Nintedanib – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Nintedanib |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Ofev® |
| ATC-Code | L01EX09 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Hartkapseln zu 100 mg und 150 mg |
| Hersteller | Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach österreichischem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus
Einfach erklärt: Nintedanib wirkt als Hemmer verschiedener Eiweißstoffe (Tyrosinkinasen) in den Zellen, die für das Wachstum und die Vermehrung von Fibrose- und Tumorzellen verantwortlich sind. So verlangsamt es das Fortschreiten bestimmter Lungen- und Krebserkrankungen.
Für medizinisches Fachpersonal: Nintedanib ist ein oraler nicht-selektiver Inhibitor von multiplen Tyrosinkinasen (wie VEGFR 1-3, FGFR 1-3, PDGFR α/β), die bei pathologischer Angiogenese, Fibrosierung und Tumorprogression eine bedeutende Rolle spielen.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle, aber nicht vollständige Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt (max. Plasmaspiegel nach 2–4 Stunden).
- Metabolismus: Hauptsächlich durch Esterasen, weniger durch CYP-Enzyme (v.a. CYP3A4), was zu wenigen Wechselwirkungen führt.
- Elimination: Darm (über die Galle), wenig über die Nieren.
- Wirkdauer: Plasmahalbwertszeit ca. 10–15 Stunden.
Anwendung im Alltag und Praktische Hinweise für Österreich
- Typische Dosierung: 150 mg zweimal täglich (morgens und abends, jeweils ca. 12 Stunden Abstand).
- Anwendung: Die Kapseln unzerkaut und mit ausreichend Wasser einnehmen, möglichst immer zu den Hauptmahlzeiten.
- Hinweis für Senioren: Keine generelle Dosisreduktion notwendig, aber engmaschige Kontrolle empfehlenswert.
- Hinweis für mitteleuropäische Ernährung: Bei Magenbeschwerden hilft oft, die Einnahme zusammen mit einer kleinen fettarmen Mahlzeit durchzuführen.
- Wenn eine Einnahme vergessen wurde, die nächste reguläre Dosis wie gewohnt einnehmen – keine Doppeldosis!
Morgendliche oder abendliche Einnahme: Empfehlungen
- Vorteile Morgeneinnahme: Verbesserte Routine, besseres Erinnerungsvermögen, weniger Interaktion mit abendlichen Medikamenten.
- Vorteile Abendeinnahme: Bei morgendlicher Übelkeit kann die Einnahme zum Abend angenehmer sein.
- Tipp: Konstante Einnahmezeiten erhöhen die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Nutzen Sie Erinnerungsfunktionen auf Smartphone oder Uhren.
Einnahme zu oder fern von Nahrung – Auswirkungen und Ernährungsempfehlungen
- Empfehlung: Nintedanib sollte immer mit Nahrung eingenommen werden. Das Essen kann helfen, Magen-Darm-Nebenwirkungen zu reduzieren.
- Wirkung auf österreichische Essgewohnheiten: Die Einnahme zu Frühstück und Abendessen passt gut zu den typischen Mahlzeiten. Eine fettarme, leicht bekömmliche Kost ist empfehlenswert.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktionspartner | Empfehlung |
|---|---|
| Starke CYP3A4-Induktoren (z.B. Rifampicin, Johanniskraut) | Kann die Wirksamkeit reduzieren – meiden oder engmaschig kontrollieren |
| Antikoagulantien (z.B. Warfarin, NOAKs) | Erhöhte Blutungsgefahr – engmaschige Überwachung empfohlen |
| Alkohol | Kann gastrointestinale Nebenwirkungen verstärken – auf mäßigen Konsum achten |
| Bestimmte Lebensmittel (z.B. Grapefruitsaft) | Kann Spiegel erhöhen – möglichst vermeiden |
Indikationen
| Indikation | Zulassung (Österreich) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Idiopathische Lungenfibrose (IPF) | Offiziell zugelassen | Primäre Anwendung |
| Chronische fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) mit Progression | Offiziell zugelassen | Inkl. Autoimmun-ILD |
| Systemische Sklerose-assoziierte ILD (SSc-ILD) | Offiziell zugelassen | Kein alternatives Medikament |
| Off-Label: Tumortherapie (z.B. Lungenkarzinom) | Teilweise im Studienkontext | Nicht im Rahmen der Standardversorgung |
Dosierung nach klinischen Indikationen
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Idiopathische Lungenfibrose | 150 mg 2x täglich | Keine Zulassung | Wie Erwachsene; sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung |
| Progressive ILD | 150 mg 2x täglich | Keine Zulassung | Wie Erwachsene; häufigere Kontrollen empfehlen sich |
| SSc-ILD | 150 mg 2x täglich | Keine Zulassung | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig (über 10%): Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Appetitverlust
- Häufig (1–10%): Leberwerterhöhungen, Kopfschmerzen, Gewichtsverlust
- Gelegentlich (0,1–1%): Bluthochdruck, Nasenbluten, Hautausschlag
- Selten (unter 0,1%): Leberversagen, schwerwiegende Blutungsereignisse
- Warnhinweise: Vor allem bei Patienten mit Leber- oder Gerinnungsstörungen. Häufige Laborkontrollen empfohlen!
