |
| Grapefruitsaft | Kann den Plasmaspiegel steigern; besser meiden. |
| Pflanzliche Präparate (z. B. Johanniskraut) | Können Wirksamkeit von Danazol herabsetzen. |
Indikationen (Zugelassen & Off-label)
| Offizielle Zulassungen | Off-Label-Anwendungen |
- Endometriose mit schweren Schmerzen (wenn andere Therapien nicht möglich oder erfolglos sind)
- Fibrozystische Mastopathie (Brustdrüsenerkrankung mit schmerzhaften Knoten)
- Hereditäres Angioödem zur Anfallsprophylaxe
| - Thrombozytenfunktionsstörungen
- Idiopathische Thrombozytopenische Purpura (ITP)
- Menorrhagie (starke Menstruationsblutungen, refraktär gegen andere Therapien)
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Dosierungen je nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Pädiatrie | Ältere Patienten |
| Endometriose | 200–800 mg/Tag in 1–2 Dosen über 3–6 Monate | 3–6 mg/kg Körpergewicht/Tag (Einsatz nur unter Spezialistenaufsicht empfohlen) | Start mit unterer Erwachsenendosis, engmaschige Überwachung von Leber- und Nierenfunktion |
| Fibrozystische Mastopathie | 100–400 mg/Tag in 2 Dosen über 3–6 Monate | Nur nach Rücksprache; eher selten | Wie oben, individuelle Anpassung möglich |
| Hereditäres Angioödem | 200–600 mg/Tag in Einzel- oder Zweifachgabe, dann Reduktion auf kleinste effektive Erhaltungsdosis | Nur Spezialfälle | Wie Erwachsene, enges Monitoring |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Sehr häufig / Häufig (>10% / >1%) | Gelegentlich (<1%) | Selten / Sehr selten (<0,1%) | Warnhinweise |
- Gewichtszunahme
- Androgene Hautveränderungen (Akne, fettige Haut)
- Stimmveränderung (tiefere Stimme)
- Hitzewallungen
- Kopfschmerzen
- Menstruationsstörungen/Amenorrhoe
| - Leichte Leberwerterhöhungen
- Müdigkeit
- Verminderte Libido
| - Leberbeteiligung (Hepatitis, Leberadenom)
- Schwere allergische Reaktionen
- Blutbildveränderungen
| - Lebererkrankungen und -vorerkrankungen (absolute Kontraindikation)
- Schwangerschaft (Kontraindikation!)
- Nicht für Kinder, außer bei spezieller Indikation
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Leitlinien zur korrekten Einnahme
- Regelmäßige Einnahme, keine Dosis auslassen!
- Vor Therapiebeginn Schwangerschaft ausschließen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Leberwerte, Blutbild, Blutfette) einhalten.
- Verhütung während und mind. 1 Monat nach Absetzen sicherstellen (keine östrogenhaltigen Präparate, Barriere- oder reine Gestagenmethoden bevorzugen).
- Bei Anzeichen von Leberproblemen (Gelbfärbung der Haut, starker Oberbauchschmerz) sofort einen Arzt aufsuchen.
- Das Medikament darf nicht mit anderen, nicht verschriebenen Arzneimitteln kombiniert werden.
Alternative Therapieoptionen (in Österreich vergütet/NFZ-erstattet)
- Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga (z. B. Leuprorelin, Goserelin): Sehr wirksam, aber mögliche hypoöstrogene Nebenwirkungen wie Knochendichteverlust.
- Gestagene (z. B. Dienogest, Norethisteron): Häufig erste Wahl bei Endometriose; günstiges Nebenwirkungsprofil.
- Kombinierte orale Kontrazeptiva (COC): Bei jüngeren Patientinnen mit leichter bis mäßiger Endometriose.
- Analgetika und NSAR: Nur symptomatisch.
- Chirurgische Therapie: Bei Therapieversagen oder Komplikationen.
Rechtlicher Status, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Zulassung über das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
- Rezeptpflichtig in allen Stärken (keine OTC-Abgabe).
- Erstattung je nach Indikation und Bewilligung durch den Hauptverband der Sozialversicherungsträger.
- Dokumentation und Kontrolle laut Arzneimittelverordnung, spezielle Regelungen für seltene Indikationen (z. B. hereditäres Angioödem, Nachweis erforderlich).
Neue Forschung und aktuelle Leitlinien (2022–2025)
Stand der Wissenschaft:
Die aktuellen S2k- und S3-Leitlinien aus Deutschland und Österreich (AWMF 2024, ÖGGG 2023) empfehlen Danazol primär als Reservemedikament bei therapierefraktärer Endometriose oder hereditärem Angioödem. Neue Studien (z. B. International Journal of Clinical Pharmacy, 2023; Wiener Klinische Wochenschrift, 2024) zeigen, dass moderne Gestagene und GnRH-Analoga in der Erstlinientherapie bevorzugt werden, während Danazol v. a. bei Nebenwirkungsprofilen und spezifischen Kontraindikationen eine Nische hat.
Empfehlung: Aufgrund des androgenen Nebenwirkungsprofils ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung nach neuer Leitlinie Standard.
Literatur:
- AWMF-Leitlinie Endometriose (Langfassung) 2024
- ÖGGG Empfehlungen zu hormonellen Therapien bei Endometriose, 2023
- Lact Med, "Danazol Safety in Lactating Women", 2023
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße | Stärke | Apothekenverkaufspreis (Richtwert) | Lieferzeit Wien | Graz | Linz | Salzburg | Innsbruck |
| 60 Kapseln | 100 mg | ca. 89–103 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 3 Werktage |
| 30 Kapseln | 200 mg | ca. 72–85 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 3 Werktage |
Bitte beachten Sie: Lieferzeiten sind indikativ und können je nach Verfügbarkeit der Großhändler sowie saisonalen Schwankungen variieren. Rezept erforderlich.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie schnell wirkt Danazol?
Erste Verbesserungen können nach 2–4 Behandlungswochen eintreten, die maximale Wirkung wird meist nach 1–3 Monaten erreicht. Die Wirkung setzt bei jeder Person unterschiedlich schnell ein. - Kann ich Danazol während der Stillzeit oder Schwangerschaft einnehmen?
Nein! Danazol ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, da es das ungeborene Kind schädigen und in die Muttermilch übergehen kann. - Was soll ich tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Die vergessene Einnahme so bald wie möglich nachholen. Liegt die nächste Einnahme jedoch kurz bevor, die vergessene Dosis auslassen und die nächste planmäßig einnehmen. Nie die doppelte Dosis auf einmal! - Muss ich während der Therapie verhüten?
Ja – da ein Risiko für Fehlbildungen besteht, sind zuverlässige, nicht-östrogenhaltige Verhütungsmethoden (z. B. Kondom, Spirale, reine Gestagenpille) bis mind. 1 Monat nach Absetzen Pflicht. - Gibt es Alternativen zu Danazol mit weniger Nebenwirkungen?
Ja, moderne Gestagene und GnRH-Analoga stehen zur Verfügung, insbesondere bei Endometriose. Ihr Arzt berät Sie hierzu individuell unter Berücksichtigung aller Begleiterkrankungen.