Plaquenil® (Hydroxychloroquin) – Patienteninformation für Österreich
1. Grundlagen des Arzneimittels
| Internationaler Freiname (INN) | Hydroxychloroquin |
| Handelsnamen in Österreich | Plaquenil®, Hydroxychloroquin Stada®, Hydroxychloroquin Mylan® |
| ATC-Code | P01BA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten: 200 mg |
| Hersteller | Sanofi-Aventis Österreich GmbH, STADA Arzneimittel GmbH, Mylan Healthcare GmbH |
| Apothekenpflicht/ Verschreibungspflicht | Rezeptpflichtig (ärztliche Anordnung zwingend erforderlich) |
2. Wirkmechanismus
- Für Patienten verständlich: Plaquenil® gehört zu den krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) und unterdrückt bestimmte Abwehrreaktionen des Immunsystems. Es hilft, Entzündungen und Schmerzen bei Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus zu lindern.
- Für Fachleute: Hydroxychloroquin stabilisiert lysosomale Membranen, hemmt die Antigen-Präsentation sowie TLR-Signalwege und verringert die Aktivierung von dendritischen Zellen. Zusätzlich reduziert es die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine (zum Beispiel Interleukin-1 und TNF-α).
3. Pharmakokinetik
- Absorption: Hydroxychloroquin wird nach Einnahme zu ca. 74 % im Darm resorbiert. Die maximale Plasmakonzentration wird nach 3–5 Stunden erreicht.
- Verteilung: Starkes Verteilungsvolumen, Anreicherung im Gewebe, besonders in Leber, Milz, Nieren und Lunge.
- Metabolismus: Teilweise hepatisch über CYP2C8, CYP2D6 und CYP3A4.
- Elimination: Hauptsächlich renal (über die Nieren), teils biliär; Eliminationshalbwertszeit ca. 40–50 Tage.
- Wirkdauer: Die therapeutische Wirkung setzt oft langsam ein (3–6 Wochen), aber die Wirkung hält Wochen bis Monate nach Absetzen an.
4. Anwendung im Alltag und bewährte Praxis
Die typische Dosierung für Erwachsene bei rheumatologischen Erkrankungen beträgt 200 mg täglich (manchmal bis max. 400 mg, je nach Schwere und Körpergewicht). Die Tabletten sollten täglich, möglichst immer zur gleichen Zeit, eingenommen werden. In Österreich wird die Einnahme oft bevorzugt nach dem Frühstück empfohlen, um Magenbeschwerden zu vermeiden. Die Tablette sollte unzerkaut mit einem Glas Wasser geschluckt werden.
- Empfohlene Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit, um das Risiko von Übelkeit und Magenreizungen zu mindern.
- Regelmäßige ophthalmologische (Augen-)Kontrollen sind während der Behandlung wichtig, um seltene Risiken für das Sehvermögen frühzeitig zu erkennen.
- Bei einer vergessenen Dosis: Nicht doppelt nehmen, sondern regulär fortfahren.
5. Einnahme morgens oder abends – Vor- und Nachteile
- Morgens: Einnahme zusammen mit dem Frühstück minimiert gastrointestinale Nebenwirkungen. Für viele Patient:innen in Österreich ist dies alltagspraktisch, da die morgendliche Routine leichter einzuhalten ist.
- Abends: Einige Patient:innen bevorzugen die Einnahme abends, besonders wenn Müdigkeit oder Übelkeit auftreten. Die Einnahme abends kann zu mehr Magenproblemen im Liegen führen.
- Empfehlung: Am besten die Tablette immer etwa zur gleichen Tageszeit einnehmen und diese – je nach Verträglichkeit – an die eigene Routine anpassen.
6. Einnahme zu den Mahlzeiten oder auf nüchternen Magen
- Nach österreichischen Leitlinien sollte Hydroxychloroquin möglichst mit einer Mahlzeit oder unmittelbar danach eingenommen werden.
- Typisch österreichische Essgewohnheiten (z. B. Frühstück oder leichtes Mittagessen) eignen sich gut zur Einnahme.
- Die gemeinsame Einnahme mit Milchprodukten, Brot oder Müsli ist unproblematisch.
- Bei nüchterner Einnahme häufiger Magenbeschwerden.
7. Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Substanz / Lebensmittel | Risiko/Hinweis |
| Alkohol | Kann Leberschäden verstärken; möglichst meiden |
| Antazida (z. B. Aluminium- oder Magnesiumhaltige Präparate) | Verzögerte Aufnahme von Hydroxychloroquin – Einnahme mit 4 Stunden Abstand |
| Digoxin | Erhöhtes Risiko für Digoxin-Vergiftung – engmaschige Kontrolle notwendig |
| Insulin/Antidiabetika | Kann die Blutzuckerwerte beeinflussen – regelmäßige Kontrolle wichtig |
| Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern (z. B. bestimmte Antiarrhythmika) | Erhöhtes Herzrhythmusstörungsrisiko – ärztliche Rücksprache nötig |
| Johanniskraut | Kann die Wirkung von Hydroxychloroquin verringern |
8. Indikationen (zugelassen & Off-Label)
| Indikation | Zugelassen (AT) |
| Rheumatoide Arthritis | Ja |
| Systemischer Lupus erythematodes (SLE) | Ja |
| Chronischer kutaner Lupus erythematodes | Ja |
| Malaria- Prophylaxe und -Behandlung | Ja (nur, wenn keine Resistenzen vorliegen) |
| Sjögren-Syndrom | Off-label |
| COVID-19, andere Viruserkrankungen | Nein (keine Zulassung, keine Empfehlung mehr) |
9. Dosierungen nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Persongruppe | Standarddosis (Erwachsene) | Pädiatrie (Kinder ab 6 Jahren) | Senioren |
| Rheumatoide Arthritis | 200-400 mg/Tag | 3–6 mg/kg KG/Tag; max. 400 mg | Anfangsdosis wie Erwachsene; engmaschige Überwachung empfohlen |
| SLE | 200-400 mg/Tag | 3–6 mg/kg KG/Tag; max. 400 mg | Wie Erwachsene |
| Malaria (akute Behandlung, Resistenzen beachten) | 800 mg initial, danach 400 mg/6–8 h (insgesamt 2 g) | Etwa 13 mg/kg KG täglich für 3 Tage | Wie Erwachsene; auf Nierenfunktion achten |
Die genaue Dosierung erfolgt stets nach ärztlicher Anweisung. Eine individuelle Anpassung ist bei bestehenden Nieren- oder Lebererkrankungen notwendig.
10. Nebenwirkungen & Risiken
| Häufigkeit | Typische Nebenwirkungen | Warnhinweise/Besondere Risiken |
| Sehr häufig/Häufig | Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit | Meist reversibel, durch Einnahme mit Nahrung reduzierbar |
| Gelegentlich | Hautausschlag, Juckreiz, Pigmentveränderungen, Haarausfall | Dermatologische Kontrolle bei anhaltenden Symptomen |
| Selten | Beeinträchtigung des Sehvermögens (Retinopathie), Veränderungen des Herzrhythmus, Blutbildveränderungen | Regelmäßige Netzhautkontrolle, EKG und Blutuntersuchungen erforderlich |
| Sehr selten/Einzelfälle | Psychische Störungen, schwere allergische Reaktionen, Leber- und Nierenfunktionsstörungen | Sofort ärztliche Vorstellung bei plötzlich auftretenden Beschwerden |
11. Richtige Anwendung (Apothekentipps & Klinikberatung für Österreich)
- Tablette immer zur gleichen Tageszeit einnehmen, idealerweise nach dem Essen.
- Einmalige vergessene Einnahme möglichst zeitnah nachholen; keine Doppeleinnahme!
- Kombinierte Arzneimittel stets mit Ihrem Arzt oder Apotheker absprechen.
- Augenkontrolle: Mindestens 1× pro Jahr beim Augenfacharzt;
- Regelmäßige Blutbild- und Leberfunktionskontrollen empfohlen.
- Bei Anzeichen von Sehstörungen, Hautveränderungen oder Herzbeschwerden sofort medizinische Hilfe suchen.
- Unverträgliche Tablettengröße? In österreichischen Apotheken gibt es Bruchhilfen oder ggf. alternative Präparate.
- Lesen Sie stets die vollständige Packungsbeilage und lassen Sie sich von Ihrem Apothekenteam beraten!