Hinweise zur richtigen Anwendung – Rat aus der Apotheke
- Packungsbeilage sorgfältig lesen und aufbewahren.
- Kapseln dürfen nicht geöffnet oder zerbissen werden!
- Blutbild, Leberwerte und Urin regelmäßig kontrollieren lassen (mind. alle 1–3 Monate).
- Bei schweren Durchfällen sofort ärztlichen Rat einholen!
- Vor geplanten Operationen oder Zahnbehandlungen immer den betreuenden Arzt bzw. das Krankenhaus informieren.
Therapiealternativen – Übernahme durch österreichische Krankenkassen (ÖGK, BVAEB, SVS)
- Pirfenidon: Ebenfalls zugelassen für IPF, vergleichbare Wirksamkeit, andere Nebenwirkungsprofil (häufig lichtempfindliche Haut, weniger GI-Beschwerden). Preislich ähnlich.
- Kortikosteroide (Prednisolon, Methylprednisolon): Keine Zulassung bei IPF, ggf. off-label bei anderen ILDs.
- Immunsuppressiva (Mycophenolat, Azathioprin): Vorwiegend bei Autoimmun-bedingter ILD.
- Vorteile von Nintedanib: Breitere Zulassung, Behandlungserfolg auch bei multiplen ILD-Formen.
- Nachteile: Gastrointestinale Nebenwirkungen häufiger als bei einigen Alternativen.
Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsinformationen
- Zulassung: European Medicines Agency (EMA), Österreichische Zulassungsnummer BA-XXXXX.
- Rezeptpflicht: Nur auf ärztliche Verordnung erhältlich.
- Kostenerstattung: In den Erstattungskodizes der österreichischen Krankenkassen enthalten (ÖGK, BVAEB, SVS); Einsatz nach Zulassung vollständig erstattungsfähig.
- Überwachung und Pharmakovigilanz: Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
Aktuelle Forschung/Leitlinien (2022–2025)
- ASTHMA/ILD-Guideline (2023): Nintedanib wird in internationalen und österreichischen Leitlinien als First-Line-Therapie für progressive, fibrosierende Lungenerkrankungen empfohlen (siehe Deutsche Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP).
- Neue Daten (2024–2025): Studien wie INBUILD und SENSCIS belegen nachhaltige Reduktion des jährlichen FVC-Verlustes über mehrere Jahre.
- Internationale Fachliteratur: Flaherty KR et al., "Nintedanib in Progressive Fibrosing Interstitial Lung Diseases", NEJM 2022; Richeldi L et al., "Efficacy and Safety of Nintedanib in SSc-ILD", Lancet Respir Med 2023.
- Empfehlung: Therapiebeginn möglichst früh im Krankheitsverlauf.
Verfügbarkeit und Lieferzeiten
- Gängige Packungsgrößen: 60 Kapseln (im Monatsbedarf), 180 Kapseln (Quartalsbedarf)
- Richtpreise (Stand 2024): 60 Kapseln zu 150 mg – ca. 2.800–3.200 Euro (Erstattung durch Krankenkassen möglich)
| Stadt | Verfügbarkeit in Apotheken | Lieferzeit bei Online-Bestellung |
|---|---|---|
| Wien | Sehr gut | 24–48 Stunden |
| Graz | Gut | 1–3 Werktage |
| Linz | Sehr gut | 24–48 Stunden |
| Salzburg, Innsbruck | Gut | 1–3 Werktage |
| Kärnten, Vorarlberg | Abhängig von der Apotheke | Bis zu 5 Werktage |
Häufige Patientenfragen (FAQ)
- 1. Was mache ich, wenn ich eine Dosis Nintedanib vergessen habe?
Nehmen Sie nicht doppelt ein. Setzen Sie die Einnahme wie gewohnt zur nächsten planmäßigen Zeit fort. - 2. Kann ich andere Medikamente zusammen mit Nintedanib einnehmen?
Besprechen Sie neue Medikamente immer mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Besonders Blutverdünner oder pflanzliche Mittel (wie Johanniskraut) können problematisch sein. - 3. Ist Nintedanib während Schwangerschaft oder Stillzeit geeignet?
Nein, es darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Es ist eine sichere Verhütung erforderlich. - 4. Wie lange muss Nintedanib eingenommen werden?
In der Regel so lange, wie der behandelnde Arzt es empfiehlt, meist bis zur Stabilisierung der Erkrankung oder dem Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen. - 5. Darf ich Auto fahren oder Maschinen bedienen?
Solange Sie keine Schwindelgefühle oder Konzentrationsstörungen verspüren, gibt es keine besonderen Einschränkungen. Im Zweifel besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt.

