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Rifampin

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Rifampicin ist ein Antibiotikum, das zur Behandlung von Infektionen wie Tuberkulose und bestimmten anderen bakteriellen Erkrankungen eingesetzt wird. Es wirkt, indem es das Wachstum der Bakterien hemmt. Das Medikament wird meist in Tablettenform eingenommen und sollte immer genau nach ärztlicher Anweisung verwendet werden. Während der Einnahme können Nebenwirkungen auftreten, daher ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihr medizinisches Fachpersonal.

Rifampicin (Rifampin): Umfassende Patienteninformation für Österreich

Grundlegende Produktinformationen

Internationaler Freiname (INN) Rifampicin
Ausgewählte Handelsnamen in Österreich Rifadine®, Eremfat®, Rifampicin (Generika)
ATC-Code J04AB02
Verfügbare Darreichungsformen/Stärken Tabletten: 150 mg, 300 mg, 600 mg;
Kapseln: 150 mg, 300 mg;
Suspensionen: 100 mg/5 ml;
Injektionslösungen (selten in AT): 600 mg/Vial
Hersteller (Beispiele) Sanofi-Aventis, Dr. Reddy’s, Sandoz
Verschreibungsstatus Rezeptpflichtig (Rx), Betäubungsmittelgesetz nicht zutreffend

Wirkungsmechanismus

Für Laien: Rifampicin ist ein Antibiotikum, das gezielt Bakterien abtötet, indem es die Bildung deren Erbsubstanz (DNA/RNA) blockiert. So wird die Ausbreitung krankmachender Keime verhindert, beispielsweise bei Tuberkulose.
Für Spezialisten: Rifampicin hemmt spezifisch die bakterielle DNA-abhängige RNA-Polymerase, wodurch die Transkription und letztlich die bakterielle Proteinsynthese gestört wird. Es wirkt bakterizid, insbesondere auf langsam wachsende Mykobakterien.

Pharmakokinetik

  • Resorption: Rasche und nahezu vollständige Aufnahme im Dünndarm, Bioverfügbarkeit ca. 90 % bei oraler Einnahme.
  • Metabolisierung: In der Leber extensiv in den aktiven Desacetylmetaboliten umgewandelt.
  • Ausscheidung: Hauptsächlich biliär (über Galle in den Darm), ein Teil renal (über Niere/Urinausscheidung).
  • Halbwertszeit: 3–4 Stunden nach Einzeldosis, kann bei wiederholter Gabe abnehmen (Autoinduktion von Leberenzymen).
  • Dauer der Wirkung: Wirksamkeitsfenster beträgt bis zu 24 Stunden, abhängig vom Einsatzgebiet.

Alltag und Anwendung – Praktische Hinweise für Patient:innen in Österreich

  • Übliche Dosierung (Erwachsene): 600 mg einmal täglich (bei Tuberkulose, Lepra), ggf. an Körpergewicht angepasst (10 mg/kgKG, max. 600 mg pro Tag).
  • Kinder: 10–20 mg/kgKG (abhängig vom Alter und Indikation), maximal 600 mg täglich.
  • Einnahme: Tablette/Kapsel unzerkaut mit Wasser einnehmen.
  • Dauer: Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Krankheitsbild (oft mehrere Monate bei Tuberkulose).
  • Wichtiger Hinweis: Niemals die Therapie frühzeitig beenden! Gefahr der Resistenz!

Morgens oder abends? – Tipps zur Einnahmezeit

Für Rifampicin wird die morgendliche Einnahme auf nüchternen Magen empfohlen. Vorteile sind die bessere Wirksamkeit und gleichmäßigere Spiegel im Blut. Abends kann die Einnahme zu Schlafstörungen führen oder mit Mahlzeiten kollidieren.
Unser Tipp: Eine tägliche Routine hilft – z. B. immer 30 Minuten vor dem Frühstück einnehmen. Ein Wecker oder Medikamentendosierer kann unterstützen.

Mit oder ohne Essen? – Einfluss der Mahlzeiten

Rifampicin sollte grundsätzlich nüchtern eingenommen werden! – Das heißt mindestens 30 Minuten vor oder frühestens 2 Stunden nach einer Mahlzeit.
Hintergrund: Fettreiche oder eiweißreiche Speisen (z. B. österreichische Hausmannskost wie Wurst, Käse, Schmankerln) verzögern und verringern die Aufnahme. Ausnahme: Bei Magenbeschwerden kann die Einnahme mit einer kleinen Menge Speise gestattet werden (bitte Rücksprache mit Ärzt:in oder Apotheker:in).

