Symmetrel® (Amantadin) – Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Amantadin |
|---|---|
| Markenname in Österreich | Symmetrel® |
| ATC-Code | N04BB01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Hartkapseln 100 mg, Lösung zum Einnehmen 100 mg/10 ml |
| Hersteller | GRÜNENTHAL GmbH, diverse andere Zulassungsinhaber |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Verschreibung über Haus- oder FachärztInnen erforderlich) |
Wirkmechanismus (Funktionsweise)
Für Patient:innen: Amantadin wirkt sowohl auf das Nervensystem als auch auf Viren. Es wird hauptsächlich zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und zur Vorbeugung und Behandlung bestimmter Viruserkrankungen eingesetzt. Es unterstützt das Gehirn dabei, das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe (Dopamin) wiederherzustellen, was Bewegungen erleichtert und einige Symptome lindern kann.
Für Fachkreise: Amantadin blockiert NMDA-Rezeptoren, fördert die Verfügbarkeit von Dopamin im synaptischen Spalt und hemmt dessen Wiederaufnahme. Zusätzlich besitzt Amantadin eine hemmende Wirkung auf die Virusreplikation von Influenza A durch Blockade des viralen M2-Proteins.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute orale Bioverfügbarkeit (85–90 %), maximale Plasmakonzentration nach 2–4 Stunden.
- Metabolisierung: Nur gering metabolisiert; Hauptanteil bleibt unverändert.
- Ausscheidung: Über die Nieren durch glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion. Halbwertszeit 15–17 Stunden (verlängert bei eingeschränkter Nierenfunktion).
- Wirkdauer: Tägliche Einnahme führt zu konstantem Spiegel, Wirkung hält über den Tag an.
Anwendung im Alltag & Best Practices (Österreich-Kontext):
- Typische Dosierung: Meist 100–200 mg täglich, individuell anpassbar.
- Anwendung: Morgens/einmal täglich oder aufgeteilt auf zwei Dosen. Die Tabletten/Kapseln werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen.
- Spezielle Hinweise für Österreich: Regelmäßige Kontrolle durch Hausärztin/Hausarzt oder Neurologin/Neurologe; besonders bei Senior:innen, Nierenpatient:innen und Kindern.
- Therapietreue: Nehmen Sie Amantadin immer regelmäßig zur gleichen Tageszeit ein, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden.
- Hinweis auf Verkehrstüchtigkeit: Bei Beginn der Therapie kann Amantadin müde oder schwindelig machen – Teilnahme am Straßenverkehr, Maschinenbetrieb und Erklimmen von Leitern daher anfangs vermeiden.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Morgens: Vorteilhaft, wenn Nebenwirkungen wie Schlafstörungen auftreten. Eine morgendliche Einnahme fördert einen gleichmäßigen Spiegel und minimiert Schlafprobleme.
- Abends: Nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung! Kann bei manchen Patient:innen Schlafstörungen begünstigen.
- Tipp: Einnahme immer zur gleichen Zeit – idealerweise morgens nach dem Frühstück. Individuelle Anpassungen in Absprache mit dem Fachpersonal.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern (mit Blick auf österreichische Essgewohnheiten)
- Amantadin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Wegen gelegentlicher Magenbeschwerden empfiehlt sich die Einnahme nach dem Frühstück (mit Vollkorngebäck, Joghurt oder Brot, typisch österreichische Kost).
- Besserverträglichkeit bei empfindlichem Magen, insbesondere bei älteren Patient:innen.
