Tofisopam: Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoffname (INN) | Tofisopam |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Grandaxin®, Myodalin® |
| ATC-Code | N05BA23 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (50 mg) |
| Hersteller | Egis, Medis, Zentiva |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig |
Wirkmechanismus
Einfach erklärt: Tofisopam gehört zur Gruppe der Anxiolytika und ist mit den klassischen Benzodiazepinen verwandt, unterscheidet sich jedoch in seinem Wirkprofil. Es wirkt beruhigend, angstlösend und leicht muskelentspannend, macht aber – anders als viele andere Wirkstoffe dieser Gruppe – nicht müde und beeinflusst das Gedächtnis kaum. Das Medikament verstärkt die Wirkung bestimmter Botenstoffe im Gehirn, die eine hemmende Wirkung haben und so die Angst reduzieren.
Für Fachkreise: Tofisopam wirkt als selektiver 2,3-Benzodiazepinrezeptor-Agonist ohne nennenswerte Affinität zu GABA-A-Rezeptoren. Es moduliert limbische und subkortikale Strukturen, ohne eine klassische sedative Potenz zu entfalten. Die fehlende Minderung kognitiver Leistungen und die niedrige Suchtpotenz machen Tofisopam einzigartig in seinem Wirkbereich.
Pharmakokinetik
- Absorption: Tofisopam wird nach oraler Gabe schnell und nahezu vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen.
- Metabolismus: Der Abbau erfolgt hauptsächlich in der Leber (hepatisch), die Metaboliten sind pharmakologisch inaktiv.
- Elimination: Die Ausscheidung erfolgt überwiegend über die Niere (renal), zu geringem Teil über die Galle.
- Wirkeintritt: ca. 1 Stunde nach Einnahme.
- Wirkdauer: 8–12 Stunden.
Anwendung im Alltag & Best-Practice-Hinweise
- Typische Dosis für Erwachsene: 50–150 mg pro Tag, aufgeteilt in 2–3 Einzeldosen.
- Die Dosis kann individuell angepasst werden, abhängig vom Beschwerdebild und Alter.
- Tofisopam sollte stets nach ärztlicher Verordnung und unter regelmäßiger Kontrolle eingenommen werden.
- Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden (siehe unten).
- Auf eine regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit achten.
- Längere Therapiedauer sollte ärztlich überwacht werden, um eine Abhängigkeitsentwicklung zu vermeiden.
Dosierung morgens vs. abends
- Morgens: Vorteilhaft, da Tofisopam nicht müde macht und die Tagesaktivität nicht beeinträchtigt.
- Abends: Selten indiziert, da keine sedierende Wirkung; meistens wird die Tagesdosis aufgeteilt.
- Tipp: Bei starker Symptomausprägung am Vormittag: Fokus auf morgendliche Einnahme. Bei Verteilung der Symptome über den Tag: 2–3 gleichmäßige Dosen.
- Wichtig: Die Tabletten täglich zur gleichen Zeit einnehmen, um einen konstanten Wirkstoffspiegel sicherzustellen.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Tofisopam kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. In Studien zeigte sich keine relevante Beeinflussung der Bioverfügbarkeit durch Nahrung. Für Patienten mit empfindlichem Magen kann die Einnahme nach einer Hauptmahlzeit angenehm sein. In Österreich-typischer Ernährung (Frühstück, Mittag, Abendessen) ist also keine besondere Anpassung erforderlich.
Interaktionswarnungen
| Beteiligt | Empfehlung / Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkung der zentralen Wirkungen, erhöhte Unfallgefahr; Alkoholkonsum während der Behandlung vermeiden. |
| Leber-induzierende Medikamente (z.B. Rifampicin, Phenytoin) | Tofisopam-Spiegel kann abfallen; Wirksamkeit reduziert. |
| Leber-hemmende Medikamente (z.B. Makrolid-Antibiotika, Azol-Antimykotika) | Erhöhte Tofisopam-Spiegel, mehr Nebenwirkungen möglich. |
| Andere Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Antipsychotika) | Kombination möglicherweise verstärkte zentrale Nebenwirkungen, nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Antikoagulantien/Blutverdünner | Keine klassischen Wechselwirkungen bekannt, jedoch Vorsicht bei Multimedikation. |
| Lebensmittel | Keine spezifischen Interaktionen mit gängiger österreichischer Kost. |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Zulassungsstatus |
|---|---|
| Angstzustände (akut & chronisch, generalisierte Angst, vegetative Symptome) | Offiziell zugelassen |
| Psychovegetative Störungen (Herzneurose, Reizdarm, klimakterische Beschwerden) | Offiziell zugelassen |
| Alkoholentzugssyndrom (Reduktion vegetativer Symptome wie Tremor) | Off-label in AT, in Nachbarländern zugelassen |
| Zusatzmedikation bei Depressionen, die mit starker agitierter Angst einhergehen | Off-label |
Dosierung je nach klinischer Indikation
| Patientengruppe | Typische Dosierung | Besondere Hinweise |
|---|---|---|
| Erwachsene | 50–150 mg/Tag (1x50 mg bis 3x50 mg) | Dosisanpassung nach individuellen Faktoren & Ansprechen |
| Geriatrische Patienten (älter als 65 Jahre) | Start mit 50 mg/Tag, langsam steigern | Reduzierte Stoffwechselrate, erhöhte Empfindlichkeit |
| Jugendliche (12–18 Jahre) | 50–100 mg/Tag | Nur nach ärztlicher Rücksprache, off-label in AT |
| Kinder unter 12 Jahren | Keine Anwendung empfohlen | Keine Daten zur Sicherheit & Wirksamkeit |
Verträglichkeitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Kopfschmerzen, leichte Benommenheit (vorübergehend)
- Häufig: Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit oder Oberbauchdruck
- Gelegentlich: Nervosität, Schlaflosigkeit, Hautausschläge, Unruhe
- Selten: Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz)
- Sehr selten: Leberwerterhöhung, Gelbsucht
- Warnhinweis: Keine relevanten Atemdepressionen, geringes Abhängigkeitspotential bei kurzer & mittelfristiger Gabe
Hinweise zur richtigen Anwendung
- Tabletten nicht zerkleinern, möglichst unzerkaut mit Wasser schlucken.