Wechselwirkungen (Interaktionen) – Wichtige Warnhinweise

Interaktionspartner Empfohlene Maßnahme
Alkohol Hohe Leberbelastung, möglichst meiden
Antibabypille Wirkungsminderung der Pille! Zusätzliche Verhütung erforderlich
Gerinnungshemmer (z. B. Warfarin) Erhöhte/verminderte Wirkung, engmaschige Kontrollen notwendig
HIV-Therapien (Proteaseinhibitoren, NNRTIs, Integrasehemmer) Wechselwirkungen, ggf. alternative Anti-TB-Therapie wählen
Antiepileptika Dosisanpassung kann notwendig sein
Weitere Antibiotika (z. B. Clarithromycin) Wirkverstärkung/-abschwächung, ärztliche Rücksprache
Systemische Glukokortikoide Wirkungsverlust möglich, Dosisanpassung prüfen

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Offizielle Indikationen (gemäß Österreichischer Zulassung)
  • Tuberkulose (offene, latente, extrapulmonale Formen)
  • Lepra (einzeln oder in Kombination, meist mit Dapson + Clofazimin)
  • Prophylaxe und Behandlung von Meningokokken-Meningitis
  • Atypische Mykobakteriosen (als Teil einer Kombinationstherapie)
Off-label-Einsatz
  • Prosthesis-related infections (besonders bei Staphylococcus aureus)
  • (Chronische) Osteomyelitis durch sensible Keime
  • Brucellose (in Kombinationstherapie)

Empfohlene Dosierung nach Indikation*

Indikation Alter Dosierung
Tuberkulose Erwachsene 600 mg 1x tgl (meist in Kombi-Therapie)
Tuberkulose Kinder 10–20 mg/kgKG 1x tgl (max. 600 mg)
Lepra Erwachsene 600 mg 1x Monat (in Kombi, Supervised Dose)
Meningokokken-Prophylaxe Erwachsene 600 mg 2x tgl für 2 Tage
Meningokokken-Prophylaxe Kinder (1–12 Jahre) 10 mg/kgKG 2x tgl für 2 Tage
Protheseninfektion (off-label) Erwachsene 300–600 mg 2x tgl (mit anderem Antibiotikum)

*Die Dosierung ist immer individuell; ärztliche Anordnung beachten!

Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen

Häufig
  • Verdauungsstörungen: Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall
  • Farbänderung von Urin, Tränen, Schweiß zu orange/rot (harmlos!)
  • Leicht erhöhte Leberwerte
Gelegentlich
  • Hautausschlag
  • Kopfschmerzen
  • Grippeähnliche Beschwerden
Selten/Schwerwiegend
  • Schwere Leberschäden (Gelbsucht, Leberversagen)
  • Allergischer Schock/Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Hämolytische Anämie, Thrombozytopenie

Warnhinweise:
- Regelmäßige Laborkontrollen (Leber-, Nierenwerte, Blutbild) durchführen lassen.
- Sofortige ärztliche Vorstellung bei Gelbfärbung der Haut, dunklem Urin oder schweren Ausschlägen!

Praktische Tipps zur richtigen Anwendung (Empfehlung für Österreich)

  • Medikament immer mithilfe des roten Rezepts einlösen (eCard/Sozialversicherung notwendig).
  • Morgens direkt nach dem Aufstehen einnehmen, nicht zusammen mit Kaffee oder Milch.
  • Bei Nebenwirkungen oder Unsicherheiten sofort Ärzt:in oder Apotheker:in kontaktieren.
  • Informieren Sie bei jedem Arztbesuch/Gesundheitsberuf über die Rifampicin-Therapie (Risiko für Wechselwirkungen).
  • Linsenträger:innen: Farbstoffe können Linsen verfärben – ggf. auf Brille umsteigen.
  • Grapefruit & Johanniskraut meiden (Wechselwirkungen mit Leberenzymen).

Alternativen und Vergleich zu anderen Therapien (erstattungsfähige Mittel des Hauptverbandes – NFZ)

  • Isoniazid (INH): Wichtiges Basisantibiotikum bei Tuberkulose; oft in Kombination mit Rifampicin. Vorteil: Wirksamkeit, Nachteil: Neurotoxizität, Lebertoxizität.
  • Ethambutol, Pyrazinamid: Ergänzung bei TB-Ersttherapie in Kombination.
  • Makrolide (z. B. Clarithromycin): Z. T. bei atypischen Mykobakterien, weniger wirksam bei TB.
  • Fluorchinolone (z. B. Levofloxacin, Moxifloxacin): Ersatz bei TB/Sonderformen, bei Unverträglichkeit gegen Standardregime.

