Disulfiram – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff | Disulfiram (INN) |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Antabus®, Disulfiram-ratiopharm® |
| ATC-Code | N07BB01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten (200 mg, 400 mg) |
| Hersteller/Importeure | ratiopharm, Meda Pharma, diverse internationale Pharmakonzerne |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig gemäß der Österreichischen Arzneimittelgesetzgebung (AMG) |
Wirkmechanismus
Einfach erklärt für Patienten: Disulfiram blockiert im Körper ein Enzym namens Acetaldehyd-Dehydrogenase. Dieses Enzym baut Alkohol im Körper ab. Wird unter Disulfiram Alkohol getrunken, staut sich das giftige Zwischenprodukt Acetaldehyd an, was zu sehr unangenehmen Symptomen führt (z. B. Gesichtsrötung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Herzrasen). So unterstützt das Medikament dabei, auf Alkohol zu verzichten.
Für medizinisches Fachpersonal:
Disulfiram hemmt irreversibel die hepatische Aldehyddehydrogenase und führt nach exogener Ethanolzufuhr zu einer bis zu 10-fachen Erhöhung des Acetaldehyd-Spiegels. Nebenwirkungen beruhen auf sympathomimetischer Überaktivität.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle, aber variable gastrointestinale Aufnahme.
- Metabolismus: In der Leber zu Diethylcarbamid und weiteren Metaboliten, später zu Kohlendioxid reduziert.
- Elimination: Mehr als 80 % als Kohlendioxid über die Atmung, Rest renal.
- Wirkdauer: Die Wirkung hält typischerweise 1–2 Wochen nach der letzten Einnahme an.
Anwendung im Alltag und empfohlene Vorgehensweise
Disulfiram wird unterstützend zur Rückfallprävention bei Alkoholabhängigkeit eingesetzt. Es eignet sich für motivierte Patientinnen und Patienten, die konsequent und selbstbestimmt auf Alkohol verzichten möchten. Die initiale Testdosis erfolgt stationär oder ambulant unter ärztlicher Aufsicht. Anschließend wird die Erhaltungsdosis verordnet.
- Initialdosis: Meist 500 mg/Tag für 1–2 Wochen (ärztliche Aufsicht empfohlen)
- Erhaltungsdosis: 200–400 mg/Tag, individuell angepasst
- Einnahme zuverlässig zur selben Tageszeit, vorzugsweise morgens
- Trinkalkohol und alkoholhaltige Produkte (auch Speisen, Kosmetika) strikt meiden!
Einnahmezeitpunkt: Morgens oder abends?
- Vorteile der morgendlichen Einnahme: Bessere Einhaltung im Tagesrhythmus, geringere Gefahr des Vergessens.
- Abendliche Einnahme: Möglich, aber ein erhöhter Therapieabbruch durch Vergessen.
- Tipp: Mit einem Glas Wasser, ggf. mit Angehörigen oder im Rahmen einer betreuten Therapieeinrichtung einnehmen.
Mit oder ohne Nahrung?
Disulfiram kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei Magenempfindlichkeit empfiehlt sich jedoch die Einnahme nach einer leichten Mahlzeit. Alkoholhaltige Speisen, wie z. B. manche Nachspeisen (Tiramisu, Rumkugeln), Saucen oder Spirituosen in Pralinen, sind unbedingt zu meiden – dies ist besonders in der österreichischen Küche zu beachten.
Wechselwirkungen
| Kategorie | Beispiele | Hinweis |
|---|---|---|
| Alkohol | Getränke, Speisen, Medikamente, Mundspülungen | Verzicht ist zwingend, schwere Disulfiram-Alkohol-Reaktion möglich! |
| Medikamente | Warfarin, Metronidazol, Phenytoin, Benzodiazepine | Interaktion kann Wirkung/Verträglichkeit beeinflussen, Arzt/Apotheker konsultieren |
| Lebensmittel | Essig, Konserven, reife Früchte | Menge an Ethanol ist selten ausreichend für eine Reaktion, jedoch Vorsicht! |
| Haushalt | Alkohole in Kosmetika, Parfum, Desinfektionsmitteln | Auch über die Haut kann Ethanol in den Körper gelangen – meiden! |
Anwendungsgebiete
| Indikation | Status (AT) |
|---|---|
| Rückfallprophylaxe bei chronischer Alkoholabhängigkeit | Zugelassen (offiziell) |
| Off-label: Kokainabhängigkeit, Prophylaxe von Rückfällen bei anderen Suchterkrankungen | Nur im Einzelfall und außerhalb der Zulassung |
Dosierung bei verschiedenen Patientengruppen und Indikationen
| Gruppe/Indikation | Initialdosis | Erhaltungsdosis | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 500 mg/Tag für 1–2 Wochen | 200–400 mg/Tag | Regelmäßige Kontrolle der Leberwerte |
| Ältere Menschen (>65 J.) | Reduzierte Initialdosis nach Arztanweisung | 100–200 mg/Tag, individuell | Engmaschige Kontrolle, da erhöhte Nebenwirkungsneigung |
| Kinder/Jugendliche | Keine Empfehlung | Keine Zulassung unter 18 Jahren | Meist kontraindiziert |
Typische Nebenwirkungen und Sicherheitshinweise
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Kommentar |
|---|---|---|
| Sehr häufig | Müdigkeit, Kopfschmerzen, Hautausschlag, metallischer Geschmack | Meist mild & vorübergehend |
| Häufig | Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen | Arzt informieren bei Persistenz |
| Selten | Leberfunktionsstörung, Polyneuropathie | Regelmäßige Laborkontrolle empfohlen |
| Sehr selten | Psychosen, kardiovaskuläre Komplikationen | Sofortige ärztliche Hilfe notwendig |
| Warnung | Disulfiram-Ethanol-Reaktion | Kann lebensbedrohlich verlaufen |
Anwendungshinweise für Österreich
- Immer ärztliche Verordnung beachten; keine Selbstmedikation!
