Pletal® (Cilostazol): Umfassende Produktinformation für Patient:innen in Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Cilostazol |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Pletal® |
| ATC-Code | B01AC23 |
| Verfügbare Darreichungsformen/Stärken | Filmtabletten 50 mg und 100 mg |
| Hersteller | Otsuka Pharmaceutical Europe Ltd., Takeda, diverse Parallelimporteure |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Abgabekategorie: Rezeptpflichtig, Paragraph 19 AMG) |
Wirkmechanismus (einfach erklärt & für Spezialist:innen)
- Einfach erklärt: Pletal® erweitert die Blutgefäße und verbessert so die Durchblutung, speziell in den Beinen. Zudem verhindert es, dass Blutplättchen verklumpen, wodurch das Risiko von Blutgerinnseln gesenkt wird.
- Für Spezialist:innen: Cilostazol hemmt spezifisch die Phosphodiesterase III. Dies führt zu einem Anstieg des intrazellulären cAMP-Spiegels in Thrombozyten und glatten Muskelzellen, wodurch Vasodilatation und Thrombozytenaggregationshemmung erreicht werden.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle orale Aufnahme, maximale Plasmaspiegel nach ca. 2–4 Stunden post Einnahme.
- Metabolismus: Überwiegend hepatisch mittels Cytochrom P450 (CYP3A4 und CYP2C19) abgebaut. Hauptmetaboliten sind ebenfalls pharmakologisch aktiv.
- Elimination: Über die Nieren ausgeschieden. Eliminationshalbwertszeit: ca. 11–13 Stunden.
- Wirkdauer: Die Wirkung hält mindestens 24 Stunden an bei einmaliger Einnahme.
Anwendung im Alltag & empfohlene Einnahmepraxis
Pletal® wird typischerweise zur Behandlung von Beschwerden durch periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK), insbesondere der Claudicatio intermittens, eingesetzt. Die Therapie ist besonders dann angezeigt, wenn Patienten nicht für eine Revaskularisation infrage kommen.
- Typische Dosierung: 2 x täglich 100 mg (morgens und abends in einem Abstand von etwa 12 Stunden)
- Einnahmehinweis: Tablette etwa 30 Minuten vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen.
- Therapiedauer: Erste Effekte meist nach 4–12 Wochen. Eine Beurteilung der Wirksamkeit und Verträglichkeit sollte vor Fortsetzung erfolgen.
- Wichtiger Ratschlag: Regelmäßige Einnahme steigert die Wirksamkeit und beugt Dosierungsfehlern vor.
Einnahme morgens vs. abends: Tipps & Hinweise
- Vorzüge einer morgendlichen Einnahme: Kann bei Patienten mit Schlafstörungen sinnvoll sein, da gelegentlich Ruhelosigkeit berichtet wurde.
- Abends: Einnahme am Abend ist generell verträglich, solange der empfohlene Abstand zu den Mahlzeiten eingehalten wird.
- Empfehlung: Möglichst feste Einnahmezeiten beibehalten, um die Wirksamkeit zu optimieren und Nebenwirkungen zu minimieren.
Einnahme mit oder ohne Nahrung (Einfluss der Mahlzeiten, österreichische Ernährungsgewohnheiten)
Die Aufnahme von Cilostazol kann durch fett- und eiweißreiche Mahlzeiten verzögert und in der Wirkung abgeschwächt werden. Daher wird empfohlen, die Tablette mindestens 30 Minuten vor oder 2 Stunden nach den (traditionell oft üppigen) österreichischen Hauptmahlzeiten einzunehmen. Bei Unsicherheit bitte beim Arzt oder Apotheker nachfragen.
Interaktionshinweise
| Interaktionspartner | Beispiel | Mögliche Wirkung/Empfehlung |
|---|---|---|
| CYP3A4-Inhibitoren | Erythromycin, Grapefruitsaft | Kann die Plasmaspiegel von Cilostazol erhöhen. Auf gleichzeitige Einnahme möglichst verzichten. |
| CYP2C19-Inhibitoren | Omeprazol | Ebenso mögliche Wirkungsverstärkung. |
| Antikoagulanzien/Thrombozytenaggregationshemmer | Warfarin, ASS, Clopidogrel | Gesteigertes Blutungsrisiko. Regelmäßige Kontrolle der Blutwerte empfohlen. |
| Lebensmittel | Alkohol, Grapefruitsaft, fettreiche Speisen | Verstärkte oder abgeschwächte Wirkung. Während der Therapie meiden. |
| Sonstige | Antihypertensiva | Mögliche additive Blutdrucksenkung. |
Indikationen
| Indikation | Status | Bemerkung |
|---|---|---|
| Claudicatio intermittens (paVK, Fontain II) | Zugelassen | Symptomatische Behandlung nach Versagen nicht-medikamentöser Maßnahmen |
| Weitere paVK-Stadien | Off-Label | Nur in Einzelfällen und nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung |
| Prävention von Schlaganfällen | Off-Label | Derzeit nicht zugelassen; mögliche Indikation nach klinischer Bewertung (Studienlage beachten) |
Dosierung nach Indikation, Alter und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere Patienten (>70 J.) | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Claudicatio intermittens | 100 mg 2× täglich | Gleich, evtl. 50 mg 2× täglich je nach Verträglichkeit | Keine Anwendung (nicht empfohlen!) |
| Leichte Leberinsuffizienz | Dosisanpassung auf 50 mg 2× täglich bei Bedarf; enge Überwachung! | ||
| Schwere Nieren-/Leberinsuffizienz | Kontraindikation! | ||
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig (>10 %): Kopfschmerzen, Durchfall
- Häufig (1–10 %): Palpitationen, Schwindel, Herzrasen, Ödeme (v. a. Knöchel), Bauchschmerzen
- Gelegentlich (0,1–1 %): Nasenbluten, Hautausschlag, Juckreiz
- Selten (<0,1 %): Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, allergische Reaktionen
- Warnhinweise: Nicht einnehmen bei schwerer Herzinsuffizienz, bekannter Überempfindlichkeit, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, aktiven Blutungen oder nach kürzlich erlittenem Herzinfarkt/Schlaganfall.
