Cyklokapron® (Tranexamsäure) – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen
| Wirkstoff | Tranexamsäure (International Nonproprietary Name, INN) |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Cyklokapron®, Tranexamsäure Generika |
| ATC-Code | B02AA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken |
|
| Hersteller (Auswahl) | Pfizer; Diverse Generikahersteller in AT |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Apothekenpflicht, § 1 Arzneimittelgesetz, AMG) |
Wirkmechanismus
- Für Patienten erklärt: Tranexamsäure verhindert, dass Blut zu schnell abgebaut bzw. zu flüssig wird, indem sie die Wirkung bestimmter Enzyme (Plasmin) blockiert. Dadurch wird die Blutgerinnung unterstützt. Die Blutung stoppt schneller.
- Für Fachleute: Tranexamsäure bindet reversibel an die Lysin-Bindungsstellen am Plasminogen/Plasmin und hemmt so die Interaktion mit Fibrin. Das hemmt die Fibrinolyse, stabilisiert das Gerinnsel und verhindert einen vorzeitigen Abbau von Blutgerinnseln.
Pharmakokinetik
- Resorption: Hohe Bioverfügbarkeit (ca. 30–50% nach oraler Einnahme), maximale Plasmakonzentration nach ca. 2–3 Stunden.
- Verteilung: Geringe Proteinbindung (~3%), passiert die Plazenta, nicht in Muttermilch nachweislich plazentagängig.
- Metabolismus: Wird kaum verstoffwechselt, größtenteils unverändert ausgeschieden.
- Elimination: Über die Nieren als unveränderte Substanz; Eliminationshalbwertszeit ca. 2 Stunden; renale Dosisanpassung erforderlich.
- Wirkdauer: Wirkt je nach Indikation 2–8 Stunden nach Einnahme.
Anwendung im Alltag und Patientenhinweise
- Das Medikament wird vorrangig zur Behandlung oder Vorbeugung von verstärkten oder verlängerten Blutungen eingenommen, z.B. bei starker Regelblutung (Menorrhagie), Nasenbluten, Zahnextraktionen bei Gerinnungsstörungen, Operationen, selten auch bei bestimmten erblichen Störungen (z.B. Hämophilie, hereditäres Angioödem).
- Typische Dosis bei starker Regelblutung: 500–1000 mg dreimal täglich für 3–5 Tage.
- Tabletten immer mit ausreichend Flüssigkeit unzerkaut schlucken.
- Bei Infusionslösung erfolgt die Anwendung als Kurzinfusion oder Bolusinjektion durch medizinisches Fachpersonal.
- Zeitliche Regelmäßigkeit der Einnahme beachten.
- Tabletten ohne Lutschen oder Kauen einnehmen; Kühl und trocken lagern.
- Medikament nicht nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums verwenden.
- Bei Nierenfunktionsstörungen Dosisanpassung nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt.
Morgens oder abends? – Hinweise zur Einnahmezeit
- Die Einnahme erfolgt üblicherweise dreimal täglich, möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt.
- Vorteile einer morgendlichen Einnahme: Weniger Gefahr, eine Dosis zu vergessen; Tagesrhythmus hilft an die Einnahme zu denken.
- Abendliche Einnahme: Besonders sinnvoll, sofern nächtliche Blutungen auftreten.
- Empfehlung: Am besten zu festen Tageszeiten (z.B. Frühstück, Mittagessen, Abendessen) einnehmen. So wird die Wirkung gleichmäßig über 24 Stunden entfaltet.
- Hinweis: Die Einnahmezeiten können individuell nach Blutungsmuster und Lebensstil angepasst werden.
Einnahme mit oder ohne Mahlzeit?
- Tranexamsäure kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Nahrung (auch typische österreichische Hauptspeisen) beeinflusst die Wirkung nicht signifikant, kann jedoch Verträglichkeit bei empfindlichem Magen erhöhen.
- Patient:innen, die zu Magenschmerzen neigen, sollten die Einnahme zu einer Mahlzeit in Erwägung ziehen.
