Eldepryl® (Selegilin): Umfassende Patienteninformation
Basisinformationen zum Produkt
| Internationaler Freiname (INN): | Selegilin |
| Österreichische Handelsnamen: | Eldepryl®, Jumexal®, Selgene® |
| ATC-Code: | N04BD01 |
| Erhältliche Darreichungsformen/Stärken: | Tabletten (5 mg, 10 mg), Schmelztabletten (1,25 mg), Kapseln, Lösung zur oralen Einnahme |
| Hersteller (AT): | Krka d.d., Mylan EPD, Orion Pharma |
| Verschreibungsstatus: | Rezeptpflichtig (Apothekenpflicht nach österreichischem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus (Laien und Fachpublikum)
Selegilin ist ein selektiver, irreversibler Monoaminoxidase-B (MAO-B)-Hemmer. Das bedeutet, dass es in erster Linie das Enzym MAO-B im Gehirn blockiert, welches normalerweise Dopamin abbaut. Durch die Hemmung des Enzyms erhöht Selegilin das verfügbare Dopamin im zentralen Nervensystem. Dieser Effekt hilft, die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern.
- Für Fachkreise: Selegilin hemmt selektiv MAO-B bei therapeutischen Dosen, wodurch die Umwandlung von Dopamin in inaktive Metabolite verlangsamt wird. Dies resultiert in einer Erhöhung dopaminerger Transmission, ohne die Monoaminoxidase-A (MAO-A) signifikant zu beeinflussen, was die Gefahr hypertensiver Krisen reduziert.
Pharmakokinetik
- Absorption: Nach oraler Einnahme wird Selegilin rasch resorbiert. Die Bioverfügbarkeit beträgt ca. 10 % (First-Pass-Effekt).
- Metabolisierung: Leber (CYP2B6, CYP2C19, CYP3A4); Hauptmetaboliten: Desmethylselegilin, Methamphetamin, Amphetamin (in niedrigen, therapeutischen Mengen, klinisch meist unbedeutend).
- Ausscheidung: Überwiegend renal (60–70 % im Urin, Rest in Faeces).
- Wirksame Halbwertzeit: 1–2 Stunden, aber Wirkung auf MAO-B nach Einzeldosis bis zu mehreren Tagen nachweisbar.
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis (Österreich)
Eldepryl wird meist als Ergänzung zur Levodopa-Therapie eingesetzt, seltener als Monopräparat, insbesondere zu Beginn der Parkinson-Behandlung. Typische Dosierung für Erwachsene liegt bei 5–10 mg täglich (meistens 5 mg morgens und 5 mg mittags). Die Einnahme sollte immer zur gleichen Zeit erfolgen, um eine gleichmäßige Wirkung aufrechtzuerhalten. Tabletten werden mit ausreichend Wasser eingenommen. In Österreich erfolgt die Erstverordnung stets durch Neurologen, Folgerezepte kann auch der Hausarzt ausstellen.
Dosierung morgens vs. abends
- Morgens und mittags empfohlen, da Selegilin anregend wirken kann und somit Schlafstörungen begünstigt.
- Abendliche Einnahme vermeiden; bei 1× täglicher Dosis: morgens einnehmen.
- Tipp: Einnahme möglichst immer zur selben Tageszeit, um Schutz vor motorischen Schwankungen zu gewährleisten.
Einnahme zu oder nach dem Essen – Bedeutung der Mahlzeiten
- Kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden; die Nahrung hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Absorption.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Frühstück.
- Mit typischer österreichischer Kost (inklusive Kaffee und Wurstwaren) bestehen keine bekannten Wechselwirkungen, Achtung jedoch bei tyraminreicher Kost (siehe unten).
