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Acetazolamide

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Acetazolamid ist ein Medikament, das zur Behandlung verschiedener Erkrankungen wie erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom), bestimmten Formen der Epilepsie sowie Höhenkrankheit eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Bildung von Flüssigkeiten im Körper reduziert. Die Einnahme erfolgt nach ärztlicher Anweisung. Häufige Nebenwirkungen sind vermehrtes Wasserlassen, Kribbeln in Händen und Füßen sowie ein veränderter Geschmackssinn. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Acetazolamid – Umfassende Informationen für Patientinnen und Patienten in Österreich

Grundlegende Produktinformationen

Wirkstoff (INN) Acetazolamid
Markennamen in Österreich Diamox®, Generika
ATC-Code S01EC01 (Augenheilkunde), C03BA01 (Diuretika)
Verfügbare Darreichungsformen & Stärken Tabletten: 250 mg
Kapseln (Retard): 500 mg
Zulassungsinhaber / Hersteller Teva, Zentiva, diverse generisch zugelassene Hersteller
Verschreibungsstatus Rezeptpflichtig (§ 3 AMBO)

Wirkmechanismus

Für Patientinnen und Patienten:
Acetazolamid verringert die Produktion von Körperflüssigkeit (z. B. im Auge oder Gehirn) und entfernt überschüssiges Wasser sowie Salze über die Nieren. Es blockiert dabei ein bestimmtes Enzym (Carboanhydrase), das an der Bildung und Ausscheidung dieser Stoffe beteiligt ist.

Für Fachpersonen:
Acetazolamid ist ein Carboanhydrasehemmer, der die Reabsorption von HCO₃⁻ im proximalen Tubulus der Niere reduziert. Dies führt zu einer geringeren Flüssigkeitsproduktion (Liquor cerebrospinalis, Kammerwasser), einer metabolischen Azidose und zu einer schwachen diuretischen Wirkung.

Pharmakokinetik

  • Absorption: Schnell und nahezu vollständig nach oraler Einnahme (Bioverfügbarkeit ca. 100 %).
  • Metabolismus: Kaum metabolisierbar (~90 % als unveränderter Wirkstoff im Blut).
  • Ausscheidung: Über die Nieren (renale Clearance).
  • Wirkeintritt: Innerhalb 1–2 Stunden nach Einnahme.
  • Wirkdauer: 8–12 Stunden (Tabletten), 24 Stunden (Retardformen).
  • Halbwertszeit: Ca. 10–15 Stunden.

Anwendung im Alltag & empfohlene Vorgehensweise

  • Acetazolamid wird meist 1–2-mal täglich eingenommen.
  • Die Einnahme erfolgt in der Regel morgens (ggf. zusätzlich am frühen Nachmittag, selten abends).
  • Die Tabletten mit ausreichend Wasser unzerkaut einnehmen.
  • Die Dosierung und Einnahmehäufigkeit richtet sich nach ärztlicher Anweisung und Indikation (z. B. Glaukom, Höhenkrankheit, Epilepsie, Ödeme).
  • Bei Langzeiteinnahme erfolgen regelmäßige Blut- und Elektrolytkontrollen (insbesondere Natrium, Kalium, Säure-Basen-Haushalt).

Dosierung morgens vs. abends

  • Vorteile der morgendlichen Einnahme: Maximale Wirksamkeit im Tagesverlauf; geringeres Risiko nächtlicher Polyurie; positiver Einfluss auf Flüssigkeitsabfluss am Tag (z. B. beim Glaukom).
  • Gibt es Nachteile? Morgens können Nebenwirkungen wie Müdigkeit auffallen; bei Bedarf wird die zweite Dosis am Nachmittag (nicht abends) gegeben, um Schlafstörungen zu vermeiden.
  • Regelmäßigkeit: Hilft, Nebenwirkungen zu minimieren und die Wirksamkeit zu verbessern (am besten feste Uhrzeiten wählen).

Einnahme mit oder ohne Nahrung (Österreichischer Alltag)

  • Acetazolamid kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Wird die Einnahme zu Mahlzeiten bevorzugt (z. B. klassisches österreichisches Frühstück, Mittagessen), kann dies Magenbeschwerden reduzieren.
  • Milchprodukte oder traditionelle österreichische Kost (z. B. Brot, Käse, Gemüse) beeinflussen die Wirkung nicht nachteilig.

