Chloroquin (Chloroquinphosphat) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
1. Basisinformationen zum Produkt
| Internationaler Freiname (INN) | Chloroquin |
| Österreichische Handelsnamen | Resochin® (Bayer), generische Präparate |
| ATC-Code | P01BA01 |
| Dargebotene Formen & Stärken | Tabletten zu 250 mg (entspricht circa 155 mg Chloroquin-Basis) |
| Hersteller | Bayer Austria GmbH, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich) |
2. Wirkmechanismus (Wirkweise)
Für Patienten einfach erklärt: Chloroquin ist ein Arzneimittel, das ursprünglich zur Behandlung und Vorbeugung der Malaria eingesetzt wird. Es wirkt, indem es die Entwicklung von Parasiten im Blut hemmt. Zusätzlich findet es Anwendung bei bestimmten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, da es auch auf das Immunsystem regulierend einwirkt.
Für medizinische Fachkräfte: Chloroquin hemmt die Polymerisierung von Hämozoin in den Parasitenvakuolen. In immunmodulatorischer Funktion beeinflusst es lysosomale Aktivität und Antigenpräsentation in Makrophagen, beeinflusst Toll-like-Rezeptoren (TLR9) und wirkt schwach antientzündlich.
3. Pharmakokinetik
- Resorption: Gute orale Bioverfügbarkeit (>75%).
- Verteilung: Weitgehend in Gewebe (Leber, Milz, Lunge, Niere) verteilt; Akkumulation möglich.
- Metabolismus: Hepatisch, CYP-abhängig.
- Elimination: Hauptsächlich renal (über die Nieren), aber sehr langsam (Halbwertszeit: 1–2 Monate).
- Wirkeintritt & -dauer: Erste therapeutische Effekte nach wenigen Tagen, maximale Effekte oft erst nach Wochen.
4. Anwendung im Alltag und bewährte Praktiken
- Typische Dosierungen:
- Malaria-Prophylaxe: 1 Tablette (250 mg) wöchentlich; Beginn 1–2 Wochen vor Einreise in ein Malaria-Gebiet.
- Malaria-Behandlung (Erwachsene): 4 Tabletten am 1. Tag, dann 2 Tabletten am 2. und 3. Tag.
- Rheumatische Erkrankungen (z.B. Lupus, rheumatoide Arthritis): meist 1–2 Tabletten täglich.
- Einnahme: Immer regelmäßig zur selben Tageszeit – Tablet nicht zerkauen, mit ausreichend Wasser schlucken.
- Österreichische Besonderheiten: Verordnungsfähig bei spezifischer Indikation; Beratung durch Ihre Vor-Ort-Apotheke empfohlen, Beratung in Türkisch, Serbokroatisch oder Englisch vielerorts verfügbar.
5. Einnahme am Morgen vs. Abend
- Morgens: Für Patienten mit tageszeitabhängigen Nebenwirkungen (z.B. Magenbeschwerden) oft geeigneter.
- Abends: Kann bei Verschlechterung durch tageszeitliche Müdigkeit bevorzugt werden, allerdings Gefahr der vergessenen Einnahme.
- Ratschlag: Wählen Sie eine Tageszeit, die Sie am besten einhalten können!
6. Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Chloroquin kann mit einer Mahlzeit oder Milch eingenommen werden, um Magenbeschwerden zu reduzieren.
- In Österreich typisch: Einnahme zusammen mit Frühstück oder Hauptmahlzeit, insbesondere bei Patienten mit empfindlichem Magen.
- Wichtig: Einnahme mit Milch, Brot oder anderen milderen Mahlzeiten empfohlen, um gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren.
7. Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktionspartner | Empfohlene Maßnahmen |
| Alkohol | Vermeiden; erhöht das Risiko für Leber- und Magen-Nebenwirkungen. |
| Antazida | Mindestens 2 Stunden Abstand zur Chloroquin-Einnahme einhalten. |
| Andere Anti-Malaria-Mittel | Nur auf ärztliche Anweisung kombinieren. |
| Betablocker, Herzmittel | Regelmäßige Kontrolle von Herzfrequenz/EKG empfohlen (QTc-Verlängerung möglich). |
| Cyclosporin, Methotrexat | Überwachung wegen möglicher Erhöhung der Nebenwirkungsraten. |
| Orale Medikamente zur Diabetes-Therapie | Gefahr von Unterzuckerungen; Blutzuckerkontrollen empfohlen. |
8. Indikationen (Zulassung & Off-Label)
| Indikation | Status | Bemerkungen |
| Malaria (Vorbeugung & Therapie) | Zugelassen | Nur bei Erregern ohne Chloroquin-Resistenz (z.B. Plasmodium vivax, ovale, malariae, gewisse Regionen ihrer Endemie) |
| Lupus erythematodes, chronisch-diskoid/subakut | Zugelassen | Langzeittherapie möglich |
| Rheumatoide Arthritis (RA) | Zugelassen | Alternative oder Zusatz zu Methotrexat, besonders bei milden Verlaufsformen |
| SARS-CoV-2 (COVID-19) | Off-Label, nicht empfohlen | Keine nachgewiesene Wirksamkeit; laut EMA, ÖGK, exklusive Studienanwendung beenden |
9. Dosierung nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder (nach Gewicht) | Ältere |
| Malaria-Prophylaxe | 1 x 250 mg/Woche | 5 mg/kg Körpergewicht/Woche | Gleich wie Erwachsene, mit Vorsicht (Nierenkontrolle!) |
| Malaria-Therapie | 1000 mg (=4 Tabletten) Tag 1, dann 500 mg Tag 2 & 3 | 10 mg/kg Tag 1, dann 5 mg/kg Tag 2 & 3 | Wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion wegen Nierenfunktion |
| Lupus erythematodes / RA | 1-2 x 250 mg/Tag | 2–3 mg/kg Körpergewicht/Tag | Wie Erwachsene, Nierenfunktion regelmäßig prüfen |
10. Sicherheitsprofil / Nebenwirkungen
- Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Juckreiz, absetzbare Sehstörungen.
- Selten: Veränderungen des Augenhintergrunds (retinale Toxizität), QTc-Verlängerung am EKG, Blutbildveränderungen, Muskel- und Nervenschäden.
- Sehr selten: Leberversagen, schwere allergische Reaktionen, schwere Hypoglykämien, Herzrhythmusstörungen.
- Warnhinweis: Bei Sehstörungen, Herzbeschwerden oder Gelbsucht umgehend Arzt aufsuchen!
| System | Häufige Nebenwirkung | Seltene/Schwere Nebenwirkung |
| Magen-Darm | Übelkeit, Durchfall | Leberentzündung |
| Nervensystem | Kopfschmerzen | Krampfanfälle |
| Herz | Palpitationen | Arrhythmie (QTc-Verlängerung) |
| Augen | Vorübergehende Sehstörung | Retinopathie (irreversibel) |
11. Anwendungshinweise in Österreich
- Regelmäßige augenärztliche Kontrollen vor und während der Langzeittherapie zwingend erforderlich!
- Blutbild-, Leber- und Nierenfunktionskontrollen laut Hausarzt!
- Tabelle oder Medikamentenplan mit Einnahmezeiten hilft, die Einnahme nicht zu vergessen.
- Bei Kindern nur nach ärztlicher Dosierungsanpassung verwenden.
- Vor geplanten Reisen oder Impfungen bitte Arzt oder Reiseapotheke aufsuchen.
- Apothekenpflicht – Arzneimittel darf nur in autorisierten österreichischen Apotheken bezogen werden.
12. Alternativen (erstattungsfähig durch Österreichische Gesundheitskasse, ÖGK)
- Hydroxychloroquin (z. B. Quensyl®) – bei rheumatischen Erkrankungen oft bevorzugt, da geringere Augentoxizität.
- Mefloquin (Lariam®): Malaria-Prophylaxe, aber psychiatrische Nebenwirkungen beachten.
- Atovaquon/Proguanil (Malarone®): Alternative bei Chloroquin-resistenten Malariaerregern; vergleichsweise teuer, aber wenige Nebenwirkungen.
