Nizoral® (Ketoconazol) – Umfassende Produktinformation für Patientinnen und Patienten in Österreich
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Ketoconazol |
| Handelsnamen in Österreich | Nizoral®, Fungoral®, Ketozolin® |
| ATC-Code | D01AC08 (topisch), J02AB02 (oral) |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten 200 mg Creme 2 % Shampoo 2 % |
| Hersteller | Janssen-Cilag, diverse Generikahersteller |
| Rezeptstatus | Rezeptpflichtig (Arzneimittelgesetz, § 6, Österreich) |
Wirkmechanismus
Für Patientinnen und Patienten erklärt:
Ketoconazol gehört zu den so genannten Antimykotika und wirkt gezielt gegen Pilzinfektionen. Es stoppt das Wachstum und die Vermehrung von Pilzen, indem es deren Zellmembran schädigt.
Für Fachpersonal:
Ketoconazol hemmt das Enzym 14-α-Demethylase, ein CYP450-Isoenzym, das für die Biosynthese von Ergosterol, einem essenziellen Bestandteil der Pilzzellmembran, notwendig ist. Dies führt zu erhöhter Membranpermeabilität und Zelltod der Pathogene.
Pharmakokinetik
- Absorption: Orales Ketoconazol wird am besten in saurer Umgebung aufgenommen. Wirksamkeit kann bei Personen mit verminderter Magensäureproduktion (z.B. ältere Menschen, nach Einnahme von Säureblockern) reduziert sein.
- Metabolismus: Ketoconazol wird vorwiegend in der Leber durch CYP3A4 verstoffwechselt.
- Elimination: Hauptsächlich biliär, zu geringeren Teilen renal.
- Dauer der Wirkung: Plasmahalbwertszeit ca. 2–8 Stunden, dennoch wirken Reste im Gewebe länger.
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis
Orale Tabletten: Werden meist bei schweren, inneren Pilzinfektionen eingesetzt, oft als Reserve.
Creme: Vor allem bei Hautpilzen, bei Pilzinfektionen der Leiste, Füße, Hände, Rumpf und Hautfalten.
Shampoo: Bei Kopfhautpilz, seborrhoischer Dermatitis und Pityriasis versicolor.
Typische Dosierung:
- Tabletten: 1 x 200 mg täglich, bei Bedarf auf 2 x 200 mg steigerbar (siehe Tabelle unten).
- Creme: 1–2 x täglich auf betroffene Stellen auftragen.
- Shampoo: 2 x pro Woche, 3–5 Minuten einwirken lassen.
Dosierung morgens vs. abends
- Morgens: Tabletten am Morgen helfen, an die regelmäßige Einnahme zu denken (z. B. mit dem Frühstück).
- Abends: Bei Nebenwirkungen wie Übelkeit kann der abendliche Einnahmezeitpunkt besser verträglich sein.
- Tipp: Entscheiden Sie sich für einen Zeitpunkt, der sich gut in Ihre täglichen Gewohnheiten integrieren lässt. Wichtig ist die regelmäßige, tägliche Einnahme. Ihre Apothekerin/Ihr Apotheker berät Sie gern individuell.
Einnahme zu Mahlzeiten oder nüchtern
Orale Einnahme: Ketoconazol wird bei Einnahme mit einer Mahlzeit oder kohlensäurehaltigen Getränken in der Regel besser aufgenommen.
Österreichische Ernährungsgewohnheiten: Die Einnahme mit Leberaufstrich, Wurst, Schwarzbrot oder einem Glas Wasser/Saft ist möglich.
Achtung: Patienten mit veganer/vegetarischer Ernährung können das Präparat ebenso problemlos einnehmen.
Hinweise zu Interaktionen (Wechselwirkungen)
| Kategorie | Wechselwirkung | Klinische Bedeutung | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Lebensmittel | Saure Getränke (Orangensaft) | Fördert Absorption | Empfohlen |
| Alkohol | Leberbelastung | Steigert Nebenwirkungsrisiko | Vermeiden |
| Medikamente | Protonenpumpenhemmer (z. B. Pantoprazol) | Verminderte Wirkung | Abstand halten oder Alternative besprechen |
| Medikamente | CYP3A4-Substrate (z. B. Antikoagulanzien) | Erhöhte Blutspiegel, Nebenwirkungsgefahr | Sorgfältige ärztliche Überwachung |
| Grapefruitsaft | Enzymhemmung | Steigerung der Wirkung/Nebenwirkungen | Vermeiden |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurze Beschreibung |
|---|---|---|
| Systemische Mykosen (z. B. Candidiasis, Histoplasmose) | Offiziell | Schwere Pilzinfektionen, nicht anders behandelbar |
| Pityriasis versicolor | Offiziell/topisch | Fleckige Pilzinfektion, meist an Rumpf/Schultern |
| Seborrhoische Dermatitis | Offiziell/topisch | Schuppende Kopfhaut, fettende Bereiche |
| Off-label: Hormonelle Störungen (Cushing-Syndrom) | Off-label | In Ausnahmefällen zur Reduktion von Kortisol |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Systemische Pilzinfektionen (oral) | 200–400 mg täglich | Ketoconazol-Tabletten: zumeist nicht empfohlen* (Gefahr von Nebenwirkungen) | Wie Erwachsene, ggf. reduzierte Dosis |
| Hautpilzinfektionen (Creme) | 1–2 x täglich lokal | 1 x täglich lokal | Wie Erwachsene, Beobachtung auf Hautreaktionen |
| Kopfhaut/Mykosen (Shampoo) | 2 x wöchentlich, 3–5 Min. einwirken lassen | Nach Rücksprache mit dem Arzt | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispiele | Hinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig (≥1/10) | Juckreiz, Brennen (topisch), Kopfschmerzen | Oft mild, reversibel |
| Häufig (≥1/100, <1/10) | Übelkeit, Bauchschmerzen, Leberwert-Erhöhungen, Hautausschlag | Arzt aufsuchen bei anhaltenden Beschwerden |
| Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100) | Leberentzündung (Hepatitis), Sehstörungen | Sofortige Absprache mit Arzt nötig |
| Selten (<1/1.000) | Schwere allergische Reaktion, Gynäkomastie (bei Männern/Kindern) | Selten, aber bedrohlich |
Anwendungshinweise und Beratung vom Apotheker
- Einnahme genau nach ärztlicher Verordnung, nicht eigenmächtig absetzen.
