Lexapro (Escitalopram) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Escitalopram |
|---|---|
| Markennamen in Österreich | Lexapro®, Escitalopram Sandoz®, Escitalopram Actavis®, weitere Generika |
| ATC-Code | N06AB10 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Filmtabletten: 5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg Tropfenlösung (z.B. 20 mg/ml), selten Lösung zum Einnehmen |
| Hersteller | H. Lundbeck A/S, Sandoz GmbH, Actavis Group hf., STADA Arzneimittel AG u.a. |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig, §1 AMVO), keine Selbstmedikation erlaubt |
Wirkmechanismus
Escitalopram gehört zur Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es steigert gezielt die Menge des Botenstoffs Serotonin im Gehirn, indem es dessen Wiederaufnahme in die Zelle hemmt. Ein erhöhter Serotoninspiegel wirkt sich positiv auf Stimmung, Antrieb und Angst aus.
Für Fachkreise: Escitalopram hemmt den präsynaptischen Serotonin-Transporter (SERT) mit hoher Selektivität. Es verlangsamt dadurch die Wiederaufnahme von 5-HT aus dem synaptischen Spalt und moduliert serotonerge Signalwege, was antidepressiv sowie anxiolytisch wirkt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Gabe fast vollständig resorbiert (Bioverfügbarkeit ca. 80%). Maximale Plasmaspiegel nach 3–4 Stunden.
- Metabolisierung: Überwiegend hepatisch durch CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6.
- Elimination: Hauptsächlich renal (ca. 8 % unverändert), Halbwertszeit ca. 27–32 Stunden.
- Wirkdauer: 24 Stunden und länger, dadurch genügt meist 1 Gabe täglich.
Alltagsanwendung & Dosierungsrichtlinien
- Übliche Anfangsdosierung: Erwachsene starten meist mit 10 mg 1x täglich.
- Dosissteigerung: Nach mindestens 1 Woche kann auf bis zu 20 mg täglich erhöht werden, nach ärztlicher Rücksprache.
- Einnahme: Morgens oder abends zur gleichen Uhrzeit, unzerkaut mit etwas Wasser.
- Therapiedauer: In der Regel mehrere Monate bis zu mehreren Jahren, abhängig vom Behandlungsziel.
- Absetzen: Ausschleichen unter ärztlicher Begleitung, nicht abrupt beenden.
Einnahme am Morgen oder Abend – Empfehlungen
- Morgens: Vorteilhaft bei Antriebsarmut oder bei Patienten, die tagsüber wacher sein wollen.
- Abends: Empfohlen, wenn Müdigkeit als Nebenwirkung auftritt.
- Regelmäßigkeit: Immer zur gleichen Tageszeit einnehmen. Tipp: Einnahmezeit im Kalender oder mit Wecker erinnern.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Lexapro kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Resorption wird durch typische österreichische Speisen und Getränke (Frühstück, Jause, Hauptmahlzeit) nicht beeinflusst. Wer empfindlichen Magen hat, kann die Tablette zur Mahlzeit einnehmen.
Interaktionen – Warnhinweise
| Kategorie | Beispiele | Empfehlung |
|---|---|---|
| Medikamente | MAO-Hemmer, andere Antidepressiva, Johanniskraut, Antikoagulanzien, NSAR, Lithium | Kombination vermeiden oder ärztlich überwachen lassen |
| Lebensmittel | Grapefruitsaft, starker Alkohol | Grapefruitsaft meiden, Alkohol meiden oder stark begrenzen |
| Sonstiges | Tryptophan, Sumatriptan, Tramadol | Nur nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt |
Indikationen
| Indikation | Offiziell zugelassen (Österreich) | Off-Label |
|---|---|---|
| Depressive Episoden (MDD) | Ja | Nein |
| Generalisierte Angststörung (GAD) | Ja | Nein |
| Panikstörung (mit oder ohne Agoraphobie) | Ja | Nein |
| Soziale Angststörung | Ja | Nein |
| Zwangsstörung | Nein | Ja |
| PTBS, PMS-D, chronische Schmerzsyndrome | Nein | Ja (nach Ermessen des Facharztes) |
Dosierung nach Indikation & Patientengruppe
| Indikation / Patientengruppe | Startdosis | Erhaltungsdosis (Standard) | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 10 mg/Tag | 10–20 mg/Tag | 20 mg/Tag |
| Ältere (>65 Jahre) | 5 mg/Tag | 5–10 mg/Tag | 10 mg/Tag |
| Jugendliche (ab 12 J.) | 5 mg/Tag (in Ausnahmen) | 5–10 mg/Tag | 10 mg/Tag |
| Mit Leber- oder Niereninsuffizienz | Häufig 5 mg/Tag | Nach individueller Anpassung | 10 mg/Tag |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig (>10%): Übelkeit, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen.
- Häufig (1–10%): Mundtrockenheit, Appetitveränderungen, Durchfall/Verstopfung, Unruhe, sexuelle Funktionsstörungen.
- Gelegentlich (0,1–1%): Zittern, Geschmacksstörungen, Hautausschlag.
- Selten (<0,1%): Krampfanfälle, anhaltende Erregung/Manie, SIADH, Blutdruckanstieg.
- Warnhinweise: Suizidrisiko besonders zu Behandlungsbeginn erhöht; Serotonin-Syndrom bei Kombination mit serotonergen Arzneien möglich.
