Grisactin (Griseofulvin) – Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Griseofulvin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Grisactin®, Grisovin® (Verfügbarkeit saisonabhängig), Generika erhältlich |
| ATC-Code | D01BA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Wirkstärken | Tabletten (125 mg, 250 mg, 500 mg) |
| Hersteller in Österreich / EU | verschiedene Pharmaunternehmen (u. a. ratiopharm, Stada, Actavis) |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig |
Wirkmechanismus
Für Patienten: Griseofulvin bekämpft Pilzinfektionen, indem es das Wachstum bestimmter Pilze (Dermatophyten) stoppt. Es wirkt gezielt gegen Erreger, die Haut, Haare und Nägel befallen.
Für Fachkreise: Griseofulvin bindet spezifisch an das Spindelapparat-Protein Tubulin und hemmt so die Mitose der Pilzzellen. Zudem reichert es sich in keratinhaltigem Gewebe an, wodurch Neuinfektionen verhindert werden.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute Aufnahme im Darm, besonders in Verbindung mit fettreichen Speisen.
- Metabolisierung: Leber (Erstpassage-Effekt).
- Ausscheidung: Hauptsächlich über den Urin, teilweise über die Galle.
- Wirkdauer: Bei Konstanz der Einnahme: steady state nach ca. 7 Tagen, Wirkdauer auch nach Therapieende tagelang.
Anwendung im Alltag und bewährte Vorgehensweisen
- Typische Dosierung für Erwachsene: 500–1000 mg pro Tag, aufgeteilt auf 1–2 Einzeldosen, abhängig vom Gewicht und Ausmaß der Infektion.
- Einnahme: Mit einem Glas Wasser, am besten zu oder nach einer fetthaltigen Mahlzeit (z. B. Butterbrot, Joghurt, Milch).
- Therapiedauer: Mindestens 2 Wochen, bei Nagelpilz 3–6 Monate.
- Tabletten unzerkaut schlucken.
- Nicht eigenständig absetzen (Rückfallgefahr!).
Einnahme morgens oder abends?
- Vorteile morgens: Gute Routine, weniger vergessen, kombinierbar mit Frühstück.
- Vorteile abends: Bei Nebenwirkungen wie Müdigkeit kann dies nachts angenehmer sein.
- Wichtig: Regelmäßige Einnahme ist entscheidend für die Heilung.
- Tipps: Erinnerung im Handy einstellen, Einnahme mit einer festen Mahlzeit koppeln.
Einnahme mit oder ohne Nahrung – Einfluss der Ernährung
- Mit Nahrung (besonders fetthaltig): Erhöhung der Aufnahme und Wirksamkeit – empfohlen!
- Österreichische Besonderheiten: Gute Möglichkeiten sind Buttersemmel, Käsebrot, Milchkaffee.
- Auf nüchternen Magen: Deutlich geringere Bioverfügbarkeit.
- Empfehlung: Immer direkt nach einer Hauptmahlzeit.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Interaktion | Empfehlung/Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Vermeiden; erhöht Leberbelastung, Risiko für Nebenwirkungen steigt |
| Ovulationshemmer ("Antibabypille") | Wirkverlust möglich – zusätzliche Verhütung empfohlen |
| Barbiturate, Phenobarbital | Beschleunigter Abbau, Wirksamkeitsverlust von Griseofulvin |
| Warfarin | Abschwächung der Blutgerinnungshemmung möglich – INR-Kontrolle notwendig |
| Lebensmittel mit Grapefruit | Keine bekannten Interaktionen |
Indikationen
| Anwendungsgebiet | Offiziell zugelassen (in Österreich) | Off-Label |
|---|---|---|
| Dermatophytosen der Haut | Ja | Nein |
| Onychomykosen (Nagelpilz, Fuß-/Fingernägel) | Ja | Nein |
| Tinea capitis (Kopfhaut-Pilzinfektion) | Ja (bevorzugt bei Kindern) | Ja, bei Erwachsenen bei Resistenz |
| Andere Pilzerkrankungen (Systemisch, Hefepilze) | Nein | Selten, meist Alternativen bevorzugt |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder (ab 2 Jahren) | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Dermatophytosen der Haut | 500 mg/Tag | 10–20 mg/kg KG/Tag, max. 1 g/Tag | wie Erwachsene; Leberfunktion prüfen |
| Tinea capitis/Tinea corporis | 500–1000 mg/Tag | 10–20 mg/kg KG/Tag | wie Erwachsene; Kontrolle auf Nebenwirkungen |
| Onychomykose | 1 g/Tag über 6–12 Monate | max. 1 g/Tag, 6–12 Monate | wie Erwachsene; Blutwerte kontrollieren |
Exakte Dosierung und Therapiedauer legt der behandelnde Arzt fest.
