Diamox (Acetazolamid) – Umfassende Produktinformation für Patienten in Österreich
1. Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Acetazolamid |
| Handelsnamen (Österreich) | Diamox®, Glaupax®, Acetazolamid Accord |
| ATC-Code | S01EC01 (Augenheilkunde), N05CM09 (zentral wirksame Selegilin-Abkömmlinge), teilweise C03BA01 (Diuretika/Mittel gegen Höhenkrankheit) |
| Verfügbare Darreichungsformen/Stärken | Tabletten: 250 mg; als intravenöse Injektion: 500 mg |
| Hersteller (Auswahl) | Sanofi-Aventis, Accord Healthcare, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Abgabe nur gegen ärztliche Verschreibung laut österreichischem Arzneimittelgesetz) |
2. Wirkmechanismus von Acetazolamid
Acetazolamid hemmt gezielt das Enzym Carboanhydrase. In einfachen Worten bedeutet dies, dass das Medikament den Wasserhaushalt sowie den Säure-Basen-Stoffwechsel im Körper steuert, indem es die Rückresorption von Natrium, Kalium, Bicarbonat und Wasser in den Nieren reduziert. Spezialisten wissen: Der Wirkmechanismus führt zu einer vermehrten Harnausscheidung (Diurese) und einer leichten metabolischen Azidose, außerdem verringert Acetazolamid den Kammerwasser-Druck im Auge bei Glaukompatienten.
3. Pharmakokinetik
- Absorption: Nach oraler Gabe rasch resorbiert; maximale Plasmakonzentration nach ca. 2 Stunden.
- Metabolisierung: Minimal; Hauptanteil unverändert im Urin ausgeschieden.
- Elimination: Bis zu 90 % renal innerhalb von 24 Stunden.
- Wirkdauer: ca. 8–12 Stunden nach oraler Gabe, bis zu 24 Stunden nach i.v.-Dosierung.
4. Anwendung im Alltag & empfohlene Vorgehensweise (Österreichische Standards)
- Typische Dosierung: 250–1.000 mg täglich, ggf. auf mehrere Einnahmen verteilt; bei Kindern entsprechend angepasst.
- Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen (z.B. mit Leitungswasser, wie in Österreich üblich).
- Einnahme nach ärztlicher Anweisung stets zur gleichen Tageszeit.
- Bei Glaukom meist 1–3 x täglich 250 mg; bei Höhenkrankheit prophylaktisch 2 x täglich 250 mg (Beginn mindestens 1 Tag vor Aufstieg in größere Höhen).
- Immer die Verschreibung der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes beachten!
5. Einnahme: Morgens vs. Abends
- Vorteil morgens: Die harntreibende Wirkung entfaltet sich tagsüber, was nächtlichen Harndrang und Schlafunterbrechungen reduziert.
- Nachteile abends: Erhöhtes Risiko für nächtlichen Harndrang und eventuelle Störungen des Schlafs.
- Tipp: Falls Mehrfachdosierung erforderlich, letzte Gabe spätestens am späten Nachmittag (nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt) einnehmen.
- Regelmäßige Einnahme zum gleichen Zeitpunkt unterstützt Wirkung und Verträglichkeit.
6. Einnahme mit oder ohne Nahrung (Österreichische Ernährungshinweise)
- Acetazolamid kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden; ein voller Magen kann Magenbeschwerden mindern.
- Typisch österreichische Speisen beeinträchtigen die Wirkung i.d.R. nicht.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Frühstück.