Empfehlungen für die richtige Anwendung
- Bei Unsicherheiten zu Wechselwirkungen oder Nebenwirkungen sofort die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt oder die Apotheke kontaktieren.
- Die Therapie ist am wirksamsten, wenn sie mit regelmäßigem Gehtraining und einem Rauchstopp kombiniert wird.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen (Blutbild, Leber- und Nierenwerte) sind während der Behandlung empfehlenswert.
- Blutungsanzeichen (z. B. ungewöhnliche blaue Flecken, starke Nasenbluten) sofort melden.
- Medikament immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Alternative Therapien (erstattungsfähig durch die Österreichische Gesundheitskasse, ÖGK)
- Naftidrofuryl (Dusodril®): Kann bei paVK angebracht sein, v. a. wenn Cilostazol nicht vertragen wird. Vorteil: Gutes Sicherheitsprofil. Nachteil: Neurologische Nebenwirkungen möglich.
- Iloprost (Ilomedin®): Reservepräparat, intravenös, bei schweren Verlaufsformen. Vorteil: Starke Gefäßwirkung. Nachteil: Nur stationär anwendbar, teurer.
- Pentoxifyllin (Trental®): Weniger wirksam als Cilostazol, günstig, selten gesundheitliche Restriktionen erforderlich.
- Physikalische Therapie: Gehtraining, Kompression, Lebensstiländerung. Unersetzbar, für alle empfohlen!
- Interventionelle Verfahren/Bypass-Operation: Nur bei Verschlechterung oder bei kurzen Verschlüssen/Verengungen. Hoher Nutzen, aber perioperatives Risiko.
Rechtlicher Status, Registrierung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: Zugelassen in Österreich nach der Arzneimittelgesetzgebung (AMG), Registrierungsnummer laut BASG-PharmNet.
- Verschreibungspflicht: Abgabe ausschließlich auf ärztliches Rezept. Ausstellung nach § 1a Verschreibungsverordnung.
- Kostenerstattung: Erstattung als „Besondere Arzneimittel“ bei paVK im Stadium II durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) auf chefärztliche Bewilligung.
- Lieferfähigkeit: In fast allen Apotheken verfügbar. Bei Lieferengpässen besteht Möglichkeit zur Bestellung über den pharmazeutischen Großhandel.
Aktuelle wissenschaftliche Leitlinien & Forschung (2022–2025)
- ESC-Leitlinie (European Society of Cardiology, 2023): Cilostazol bei Claudicatio intermittens empfohlen, wenn keine Bypass-Operation möglich oder erwünscht ist; Risiko-Nutzen individuell abzuwägen.
- Deutsche Gesellschaft für Angiologie (S3-Leitlinie, Update 2022): Cilostazol evidenzbasiert wirksam zur Verbesserung der Gehstrecke, Nebenwirkungen und Kontraindikationen müssen sorgfältig beachtet werden.
- Kürzliche Metaanalysen (z. B. Cochrane Review 2022; BMC Cardiovasc Disord 2024): Bestätigen positiven Effekt auf Gehstrecke, jedoch keine signifikante Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse nachweisbar.
Verfügbarkeit, Lieferzeiten & Preisinformationen
| Paketgröße | UVP (zirka, Stand: Juni 2024) | Apotheken-Lieferzeit (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) |
|---|---|---|
| 56 Tabletten à 100 mg | ca. 96,50 € | Wien: 1 Tag Graz/Linz: 1-2 Tage Salzburg/Innsbruck: 2 Tage |
| 100 Tabletten à 50 mg | ca. 150,00 € | Wien: 1 Tag Graz/Linz: 1-2 Tage Salzburg/Innsbruck: 2 Tage |
Preise können in einzelnen Apotheken abweichen; Erstattung und bewilligungspflichtige Rezepte reduzieren die Zuzahlung deutlich.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Pletal® (Cilostazol)
- Wie lange dauert es, bis eine Wirkung eintritt?
Erste Verbesserungen stellen sich meist innerhalb von 4–12 Wochen ein. Geduld während der Anlaufphase ist wichtig. - Muss das Medikament dauerhaft genommen werden?
Die Einnahme erfolgt so lange, wie ein medizinischer Nutzen besteht. Für manche Patienten ist eine Langzeittherapie sinnvoll, andere profitieren nur über einen begrenzten Zeitraum. - Können alle paVK-Patient:innen Pletal® einnehmen?
Nein. Besonders bei schwerer Herzschwäche, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen oder nach einem Herzinfarkt/Schlaganfall darf das Medikament nicht verwendet werden. Ärztliche Abklärung ist unerlässlich. - Gibt es Wechselwirkungen mit alltäglichen Lebensmitteln oder Getränken?
Ja, zum Beispiel Grapefruitsaft oder starker Alkohol sollten während der Einnahme gemieden werden. - Was tun bei Vergessen einer Dosis?
Die vergessene Tablette nicht nachholen, sondern die nächste reguläre Tablette zum geplanten Zeitpunkt einnehmen. Niemals die Dosis verdoppeln.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis oder Ihre Apotheke in Österreich – wir beraten Sie gerne individuell!