Wechselwirkungen: Warnhinweise (Ernährung, Alkohol, Medikamente)
| Substanz/Produkt | Mögliche Wechselwirkung |
|---|---|
| Alkohol | Erhöht das Nebenwirkungsrisiko (z.B. Schwindel, Benommenheit) |
| Wassertabletten (z.B. Hydrochlorothiazid) | Kann Amantadin-Konzentration im Blut erhöhen (Risiko für Nebenwirkungen steigt) |
| Anticholinergika (z.B. Biperiden) | Verstärkte Nebenwirkungen (z.B. Unruhe, Halluzinationen) |
| Levodopa | Kombination ist möglich, genaue Dosisanpassung erforderlich |
| Andere Parkinson-Medikamente | Dosisanpassung notwendig, erhöhte Überwachungsfrequenz |
| Diät/Ernährung | Keine bedeutsamen Interaktionen mit gängigen österreichischen Lebensmitteln |
Indikationen (offiziell & Off-Label)
| Indikation | Offiziell zugelassen (in Österreich) | Off-Label-Anwendung |
|---|---|---|
| Morbus Parkinson | Ja | Nein |
| Parkinsonoid bei anderen Erkrankungen (z.B. nach Enzephalitis, Intoxikationen) | Ja | Teilweise |
| Fatigue bei Multipler Sklerose | Nein | Ja (Therapieempfehlung nach individueller Nutzen/Risiko-Abschätzung) |
| Prophylaxe & Therapie der Influenza A | Ja (eingeschränkt wegen Resistenzproblematik) | Ja |
| Restless-Legs-Syndrom | Nein | Selten |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Patientengruppe | Indikation | Dosierung/Tag | Besondere Hinweise |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | Morbus Parkinson | 100–200 mg, auf 1–2 Gaben verteilt | Therapiebeginn niedrig dosiert, dann Steigerung |
| Erwachsene | Fatigue bei MS (Off-Label) | 100 mg morgens | Nur nach ärztlicher Verordnung; Nutzen kritisch prüfen |
| Kinder (ab 5 Jahren) | Influenza A | 2–4 mg/kg/Tag, max. 100 mg/Tag | Nur kurzfristige Anwendung, strenge Indikationsstellung |
| Ältere Patient:innen (>65 Jahre) | Alle Indikationen | Meist Reduktion um 50 % empfehlenswert | Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren |
| Patient:innen mit Niereninsuffizienz | Alle Indikationen | Start mit 50 mg/Tag oder längere Einnahmeabstände | Regelmäßige Blutspiegel-Kontrolle |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Häufig: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Unruhe, Schlafstörungen, Schwindel, Mundtrockenheit
- Gelegentlich: Halluzinationen, Verwirrtheit, Ödeme, Hautausschlag
- Selten: Herzrhythmusstörungen, Muskelzuckungen, Krampfanfälle, Blutbildveränderungen
- Warnhinweise: Neuropsychiatrische Symptome (Halluzinationen, Verwirrtheit), Kreislaufstörungen, Verschlechterung bei Niereninsuffizienz, orthostatische Hypotonie. Vorsicht bei Glaukom und Prostatahyperplasie.
| Nebenwirkung | Häufigkeit |
|---|---|
| Appetitlosigkeit, Übelkeit | Sehr häufig (≥10%) |
| Schlaflosigkeit, Nervosität | Häufig (1–10%) |
| Halluzinationen, Delir | Gelegentlich (0,1–1%) |
| Herzrhythmusstörungen | Selten (≤0,1%) |
Hinweise zur richtigen Anwendung (nach österreichischer Praxis)
- Regelmäßige, am besten morgendliche Einnahme zur Förderung der Therapietreue.
- Niemals die Tageshöchstdosis überschreiten.
- Längere Einnahmepause oder spontan abbrechen nur unter ärztlicher Aufsicht.
- Bei Vergessener Einnahme: Nachholen nur, wenn noch ausreichend Zeit bis zur nächsten Dosis – sonst auslassen, keinesfalls doppelte Menge einnehmen.
- Regelmäßige Kontrollen bezüglich Blutbild und Nierenfunktion einplanen.
- Gegebenenfalls Familienangehörige oder Pflegepersonen informieren, damit Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden.
Alternative Therapieoptionen (Vergleich, Vor- und Nachteile)
- Levodopa (z.B. in Kombination mit Carbidopa oder Benserazid): Goldstandard bei Morbus Parkinson, gute Wirksamkeit, jedoch auf Dauer Risiko für Bewegungsstörungen (Dyskinesien).
- Dopaminagonisten (Pramipexol, Ropinirol): Weniger motorische Nebenwirkungen, mehr psychiatrische Effekte, nicht für alle Patientengruppen geeignet.
- MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin): Ergänzende Mittel, geringes Nebenwirkungsprofil, insbesondere in frühen Stadien geeignet.
- COMT-Hemmer (Entacapon): Verstärkung der Levodopa-Wirkung, jedoch Risiko für Diarrhö.
- Anticholinergika: Heute nur noch selten und bei speziellen Tremorformen angewandt (mehr Nebenwirkungen, vor allem bei älteren Menschen).
Alle genannten Alternativen sind in unterschiedlichen Ausmaß von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK/NFZ) erstattungsfähig, abhängig von Höhe und Art der Verordnung (Sonderbewilligung möglich).
Rechtlicher Status, Zulassung & Erstattung (Österreich)
- Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES) gemäß europäischen EMA-Vorgaben.
- Rezeptpflicht gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz (AMG).
- Erstattung im Rahmen des EKO der ÖGK (Erstattungskodex; Position: grüner Bereich nach Indikation).
- Anwendungsbeschränkungen gemäß Fachinformation; Sonderregelungen für neurologische Bedarfspatient:innen möglich.
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Parkinsontherapie: Laut DGN-Leitlinie 2022: Amantadin weiterhin als Add-on-Medikament empfohlen, insbesondere bei motorischen Spätkomplikationen und Dyskinesien. (Siehe: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien 2022)
- Fatigue/Multiple Sklerose: Nutzen von Amantadin als Off-Label-Therapie der Fatigue in aktuellen MS-Leitlinien (AMSEL, 2023) angeführt, durch Studien belegt (z.B. Braley & Chervin, J Neurol Sci 2023).
- Influenza: Wegen zunehmender Resistenzen wird Amantadin zur Therapie/Prophylaxe der Influenza A heute nur noch selten angewendet (vgl. RKI-Empfehlungen, 2024).
Weitere Literatur: "Leitlinie: Morbus Parkinson" DGN 2022; "Multiple Sklerose: Therapie der Fatigue" AMSEL 2023; RKI-Empfehlung Grippeprävention 2024.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten (Österreich)
| Packungsgröße | Inhalt | UVP (€)* | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Salzburg | Lieferzeit Innsbruck |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kapseln (100 mg) | 50 Stück | ca. 28–35 € | sofort abholbar (1 Werktag) | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 2–3 Werktage |
| Lösung (100 mg/10 ml) | 100 ml | ca. 22–30 € | sofort abholbar (1 Werktag) | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 2–3 Werktage |
*Richtwert, tatsächliche Preise können je nach Apotheke geringfügig abweichen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Symmetrel® (Amantadin)
- Wie lange muss ich Symmetrel® einnehmen?
Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem individuellen Therapieerfolg und der Grunderkrankung. Bei Morbus Parkinson meist über Monate bis Jahre, Anpassungen nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin. - Können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auftreten?
Ja—vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika („Wassertabletten“), Dopaminagonisten, Levodopa und Anticholinergika. Informieren Sie Ihr Behandlungsteam immer über alle Medikamente, die Sie einnehmen. - Darf ich mit Symmetrel® Alkohol trinken?
Alkohol ist nur in sehr kleinen Mengen und nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt erlaubt, da Schwindel, Koordinationsstörungen oder andere Nebenwirkungen verstärkt werden können. - Kann Symmetrel® bei einer Nierenschwäche angewendet werden?
Ja, allerdings nur mit besonderer Vorsicht und gegebenenfalls reduzierter Dosierung. Regelmäßige Nierenkontrollen sind notwendig. - Was tun bei Nebenwirkungen?
Bei leichten Beschwerden wie Übelkeit zunächst Einnahme zu den Mahlzeiten versuchen. Bei schwereren oder ungewöhnlichen Reaktionen (Halluzinationen, Kreislaufprobleme, Herzrasen) umgehend ärztlichen Rat einholen!
Wichtiger Hinweis: Diese Information ersetzt nicht die individuelle Beratung durch Apotheker:in oder Ärztin/Arzt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihr behandelndes Fachpersonal.