7. Wechselwirkungen & Warnhinweise
| Wechselwirkender Stoff | Beschreibung / Empfehlung |
|---|---|
| Kalium-sparende Diuretika | Verstärkte Gefahr von Elektrolytstörungen (v.a. Hypokaliämie, Hypokalzämie) |
| Antiepileptika (z.B. Topiramat) | Erhöhtes Risiko für Nierensteine und metabolische Azidose |
| ASS/Salicylate | Potenzierte Toxizität bei hohen Dosen (>2,5 g/Tag); Kombination vermeiden! |
| Andere Diuretika | Starke Diurese, erhöhte Nebenwirkungsgefahr |
| Nahrung/Alkohol | Kein signifikanter Einfluss, aber Alkohol kann Dehydratation verstärken |
| Schwangerschaft/Stillzeit | Verwendung unter strenger ärztlicher Kontrolle; in der Stillzeit nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung |
8. Indikationen
| Klinisch anerkannte Indikationen (Österreich) | Beschreibung |
|---|---|
| Glaukom (grüner Star) | Senkung des Augeninnendrucks bei chronischem und akutem Glaukom |
| Diuretikum | Unterstützende Therapie bei Wasseransammlungen (Ödeme) verschiedener Ursache |
| Höhenkrankheit | Vorbeugung und Behandlung bei Höhenaufenthalten über 2.500 m |
| Epilepsien | Zusatztherapie bei speziellen Epilepsieformen |
| Off-Label: Migräne-Prophylaxe, idiopathischer intrakranieller Hypertension | In Einzelfällen nach ärztlicher Entscheidung |
9. Dosisempfehlungen nach klinischer Indikation (Erwachsene, Kinder, Ältere)
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Glaukom | 250 mg 1–4x/Tag | 8–30 mg/kg/Tag in Teilgaben | Wie Erwachsene, ggf. niedrigst wirksame Dosis |
| Höhenkrankheit | 2 x 250 mg/Tag, Beginn 24–48 h vor Aufstieg | 5 mg/kg/Tag auf 2 Gaben verteilt | Wie Erwachsene, engmaschige Überwachung |
| Diuretikum/Ödem | 250–375 mg 1–2x/Tag | entsprechend ärztlicher Anweisung | wie Erwachsene, ggf. Dosis verringern |
| Epilepsie (Zusatz) | 250–1.000 mg/Tag | entsprechend ärztlicher Anweisung | wie Erwachsene |
Achtung: Dosisanpassungen können bei Nierenfunktionsstörung oder Leberinsuffizienz erforderlich sein. Keine Selbstmedikation!
10. Sicherheitsprofil & mögliche Nebenwirkungen
| Sehr häufig / Häufig | Gelegentlich | Selten / Sehr selten | Warnhinweise |
|---|---|---|---|
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11. Richtige Anwendung – Hinweise aus der österreichischen Praxis
- Tablette mit Leitungswasser einnehmen, vorzugsweise am Morgen;
- Mahlzeiten können mit der Einnahme kombiniert werden, insbesondere bei empfindlichem Magen.
- Keine Eigeninitiative bei Dosiserhöhung/-verringerung!
- Pausieren/nicht regelmäßig einnehmen nur nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt.
- Blutdruck, Elektrolyte und Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren lassen.
- Keine Kombination mit hochdosierten Salicylaten, gewissen Diuretika und Topiramat ohne ausdrückliche Freigabe durch Fachpersonal.
- Bei Kinderwunsch/Schwangerschaft: Nutzen-Risiko-Abwägung strikt einhalten, vorzugsweise alternative Therapie.
12. Alternative Therapien – Überblick zu in Österreich erstattungsfähigen Mitteln
- Glaukom-Therapie: Latanoprost (Xalatan®), Timolol (β-Blocker), Brimonidin, Dorzolamid – meist als Augentropfen; systemische Therapie wie Acetazolamid nur bei speziellen Indikationen.
- Höhenkrankheit: Dexamethason (bei schwerer Symptomatik, stationär), Sauerstoffgabe. Die nicht-pharmakologische Prävention (langsamer Aufstieg, ausreichend Flüssigkeit) bleibt Goldstandard.
- Ödeme: Schleifendiuretika (Furosemid, Torasemid) und Thiazide (Hydrochlorothiazid) – beide grundsätzlich Kassenleistung.
- Idiopathische intrakranielle Hypertension: Neben Acetazolamid kann Topiramat sinnvoll sein, stets unter strenger ärztlicher Kontrolle.
Vorteile: Lokale Therapie (Augentropfen) vermeidet systemische Nebenwirkungen; andere Diuretika bei Ödemen oft besser verträglich.
Nachteile: Acetazolamid bleibt bei speziellen Indikationen (Glaukomkrise, Höhenkrankheit) unverzichtbar, insbesondere, wenn orale/systemische Wirkung gewünscht.