- Doxycyclin: Für bestimmte Reisen besser geeignet, jedoch Beachtung der Sonnensensibilität.
Alle genannten Ersatzpräparate sind auf Rezept und, je nach Indikation, auf Kosten der Krankenkassen in Österreich (Erstattung nach Chefärztlicher Bewilligung) verfügbar.
13. Rechtlicher und erstattungsrechtlicher Status in Österreich
- Arzneistoff ist in der Österreichischen Spezialitätenliste (ÖSPL) gelistet.
- Rezeptpflichtig gemäß Österreichischem Arzneimittelgesetz (AMG) und Rezeptpflichtverordnung.
- Erstattung nach Einzelprüfung im Rahmen der Sozialversicherung (ÖGK, SVS, BVAEB) bei zugelassenen Indikationen möglich.
- Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG, Teil der AGES Medizinmarktaufsicht).
14. Neueste klinische Empfehlungen & Studien (2022–2025)
- COVID-19: Keine überzeugende Wirksamkeit in der Therapie oder Prophylaxe, laut EMA und Paul-Ehrlich-Institut; nicht zur Behandlung zugelassen.
- Malaria: Weiterhin relevant in Chloroquin-sensitiven Regionen (RKI-Empfehlungen, 2024).
- Rheumatologie: Positionierung im Therapiealgorithmus laut DGRh und ÖGR meist nach Hydroxychloroquin, dennoch bei Basismedikamenten (z.B. Methotrexat-Unverträglichkeit) sinnvoll.
15. Verfügbarkeit und Lieferzeiten
| Paketgröße | Typischer Lagerbestand | Circa-Preis (AVP) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz/Linz/Salzburg |
| 20 Tabletten | Vorrätig in Vor-Ort-Apotheken | ca. 22–28 € | sofort bis 1 Tag | 1–2 Werktage |
| 100 Tabletten (Großpackung) | Meist 2–3 Tage Vorbestellung | ca. 90–110 € | 2–3 Werktage | 2–4 Werktage |
Angaben ohne Gewähr, Preisbindung laut SLP. Lieferung österreichweit möglich, genaue Lieferzeiten erfragen Sie bitte in Ihrer Apotheke.
16. FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Wie lange darf ich Chloroquin einnehmen?
Bei Malaria ist die Einnahmedauer auf das Reise- bzw. Behandlungszeitfenster begrenzt. Bei rheumatischen Erkrankungen kann die Behandlung langjährig erfolgen, solange regelmäßige ärztliche Kontrollen (insb. augenärztlich) stattfinden. - Muss ich vor Beginn der Einnahme besondere Untersuchungen machen?
Ja, insbesondere bei geplanter Langzeittherapie sind vorab ein Augenarztbesuch und Blutuntersuchungen vorgeschrieben. - Brauche ich ein neues Rezept, wenn ich aus dem Ausland zurückkehre?
Ja, in Österreich ist das Arzneimittel immer rezeptpflichtig und im Regelfall nur auf inländisches Kassenrezept oder Privatrezept lieferbar. - Kann ich Chloroquin während der Schwangerschaft einnehmen?
Eine Einnahme muss individuell mit Ihrer betreuenden Ärztin/Ihrem Arzt abgestimmt werden! Für Malaria-Prophylaxe ist Chloroquin meist Mittel der Wahl in der Schwangerschaft, für andere Krankheiten sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. - Wie gehe ich vor, wenn ich eine Tablette vergessen habe?
Holen Sie eine Einzeldosis nach, sobald Sie es merken. Nicht doppelt dosieren! Bei Unsicherheiten oder wiederholtem Vergessen Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin oder Ihrer Apotheke.
17. Quellen & Literatur
- BASG, Österreichische Arzneimittelinformation (www.basg.gv.at)
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (www.dgrh.de), 2024
- Robert Koch-Institut: österreichische Empfehlungen für Reise- und Tropenmedizin (www.rki.de/Malaria)
- Rote Liste Österreich (www.roteliste.at) – aktuelle Fachinformation Chloroquinphosphat
- Europäische Arzneimittelagentur (EMA): Sicherheitsbewertungen, 2023–2024