Chlorpromazin – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Chlorpromazin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Largactil®, Chlorprothixen (in Kombination), Generika |
| ATC-Code | N05AA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (25 mg, 100 mg), Dragées, Filmtabletten, Tropfen (10 mg/ml), Injektionslösung (25 mg/ml) |
| Hersteller | Sanofi, diverse Generikaanbieter |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliches Rezept erforderlich, Suchtgiftverschreibung nicht notwendig) |
Wirkmechanismus
Für Laien: Chlorpromazin gehört zur Gruppe der sogenannten Neuroleptika (Antipsychotika) und wird zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt. Es wirkt beruhigend, lindert Wahnvorstellungen und Halluzinationen und kann Angstzustände reduzieren. Das Medikament blockiert bestimmte Botenstoffe im Gehirn wie Dopamin, was die Symptome von psychischen Erkrankungen abschwächt.
Für Fachkreise: Chlorpromazin ist ein Prototyp der Phenothiazin-Gruppe. Sein Wirkmechanismus beruht vorwiegend auf der kompetitiven Antagonisierung dopaminerger D2-Rezeptoren im mesolimbischen System. Daneben kommt es zu einer Blockade von Histamin-H1-, muskarinischen und adrenergen α1-Rezeptoren, was die diversen klinischen Effekte und Nebenwirkungen erklärt.
Pharmakokinetik
- Absorption: Nach oraler Gabe rasch, jedoch unvollständig (Bioverfügbarkeit 10–50%), signifikantem First-Pass-Effekt.
- Metabolismus: Hepatisch über CYP2D6 und CYP1A2 zu zahlreichen aktiven Metaboliten.
- Elimination: Renal und biliär, Halbwertszeit 15–30 Stunden.
- Wirkeintritt: Innerhalb von 30–60 Minuten (oral), 10–20 Minuten (intramuskulär).
- Wirkdauer: 6–12 Stunden (oral), bis zu 24 Stunden (Depot/Retardformen).
Anwendung im Alltag & Praktische Hinweise
Chlorpromazin wird hauptsächlich eingesetzt zur Behandlung von Schizophrenien, akuten psychotischen Zuständen, schweren Unruhezuständen sowie bei starker Übelkeit/Vomiterbrechen, auch im Zusammenhang mit Chemotherapie. Es ist besonders wirksam bei stärker ausgeprägten Krankheitsbildern, wenn andere Mittel nicht ausreichend helfen.
- Befolgen Sie stets die Anordnung Ihrer behandelnden Ärztin/Ihres behandelnden Arztes.
- Die Tabletten mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen, unabhängig von den Mahlzeiten.
- Die Dosierung erfolgt schrittweise und individuell angepasst, häufig beginnend mit kleinen Dosen.
- Plötzliche Abbruch ist zu vermeiden – Rücksprache mit dem Arzt!
- Regelmäßige Kontrollen (EEG, EEG, Blutbild, Leberwerte) sind nach österreichischen Leitlinien empfohlen.
Einnahme morgens vs. abends
Da Chlorpromazin ausgeprägt sedierend wirkt, empfiehlt sich die Hauptdosis meist am Abend einzunehmen – besonders zu Beginn oder bei starken Einschlafproblemen. Morgens kann eine geringere Dosis sinnvoll sein, wenn tagsüber eine beruhigende Wirkung benötigt wird.
- Vorteil abends: Verbesserter Schlaf, geringere Beeinträchtigung der Tagesaktivität, Sedierung wird nachts wirksam.
- Nachteil abends: Mögliches morgendliches "Hang-over", Müdigkeit am Folgetag.
- Vorteil morgens: Günstig bei ausgeprägter Tagesunruhe/Aggression.
- Nachteil morgens: Erhöhte Schläfrigkeit während Schule/Beruf.
Tipp: Einnahmezeitpunkt nach individueller Wirksamkeit und Verträglichkeit sowie den Empfehlungen Ihres behandelnden Teams auswählen!
Mit oder ohne Nahrung einnehmen?
Chlorpromazin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit, um Übelkeit vorzubeugen. Der Effekt der Nahrung auf die Aufnahme ist gering. Für die typisch österreichische Mischkost (mit Müsli, Brot, Milchprodukten, Gemüse) bestehen keine relevanten Einschränkungen.
