Thorazine (Chlorpromazin): Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Produkt
| Internationaler Freiname (INN) | Chlorpromazin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Thorazine® (selten; Generika: Chlorpromazin GIS, Largactil®) |
| ATC-Code | N05AA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (25 mg, 50 mg, 100 mg); Lösungen zur Injektion (25 mg/ml); Tropfen (je nach Hersteller) |
| Hersteller (Auswahl) | Sanofi-Aventis, Sandoz, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach österreichischem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus
- Für Laien erklärt: Chlorpromazin gehört zu den sogenannten Neuroleptika (Antipsychotika) und wirkt im Gehirn auf bestimmte Botenstoffe. Es hilft, Symptome wie Wahnvorstellungen, akute Unruhe, Halluzinationen und starke Angst zu lindern, indem es das „chemische Gleichgewicht“ im Gehirn wiederherstellt.
- Für Fachpersonen: Chlorpromazin blockiert Dopamin-D2-Rezeptoren im mesolimbischen System und beeinflusst auch serotonerge, cholinerge, adrenerge sowie histaminerge Rezeptoren. Die antipsychotische Wirkung geht vor allem auf die Dopaminantagonisierung zurück; zusätzlich werden sedierende und antiemetische Effekte vermittelt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute Aufnahme im Magen-Darm-Trakt (~20–50%, variabel). Wirkungseintritt nach ca. 30–60 Minuten oral, 15 Minuten intravenös.
- Verteilung: Hohe Lipophilie; starke Bindung an Plasmaproteine (~95%).
- Metabolismus: Leber (CYP-vermittelt, v.a. CYP2D6). Hauptmetabolite sind inaktiv.
- Ausscheidung: Über Urin und Stuhl, teils als Metabolite.
- Wirksame Halbwertszeit: 16–30 Stunden.
- Dauer der Wirkung: 1–2 Tage nach oraler Gabe, daher geeignet für regelmäßige Einnahme.
Alltag, Dosierung & Anwendung (Österreich)
Die Einnahme von Chlorpromazin erfolgt nach ärztlicher Verschreibung und wird auf individuelle Bedürfnisse angepasst. In der österreichischen Praxis bevorzugen Ärzte Tabletten wegen der guten Dosierbarkeit und Verträglichkeit.
Typisches Dosierschema für Erwachsene:
- Erkrankungen mit Unruhe/Psychose: 25–100 mg zweimal täglich, nach Bedarf langsam steigernd (bis zu 400 mg/Tag, maximal 1000 mg/Tag in Akutfällen)
- Übelkeit und Erbrechen: 10–25 mg alle 4–6 Stunden bei Bedarf
- Bei Kindern und Jugendlichen (unter strenger Kontrolle): individuell, Beginn mit niedrigen Dosierungen (1 mg/kg KG/Tag)
- Bei älteren Patienten: reduzierte Anfangsdosis (ca. die Hälfte)
Hinweise zur Einnahme:
- Nicht abrupt absetzen!
- Zeitpunkt möglichst immer zur selben Uhrzeit einnehmen.
- Mit etwas Wasser schlucken; Tabletten nicht zerbeißen.
- Bei Unsicherheiten an die Apotheke oder Ihren Arzt wenden.
Dosierung: Morgens oder abends?
- Starke sedierende Wirkung: Besser abends einnehmen, weil Chlorpromazin oft Müdigkeit hervorruft.
- Tagsüber: Geringere Dosierung oder aufteilende Einnahme möglich, um Tagesmüdigkeit zu vermeiden.
- Tipp: Folgen Sie dem ärztlichen Dosierplan und berichten Sie Unverträglichkeiten direkt Ihrem Arzt!
Mit oder ohne Mahlzeit einnehmen?
- Chlorpromazin kann mit oder ohne Mahlzeit eingenommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme während oder direkt nach einer Mahlzeit (z. B. typisches österreichisches Frühstück mit Brot/Marmelade oder Buttersemmel).
