Theophyllin – Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN): | Theophyllin |
| Österreichische Handelsnamen: | Unifyl®, Theolair®, Euphylong®, Bronchoretard®, weitere Generika |
| ATC-Code: | R03DA04 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: | Tabletten mit verlängerter Wirkstofffreisetzung (100–600 mg), Kapseln, Suspension, Infusionslösung |
| Hersteller (Beispiele): | Axcount Generika GmbH, Orion Pharma, Sanofi-Aventis, Actavis |
| Verschreibungsstatus: | Rezeptpflichtig |
Wirkmechanismus
Für Patient:innen:
Theophyllin wirkt entspannend auf die Muskulatur der Bronchien (Luftröhrenäste) – es erleichtert so die Atmung bei bestimmten Lungenerkrankungen, wie Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Bronchitis (COPD).
Für Fachpersonen:
Theophyllin ist ein Methylxanthin, das die Phosphodiesterase hemmt und so cAMP in den Zellen erhöht, die intrazelluläre Calcium-Verfügbarkeit vermindert und die Bronchialmuskulatur relaxiert. Es wirkt leicht entzündungshemmend und steigert die Kontraktilität des Zwerchfells sowie das Atemantriebszentrum im Gehirn.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle und nahezu vollständige Aufnahme im Dünndarm. Retardformen verzögern die Wirkstofffreisetzung.
- Metabolismus: Über CYP1A2 und CYP3A4 in der Leber, hoher interindividueller Unterschied!
- Ausscheidung: Vorwiegend renal (über die Niere), teilweise unverändert, Rest als Metaboliten.
- Halbwertszeit: Erwachsene 6–12 Stunden, bei Kindern kürzer, bei älteren und bei Erkrankungen (z. B. Leberinsuffizienz) verlängert.
Anwendung im Alltagsleben & Tipps zum Gebrauch (in Österreich)
Theophyllin sollte streng nach ärztlicher Anweisung verwendet werden. In Österreich erfolgt die individuelle Dosisanpassung anhand von Symptomen und (wenn verordnet) Spiegelmessungen im Blut.
- Die normale Anfangsdosierung bei Erwachsenen ist ca. 150–300 mg alle 12 Stunden (verlängerte Wirkstofffreisetzung), kann jedoch individuell angepasst werden.
- Die Anwendung erfolgt vorzugsweise zur gleichen Tageszeit, möglichst morgens und abends – um gleichbleibende Blutspiegel zu erreichen.
- Vermeiden Sie abrupte Dosisänderungen oder selbstständiges Absetzen – sprechen Sie stets mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin oder Apotheker/in.
- Tabletten nicht zerkauen oder teilen; die meisten Retardformen müssen als Ganzes geschluckt werden.
- Engmaschige Kontrolle zu Beginn und bei Dosisänderungen wird empfohlen, insbesondere bei älteren Patient:innen und Kindern.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme – Besonderheiten
- Morgens: Einnahme am Morgen kann Schlafstörungen verringern, die manchmal bei Theophyllin auftreten.
- Abends: Abendgabe verbessert den Schutz vor nächtlicher Atemnot (nachts Asthma häufiger). Jedoch: Mögliches Risiko für Schlaflosigkeit, Herzklopfen.
- Tipp: Halten Sie sich an die Strategie, die Ihr Arzt/Ihre Ärztin empfiehlt. Einnahme immer zur selben Zeit fördert gleichbleibende Wirkung und Verträglichkeit.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern – Einfluss der Ernährung
Theophyllin kann sowohl mit als auch ohne Nahrung eingenommen werden. Folgendes sollten österreichische Patient:innen beachten:
- Die gleichzeitige Einnahme mit einer leichten Mahlzeit verlangsamt die Freisetzung geringfügig und schont den Magen.
- Fette, schwere Speisen (z. B. klassisches Wiener Schnitzel, üppige Süßspeisen) können die Aufnahme unerwartet beeinflussen – gleichbleibende Ernährungsgewohnheiten helfen, starke Schwankungen zu vermeiden.