Fazit: Kombinierte Antibiotikatherapie ist der Standard bei TB; Monotherapie nur als Ausnahme! Rifampicin bleibt essenziell, aber Alternativen stehen zur Verfügung (Erstattung nach Kassenformular/Bewilligung – Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, SV).

Rechtliches: Zulassung & Erstattung in Österreich

  • Zulassungsbehörde: Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)/AGES Medizinmarktaufsicht
  • Arzneimittelregister: Rifadine®, Eremfat®, diverse Generika gelistet
  • Erstattung: Im Rahmen der Krankenversicherung (Sozialversicherung/SV) voll erstattungsfähig bei entsprechender Indikation/Therapieplan
  • Aufbewahrung/Recht: Rezeptpflichtig (rotes Rezept)
  • Verordnungsfähigkeit: Spezialitätenliste, Kassenbewilligung i.d.R. nicht notwendig außer Off-label Indikationen

Aktueller Stand der Wissenschaft/Leitlinien (2022–2025)

  • Deutsche Zentrale Leitlinie Tuberkulose (DGP, DZK 2023): Rifampicin weiterhin erstlinientauglich; empfohlen als Kombinationspartner für 6 Monate (Standardtherapie).
  • WHO-Update (2022): Bestätigung der Dosierung bei Erwachsenen und Kindern; Zeitbegrenzung auf 6 Monate ausreichend bei Sensi-TB.
  • ESCMID-Leitlinie (2024): Anwendung off-label bei Protheseninfektionen empfohlen, in Kombination mit weiteren Keim-spezifischen Antibiotika.
  • AGES Safety Alert (2023): Erinnerung an die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen zur Früherkennung von Lebertoxizität.

Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten in Österreich

Packungsgröße Marke/Beispiel UVP (€) Lieferung (AT-Hauptstädte)
30 Tabletten (600 mg) Rifadine® ca. 67,80 Wien, Graz, Linz, Salzburg: 1–2 Werktage (vor Ort), 2–4 Werktage (Versand)
100 Tabletten (300 mg) Eremfat® ca. 110,00 Innsbruck, Klagenfurt, Bregenz: 2–4 Werktage
100 Tabletten (150 mg) Generika variiert (ca. 65–120) St. Pölten, Eisenstadt: 3–5 Werktage

Hinweis: Lagerbestand in Apotheken schwankt; ggf. Vorbestellung sinnvoll. Die Preise variieren je nach SV-Tarif und Erstattungsstatus. Lieferung innerhalb Österreichs ist bei Versandapotheken möglich, die meisten Präparate sind vorrätig.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Rifampicin

  • Kann ich während der Einnahme von Rifampicin weiterhin die Antibabypille verwenden?
    Nein. Rifampicin vermindert die Wirksamkeit hormoneller Verhütung. Es muss auf zusätzliche Methoden (Kondom, Diaphragma) zurückgegriffen werden, bis nach der Therapie.
  • Mein Urin und meine Tränen färben sich rötlich/orange. Ist das gefährlich?
    Nein, das ist eine bekannte, harmlose Begleiterscheinung von Rifampicin und kein Zeichen für eine Schädigung.
  • Was passiert, wenn ich eine Dosis vergesse?
    Nehmen Sie die vergessene Dosis ein, sobald Sie sich erinnern – aber niemals zwei Dosen gleichzeitig. Falls die nächste Einnahme bereits bevorsteht, die vergessene Dosis auslassen und im gewohnten Rhythmus weiter machen. Bei häufigerem Vergessen: Rücksprache mit Ärzt:in halten.
  • Muss ich während der Therapie auf besondere Lebensmittel verzichten?
    Vermeiden sollten Sie Grapefruit-Produkte, Johanniskraut und große Mengen Alkohol. Normale österreichische Küche ist unproblematisch – die Einnahme sollte jedoch nüchtern erfolgen.
  • Brauche ich regelmäßige Kontrollen während der Therapie?
    Ja! Blutbild und Leberwerte sollten vor sowie während der Behandlung regelmäßig kontrolliert werden.

Bei weiteren Fragen sprechen Sie bitte immer Ihre Hausärzt:in, Ihre Apotheke oder ein spezialisiertes Zentrum für Infektiologie an. Diese Information ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

150mg, 300mg, 450mg, 600mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill