Cardizem (Diltiazem): Umfassende Patienteninformation für Österreich
1. Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Diltiazem |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Cardizem®, Dilzem® u.a. |
| ATC-Code | C08DB01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten: 30 mg, 60 mg Retardkapseln/-tabletten: 60 mg, 90 mg, 120 mg, 180 mg Ampullen zur Injektion: 25 mg/5 ml (im Krankenhausbereich) |
| Hersteller | Sanofi-Aventis, Takeda, diverse Generika-Anbieter |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Anordnung!) |
2. Wirkmechanismus (einfach & für Fachleute)
Für Patienten einfach erklärt:Diltiazem ist ein sogenannter Calciumkanalblocker. Er hilft, die Blutgefäße zu entspannen und zu erweitern, wodurch der Blutdruck gesenkt und das Herz entlastet wird. Dies erleichtert dem Herzen die Arbeit und kann Angina pectoris (Brustschmerzen beim Herzen) vorbeugen.
Für Fachkreise:Diltiazem hemmt selektiv den L-Typ-Calciumkanal im Myokard sowie in arteriellen glatten Muskelzellen, was zu einer negativen chronotropen Wirkung am Sinusknoten, einer Hemmung der AV-Überleitung und zu einer vasodilatatorischen Wirkung an den Koronargefäßen und der peripheren Gefäßmuskulatur führt.
3. Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme werden 70–80 % resorbiert, jedoch First-Pass-Metabolismus in der Leber.
- Metabolisierung: Starker First-Pass-Effekt, Hauptmetaboliten sind weniger aktiv. Primär hepatisch über CYP3A4.
- Elimination: Ausscheidung über Niere (ca. 35 %) und über Galle/Stuhl (ca. 65 %).
- Halbwertszeit: Variiert je nach Formulierung, ca. 3–7 Stunden bei Standardtabletten, 8–11 Stunden bei Retardformen. Wirkungseintritt nach ca. 30–60 Minuten.
4. Anwendung im Alltag und bewährte Vorgehensweisen
Typische Dosierungen: Die Dosis wird individuell vom Arzt festgelegt. Meist beginnt man mit 60–90 mg zweimal täglich. Retardpräparate werden oft 1× oder 2× täglich eingenommen.
Anwendung: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit. Retardkapseln nicht öffnen oder zerkauen!
Bedeutung für den Alltag in Österreich:
- Regelmäßige Einnahme zur selben Tageszeit wichtig.
- Da Cardizem sowohl Blutdruck als auch Puls beeinflussen kann, wird oft empfohlen, diesen zu Hause zu überwachen.
- Medikamentenpass oder Notfallausweis ist ratsam.
5. Einnahme morgens vs. abends
- Morgens: Vorteilhaft bei Bluthochdruck mit Anstieg zu Tagesbeginn. Günstig bei Retardpräparaten (lange Wirkdauer).
- Abends: Sinnvoll, wenn der nächtliche Blutdruck kontrolliert werden muss (z. B. Non-Dipper). Hilft bei nächtlicher Angina.
- Tipp: Die regelmäßige Einnahme ist wichtiger als die Tageszeit – wählen Sie die für Sie einfachste Routine! Bei Retardformulierungen reicht meist die Einnahme abends oder morgens.
6. Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Diltiazem kann unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden. Kleine Schwankungen in der Aufnahme – relevante klinische Unterschiede sind nicht zu erwarten.
- Für empfindlichen Magen empfiehlt sich die Einnahme nach einer Mahlzeit.
- Tipp für österreichische Patienten: Auch bei typisch fett- und fleischreichen Hauptmahlzeiten sind keine besonderen Anpassungen nötig.
7. Wechselwirkungen
| Interaktiver Stoff | Risiko/Wirkung | Besonderer Hinweis |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkung von Nebenwirkungen wie Blutdruckabfall | Alkoholkonsum während der Einnahme meiden |
| Grapefruitsaft | Verzögerter Abbau, erhöhtes Nebenwirkungsrisiko | Grapefruitsaft vermeiden |
| Betablocker, Digoxin | Gefahr von Bradykardie/AV-Block | Kombination nur nach ärztlicher Rücksprache |
| Statine (z.B. Simvastatin) | Erhöhte Statinspiegel | Dosisanpassung kann erforderlich sein |
| Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin) | Konzentrationsänderungen bei beiden Wirkstoffen | Blutspiegelkontrolle empfohlen |
| Makrolid-Antibiotika (z.B. Clarithromycin) | Herzrhythmusstörungen möglich | Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung |
8. Zulassungsindikationen und Off-Label-Anwendung
| Indikation | Status | Bemerkung |
|---|---|---|
| Hypertonie (Bluthochdruck) | Offiziell zugelassen | Meist als Reservemedikament, wenn andere Mittel nicht ausreichen |
| Chronische stabile Angina pectoris | Offiziell zugelassen | Alternative/Ergänzung zu Betablockern |
| Prinzmetal-Angina | Offiziell zugelassen | Besonders wirksam |
| Supraventrikuläre Tachykardien | Teilweise zugelassen (v.a. i.v. im Spital) | Notfallintervention |
| Vorhofflimmern/-flattern (Rhythmuskontrolle) | Off-Label | Nach individueller ärztlicher Entscheidung |
9. Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation/Gruppe | Erwachsene | Ältere Patienten | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Hypertonie/Angina pectoris | 2× tägl. 60–90 mg oder 1× tägl. 180–360 mg Retard Max 360 mg/Tag | Startdosis niedriger wählen (z.B. 60 mg 1× tägl.), langsam steigern | Sonderfall, nur unter streng ärztlicher Kontrolle Initial 1–2 mg/kg/d, max. 3–4 mg/kg/d |
| Akute Tachykardien | i.v. Gabe 0,25 mg/kg bei Bedarf nach 15 Min. wiederholen | Reduzierte Dosierung (Überwachung unerlässlich) | Sehr selten, nur auf Intensivstation nach Rücksprache |
10. Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Warnhinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig/häufig | Kopfschmerzen, Schwindel, Ödeme (Beine/Füße), Müdigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Flush | Meist milde, oft vorübergehend |
| Gelegentlich | Bradykardie, Hypotonie, Hautausschlag | Arzt informieren, bei Symptomen Therapie anpassen |
| Selten | Herzrhythmusstörungen, AV-Block, Leberenzymanstieg, allergische Reaktionen | Medikament absetzen, sofort Arztkontakt |
| Sehr selten | Schwere Überempfindlichkeitsreaktion, Lungenödem | Notfall – sofort Rettung rufen (Tel. 144) |
11. Hinweise für die richtige Anwendung
- Niemals die Dosierung eigenmächtig ändern oder absetzen!
- Vergessene Tablette nicht nachholen, sondern regulär fortfahren.
- Tabletten/Kapseln ganz schlucken, nicht zerkauen.
- Blutdruck und Puls regelmäßig kontrollieren, Tagebuch führen.
- Bei plötzlichem Schwindel, Ohnmacht, unregelmäßigem Herzschlag oder schweren Hautreaktionen: sofort Arzt informieren.
- Im Sommer auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. Elektrolyte achten.
- Kombinationspräparate oder Wechsel mit anderen Medikamenten (auch rezeptfreie!) immer mit Ihrem Apotheker oder Arzt absprechen.
12. Alternative Therapieoptionen (NFZ erstattungsfähig)
- ACE-Hemmer (z.B. Enalapril, Ramipril): Gut verträglich, weniger Flüssigkeitseinlagerungen – Vorteil bei Herzschwäche.
- Angiotensin-Rezeptorblocker (z.B. Valsartan, Candesartan): Alternative bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit.
- Thiazid-Diuretika (z.B. Hydrochlorothiazid): Besonders bei älteren Patienten nützlich, aber Elektrolyte beachten.
- Betablocker (z.B. Bisoprolol, Metoprolol): Sehr wirksam bei KHK, Angina, Herzinsuffizienz; Vorsicht bei Asthma.
- Andere Calciumkanalblocker (z.B. Amlodipin, Verapamil): Weniger Wirkung auf Herzrhythmus, hauptsächlich Blutdrucksenkung.
Hinweis: Die Wahl des Medikaments erfolgt immer individuell nach Vorerkrankungen, Begleitmedikation und Verträglichkeit.
Nachteile von Cardizem: Mehr Interaktionen, ungeeignet bei bestimmten Herzproblemen (Herzblock, schwere Herzinsuffizienz).
13. Rechtliche, Zulassungs- und Erstattungsinformationen in Österreich
- Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
- Verschreibungspflichtig nach § 7 Arzneimittelgesetz – Abgabe nur in öffentlichen Apotheken gegen ärztliches Rezept.
- Rezeptgebühren-Befreiung bei chronischer Therapie und Zuzahlungsbefreiung möglich.
- Im Erstattungskodex (EKO) der Österreichischen Sozialversicherung für die zugelassenen Indikationen gelistet.
- Registrierung im Österreichischen Pharmakovigilanzsystem – Nebenwirkungen bitte immer melden!
14. Neueste Forschung & klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Laut aktueller ESC-Leitlinien 2022 ist Diltiazem besonders bei chronisch-stabiler Angina und bei Unverträglichkeit von Betablockern empfohlen.
- Metaanalysen der letzten Jahre zeigen eine gute Wirksamkeit und Sicherheit, insbesondere bei Bluthochdruck und koronarer Herzkrankheit (z.B. Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe 19/2023).
- Neue Studiendaten empfehlen Diltiazem in ausgewählten Fällen auch zur Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern, sofern Betablocker nicht geeignet sind.
- Sicherheitsprofil zeigt keine neuen Warnhinweise – bekannte Wechselwirkungen und Kontraindikationen bleiben bestehen.
15. Verfügbarkeit und Lieferung (inkl. Packungsgrößen & Preise)
| Stärke | Packungsgröße | Apothekenverkaufspreis (UVP) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|
| 60 mg | 60 Tabletten | ca. 22,80 € | sofort/1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 120 mg retard | 30 Retardkapseln | ca. 18,50 € | sofort/1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 180 mg retard | 30 Retardtabletten | ca. 26,40 € | sofort/1–2 Werktage | 2–4 Werktage | 2–4 Werktage |
Erhältlich in jeder öffentlichen Apotheke.
Preise orientieren sich am Apotheken-Verkaufspreis laut Österreichischem Warenverzeichnis (Stand 2024). Zuzahlungsbefreiung je nach Sozialstatus möglich.
16. FAQ – Häufige Fragen von Patient:innen
1. Muss ich Cardizem lebenslang einnehmen?In der Regel wird Cardizem dauerhaft zur Blutdruck- oder Anginakontrolle eingesetzt. Änderungen, Pausen oder das Absetzen erfolgen grundsätzlich nur nach ärztlicher Rücksprache.
2. Was passiert, wenn ich eine Tablette vergesse?
Nehmen Sie die nächste Dosis zum geplanten Zeitpunkt ein. Verdoppeln Sie niemals die Dosis! Sprechen Sie bei häufigen Einnahmefehlern mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
3. Darf ich Cardizem zusammen mit Betablockern einnehmen?
Nur auf ausdrückliche ärztliche Anweisung. Es besteht ein Risiko für langsamen Herzschlag und Rhythmusstörungen, insbesondere bei Patienten mit vorbestehenden Herzproblemen.
4. Wie erkenne ich Nebenwirkungen frühzeitig?
Achten Sie auf Schwellungen der Beine, ungewöhnliche Müdigkeit, niedrigen Puls, Schwindel oder Hautreaktionen. In solchen Fällen kontaktieren Sie Ihren Arzt.
5. Ist eine Anpassung bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung erforderlich?
Ja, es kann eine Dosisanpassung nötig sein. Ihr Arzt wird dies regelmäßig überprüfen, besonders bei eingeschränkter Leberfunktion.
Diese Beschreibung ersetzt nicht die ärztliche Beratung. Für individuelle Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apotheke!