Wechselwirkungen & Warnhinweise

Substanz / Stoff Wechselwirkung Empfehlung
Salicylate (z. B. Aspirin) Verstärkung der Nebenwirkungen, evtl. toxisch Arzt/-in informieren
Antiepileptika (z. B. Phenytoin) Wechselwirkungen möglich, z. B. verstärkte Sedierung Dosisanpassung durch Arzt/-in
Diuretika Gefahr von Elektrolytstörungen Regelmäßige Blutwerte prüfen
Lithium Reduzierte Spiegel, Wirkungsverlust Kombination vermeiden
Koffein, Alkohol Können Nebenwirkungen verstärken (Unruhe, Dehydratation) Verzicht oder eingeschränkter Konsum empfohlen

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Offizielle Indikationen (Österreich, Fachinformation) Off-Label-Gebrauch / Spezialanwendungen
  • Chronisches Offenwinkelglaukom und sekundäres Glaukom
  • Akutes Winkelblockglaukom (kurzfristig)
  • Ödeme aufgrund von Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Epilepsie als Zusatztherapie (v. a. Kindern/Jugendlichen)
  • Alkalinisierung des Urins
  • Prophylaxe und Akuttherapie der Höhenkrankheit
  • Idiopathischer intrakranieller Hypertension (IIH/Pseudotumor cerebri)
  • Glaukomanfall (adjunktiv)
  • Bestimmte seltene Erkrankungen wie periodische Lähmung

Dosierung je nach Anwendungsgebiet / Altersgruppe

Indikation Erwachsene Kinder / Jugendliche Ältere Menschen
Glaukom 1–4 x 250 mg/d, max. 1.000 mg/d 5–10 mg/kg/d in 1–2 Dosen Mit reduzierter Anfangsdosis, sorgfältige Überwachung nötig
Epilepsie 250–1.000 mg/d in aufgeteilten Dosen 8–30 mg/kg/d Siehe Erwachsenendosis, ggf. Anpassung
Höhenkrankheit (Prävention) 250 mg abends (bei Bedarf 2 x 250 mg/d) 5 mg/kg/d, max. 250 mg 2 x tägl. 250 mg/d, individuelle Anpassung
Ödeme 250–375 mg 1 x morgens, falls nötig alle 2–4 Tage wiederholen - Mit niedriger Dosis beginnen

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

  • Häufig: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Missempfindungen (z. B. Kribbeln an Händen, Füßen oder Lippen), veränderter Geschmack, vermehrter Harndrang.
  • Gelegentlich: Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Depression, Allergieerscheinungen (Hautausschlag).
  • Selten: Nierensteine, Leberfunktionsstörungen, Blutbildveränderungen, schwere allergische Reaktionen (z. B. Stevens-Johnson-Syndrom), metabolische Azidose, Hörstörungen.
  • Warnhinweise: Bei schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz, Sulfonamidallergie, Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder <3 Monate ist besondere Vorsicht geboten bzw. die Anwendung kontraindiziert.

Richtige Anwendung – Empfehlungen vom Apotheken-/Klinikteam

  • Tabletten/Kapseln mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, nicht zerbeißen oder zerkauen.
  • Keine Dosis auslassen oder eigenständig erhöhen.
  • Tägliche Flüssigkeitszufuhr überwachen, um eine Dehydratation zu vermeiden.
  • Blutwerte und Blutdruck regelmäßig prüfen lassen.
  • Bei ungewöhnlichen Beschwerden (z. B. Hautausschlag, schwere Schwäche, Atemnot) sofort ärztliche Hilfe holen.
  • Medikament immer bei Zimmertemperatur (max. 25°C) lagern.
  • Reisen/Langzeitnutzung: Immer ausreichenden Vorrat mitführen, Apothekenquittung und ggf. Rezept bereithalten.

Alternative Therapieoptionen (Österreichische Kassenversorgung)

  • Glaukom: Lokale Augentropfen (z. B. Betablocker wie Timolol, Prostaglandinanaloga wie Latanoprost, Alpha-Agonisten wie Brimonidin), systemische Diuretika (nur bei speziellen Indikationen), Laser-/Operation.
  • Ödeme: Schleifendiuretika (Furosemid), Thiazide (Hydrochlorothiazid), ggf. Spironolacton.
  • Epilepsie: Valproat, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin (nach Leitlinie und individueller Verträglichkeit).
  • Höhenkrankheit: Dexamethason, Sauerstoffgabe (bei schweren Fällen), sonst hauptsächlich prophylaktische Maßnahmen.
  • Vor-/Nachteile: Lokale Medikamente sind nebenwirkungsärmer, systemische Diuretika stärker, aber mit höherem Nebenwirkungsrisiko.