- Apotheker in Österreich beraten gerne zu Wechselwirkungen und Umgang mit alltäglichen Situationen.
- Vermeiden Sie alkoholhaltige Produkte aller Art (z.B. Marillenlikör, Rum-Pralinen, Hausmittel mit Alkohol).
- Legen Sie ein Therapietagebuch an (im Rahmen vieler österreichischer Suchthilfemaßnahmen empfohlen).
- Regelmäßige Blutbild- und Leberwertkontrollen wahrnehmen.
- Im Notfall: Kontakt zur Giftnotrufzentrale Wien: 01/406 43 43.
Alternative Therapieoptionen (erstattungsfähig durch Österreichische Sozialversicherung)
- Acamprosat (Campral®) – Wirkt stabilisierend am Glutamatsystem. Vorteile: Kein Antabus-Effekt, gut verträglich. Nachteil: Tägliche Tabletteneinnahme erforderlich.
- Naltrexon (Adepend®, Naltrexon-ratiopharm®) – Opiat-Antagonist, reduziert die Lust am Trinken. Vorteile: Keine Disulfiram-Ethanol-Reaktion. Kann auch bei Opiatabhängigkeit eingesetzt werden.
- Kombinierte psychosoziale Interventionen (Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen) – Sehr wichtig im Behandlungsplan!
- Nalmefen (Selincro®) – Für die Verringerung des Alkoholkonsums, keine vollständige Abstinenz nötig. Vorteil: Bedarfseinnahme möglich.
Rechtslage, Registrierung und Erstattung in Österreich
- Disulfiram ist in Österreich bei Alkoholabhängigkeit gemäß Arzneimittelgesetz und Register der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zugelassen.
- Rezeptpflichtig: Ärztliche Verschreibung nach § 7 (1) AMG verpflichtend.
- Erstattung: Grundsätzlich von der Österreichischen Sozialversicherung (SV/Erstattungsfähige Medikamente, „grüne Box“ im Erstattungskodex) getragen, bei entsprechender Indikation.
- Abgabe nur durch Apotheken und Krankenhausversorgungsstellen gestattet.
Aktueller Stand der Wissenschaft (2022–2025)
- Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Suchtmedizin (2023): Disulfiram hat weiterhin einen wichtigen Stellenwert v.a. bei starker Eigenmotivation zur Abstinenz; geringerer Stellenwert als Acamprosat/Naltrexon in der Allgemeinbevölkerung (Recommendation OGA 2023).
- Internationale Cochrane-Analyse (Roerecke et al., 2022): Effektive Abstinenzförderung, besonders in strukturiertem Umfeld/Langzeittherapie. Therapieabbrüche können ein Problem sein.
- Empfehlung zur sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung und engmaschigen Kontrolle (nationales Suchtregister, AGES-Bericht 2024).
- Neue Forschung zur möglichen Wirkung bei Kokainabhängigkeit; derzeit in Österreich nicht zugelassen.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Lieferzeiten in Österreich
| Packungsgröße (Tabletten) | UVP (EUR, Richtwert) | Lieferzeit (Wien) | Lieferzeit (Graz/Linz/Salzburg) | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| 20 (200 mg) | ca. 23–26 € | am selben/folgenden Werktag | 1–2 Werktage | Lagern in Apotheken üblich |
| 50 (400 mg) | ca. 54–59 € | am selben/folgenden Werktag | 1–2 Werktage | Vormittags bestellt = oft noch am gleichen Tag lieferbar |
| 100 (200 mg) | ca. 99–115 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | Großpackungen auf Bestellung |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie lange nach der letzten Disulfiram-Einnahme muss ich Alkohol meiden?
Die Alkoholunverträglichkeit kann bis zu 14 Tage nach der letzten Einnahme bestehen. Es ist unerlässlich, während dieser Zeit auf jeglichen Alkoholkonsum zu verzichten! - Kann Disulfiram bei anderen Suchterkrankungen helfen?
Offiziell ist Disulfiram in Österreich nur für die Therapie der Alkoholabhängigkeit zugelassen. Versuche in anderen Suchtbereichen finden derzeit nur im Rahmen von Studien statt. - Soll ich Disulfiram besser am Morgen oder am Abend einnehmen?
Die morgendliche Einnahme hat sich im Alltag als zuverlässiger gezeigt, da die Gefahr, die Einnahme zu vergessen, geringer ist. - Was mache ich bei Nebenwirkungen?
Leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit verschwinden häufig nach einigen Tagen. Halten Beschwerden an oder treten Besonderheiten (z. B. Gelbverfärbung der Haut, starker Juckreiz, neurologische Symptome) auf, kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. - Darf ich Disulfiram während Schwangerschaft oder Stillzeit einnehmen?
Disulfiram ist in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Wenden Sie sich bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft an Ihre behandelnde Fachkraft.
Zusammenfassung
Disulfiram (Antabus®) ist ein bewährtes Arzneimittel zur Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit. Es wirkt, indem es das Trinken von Alkohol durch eine unangenehme körperliche Reaktion unterbindet. Die Therapie ist nur dann effektiv und sicher, wenn sie konsequent – meist begleitet von psychosozialen Maßnahmen – durchgeführt wird. In Österreich erfolgt die Abgabe ausschließlich mit Rezept über die Apotheke. Der enge Kontakt zu Ihrer Arztpraxis sowie die regelmäßige Beratung durch Ihre Apotheke in Österreich erhöhen die Sicherheit und die Erfolgsaussichten der Behandlung.