Wechselwirkungen (Nahrungsmittel, Alkohol, Medikamente)
| Kategorie | Interagierende Substanzen | Hinweise |
| Lebensmittel | Tyraminreiche Speisen (z. B. reifer Käse, Rotwein, Sauerkraut, Bockwurst) | In therapeutischer Dosierung (unter 10 mg/Tag) geringe Gefahr hypertensiver Krisen, dennoch Vorsicht geboten. |
| Alkohol | Hochprozentige alkoholische Getränke | Mögliches Risiko für ZNS-Nebenwirkungen; mäßiger Genuss erlaubt, aber auf Wechselwirkungen achten. |
| Medikamente | SSRIs, trizyklische Antidepressiva, MAO-A-Hemmer, andere Antiparkinsonika, Opioide (besonders Pethidin) | Gefahr des Serotoninsyndroms oder hypertensiver Reaktionen; Arzneimittelschrank mit Apotheke/Arzt abklären. |
Indikationen (zugelassene/off-label Anwendungen)
| Indikation | Zugelassener Status (Österreich) | Bemerkung |
| Idiopathisches Parkinson-Syndrom | Zugelassen | Als Monotherapie im Frühstadium oder als Zusatz zu Levodopa |
| Alzheimer-Erkrankung | Off-label | Gelegentlich komplementär (Forschungslage ungenügend), ärztliche Einzelfall-Entscheidung |
| Depression (therapieresistent) | Off-label | Nur unter psychiatrischer Leitung und individueller Risikoabwägung |
Dosierung nach Indikation (Erwachsene, Kinder, Ältere)
| Patientengruppe | Indikation | Empfohlene Dosierung | Besonderheiten |
| Erwachsene | Parkinson-Syndrom | 5 mg morgens und 5 mg mittags (max. 10 mg/Tag) | Monotherapie oder in Kombi mit Levodopa |
| Ältere Patienten | Parkinson-Syndrom | Start niedrig (5 mg/Tag), langsame Steigerung | Anpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz notwendig |
| Kinder/Jugendliche | Parkinson-ähnliche Syndrome | Off-label – keine Empfehlung | Nicht zugelassen & nur in Spezialzentren |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen:
- Schlaflosigkeit und Unruhe (v. a. bei Einnahme nach 15 Uhr)
- Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckschwankungen
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen)
- Mundtrockenheit, leichter Appetitverlust
Seltene und schwerwiegende Nebenwirkungen:
- Blutdruckkrisen (besonders bei Tyramin-Exzess oder Interaktionen)
- Serotonin-Syndrom (bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antidepressiva)
- Halluzinationen, Verwirrtheit, Wahnideen
- Atemnot, allergische Reaktionen – sofort ärztliche Hilfe aufsuchen!
Warnhinweise:
- Nicht kombinieren mit anderen MAO-Hemmern und bestimmten Psychopharmaka!
- Vorsicht bei vorbestehender Epilepsie, schweren Leber- oder Nierenerkrankungen.
Richtlinien zur sicheren Anwendung – Österreichische Tipps
- Einnahmevorschriften stets befolgen; Änderungen nur nach Rücksprache mit Neurologen/Hausarzt.
- Lesen Sie die Packungsbeilage genau und informieren Sie Ihren Apotheker über alle anderen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
- Blutdruck regelmäßig kontrollieren – insb. bei älteren Patienten.
- Eldepryl niemals abrupt absetzen; die Dosis sollte schrittweise reduziert werden.
- Bei ungewöhnlichen Symptomen (u. a. Erregung, Fieber, Muskelzuckungen): ärztliche Abklärung notwendig.