- Starke, fettige Speisen verzögern den Wirkungseintritt leicht, beeinflussen ansonst aber die Wirkung nicht wesentlich.
Interaktionen: Warnhinweise und Wechselwirkungen
| Art | Beispiele | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Alkohol | Bier, Wein, Schnaps | Verstärkte Sedierung, Atemdepression; Alkoholkonsum vermeiden! |
| Medikamente | Antidepressiva, Schlafmittel, Blutdrucksenker, Antiepileptika | Gegenseitige Wirkungsverstärkung/Abschwächung; Gefahr von Nebenwirkungen (z. B. Sturz, Kreislaufprobleme) |
| Nahrungsmittel | Koffeinhaltiges, Grapefruitsaft | Koffein kann die sedierende Wirkung abschwächen, Grapefruit den Blutspiegel erhöhen – Vorsicht bei Genuss großer Mengen! |
| Krankheiten | Leber-, Nieren-, Herz-Krankheiten, Parkinson | Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen & Intoxikationen – Dosisanpassung beachten |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Offiziell zugelassen (Österreich) | Off-Label/Weitere |
|---|---|
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Dosierung nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Schizophrenie, Psychose | 25–100 mg 2–3×/Tag, max. 1000 mg/Tag | 0,5–1 mg/kg KG/Tag, verteilt auf mehrere Gaben | Mit ½ der Erwachsenendosis beginnen, langsame Steigerung |
| Unruhe/Aggressivität | 25–50 mg bei Bedarf (max. 400 mg/Tag) | Nach Rücksprache mit Facharzt | Dosisanpassung nach Individualindikation |
| Übelkeit/Erbrechen | 10–25 mg alle 4–6 Std. (max. 75–100 mg/Tag) | Nach ärztlicher Verordnung | Sehr niedrige Anfangsdosis |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Wie bei vielen Neuroleptika sind Nebenwirkungen möglich. Bitte wenden Sie sich bei auffälligen Symptomen an Ihren Arzt oder die nächste Apotheke.
- Sehr häufig (≥1/10): Müdigkeit, Benommenheit, Mundtrockenheit, Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), Gewichtszunahme
- Häufig (≥1/100 bis <1/10): Allergische Reaktionen, Störungen im Bewegungsablauf (Extrapyramidalstörungen, z. B. Zittern), Sehstörungen, Verstopfung, Hautreaktionen
- Gelegentlich (≥1/1.000 bis <1/100): Herzrhythmusstörungen, Schwitzen, sexuelle Funktionsstörungen
- Selten (<1/1.000): Krampfanfälle, Leukopenie/Agranulozytose (Blutbildveränderung), malignes neuroleptisches Syndrom (Notfall!), Leberfunktionsstörungen
Warnhinweise:
- Akute allergische Symptome (Gesichtsschwellung, Atemnot): Sofortige ärztliche Abklärung!
- Kombination mit anderen ZNS-dämpfenden Mitteln vermeiden
- Regelmäßige Blutbildkontrollen bei längerer Therapie empfohlen
Richtige Anwendung – Tipps aus der Apotheke für Österreich
- Lagern Sie Medikamente außerhalb der Reichweite von Kindern
- Setzen Sie das Präparat nicht abrupt ab, um Entzugssymptome zu vermeiden
- Fahren Sie kein Auto und bedienen Sie keine Maschinen, solange Sie die sedierende Wirkung spüren
- Bewahren Sie die Packung an einem lichtgeschützten, trockenen Ort auf (Raumtemperatur <25°C)
- Nutzen Sie die Medikationsberatung in Ihrer Apotheke vor Ort
Alternative Therapieoptionen (Erstattung durch österr. Krankenkassen)
- Haloperidol: Wirkung stärker antipsychotisch, weniger sedierend; häufigere Bewegungsnebenwirkungen.