Wechselwirkungen
Theophyllin hat ein hohes Wechselwirkungspotenzial. Die häufigsten und wichtigsten Interaktionen sind in der folgenden Tabelle (Auswahl) dargestellt:
| Interaktion | Auswirkung | Tipp |
|---|---|---|
| Koffein (Kaffee, Cola) | Erhöht Nebenwirkungsrisiko (Schwindel, Herzklopfen) | Koffeinaufnahme reduzieren |
| Alkohol | Verändert den Theophyllin-Spiegel (teils Erhöhung, teils Senkung möglich) | Alkoholkonsum während der Behandlung vermeiden |
| Rauchen | Beschleunigt Abbau, senkt Wirkstoffspiegel | Bei Veränderungen im Rauchverhalten Anpassung nötig |
| Viele Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin, Erythromycin) | Erhöht Theophyllin-Spiegel | Arzt/Ärztin informieren bei neuen Medikamenten |
| Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin, Phenytoin) | Senkt Theophyllin-Spiegel | Mitbehandelnde Ärzt:innen informieren |
| Hormonpräparate (z. B. orale Kontrazeptiva) | Erhöht Theophyllin-Spiegel | Regelmäßige Kontrollen |
Generell gilt: Sprechen Sie jede Medikamenten- oder Lebensmittelumstellung mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Apotheker/in ab!
Zugelassene und Off-Label-Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Asthma bronchiale | Zugelassen | Als Zusatztherapie zur Standardbehandlung (bei schwerem/nicht ausreichend kontrolliertem Asthma) |
| Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) | Zugelassen | Behandlung von Symptomen, insbesondere bei Exazerbationen und als Langzeittherapie |
| Apnoen im Neugeborenenalter | Off-Label | Einsatz unter spezialisierten intensivmedizinischen Bedingungen |
| Obstruktive Bronchitis bei Kindern | Off-Label | Sehr zurückhaltend, nur bei schwerem Verlauf |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder/ Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Asthma bronchiale (Erhaltung) | 150–300 mg 2× täglich (Retard), individuell anpassen nach Blutspiegel | 10–16 mg/kg/Tag in 2 Dosen, Kontrolle sinnvoll | Startdosis 125–250 mg 2× täglich, vorsichtige Steigerung |
| COPD | Wie Asthma, regelmäßige Kontrolle | Off-Label, individuell kalkuliert | Wie Asthma, geringere Anfangsdosis bevorzugt |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervosität
- Häufig: Herzklopfen, Muskelzittern, Unruhe, Durchfall, Appetitlosigkeit
- Gelegentlich/selten: Herzrhythmusstörungen (Risiko steigt bei Überdosierung), Krampfanfälle, allergische Reaktionen, Hautausschlag
- Warnhinweis: Symptome wie anhaltendes Erbrechen, Herzrasen, Krämpfe oder starke Unruhe sind Alarmzeichen – sofort ärztliche Hilfe holen!
Hinweise zur richtigen Anwendung
- Regelmäßige Einnahme (nicht nach Bedarf!) – Schwerpunkt auf gleichmäßigen Blutspiegel
- Blutkontrollen bei Therapiebeginn, Dosisänderung oder Nebenwirkungen empfohlen
- Vorsicht bei Nieren- oder Lebererkrankungen, Herzproblemen
- Kinder, ältere Menschen, Schwangere: besonders sorgfältige Überwachung erforderlich
- Medikament bei neuen Beschwerden oder Infekten immer mit Apotheke/Ärzt:in absprechen
- Sonnenexposition: Theophyllin erhöht teils die Lichtempfindlichkeit
Alternative Behandlungsmöglichkeiten
- Inhalative Beta-2-Mimetika (z. B. Salbutamol, Salmeterol): Rasch wirksam, geringeres Nebenwirkungsrisiko. NFZ erstattet Standardformulierungen (Verordnungsfähigkeit gemäß EKO).
- Inhalative Kortikosteroide (ICS; z. B. Budesonid, Fluticason): Standardtherapie bei Asthma, oft mit besserer Verträglichkeit.
- Langwirksame Muskarinantagonisten (LAMA): Insbesondere bei COPD, weniger Wechselwirkungen.
- Montelukast: Orale Therapieoption, besonders bei Asthma und Unverträglichkeit anderer Mittel.