- Tipp für Allergiker: Tablettenbestandteile sorgfältig mit Ihrem Apotheker abgleichen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (vergütet vom österreichischen Gesundheitssystem)
| Alternative | Vorteile | Nachteile |
| Levodopa/Carbidopa | Sehr wirksam, direkte Dopamin-Vorstufe, breit verfügbar, gute Steuerbarkeit der Dosis | Längerfristig Risiko von Motorik-Fluktuationen und Dyskinesien |
| Dopaminagonisten (z.B. Pramipexol, Ropinirol) | Möglich als Monotherapie im Frühstadium, geringeres Dyskinesie-Risiko | Psychische Nebenwirkungen, Schlafattacken |
| COMT-Hemmer (z. B. Entacapon) | Verlängern Wirkung von Levodopa, gut verträglich | Leberwerterhöhung, Diarrhoe möglich |
| MAO-B-Hemmer (z. B. Rasagilin) | Neuere Alternative, weniger stimulierende Nebenwirkungen | Teurer, manchmal weniger wirkstark als Selegilin |
Rechtlicher Status, Registrierung, Erstattung in Österreich
- Registrierung: Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)/AGES nach österreich. Arzneimittelgesetz
- Verschreibung: Rezeptpflichtig (kein OTC-Verkauf).
- Erstattung: Im Erstattungskodex (EKO) der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gelistet, Zuzahlung je nach Versicherungsstatus/Sozialtarif.
- Meldevorschrift: UAW-Meldung an das BASG/AGES empfohlen.
Aktuelle Forschung und klinische Leitlinien (2022–2025)
- Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Leitlinie 2023) weiterhin Empfehlung als Frühphasen- und Zusatztherapie bei Parkinson, insbesondere zur Verzögerung motorischer Komplikationen.
- Neueste Meta-Analysen (J Neurol, 2024) zeigen eine anhaltende Effektivität bei milden bis moderaten Symptomen ohne erhöhte Häufung vaskulärer Ereignisse.
- Studien zur Kombinationstherapie Selegilin + Levodopa bestätigen verbesserte Alltagsmobilität, aber auch erhöhtes Risiko für Halluzinationen im fortgeschrittenen Alter.
- Internationale Empfehlungen: Vorsicht bei multimorbiden Patienten, individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung notwendig.
Verfügbarkeit und Lieferung (Packungsgrößen, Preise, Lieferzeiten)
| Packungsgröße | Tabletten pro Packung | Indikativer Preis (Apotheke, €) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Salzburg/Graz | Lieferzeit Innsbruck/Klagenfurt |
| Kleinpackung | 30 | ca. 25 € | 0–2 Werktage | 1–3 Werktage | 1–4 Werktage |
| Großpackung | 100 | ca. 75 € | 0–2 Werktage | 1–3 Werktage | 1–4 Werktage |
FAQ: Häufige Patientenfragen und kompetente Antworten
- 1. Muss ich meine Ernährung umstellen, wenn ich Eldepryl einnehme?
Nein, bei Dosierungen bis 10 mg/Tag ist eine spezielle Diät nicht notwendig. Meiden Sie jedoch exzessiven Genuss tyramreicher Speisen (z. B. sehr reifer Hartkäse, Rotwein), da diese vereinzelt Blutdruckanstiege verursachen können. - 2. Kann ich Eldepryl mit Levodopa kombinieren?
Ja, das ist in Österreich Standardtherapie und verbessert die Symptome der Parkinson-Erkrankung. Ihr behandelnder Arzt stimmt die Dosierung auf Ihre individuellen Bedürfnisse ab. - 3. Darf ich während der Behandlung mit Eldepryl Auto fahren?
Zu Beginn oder bei Dosiserhöhung kann es zu Schwindel kommen – dann bitte auf das Führen von Fahrzeugen verzichten. Bei stabiler Einstellung dürfen Sie, sofern keine Nebenwirkungen auftreten, im Verkehr teilnehmen. - 4. Ist die Einnahme bei anderen Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck) möglich?
Ja, häufig ist eine parallele Therapie möglich. Bitte informieren Sie Ihren Arzt, da eine regelmäßige Blutdruckkontrolle wichtig ist und Wechselwirkungen mit bestimmten blutdrucksenkenden Mitteln auftreten können. - 5. Was mache ich, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
Holen Sie die Dosis nicht nach. Fahren Sie zur gewohnten Zeit mit der nächsten Tablette fort und vermeiden Sie eine doppelte Einnahme. Bei wiederholtem Vergessen Rücksprache mit dem Arzt halten.