Bupropion (Bupropionhydrochlorid) – Patienteninformation für Österreich
Grundlagen: Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Bupropion |
|---|---|
| Österreichische Handelsnamen | Wellbutrin® XR, Elontril® |
| ATC-Code | N06AX12 |
| Verfügbare Darreichungsformen | Retardtabletten (Filmtabletten mit verlängerter Wirkstofffreisetzung) |
| Stärken | 150 mg, 300 mg |
| Hersteller (Österreich / EU) | GlaxoSmithKline, TEVA, diverse Generikaanbieter |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verschreibung erforderlich) |
Wirkmechanismus – Wie Bupropion wirkt
Bupropion ist ein sogenannter selektiver Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI). Für Patient:innen einfach erklärt: Bupropion erhöht die Konzentration bestimmter Botenstoffe (vor allem Noradrenalin und Dopamin) im Gehirn. Das kann depressive Symptome lindern und die Motivation verbessern. Für Fachkreise: Bupropion hemmt die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin präsynaptisch, beeinflusst aber Serotonin kaum. Sein Wirkspektrum unterscheidet sich so von klassischen SSRI/SSNRI.
Pharmakokinetik
- Aufnahme (Resorption): Nach oraler Einnahme wird Bupropion über den Magen-Darm-Trakt resorbiert, maximale Blutkonzentration nach ca. 3 Stunden.
- Metabolisierung: In der Leber vor allem durch CYP2B6 zu Hydroxybupropion und anderen aktiven Metaboliten.
- Ausscheidung: Über Urin (ca. 87%), weniger im Stuhl.
- Wirkdauer: Due zur Retardformulierung werden stabile Blutspiegel über 24 Stunden erreicht. Terminale Halbwertszeit: 20–37 Stunden.
Bupropion im Alltag – Anwendung & Dosierung für Österreich
- Bupropion wird in der Regel einmal morgens als Retardtablette eingenommen.
- Tabletten nicht zerkauen, teilen oder zerbrechen, sondern unversehrt schlucken.
- In Österreich beträgt die empfohlene Anfangsdosis bei Erwachsenen 150 mg pro Tag; in Absprache mit dem Arzt kann nach 1–2 Wochen auf 300 mg erhöht werden.
- Regelmäßige Einnahme zur gleichen Zeit wird empfohlen, um optimale und stabile Wirkstoffspiegel zu erreichen.
- Eine Dosisanpassung bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung kann notwendig sein. Ohne ärztliche Rücksprache keine Dosierungsänderung!
Einnahme: Morgens vs. Abends
- Vormittags: Bupropion sollte generell morgens eingenommen werden, da es aktivierend wirkt und Schlafstörungen verursachen kann.
- Nicht abends: Einnahme am Abend kann die Einschlafbereitschaft negativ beeinflussen.
- Tipp: Eine konsequent morgendliche Einnahme (z. B. mit dem Frühstück) fördert die Tagesstruktur und minimiert Nebenwirkungen.
Mit oder ohne Mahlzeit?
- Bupropion kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich Einnahme mit einer Mahlzeit (typisch österreichisches Frühstück z. B. mit Brot und Butter), um Magenbeschwerden zu mindern.
- Alkohol sollte während der Behandlung möglichst vermieden werden, da das Krampfrisiko steigt.
Wechselwirkungen und Warnhinweise
| Interaktionspartner | Hinweis/Gefahr |
|---|---|
| Alkohol | Erhöht das Risiko für Krampfanfälle; möglichst meiden. |
| Mao-Hemmer (z.B. Moclobemid, Tranylcypromin) | Kombination kontraindiziert (mind. 14 Tage Abstand). |
| Andere Antidepressiva (SSRI, SNRI, TCA) | Dosisanpassung und engmaschige Überwachung nötig. |
| Antiepileptika | Dosisanpassung erforderlich; Arzt kontaktieren. |
| Raucherentwöhnungsmittel (Nikotinersatz) | Keine relevanten Wechselwirkungen. |
| Bestimmte Lebensmittel (Grapefruitsaft) | Kann Bupropion-Spiegel beeinflussen; möglichst vermeiden. |
Indikationen
| Indikation | Offizielle Zulassung in Österreich | Hinweis |
|---|---|---|
| Major Depression (MDE) | Ja | Erst- oder Zweitlinientherapie je nach Patient:innenprofil |
| Raucherentwöhnung (in spezialisierten Präparaten) | Nein (in Bupropion-Präparaten wie Wellbutrin/Elontril in Österreich nicht zugelassen) | Nur in Ländern wie USA/UK als Zyban® |
| ADHS bei Erwachsenen | Nein | Off-label, nur unter spezieller ärztlicher Leitung |
| Adjuvante Therapie bei bipolaren Störungen | Nein | Off-label, Risikobeachtung notwendig |
Dosierung nach Indikation
| Patientengruppe | Indikation | Initialdosis | Maximale Tagesdosis | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| Erwachsene (18–65 Jahre) | Depression | 150 mg morgens | 300 mg in 1 Einnahme morgens | Keine Teilung der Tablette |
| Ältere Patient:innen (>65 Jahre) | Depression | 75–150 mg morgens | 150–300 mg nach Verträglichkeit | Start niedrig, schrittweise Steigerung |
| Kinder/Jugendliche | - | - | - | Wegen fehlender Daten keine Routineanwendung |
| Nieren-/Leberinsuffizienz | Depression | Reduzierte Initialdosis | 150 mg täglich | Engmaschige ärztliche Überwachung |
Unerwünschte Wirkungen & Sicherheit
Bupropion ist meist gut verträglich, dennoch können insbesondere zu Beginn oder bei Dosissteigerung Nebenwirkungen auftreten. Im Folgenden sehen Sie die wichtigsten, nach Häufigkeit aufgelistet:
- Sehr häufig (≥10%):
- Schlaflosigkeit (vor allem bei abendlicher Einnahme)
- Mundtrockenheit
- Kopfschmerzen
- Häufig (1–10%):
- Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung
- Schwindel, Zittern
- Unruhe, Angstgefühle
- Herzrasen (Tachykardie)
- Gewichtsverlust, Appetitminderung
- Gelegentlich/selten (<1%):
- Krampfanfälle (besonders bei Risiko-Patient:innen oder gleichzeitiger Einnahme gewisser Medikamente)
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz, Schwellungen)
- Veränderungen im Blutbild, wie z. B. Leukozytose
- Leberfunktionsstörungen
Praktische Tipps & Ratschläge für Österreich
- Setzen Sie Bupropion nie eigenmächtig ab – Rücksprache mit Arzt/Ärztin erforderlich.