Rechtslage, Registrierung & Kostenübernahme in Österreich

  • Zulassung: Durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/MAG).
  • Verschreibung: Nur auf ärztliches Rezept (rezeptpflichtig/„Rx“).
  • Kostenübernahme: Je nach Indikation und Sozialversicherung (z. B. Österreichische Gesundheitskasse/ÖGK) sind Diamox® und Generika erstattungsfähig (EKO-gelistet).
  • Apothekenpflicht: Nur in öffentlichen Apotheken erhältlich (§ 50 AMG).
  • E-Rezept: Auch im Rahmen der e-Medikation möglich.
  • Import/Export: Nur mit ärztlicher Bestätigung / EU-VO 883/2004.

Neueste klinische Leitlinien & Forschung (2022–2025)

  • Glaukom: Die S2k-Leitlinie „Therapie des Glaukoms“ (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, 2023) bestätigt den Stellenwert systemischer Carboanhydrasehemmer in Notfallsituationen und als Kurzzeittherapie, empfiehlt aber primär lokale Therapieformen.
  • Höhenkrankheit: Acetazolamid ist gemäß deutscher und internationaler Empfehlungen (UIAA, 2022/2024) weiterhin die effektivste medikamentöse Maßnahme zur Prophylaxe und akuten Behandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen.
  • Epilepsie: Generell nur als Zusatzmedikation bei therapieresistenter Epilepsie – Einsatz nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung (Leitlinie DGfE, 2022).
  • IIH (Pseudotumor cerebri): Acetazolamid ist laut aktuellen Studien (JAMA Neurol 2023; DGN-Leitlinie 2024) weiterhin Erstlinientherapie.
  • Zitate, Quellen: Deutsche Gesellschaft für Neurologie; Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN); JAMA Neurol 2023; UIAA MedCom 2024; S2k-Leitlinie DOG 2023.

Verfügbarkeit & Lieferung (Österreich)

Paketgrößen Unverbindlicher Apothekenpreis (AVP)¹ Lieferzeit (Wien, Graz, Linz, Innsbruck, Salzburg)
Diamox® 250 mg – 30 Tabletten ca. 23 – 29 € 1 – 2 Werktage
Generikum 250 mg – 100 Tabletten ca. 59 – 74 € 1 – 3 Werktage
Diamox® 500 mg Retard – 20 Kapseln ca. 35 – 45 € 2 – 4 Werktage
1 Zur Orientierung, individuelle Apothekenpreise können abweichen. Kassenleistung je nach Diagnose und Rezept.

FAQ – Häufige Fragen & zuverlässige Antworten

  1. Muss ich Acetazolamid durchgehend nehmen?
    Die Einnahmedauer hängt von Ihrer Erkrankung ab. Bei Dauer­indikationen (z. B. Glaukom, IIH) meist langfristig, bei höhenkrankheitsprophylaxe oder Ödemen oft nur wenige Tage. Ihr Arzt/Ihre Ärztin entscheidet mit Ihnen über die optimale Therapiedauer.
  2. Kann ich Alkohol konsumieren, wenn ich Acetazolamid nehme?
    Großer Alkoholkonsum sollte vermieden werden, da Alkohol das Risiko für Nebenwirkungen (wie Schwindel, Dehydratation, Kreislaufprobleme) erhöht. Vereinzelte kleine Mengen sind meist verträglich, trotzdem ist Vorsicht geboten.
  3. Was tun, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
    Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein, aber niemals eine doppelte Menge! Nähert sich der nächste Einnahmezeitpunkt, überspringen Sie die vergessene Tablette und nehmen Sie die nächste regulär ein.
  4. Darf ich Acetazolamid in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
    Die Anwendung wird nicht empfohlen, außer bei zwingender Indikation und nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt/Ärztin. Stillende sollten auf Alternativen umsteigen, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht.
  5. Kann ich mit Acetazolamid Autofahren?
    Ja, aber beachten Sie, dass das Medikament Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen verursachen kann. Fühlen Sie sich nach Einnahme nicht fit, verzichten Sie auf das Lenken von Fahrzeugen oder das Bedienen schwerer Maschinen.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

250mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill, 360 pill