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig | Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen) | Oft vorübergehend |
| Häufig | Hautausschläge, Müdigkeit, Durchfall, Mundtrockenheit | Arzt informieren bei schwerem Verlauf |
| Selten | Leberfunktionsstörungen, Photosensibilität, allergische Reaktionen | Sonnenschutz beachten, Leberwerte kontrollieren |
| Sehr selten | Neurologische Störungen (Verwirrtheit, Nervosität), Blutbildveränderungen | Sofort Arzt aufsuchen |
Empfehlungen zur richtigen Anwendung (Apotheker- und Praxis-Tipps)
- Therapie nicht abbrechen – auch nach Abklingen der Symptome bis Ende fortführen.
- Korrekte Einnahmezeit und -menge einhalten.
- Kinder unter Aufsicht einnehmen lassen.
- Regelmäßige Kontrollen beim Arzt (besonders Leber und Blutbild).
- Sonnenschutz, da Haut photosensibel werden kann.
- Im Zweifel Rücksprache mit Apotheke oder Arzt halten.
Alternative Therapien
- Terbinafin: Schneller wirksam bei Nagelpilz, wird ebenfalls von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) erstattet; weniger Wechselwirkungen, nicht für alle Pilzarten geeignet.
- Itraconazol: Breiteres Wirkspektrum, kurze Therapieintervalle, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich; Rezeptpflichtig und von der ÖGK erstattungspflichtig, aber mit Antrag.
- Fluconazol: Bei Hefepilz-Infektionen und unkomplizierter Nagelpilz geeignet; weniger effektiv bei Dermatophyten.
- Lokale Therapien (Cremes, Lacke): Bei oberflächlichen Infektionen ausreichend, bei Tinea capitis/Nagelpilz systemische Therapie notwendig.
Die Wahl des Mittels richtet sich nach Pilzart, Lokalisation, Vorerkankungen und Begleitmedikation.
Rechtliche Hinweise, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Registrierungsbehörde: BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen), EMA für EU-weit zugelassene Arzneimittel.
- Zulassung: Nur für schwer behandelbare Pilzinfektionen; Einsatz bei anderen Infektionen nur nach individueller Bewertung.
- Erstattung: Kassenleistung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gemäß Erstattungskodex (EKO).
- Rezeptpflicht: Verschreibung durch Arzt; für Kinder vorrangig bei Tinea capitis zugelassen.
- Weitere Hinweise: Nicht zur Vorbeugung, nur zur Behandlung akut bestehender Infektionen.
Aktuelle Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- Aktuelle Deutsch-Österreichische Leitlinien (AWMF S2k 013/032) sehen Griseofulvin weiterhin als Mittel der Wahl bei Mikrosporie und Tinea capitis im Kindesalter.
- Laut „Leitfaden Dermatophytosen 2024“ (Österreichische Gesellschaft für Dermatologie) ist Terbinafin dem Griseofulvin bei Onychomykosen meist überlegen.
- 2022 veröffentlichte Daten der EMA bestätigen Griseofulvin als sicheres Arzneimittel bei kontrollierter Dauer, regelmäßigem Monitoring und richtiger Patientenwahl.
- Deutsche Originalquelle: Leitlinie „Onychomykose“ AWMF-Register-Nr. 013-002, gültig bis 2026.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Preise
| Packungsgröße | Tablettenmenge | Preis (Durchschnitt, EUR *) | Lieferzeit (Apotheke → Stadt) |
|---|---|---|---|
| Kleinpackung | 20 Stk. à 250 mg | ca. 19,50 € | Wien: 0–1 Tag Salzburg: 1–2 Tage Innsbruck: 2 Tage |
| Monatspackung | 60 Stk. à 250 mg | ca. 47,00 € | Wien: 0–1 Tag Graz: 1 Tag Linz: 1 Tag |
| Großpackung | 100 Stk. à 500 mg | ca. 98,00 € | Wien: 1 Tag Rest Österreich: 1–3 Tage |
*Preisangaben variieren je nach Apotheke und erstatteten Rabatt.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Muss ich Griseofulvin zu jeder Mahlzeit einnehmen?
Nein, aber zu einer fetthaltigen Hauptmahlzeit (z.B. Frühstück oder Mittagessen) eingenommen, wird es am besten aufgenommen. - Darf ich mit Griseofulvin Alkohol trinken?
Alkohol sollte gemieden werden, da die Leber zusätzlich belastet und die Nebenwirkungsrate erhöht wird. - Wie lange dauert die Behandlung?
Je nach Infektionstyp mindestens 2 Wochen (Hautpilz), bis zu 12 Monate (Nagelpilz). Arztanweisung unbedingt befolgen! - Ist Griseofulvin gut für Kinder geeignet?
Ja, bei Pilzinfektion der Kopfhaut (Tinea capitis) ist es Mittel der ersten Wahl. Die Dosierung erfolgt nach Körpergewicht. - Was tue ich, wenn ich eine Tablette vergessen habe?
Die vergessene Dosis so bald wie möglich nachholen. Nie eine doppelte Dosis einnehmen!
Wichtiger Hinweis:
Diese Information ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei Unsicherheiten oder Problemen wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt.