- Wenn Sie eine Einnahme vergessen, nicht doppelt einnehmen, sondern zur nächsten normalen Dosis zurückkehren.
- Blutdruck sollte regelmäßig kontrolliert werden (Apotheke, Hausarzt), da es zu Anstiegen kommen kann.
- Bupropion sollte bei Epilepsie oder erhöhtem Krampf-Risiko nicht eingesetzt werden.
- Alkohol in Kombination mit Bupropion verstärkt Nebenwirkungen, Kann Krampfanfälle auslösen – möglichst vermeiden!
Alternativen zu Bupropion (Erstattungsfähig/NFZ):
- SSRIs: Sertralin, Escitalopram, Citalopram (meist Erstwahl). Vorteil: Weniger aktivierend, breitere Erfahrung/Studienlage.
- SNRIs: Venlafaxin, Duloxetin. Vorteil: Wirksam auch bei Schmerzen, Nachteil: mögliches Absetzsyndrom.
- Mirtazapin: Vorteil: schlaffördernd, wirkt gegen Appetitverlust; Nachteil: Gewichtszunahme möglich.
- Agomelatin: Wenig sexuelle Nebenwirkungen, gute Schlafhygiene; Nachteil: Leberwertkontrollen nötig.
- Trizyklika (TCA): Z. B. Amitriptylin, weniger häufig verwendet wegen Nebenwirkungen. Vorteile bei chronischem Schmerz.
Rechtlicher Status & Erstattung in Österreich
- Bupropion ist in Österreich (BASG/AGES) zugelassen für die Behandlung der Depression (MDD).
- Es ist verschreibungspflichtig und ausschließlich in Apotheken erhältlich.
- Im Erstattungskodex (EKO) gelistet; Kosten werden von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) unter bestimmten Voraussetzungen übernommen (nach Indikationsstellung und bei Therapieversagen/Unverträglichkeit anderer Antidepressiva).
Aktuelle Daten & neue Leitlinien (2022–2025)
- Laut der aktualisierten S3-Leitlinie der DGPPN/GKPP (2022/2023) wird Bupropion als mögliche Ergänzung bei ausbleibender Wirkung klassischer Antidepressiva genannt.
- Neue Studien (z. B. EFFEX-Studie 2023, Wien) bestätigen einen Vorteil beim Antrieb und vergleichbare Wirksamkeit zu SSRIs mit einem etwas anderen Nebenwirkungsprofil (u. a. weniger sexuelle Dysfunktion).
- Internationale Daten (z. B. Cochrane Review 2024) unterstützen den Einsatz v. a. bei sekundärer Depression mit Antriebslosigkeit.
Verfügbarkeit & Lieferung – Apothekenalltag in Österreich
Die Versorgung mit Bupropion ist flächendeckend gesichert. Es ist fast immer lieferbar; in seltenen Fällen kann eine Bestellung erforderlich sein.
| Packsgröße | Indikativer Preis (Kassenpatient:innen) | Lieferzeit in Wien | Lieferzeit in Linz | Lieferzeit in Graz | Lieferzeit in Innsbruck |
|---|---|---|---|---|---|
| 30 Retardtabletten (150 mg) | ca. € 55,– | 1 Tag | 1–2 Tage | 1 Tag | 1–2 Tage |
| 90 Retardtabletten (150 mg oder 300 mg) | ca. € 145,– | 1 Tag | 1–2 Tage | 1 Tag | 1–2 Tage |
* Preise variieren je nach Erstattung, Hersteller und Apothekenrabatt.
FAQ – Häufige Fragen zu Bupropion
- Wie lange dauert es, bis Bupropion wirkt?
Erste Verbesserungen treten meist nach 1–2 Wochen auf, die volle Wirkung entwickelt sich nach 3–6 Wochen. - Kann ich unter Bupropion Auto fahren?
Zu Beginn oder bei Dosisanpassung Vorsicht – bis Sie wissen, wie Sie das Medikament vertragen. Bei ausgeprägtem Schwindel oder Benommenheit auf das Fahren verzichten. - Macht Bupropion abhängig?
Nein, Bupropion besitzt kein Abhängigkeitspotenzial. - Muss ich spezielle Kontrollen durchführen lassen?
Regelmäßige (Blutdruck-) Kontrollen und ggf. Laborkontrollen der Leber- und Nierenfunktion werden empfohlen – besprechen Sie dies mit Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin. - Kann ich Bupropion in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Hier ist eine sorgfältige Risikonutzenabwägung erforderlich, bitte kontaktieren Sie Ihre/n Facharzt/Fachärztin oder Beratungsstellen wie das TIS Wien. Eigenständige Einnahme ohne ärztliche Rücksprache ist nicht ratsam.