13. Gesetzliche, regulatorische & erstattungsrechtliche Hinweise in Österreich
- Diamox® und seine Generika sind in der „Arzneispezialitätenliste“ des österreichischen Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) gelistet und zugelassen.
- Rezeptpflicht: Aushändigung nur gegen ärztliches Rezept (§ 7 Arzneimittelgesetz).
- Aufnahme als erstattungsfähiges Präparat durch regionale Gebietskrankenkassen und weiteren Sozialversicherungsträger bestätigt; Limitation auf anerkannte Indikationen.
- Abgabe ausschließlich in Apotheken. Bei stationärer Anwendung (i.v.): Durchführung nur durch geschultes medizinisches Personal.
14. Aktuelle Studienlage & Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinie der European Glaucoma Society (2022): Acetazolamid weiterhin als Mittel der Wahl bei akuter Glaukomanfall, in Kombi mit topischen Präparaten empfohlen.
- Cochrane Review 2023: Für Höhenkrankheit gesichert präventive Wirksamkeit von Acetazolamid bestätigt; Dosierung 2x250mg bevorzugt.
- Österreichische Gesellschaft für Neurologie (2024): Bei idiopathischer intrakranieller Hypertension Acetazolamid in führender Rolle bei Therapiebeginn, Verträglichkeitsprofil durch engmaschige Kontrolle verbessern.
- Laut einem Deutschen Registerbericht (2024) nur in etwa 3 % Fälle schwere Nebenwirkungen dokumentiert, meist unter Langzeitgabe bei hohen Dosen.
- Neuere Vergleichsstudien (2022–2025) sehen für alternative Diuretika (z.B. SGLT2-Hemmer) keine Überlegenheit bei Glaukom oder Höhenkrankheit.
15. Verfügbarkeit & Lieferzeiten in Österreich
| Paketgrößen (Tabletten 250 mg) | Indikativer Apothekenpreis* | Lieferzeit (AT-Städte) |
|---|---|---|
| 30 Stück | ca. € 30–38 | Wien: 24 h Graz, Linz: 1–2 Werktage Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt: 2–3 Werktage |
| 100 Stück | ca. € 90–120 | Wien: 24–48 h übrige Städte: 2–4 Werktage |
*Indikative Preise, tatsächlicher Apothekenverkaufspreis abhängig von Anbieter, Lagerbestand und Krankenversicherung.
16. FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- 1. Wie lange darf ich Diamox (Acetazolamid) einnehmen?
Die Anwendungsdauer hängt von der Indikation ab: Bei akuter Höhenkrankheit oder Glaukomanfall meist nur wenige Tage, bei Daueranwendung (z.B. bei chronischem Glaukom) nach ärztlicher Kontrolle – regelmäßige Laborkontrollen sind hierbei unerlässlich. - 2. Was tun bei vergessener Einnahme?
Nehmen Sie die vergessene Dosis ein, sobald Sie sich erinnern. Ist es jedoch fast Zeit für die nächste reguläre Dosis, überspringen Sie die vergessene Tablette. Niemals die doppelte Dosis einnehmen! - 3. Kann ich Diamox während Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Die Anwendung sollte nur erfolgen, wenn der Nutzen das Risiko klar überwiegt. Bitte sprechen Sie unbedingt vor der Einnahme mit Ihrem Facharzt/Ihrer Fachärztin. - 4. Wie erkenne ich Nebenwirkungen rechtzeitig?
Typische Beschwerden wie Kribbeln, häufiger Harndrang oder Müdigkeit sind häufig und meist harmlos; bei schweren Symptomen (Hautausschlag, Atemnot, Bewusstseinsveränderungen) sofort einen Arzt aufsuchen! - 5. Muss ich meine Ernährung oder Flüssigkeitsaufnahme anpassen?
Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, meiden Sie einseitige Ernährung und speichern Sie keine übermäßigen Mengen an Bananen oder Orangensaft, um das Risiko von Elektrolytstörungen gering zu halten.
Für weiterführende Informationen wenden Sie sich jederzeit an Ihr Apothekenteam oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt.