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Übelkeit, Kopfschmerzen | Sehr häufig | Klingen meist nach einigen Tagen ab |
| Libidoverlust, Ejakulationsstörung | Häufig | Nach Absetzen reversibel |
| Gewichtszunahme/-abnahme | Gelegentlich | Auf gesunde Ernährung achten |
| Hypo-/Hypernatriämie (SIADH) | Selten | Blutwerte bei Risikopatienten kontrollieren |
| Suizidgedanken | Selten (v. a. Behandlungsbeginn) | Arzt sofort informieren |
Hinweise zur sicheren Anwendung (Österreich-spezifisch)
- Nur nach ärztlicher Verordnung verwenden. Eigenständige Dosisanpassung vermeiden.
- Therapiestart und Dosisänderungen sollten möglichst mit einer/r Fachärztin/Arzt für Psychiatrie oder Allgemeinmedizin erfolgen.
- Escitalopram darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung verabreicht werden (Risikoeinschätzung durch Gynäkolog*innen und Psychiater*innen).
- Bei auffälligen Nebenwirkungen oder Befindlichkeitsstörungen wenden Sie sich an Ihre/n Apotheker*in oder Ärzt*in.
- Wechselwirkungen bei regelmäßiger Einnahme anderer Medikamente (v. a. in der älteren Bevölkerung) regelmäßig ärztlich überprüfen lassen.
Alternative Therapieoptionen (in Österreich erstattungsfähig/NFZ-gelistet)
- Andere SSRI (z.B. Sertralin, Paroxetin, Fluoxetin): Ähnlich wirksam, individuelle Verträglichkeit und Indikation beachten.
- SNRIs (z.B. Venlafaxin, Duloxetin): Wirken auch auf Noradrenalin, vorteilhaft bei begleitenden Schmerzen oder Antriebslosigkeit.
- TCA (Trizyklische Antidepressiva) (z.B. Amitriptylin): Breiteren Wirkmechanismus, jedoch häufig stärkere Nebenwirkungen.
- Mirtazapin, Agomelatin: Gute Option bei Insomnie oder Appetitverlust.
- Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie): Gezielte, kassenfinanzierte Therapieprogramme in Österreich verfügbar.
Die Auswahl des Präparats erfolgt nach individueller Symptomatik, Begleiterkrankungen und Präferenz. Österreichische Krankenkassen (ÖGK, BVAEB, SVS) übernehmen die Kosten für Standardtherapeutika im Rahmen der „Grünen Box“.
Rechtliche Situation, Zulassung und Erstattung in Österreich
- Zulassung: Durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), entsprechend den EU-Standards.
- Rezeptpflicht: Lexapro ist ausschließlich rezeptpflichtig (Apothekenpflicht) gemäß §1 AMVO (Arzneimittelverordnung).
- Erstattung: Lexapro und generische Escitalopram-Präparate werden von den Hauptverbänden der österreichischen Sozialversicherung (ÖGK, etc.) erstattet, bei medizinischer Notwendigkeit und gültigem Chefärztlichen Antrag für bestimmte Indikationen.
- e-Rezept: Seit 2022 ist die Ausstellung auch elektronisch möglich – in jeder österreichischen öffentlichen Apotheke einlösbar.
Aktuelle Forschung und klinische Leitlinien (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie „Unipolare Depression“ (2023) empfiehlt Escitalopram als Mittel der ersten Wahl bei Erwachsenen (DGPPN, ÖGKJP, 2023).
- Aktuelle Metaanalysen (Cipriani et al., 2023, The Lancet) zeigen eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit insbesondere bei Angststörungen.
- Forschung legt nahe, dass Kombinationstherapien (Pharmakotherapie + Psychotherapie) langfristig am effektivsten sind (Bäuml, Psychiatrie aktuell 2024).
- Bei älteren Patient*innen empfehlen sich niedrige Einstiegsdosen und regelmäßige Elektrolyt-Kontrollen (ÖGP Leitlinie Geriatrie, 2024).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Preise in Österreich
- Lexapro-Tabletten: 28, 50, 100 Stück; Tropfen: Flasche mit 15, 30 ml.
- Indikative Preise (2024): 28 Stk. 10 mg Tabletten ca. 24–28 € (Erstattung durch ÖGK/BVAEB möglich, abhängig von Rezept).
- Generika sind oft preiswerter, gleichwertig und voll erstattungsfähig.
| Stadt | Lieferzeit Standardapotheke | Lieferzeit Online-Apotheke |
|---|---|---|
| Wien | 1 Tag (wenn vorrätig) | 1–2 Werktage |
| Graz | 1-2 Tage | 2 Werktage |
| Linz | 1 Tag | 1-2 Werktage |
| Salzburg | 1 Tag | 1-2 Werktage |
| Innsbruck | 2 Tage | 2-3 Werktage |
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Wie lange dauert es, bis Lexapro wirkt?
Die antidepressive und angstlösende Wirkung setzt meist nach 1–2 Wochen ein, die volle Wirkung wird oft nach 4–6 Wochen erreicht. - Kann ich unter Lexapro Alkohol trinken?
Alkohol sollte möglichst vermieden werden, da er Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit und Konzentrationsstörungen verstärken kann. - Darf ich Lexapro bei Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Eine Therapie ist möglich, bedarf aber unbedingt einer engen ärztlichen Kontrolle und individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. - Was mache ich, wenn ich eine Einnahme vergesse?
Holen Sie die Einnahme nicht nach! Nehmen Sie die nächste Tablette zum gewohnten Zeitpunkt. Bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen. - Kann ich Lexapro einfach absetzen?
Nein. Das Absetzen von Escitalopram sollte immer langsam (ausschleichend) und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, um Absetzerscheinungen zu vermeiden.
Weitere Hinweise
Fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker oder Ihre behandelnde Ärztin/Arzt. Notrufnummer bei Notfällen: 112; Telefonische Gesundheitsberatung: 1450 (österreichweit).