- Olanzapin, Quetiapin, Risperidon: Atypische Neuroleptika, modernere Behandlung, weniger extrapyramidale Nebenwirkungen, oft besser verträglich, teurer.
- Promethazin, Levomepromazin: Alternative klassische (sedierend), für Unruhe/Schlafstörungen; weniger antipsychotisch.
Vorteile Chlorpromazin: Rasche Sedierung, breit einsetzbar.
Nachteile: Starke Müdigkeit, Stoffwechsel- und Bewegungsnebenwirkungen, alte Substanz.
Rechtliche, Zulassungs- & Erstattungsinformationen in Österreich
- Zulassung: Durch die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)
- Rezeptpflicht: Ja, Abgabe ausschließlich gegen gültiges Kassen-/Privatrezept
- Erstattungsfähigkeit: Für die genannten Indikationen unter bestimmten Voraussetzungen kassenrefundiert (Gebührenbefreiung möglich)
- Aufbewahrungs- und Dokumentationspflicht: Laut österreichischem Arzneimittelgesetz
Aktuelle Studien & Leitlinien (Stand 2022–2025)
- Deutsche S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF-Registernr. 038/009): Chlorpromazin weiterhin als Reservepräparat bei Therapieresistenz oder Unverträglichkeit moderner Neuroleptika.
- Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP): Bevorzugung atypischer Antipsychotika, aber Chlorpromazin in Einzelfällen einsetzbar, insbesondere bei manifester Sedierungspflicht.
- Laut aktueller Metaanalysen (z. B. BAP Evidence Centre Review, 2023; JAMA Psychiatry, 2024): Chlorpromazin effektiv, jedoch Nebenwirkungsprofil beachten.
Verfügbarkeit & Lieferung (Preise, Packungsgrößen)
| Packungsgröße | Preis (UVP, Stand 2024) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Salzburg | Lieferzeit Linz |
|---|---|---|---|---|---|
| 20 Tabletten (100 mg) | ca. 15–20 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 2 Werktage | 1–2 Werktage |
| 50 Tabletten (25 mg) | ca. 16–22 € | 1 Werktag | 2 Werktage | 2 Werktage | 2 Werktage |
| Tropfen (60 ml Flasche) | ca. 18–25 € | 2 Werktage | 2–3 Werktage | 2–3 Werktage | 2 Werktage |
Hinweis: Bestimmte Präparate können pharmaciespezifisch variieren. Ihr Apotheker gibt Ihnen gerne Auskunft zur aktuellen Verfügbarkeit und Lieferzeit für Ihre Region.
FAQ: Häufig gestellte Patientenfragen
- Wie lange dauert es, bis Chlorpromazin wirkt?
Die Wirkung beginnt meist innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach Einnahme. Die volle antipsychotische Wirkung kann einige Tage bis Wochen auftreten. - Macht Chlorpromazin abhängig?
Nein, Chlorpromazin führt nicht zur körperlichen Abhängigkeit. Das abrupte Absetzen kann jedoch Entzugssymptome verursachen. - Darf ich damit Auto fahren?
Solange Sie Chlorpromazin einnehmen, dürfen Sie nur dann ein Kraftfahrzeug führen, wenn Sie keinerlei Müdigkeit, Schwindel oder Konzentrationsstörungen verspüren. Im Zweifel erst abwarten und mit Arzt Rücksprache halten. - Kann ich das Medikament auch bei älteren Angehörigen anwenden?
Nebenwirkungen und Risiken steigen im Alter. Die Anwendung soll nur nach ausdrücklich ärztlicher Verordnung und engmaschiger Kontrolle erfolgen. - Ist Thorazine auch für Kinder zugelassen?
In Österreich: Nur bei bestimmten, schweren Indikationen und nach individueller ärztlicher Entscheidung!
Abschließend: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt, Ihre Facharztpraxis oder Ihr Apothekenteam. Diese Information ersetzt nicht die persönliche Beratung!