- Biologika (z. B. Omalizumab): Hochspezialisierte Anwendung bei schwerem, therapierefraktärem Asthma.
Vor- und Nachteile: Theophyllin kann oral gegeben werden und ist v.a. bei schwerer Symptomatik ergänzend geeignet. Allerdings sind Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zahlreicher als bei den genannten Alternativen.
Rechtlicher Status, Registrierung, Erstattung in Österreich
- Zulassungsbehörde: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), EMA
- Rezeptpflicht: Ja (verschreibungspflichtiges Arzneimittel gemäß Arzneimittelgesetz)
- Erstattungsfähigkeit: Im Erstattungskodex (EKO) für bestimmte Indikationen gelistet, Kostenerstattung durch die Sozialversicherung möglich (nach ärztlicher Verordnung laut EKO-Richtlinien).
- NFZ: Nationale Krankenversicherungsträger (ÖGK, SVS, BVAEB) übernehmen bei medizinischer Notwendigkeit die Kosten.
Aktuelle Studienlage und Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (2022): Theophyllin nicht mehr erste Wahl bei Asthma, weiterhin Add-on-Therapie bei bestimmten schweren Verläufen.
- COPD-GOLD-Leitlinie (2023): Bevorzugt inhalative Therapien; Theophyllin reserviert für Fälle, in denen andere Optionen nicht ausreichend wirken.
- Studie der Universität Wien (2024): Bestätigt Bedeutung der individuellen Dosisanpassung und Blutspiegelkontrolle bei älteren Patient:innen.
- EMA-Pharmakovigilanzberichte (2022/23): Betonen Risiko für Nebenwirkungen und die Notwendigkeit der ärztlichen Überwachung.
Weiterführende Informationen und Literatur finden Sie beim Österreichischen Verband für Pneumologie und der AGES.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Preisübersicht in Österreich
| Darreichungsform | Packungsgröße | Apothekenverkaufspreis (UVP) | Lieferzeit (Wien) | Lieferzeit (Graz) | Lieferzeit (Linz/Sbg/Innsbruck) |
|---|---|---|---|---|---|
| Tabletten, 200 mg | 50 Stk. | ca. 12,50 € | sofort abholbar | 1–2 Tage | 2 Werktage |
| Tabletten, 300 mg | 100 Stk. | ca. 22,00 € | sofort abholbar | 1–2 Tage | 2 Werktage |
| Suspension | 100 ml | ca. 14,00 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 2–3 Werktage |
Hinweis: Preise und Verfügbarkeiten sind Richtwerte und können regional abweichen. Alle Arzneimittel sind in örtlichen und Versandapotheken mit Rezept erhältlich.
FAQ – Häufige Fragen von Patient:innen
- 1. Muss ich bei der Einnahme von Theophyllin auf Kaffee oder Tee verzichten?
Koffein in Kaffee, Tee oder Cola kann die Nebenwirkungen von Theophyllin verstärken. Es ist ratsam, koffeinhaltige Getränke zu reduzieren. - 2. Was tue ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Holen Sie die Einnahme schnellstmöglich nach, sofern bis zur nächsten Dosis noch mindestens 6 Stunden Zeit sind. Niemals die doppelte Dosis einnehmen! - 3. Kann Theophyllin während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden?
Nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin. Eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist zwingend erforderlich. - 4. Muss mein Blut regelmäßig überprüft werden?
Ja, insbesondere zu Therapiebeginn, bei Dosisänderungen oder neuen Medikamenten. Dadurch lassen sich Nebenwirkungen und Überdosierungen vermeiden. - 5. Wie lange soll ich Theophyllin anwenden?
Die Therapiedauer richtet sich nach Ihrer Erkrankung und dem Therapieerfolg. Setzen Sie Theophyllin nie ohne Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem Arzt ab.
Zusammenfassung
Theophyllin bleibt eine bedeutende, jedoch individuell zu verwendende Therapieoption bei bestimmten Lungenerkrankungen in Österreich. Eine exakte Dosierung, sorgsame Selbstbeobachtung und regelmäßige Rücksprachen mit Arzt und Apotheke sind Grundvoraussetzung für eine sichere und wirksame Therapie.