- Tipp: Bei Refluxbeschwerden oder empfindlichen Magen Tablette nach dem Essen nehmen.
- Keine spezifische Diät notwendig.
- Alkohol und Grapefruitsaft sollten gemieden werden.
Interaktionen (Wechselwirkungen)
| Wechselwirkungspartner | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkung der sedierenden und atemhemmenden Wirkung; meiden! |
| Antihypertensiva (z.B. Betablocker) | Verstärkte Blutdrucksenkung möglich – Überwachung empfohlen. |
| Andere ZNS-dämpfende Medikamente (Benzodiazepine, Opiate) | Gegenseitige Potenzierung; Dosisanpassung notwendig. |
| Anticholinergika, Antidepressiva | Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Verstopfung. |
| Leberenzyminduktoren und -inhibitoren (z.B. Carbamazepin, Fluoxetin) | Wechselwirkung beachten; Wirkspiegelkontrolle bei Kombination. |
| MAO-Hemmer | Wirkung wird verstärkt; Kombination vermeiden. |
| Koffein (Kaffee, Cola, Energy-Drinks) | Kann Nebenwirkungen (Unruhe, Herzrasen) steigern; maßvoller Konsum! |
| Grapefruitsaft | Hemmung des CYP2D6: Erhöhung Nebenwirkungsrisiko; meiden! |
Indikationen
| Offizielle Indikationen (Österreich) | Off-label-Anwendungen |
|---|---|
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Dosierung je nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Schizophrenie, Psychose | Initial 25–50 mg 2–4×/Tag, Erhaltungsdosis: 100–300 mg/Tag in geteilten Dosen | 0,5–1 mg/kg/Tag, max. 75 mg/Tag | Reduzierte Anfangsdosis (häufig 1/2 Standarddosis), Vorsicht wegen erhöhter Empfindlichkeit |
| Akute Erregungszustände | IM/IV 25–50 mg; Wiederholung nach 6–8 h möglich | Nur unter stationären Bedingungen | Sehr vorsichtige Dosierung, engmaschige Überwachung |
| Übelkeit/Erbrechen | 10–25 mg alle 4–6 h nach Bedarf (max. 150 mg/Tag) | 5–10 mg alle 6–8 h (max. 75 mg/Tag) | Dosisanpassung, im Zweifel Rücksprache Arzt/Apotheke |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann auch Chlorpromazin unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Im Folgenden sind die wichtigsten Nebenwirkungen aufgeführt:
| Häufigkeit | Beispiele | Empfehlung |
|---|---|---|
| Sehr häufig (≥1/10) | Müdigkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme | In Alltag integrierbar, bei Belastung Arzt kontaktieren |
| Häufig (1/10–1/100) | Schwindel, Benommenheit, Verstopfung, geringe Blutdruckwerte beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), Sehstörungen | Langsames Aufstehen, ausreichend trinken |
| Gelegentlich (1/100–1/1000) | Muskelsteifheit, Zittern, Unruhe, Antriebslosigkeit, sexuelle Funktionsstörungen | Arztbesuch erwägen |
| Selten (<1/1000) | Gelbsucht, Blutbildveränderungen, Krampfanfälle, schwere allergische Reaktionen, Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung) | Sofort ärztliche Hilfe! |
Wichtige Warnhinweise: Bei Fieber, Halsschmerzen oder schweren Hautreaktionen unverzüglich Arzt aufsuchen. Langfristige Einnahme kann Bewegungsstörungen (Spätdyskinesien) verursachen.
Richtige Anwendung – Tipps von Apotheke & Klinik
- Regelmäßige Einnahme, möglichst zur gleichen Uhrzeit
- Beschwerden/Nebenwirkungen sofort dem Arzt oder Apotheker melden
- Keine abrupten Dosiswechsel oder Abbruch ohne Rücksprache mit Fachpersonal
- Bei Reisen genügend Vorrat einplanen, Medikamentenpass mitführen
- Vorsicht bei Autofahren & Arbeiten mit Maschinen – Sedierung beachten!
- Keine Selbstmedikation mit anderen Psychopharmaka, Alkohol meiden!