- Milch, Schwarzbrot, Käse, Wurst und andere gängige Nahrungsmittel sind kein Problem.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktionspartner | Hinweis |
|---|---|
| Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure) | Wirkrisiko von Blutungen kann ansteigen |
| Antikoagulanzien (z.B. Phenprocoumon, Apixaban) | Medikamentenkombination nur auf ärztlichen Rat |
| Orale Kontrazeptiva (Pille) | Gering erhöhte Thrombosegefahr, besonders bei weiteren Risikofaktoren |
| Fibrinolytische Mittel (z.B. Streptokinase) | Wirkung gegenseitig aufgehoben |
| Alkohol | Keine bekannten Interaktionen, dennoch maßvoller Konsum empfohlen |
| Bestimmte Antibiotika (z.B. Penicilline) | Bisher keine relevanten Interaktionen beobachtet |
Generell: Vor der Einnahme von neuen Medikamenten/Supplementen Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Apotheker:in halten.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Indikation | Status (AT) |
|---|---|
| Starke Regelblutungen (Menorrhagie) | Zugelassen |
| Nasenbluten (Epistaxis) | Zugelassen |
| Übermäßige Blutungen nach Operationen/Verletzungen | Zugelassen |
| Zahnextraktionen bei Hämophilie | Zugelassen |
| Erbliche Angioödeme (Schwellungen) | Off-Label |
| Postpartale Blutungen (bei Geburt) | Off-Label, in Spezialfällen nach Rücksprache |
Dosierungen je nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppe | Typische Dosierung |
|---|---|
| Starke Regelblutungen (Erwachsene) | 500–1000 mg 3x/Tag; Beginn mit Einsetzen der Blutung, max. 4–5 Tage |
| Chirurgische Blutungen (Erwachsene) | 10–15 mg/kg KG alle 8 Stunden, bis 2 Tage nach Intervention |
| Erwachsene mit Niereninsuffizienz | Dosisreduktion nach GFR: GFR 50–20 ml/min: 50% der Standarddosis GFR <20 ml/min: 25% der Standarddosis |
| Kinder & Jugendliche | Nach Körpergewicht (üblicherweise 10 mg/kg 2–3x/Tag), individuell angepasst |
| Ältere Menschen | Wie Erwachsene, ggf. mit Dosisanpassung bei Nierenfunktionseinschränkung |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen (>1%)
- Übelkeit, Magenbeschwerden, Erbrechen
- Durchfall
- Kopfschmerzen
- Müdigkeit
Seltene/ernsthafte Nebenwirkungen
- Thrombose, Embolie (besonders bei Risikopatient:innen und längerer Immobilisation)
- Krämpfe (bei sehr hoher Dosierung)
- Verschwommenes Sehen, Farbsehstörungen (sofort Ärzt:in kontaktieren!)
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen)
Warnhinweise:
- Kein Einsatz bei aktivem Blutgerinnsel (Thrombose)
- Vorsicht bei bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung
- Leber- und Nierenerkrankungen erfordern individuelle Rücksprache
Praktische Anwendungstipps für Österreich
- Dosis und Anwendungsdauer streng gemäß ärztlicher Verordnung
- Bei versehentlicher Überdosierung: Sofort ärztliche Hilfe aufsuchen
- Regelmäßige Blutdruckkontrolle bei Langzeiteinnahme sinnvoll
- Frauen: Wechselwirkungen zu Hormonpräparaten mit Ärzt:in abklären
- Nicht eigenmächtig bei Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden – nur auf ärztliche Anweisung! (Anwendung in der Stillzeit bislang unzureichend untersucht)
- In Österreich steht das Medikament flächendeckend in öffentlichen Apotheken zur Verfügung. Rezeptpflicht beachten!
- Mitnahme in den Urlaub: Arztbrief/Medizinpass mitführen (gesundheit.gv.at)
Alternative Therapieoptionen (Erstattung durch ÖGK/NFZ)
- Antifibrinolytika: Tranexamsäure ist das Mittel der Wahl, alternativ: Aminokapronsäure (kaum in AT im Einsatz)
- NSAR (z.B. Mefenaminsäure): Zur Linderung starker Menstruationsblutungen, häufig etwas geringere Wirkung auf Blutverlust, aber hilfreich gegen Schmerzen (Achtung: Magennebenwirkungen, kontraindiziert bei Asthma oder Magenulzera)
- Hormonelle Therapie (z.B. Pille, Gestagen-Schema): Sehr wirksam bei Menorrhagie ohne Kinderwunsch, aber mit Risiken (z.B. Thrombose, hormonelle Nebenwirkungen)
- Operative Eingriffe: Endometriumablation, Myomektomie, Hysterektomie bei starker Menorrhagie, wenn medikamentöse Therapie nicht ausreicht
Vergleich: Tranexamsäure hat meist weniger hormonelle Risiken, ist gut verträglich, und auch bei Kinderwunsch geeignet. Hormonelle Methoden wirken zuverlässiger gegen Schmerzen, bergen jedoch ein anderes Nebenwirkungsprofil.