- Regelmäßige Leberwertkontrollen bei systemischer Anwendung.
- Bei Schwangerschaft und Stillzeit: Nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Kinder nur nach strenger Indikationsprüfung (topisch bevorzugt).
- Korrekte Anwendung der Creme (nicht ins Auge bringen), Shampoo gut ausspülen.
- Vermeiden Sie die Anwendung auf verletzter oder stark gereizter Haut.
- Bei Fragen: Ihre Apotheke in Österreich hilft gern weiter!
Therapiealternativen – Übersicht (mit Erstattung durch die österreichische Sozialversicherung / SVS)
- Fluconazol (Diflucan® u.a.) – Oft Mittel der Wahl für systemische Mykosen, weniger Lebertoxizität
- Itraconazol (Sporanox®) – Breites Wirkspektrum, aber ebenfalls Leberkontrollen notwendig
- Terbinafin (Lamisil®) – Vor allem bei Hautpilzen und Nagelmykosen; gute Verträglichkeit
- Clotrimazol (Canesten® u.a.) – Breite topische Anwendung, sehr gut erforscht
- Ketoconazol oral wird in Österreich aufgrund der Lebernebenwirkungen meist nur als Reserve eingesetzt, topisch nach wie vor Standard.
- Fluconazol/Itraconazol: Systemisch sicherer, aber Wechselwirkungen beachten.
- Terbinafin: Für Nägel/Haut erster Wahl, selten für systemische Infektionen.
- Bei Unsicherheit immer ärztlich oder pharmazeutisch beraten lassen.
Rechtlicher, regulatorischer und erstattungsrechtlicher Status (Österreich)
- Zulassung durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES / BASG)
- Rezeptpflicht nach Arzneimittelgesetz (§ 6 AMG).
- Systemisches Ketoconazol (Tabletten) ist aufgrund seltener, aber ernster Lebernebenwirkungen nur noch für spezielle Indikationen zugelassen.
- Topische Formen (Creme, Shampoo) sind erstattungsfähig (SVS, ÖGK, BVAEB) – Details auf e-card abprüfbar oder in der Apotheke erfragen.
- Orale Form als „Reserveantimykotikum“, nur nach nachvollziehbarer ärztlicher Indikation.
- Erstattungsprüfung (Chefärztliche Bewilligung) kann für Tabletten erforderlich sein.
Neueste klinische Empfehlungen und Studien (2022–2025)
- Laut aktueller S3-Leitlinie Mykosen (AWMF, 2023): Topisch weiterhin Mittel der Wahl; orale Therapie streng indiziert.
- Deutsche und österreichische Dermatologengesellschaften empfehlen Restriktion von systemischem Ketoconazol, Fokus auf sicherere Präparate.
- Neue Studien (Redondo Cuenca JM 2023, J Dtsch Dermatol Ges): Ketoconazol-Creme bleibt bei seborrhoischer Dermatitis und Pityriasis versicolor effektiv.
- EMA (2023): Tabletten nur verschreiben, wenn keine anderen Therapien möglich oder wirksam sind!
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Lieferzeiten in Österreich
| Darreichungsform | Typische Packungsgrößen | Indikativer Apothekenpreis | Lieferzeit (Wien/Linz/Graz/Salzburg/Innsbruck) |
|---|---|---|---|
| Tabletten 200 mg | 10 / 30 Stück | ca. 18–35 € |
|
| Creme 2 % | 30 g / 50 g | ca. 9–18 € | 1–2 Werktage in ganz Österreich |
| Shampoo 2 % | 60 ml / 100 ml | ca. 12–20 € | 1–2 Werktage in ganz Österreich |
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Nizoral® (Ketoconazol)
- Wann sehe ich erste Verbesserungen?
Meist innerhalb von 1–2 Wochen. Bei systemischen Infektionen kann die Wirkung länger dauern. Bitte nehmen Sie das Präparat so lange ein, wie Ihr Arzt es empfiehlt – auch dann, wenn die Symptome schon vorher abklingen. - Darf ich mit Ketoconazol Alkohol trinken?
Dies wird nicht empfohlen. Ketoconazol belastet die Leber zusätzlich, zusammen mit Alkohol steigt das Nebenwirkungsrisiko. - Kann ich die Creme dauerhaft anwenden?
In den meisten Fällen ja, solange der Hautarzt dies empfiehlt. Bei längerem Gebrauch sollte die Haut ärztlich kontrolliert werden, um Irritationen auszuschließen. - Muss ich spezielle Hygiene einhalten?
Ja, insbesondere bei Pilzinfektionen: Handtücher, Kleidung und ggf. Schuhwerk regelmäßig bei mind. 60 °C waschen, Füße trocken halten, Kontakt zu anderen Personen vermeiden, solange die Infektion aktiv ist. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergesse?
Holen Sie die vergessene Dosis baldmöglichst nach. Ist es beinahe Zeit für die nächste, nehmen Sie nicht die doppelte Menge, sondern fahren Sie mit dem regulären Schema fort.