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
Therapiealternativen (erstattungsfähig durch ÖGK/NFZ)
- Haloperidol: Weniger sedierend, stärker antipsychotisch, aber mehr Bewegungsstörungen.
- Quetiapin: Modernes atypisches Neuroleptikum, geringeres Risiko für Bewegungsstörungen, sedierend.
- Risperidon: Atypikum, breites Wirkspektrum, weniger Gewichtszunahme.
- Olanzapin: Effektiv, erhöht aber Gewicht und Blutzucker; in bestimmten Fällen bevorzugt.
- Alle genannten Präparate sind von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) erstattungsfähig.
Vergleich: Chlorpromazin ist besonders sedierend und eignet sich für Patienten mit starker Unruhe/Agitation. Für rein psychotische Symptome ohne starke Unruhe werden moderne Präparate bevorzugt (besseres Nebenwirkungsprofil).
Rechtlicher & Erstattungsstatus, Registrierung in Österreich
- Chlorpromazin ist in Österreich als rezeptpflichtiges Arzneimittel zugelassen (BASG/AGES Registrierung).
- Nicht als Suchtgift gelistet – normale Rezeptausstellung genügt.
- Die Kostenübernahme erfolgt im Regelfall durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK/NFZ), sofern medizinische Indikation gegeben ist.
- Regelmäßige Berichte an das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) über seltene oder schwere Nebenwirkungen sind Pflicht.
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Laut der DGPPN/S3-Leitlinie 2023 bleibt Chlorpromazin reserviert für schwere Fälle, bevorzugt bei fehlendem Ansprechen auf atypische Antipsychotika.
- Sicherheitsüberwachung besonders hinsichtlich metabolischer und kardiovaskulärer Risiken wird empfohlen.
- Neue Studien (z.B. Gitzinger et al., 2024; EUPSYCH Register) zeigen, dass Chlorpromazin effektiv Unruhe und Agitation im stationären Kontext behandelt, aber ein höheres Risiko für Übergewicht und Herzrhythmusstörungen birgt.
- Austrian Society of Psychiatry (ÖGPB) empfiehlt individualisierte Dosierung und regelmäßiges Monitoring.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Preis, Lieferzeiten
| Packungsgröße | Tabletten | Tropfen | Injektionslösung | Indikativer Preis (EUR)* | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Klein | 20 Stk. | 30 ml | 5 Amp. | ca. 12–15,- | sofort | 1–2 Tage | 1–2 Tage |
| Mittel | 50 Stk. | 100 ml | 10 Amp. | ca. 22–28,- | sofort | 1–2 Tage | 1–2 Tage |
| Groß | 100 Stk. | 250 ml | 30 Amp. | ca. 46–58,- | sofort | 2–3 Tage | 2–3 Tage |
*Preise können regional und je nach Anbieter schwanken. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 04/2024.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Kann ich mit Chlorpromazin Auto fahren?
Chlorpromazin kann die Reaktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Fahren Sie nur dann Auto, wenn Sie wissen, wie das Medikament auf Sie wirkt, und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre individuelle Situation. - Wie lange muss ich das Medikament einnehmen?
Das hängt von Ihrer Erkrankung und Ihrem Therapieerfolg ab. Viele Patienten benötigen eine mehrmonatige bis mehrjährige Behandlung. Veränderungen nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt! - Was passiert, wenn ich eine Dosis vergesse?
Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich nach. Ist es fast Zeit für die nächste Einnahme, überspringen Sie die vergessene Dosis und nehmen Sie nie eine doppelte Menge ein. Informieren Sie Ihren Arzt bei gehäuftem Vergessen! - Muss ich bei regelmäßigen Kontrollen Blut oder EKG untersuchen lassen?
Ja, regelmäßige Blutbild- und EKG-Kontrollen sind laut österreichischer Leitlinie empfohlen, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. - Kann Chlorpromazin mit anderen Psychopharmaka kombiniert werden?
Kombinationen sind möglich, müssen aber immer ärztlich überwacht werden, um Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu vermeiden.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker oder Ihr behandelndes Ärzteteam. Gerne helfen wir bei allen Fragen zum Thema Chlorpromazin!