Rechtliche und Erstattungsinformation Österreich
- Zulassung: Österreichisches Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES), EU-weite Zulassung über EMA
- Rezeptpflicht: Verschreibungspflichtig nach Arzneimittelgesetz (§1 AMG)
- Erstattungsstatus: Tranexamsäure ist durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) bei nachgewiesener medizinischer Indikation in der Erstattungsliste gelistet (grüne Box / gelber Bereich bei bestimmten Indikationen)
- Kopienpflicht: Rezepte für gerinnungsbeeinflussende Medikamente werden von Apotheken zentral dokumentiert
Neueste Studien und Leitlinien (2022–2025)
- GESDA/ÖGGH (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, 2024): Tranexamsäure bleibt Standardmedikation bei Menorrhagie und perioperativen Blutungen. Keine Hinweise auf erhöhtes Thromboserisiko bei kurzfristiger Anwendung in niedriger Dosierung.
- Internationale Studien (z.B. WOMAN-Trial, The Lancet, 2023): Bestätigt die Wirksamkeit und Sicherheit von Tranexamsäure zur Verringerung von Tod durch Blutungen bei starken postpartalen Blutungen.
- EMA-Review 2022: Keine neuen Warnhinweise, jedoch regelmäßige Überwachung empfohlen bei Langzeitanwendung und in Risikogruppen.
Verfügbarkeit & Lieferzeiten
| PZN | Packungsgröße | Unverbindlicher Apothekenpreis (AT, Stand 06/2024) | Lieferzeit |
|---|---|---|---|
| 0302178 | 20 Tabletten à 500 mg | ca. 16,90 € | Wien, Graz, Linz: am selben Werktag Salzburg, Innsbruck: 1 Werktag |
| 4719660 | 50 Tabletten à 1000 mg | ca. 42,80 € | Ganz Österreich: 1–2 Werktage |
| 1986376 | 10 Ampullen à 5 ml (100 mg/ml) | ca. 38,50 € | Apotheken auf Bestellung, 1 Werktag |
Hinweis: Preise können je nach Anbieter und Erstattungsstatus variieren.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Muss ich Tranexamsäure immer über die gesamte Periode einnehmen?
Antwort: Nein, in der Regel genügt die Einnahme an den ersten 3–5 stärksten Blutungstagen. Die Anwendungsdauer sollte jedoch immer nach Absprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt erfolgen. - Kann ich Cyklokapron® auch mit anderen Schmerzmitteln kombinieren?
Antwort: Ja, eine Kombination mit Paracetamol oder bestimmten nicht-steroidalen Antirheumatika (z.B. Ibuprofen) ist möglich. Bitte vermeiden Sie jedoch rezeptfreie „Blutverdünner“ wie Aspirin (ASS) ohne Rücksprache, da dies das Blutungsrisiko erhöhen kann. - Ist Tranexamsäure auch bei Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft erlaubt?
Antwort: Eine Anwendung bei Kinderwunsch ist erlaubt. Während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung. Stillen ist in Einzelfällen möglich, es liegen aber noch keine ausreichend sicheren Studien vor. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Antwort: Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich nachträglich ein. Liegt der nächste Einnahmezeitpunkt jedoch schon nah, lassen Sie die vergessene Dosis aus und nehmen Sie die nächste regulär ein. Niemals die doppelte Menge einnehmen! - Wie erkenne ich gravierende Nebenwirkungen?
Antwort: Bei Symptomen wie Schmerzen/Schwellungen in Beinen, plötzlicher Atemnot, ausgeprägtem Hautausschlag oder Sehstörungen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Diese können auf seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen wie Thrombose, Allergie oder Krampfanfall hinweisen.
Weitere Informationen, auch zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten und individuellem Erstattungsstatus, erhalten Sie in Ihrer Apotheke oder bei Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem Arzt. Bei Unsicherheiten die Österreichweite Gesundheitsberatung 1450 kontaktieren.