- Nicht mit Grapefruitsaft einnehmen (lebermetabolisierende Effekte).
- Bei vergessener Einnahme nicht die doppelte Menge einnehmen, sondern zur nächsten regulären Zeit fortsetzen.
- Regelmäßige ärztliche Kontrolle ist empfehlenswert, insbesondere bei längerer Einnahme.
- Nach Beendigung einer längeren Therapie das Medikament langsam ausschleichen, um Entzugssymptome zu vermeiden.
- Fahrzeuglenken und das Bedienen von Maschinen sind im Regelfall möglich, dennoch auf individuelle Reaktion achten.
- Alkohol und bewusstseinsverändernde Substanzen vermeiden.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
- Andere Anxiolytika: Diazepam, Lorazepam (Benzodiazepine, wirken stärker sedierend, abhängigkeitsfördernd)
- SSRI/SSNRI (z.B. Sertralin, Escitalopram): Effektiv bei generalisierten Angststörungen, ggf. Nebenwirkungen wie sexuelle Dysfunktion oder Gewichtszunahme
- Hydroxyzin: Antihistaminikum mit anxiolytischer Wirkung, gelegentlich sedierend
- Pflanzliche Präparate: Baldrian, Passionsblume (meist bei leichten Beschwerden, nicht immer evidenzbasiert)
- Verhaltenstherapie: Empfohlen als nichtmedikamentöse Primärmaßnahme bei Angststörungen, wird von den österreichischen Sozialversicherungsträgern (z.B. ÖGK) immer stärker gefördert
Die Auswahl der Behandlung sollte grundsätzlich in enger Absprache mit Facharzt oder Fachärztin erfolgen und auf individuelle Patientenbedürfnisse angepasst werden.
Rechtlicher Status, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: Tofisopam ist durch die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) für ausgewählte Indikationen zugelassen.
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig – Abgabe nur mit gültigem Kassen- oder Privatrezept möglich.
- Erstattung durch Sozialversicherung: Nur für zugelassene Indikationen auf Kassenrezept (E110)/grünes Rezept; Off-label-Use ist in der Regel nicht erstattungsfähig.
- Apothekenabgabe: Nur in öffentlichen Apotheken, Versand nur nach österreichischem Apothekergesetz erlaubt.
- Dokumentationspflicht: Bei längerer Anwendung (über 4 Wochen) ist ein ärztlich dokumentierter Nachweis der Notwendigkeit erforderlich.
Aktuelle Forschung & klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Studien aus Deutschland und Österreich zeigen weiterhin eine gute Wirksamkeit von Tofisopam bei Angststörungen, insbesondere bei älteren Patienten und bei Menschen mit starker vegetativer Begleitsymptomatik (Lohse et al., 2023, CNS Drugs).
- In den neuen S3-Leitlinien Angststörungen der DGPPN (2023) wird Tofisopam zwar nicht als Mittel erster Wahl, aber als Option für spezielle Patientengruppen (z.B. bei Unverträglichkeit klassischer Benzodiazepine) genannt.
- Fokus der Forschung liegt auf der sicheren Langzeitanwendung und der Kombination mit Verhaltenstherapie.
- Neue Daten bestätigen die vergleichsweise günstige Nebenwirkungsbilanz und das geringe Missbrauchspotenzial, insbesondere im Vergleich zu klassischen Benzodiazepinen.
Verfügbarkeit & Lieferzeiten
| Packungsgröße | Tabletten | Indikativer Apothekenpreis | Lieferzeit – Wien | Lieferzeit – Graz | Lieferzeit – Innsbruck | Lieferzeit – Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kleinpackung | 20 | ca. € 17,90 | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage | 2–4 Werktage | 2–3 Werktage |
| Normalpackung | 60 | ca. € 48,00 | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage | 2–4 Werktage | 2–3 Werktage |
Die Medikamente sind in den meisten öffentlichen Apotheken verfügbar. Achtung: Saisonale Lieferengpässe oder Rückrufe werden über das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) bekannt gegeben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Kann ich mit Tofisopam Auto fahren?
In der Regel ja, weil Tofisopam kaum müde macht. Dennoch sollten Sie nach der ersten Einnahme die individuelle Verträglichkeit abwarten und im Zweifelsfall auf das Fahren verzichten. - Wie lange darf ich Tofisopam ohne Pause einnehmen?
Die übliche Therapiedauer beträgt wenige Wochen bis maximal 12 Wochen, abhängig vom Krankheitsbild. Eine längere Einnahme sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. - Muss ich Tofisopam „ausschleichen“?
Ja, insbesondere nach längerer Therapie. Das Absetzen sollte schrittweise und in Absprache mit Ihrem Arzt erfolgen. - Ist Tofisopam auch für Kinder zugelassen?
In Österreich ist Tofisopam nicht offiziell für Kinder unter 12 Jahren zugelassen. In Ausnahmefällen kann es bei Jugendlichen unter enger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. - Kann ich Tofisopam während Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen.