12. Alternative Behandlungsoptionen (Kassenleistung, Vor- & Nachteile)
- Methotrexat (MTX): Ebenfalls kassenfinanziertes DMARD, oft erste Wahl bei rheumatoider Arthritis. Vorteil: rasche Wirksamkeit, Nachteil: Lebertoxizität, Überwachungsaufwand.
- Leflunomid: Alternative mit ähnlichem Wirkprofil; Nachteil: lange Halbwertszeit, teratogen.
- Biologika (z. B. TNF-Blocker): Hochwirksam; Nachteil: Injektion, erhöhtes Infektionsrisiko, hohe Kosten – aber unter bestimmten Voraussetzungen erstattungsfähig.
- Sulfasalazin: Günstiges synthetisches DMARD, bei Unverträglichkeit gegen Hydroxychloroquin geeignet.
- Cortison-Präparate: Wirksame Akut-Therapie, aber nicht als Dauerlösung wegen Nebenwirkungsprofil.
13. Rechtliche Aspekte, Registrierung und Erstattung in Österreich
- Zugelassen und registriert durch die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) und das Bundesministerium (BMSGPK).
- Nur gegen Vorlage eines ärztlichen Rezepts in Apotheken erhältlich.
- Im Gesundheitswesen Österreichs (ÖGK, BVAEB, SVS) grundsätzlich im Rahmen der jeweiligen Indikation erstattungsfähig.
- Abgabe unterliegt der Verschreibungspflicht gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz.
- Plausibilitätsprüfungen und Arzneimittelsicherheit gemäß dem europäischen Pharmacovigilance-System.
14. Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- Die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie sowie die EULAR-Leitlinien (2023) bestätigen den Stellenwert von Hydroxychloroquin zur Langzeittherapie bei SLE und rheumatoider Arthritis.
- Zur Behandlung von COVID-19 empfiehlt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Hydroxychloroquin nicht mehr, da keine Wirksamkeit nachgewiesen wurde (Quelle: EMA-Pressemitteilung 2022).
- Studien bestätigen eine niedrige Rate schwerer Nebenwirkungen bei konsequenter ophthalmologischer Kontrolle (Quelle: Ann Rheum Dis 2023;82:361-370).
- Zunehmender Einsatz in rheumatologischer Kombinationstherapie zur Dosisreduktion von Kortikosteroiden.
15. Verfügbarkeit & Lieferung
| Paketgröße (Tabletten) | Unverbindlicher Apothekenverkaufspreis * | Lieferzeit nach Wien | Lieferzeit nach Graz | Lieferzeit nach Linz | Lieferzeit nach Salzburg |
| 60 Stk. | ca. 28,00 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | 2–3 Werktage | 2–4 Werktage |
| 100 Stk. | ca. 43,50 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | 2–3 Werktage | 2–4 Werktage |
* Preis kann je nach Apotheke und Kassenstatus geringfügig variieren.
16. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie lange dauert es, bis Plaquenil® wirkt?
Antwort: Die volle Wirkung tritt meist nach 3 bis 6 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Geduld ist notwendig – das Medikament ist nicht für eine schnelle Soforthilfe gedacht. - Was tun, wenn ich Plaquenil® vergessen habe?
Antwort: Holen Sie die Einnahme so bald wie möglich nach, es sei denn, die nächste Tablette steht kurz bevor – dann wie gewohnt weitermachen und keine doppelte Dosis einnehmen. - Welche Kontrollen sind während der Plaquenil®-Therapie notwendig?
Antwort: Mindestens einmal jährlich sollten Netzhautuntersuchungen beim Augenarzt und Laborkontrollen (Leber, Blutbild) erfolgen. Ihr Arzt wird Sie zusätzlich individuell betreuen. - Kann ich während der Therapie Alkohol trinken?
Antwort: Grundsätzlich sollten Sie Alkohol meiden oder nur in kleinen Mengen konsumieren, da Hydroxychloroquin lebertoxisch wirken kann und die Nebenwirkungen verstärkt werden. - Darf ich Plaquenil® in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Antwort: Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt! Eine Anwendung ist bei ausgewählten rheumatischen Erkrankungen oft weiterhin möglich, erfordert jedoch strenge ärztliche Begleitung und Nutzen-Risiko-Abwägung.
Für alle weiteren Fragen zu Plaquenil® stehen Ihnen Ihr Arzt, Apotheker oder die österreichischen Patienten-Beratungsstellen gerne zur Verfügung.