Compazine (Prochlorperazin) – Umfassende Patienteninformation
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Prochlorperazin |
|---|---|
| Markennamen in Österreich | Compazine® (eingeführt als Import-Präparat), Generika ggf. als Prochlorperazin |
| ATC-Code | N05AB04 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken |
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| Hersteller (Österreich, EU) | Bristol Myers Squibb, diverse Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verschreibung erforderlich) |
Wirkmechanismus
Für Laien: Compazine (Prochlorperazin) dämpft bestimmte Aktivitäten im Gehirn, die für Übelkeit, Erbrechen und bestimmte psychische Symptome verantwortlich sind. So hilft es, Übelkeit zu lindern und kann Unruhe und Verwirrtheit reduzieren.
Für Fachkreise: Prochlorperazin ist ein phenothiazinhaltiges Neuroleptikum, das Dopamin-D2-Rezeptoren im zentralen Nervensystem (insbesondere Area postrema sowie limbisches System) antagonisiert. Dadurch wird neben der antiemetischen Wirkung auch eine antipsychotische und sedierende Komponente erzielt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute perorale Bioverfügbarkeit, first-pass Metabolisierung im Darm und in der Leber.
- Metabolisierung: Über CYP450-Enzyme der Leber (v.a. CYP2D6), Bildung pharmakologisch aktiver und inaktiver Metaboliten.
- Ausscheidung: Über Niere (renal) und Galle (biliär), mit einer Eliminationshalbwertszeit von ca. 4 – 8 Stunden.
- Dauer der Wirkung: In der Regel 6–12 Stunden nach Einzeldosis (je nach Darreichungsform).
Anwendung im Alltag & bewährte Praxis (inkl. Dosisangaben)
Compazine wird meist zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit, Erbrechen oder zur symptomatischen Therapie bei psychischen Störungen eingesetzt. Die Einnahme erfolgt so regelmäßig wie möglich. Die Dosierung wird vom Arzt individuell festgelegt:
- Bei akuter Übelkeit/Erbrechen: Initial meist 5–10 mg ein- bis zweimal täglich; ggf. Steigerung nach ärztlicher Rücksprache möglich.
- Bei psychischen Erkrankungen: Start meist mit 5–10 mg 2–3-mal täglich, anschließend schrittweise Titration nach Bedarf und Verträglichkeit.
- Kinder (über 6 Jahre): Nach Gewicht (ärztliche Beratung unbedingt notwendig), z.B. 0,13 mg/kg alle 4-6 Std., maximal 10 mg/Tag.
- Ältere Menschen: Niedrigere Einstiegsdosis empfohlen, um Unverträglichkeitsreaktionen zu vermeiden.
Die Tabletten werden mit ausreichend Flüssigkeit unzerkaut eingenommen. Die rektale Applikation (Zäpfchen) wird bevorzugt, wenn eine orale Einnahme nicht möglich ist (schweres Erbrechen). Für eine genaue Dosisabsprache ist immer ärztlicher Rat erforderlich.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Vorteile der morgendlichen Einnahme: Kann bei morgendlicher Übelkeit oder begleitender Tagesunruhe nützlich sein. Der Patient profitiert tagsüber von der Wirksamkeit.
- Vorteile der abendlichen Einnahme: Bei sedierender Wirkung günstiger am Abend, um Schläfrigkeit tagsüber zu vermeiden.
- Tipp: Die Arznei möglichst täglich zur selben Zeit einnehmen, um einen gleichmäßigen Wirkspiegel zu gewährleisten.
Einnahme mit oder ohne Mahlzeit – Besonderheiten bei österreichischer Ernährung
Prochlorperazin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich jedoch die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit (z. B. Jause, Vollkornbrot, Apfel). Alkoholhaltige oder sehr fettreiche Speisen sollten vermieden werden.
Interaktionswarnungen
| Interaktionspartner | Was ist zu beachten? |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte sedierende Wirkung, erhöhtes Unfallrisiko – möglichst vollständige Meidung empfohlen. |
| Antidepressiva, andere Neuroleptika | Gesteigertes Risiko für Nebenwirkungen wie QT-Verlängerung, Sturzgefahr und starke Müdigkeit. |
| Antihypertensiva | Kann Blutdrucksenkung verstärken; Schwindel möglich. |
| Levodopa/Antiparkinsonika | Prochlorperazin kann die Wirkung abschwächen (Vorsicht bei Parkinson). |
| Antikoagulanzien (z.B. Marcoumar) | Regelmäßige Laborkontrollen empfohlen, da Wirkung beeinflusst werden kann. |
| Grapefruitsaft | Kann durch CYP2D6 Hemmung den Wirkstoffspiegel erhöhen – vorzugsweise meiden. |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Offizielle Indikationen (Österreich) | Off-Label/zusätzliche Anwendungen |
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Dosierung nach Indikation und Altersgruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder (6–17 J.) | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Akute Übelkeit / Erbrechen | 5–10 mg bis zu 3x tgl. | 0,13 mg/kg alle 4–6 Std., max. 10 mg/Tag | 5 mg bis 2x tgl. (niedrig starten) |
| Psychotische Störung | 10 mg 2–3x tgl., evtl. Steigerung bis 100 mg/Tag | Individuell, meist max. 10 mg/Tag | Möglichst niedrigste wirksame Dosis, langsame Steigerung |
| Migräne, Chemotherapie | 5–10 mg nach ärztl. Vorgabe | Klinische Einzelfallentscheidung | Sehr vorsichtig dosieren |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Zu häufigen Nebenwirkungen zählen:
- Müdigkeit, Benommenheit
- Mundtrockenheit
- orthostatische Hypotonie
- Verstopfung
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen:
- Extrapyramidale Symptome (Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsunruhe)
- Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung)
- Leberfunktionsstörungen
- Allergische Reaktionen/Überempfindlichkeit (z. B. Hautausschlag)
- Blutbildveränderungen (sehr selten, bei Fieber bitte Arzt kontaktieren)
Warnhinweise: Besonders ältere Patienten, Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Patienten mit kardiovaskulärer Grunderkrankung sollten engmaschig überwacht werden.
Leitfaden für die richtige Anwendung
- Die Dosis niemals eigenständig verändern. Immer Rücksprache mit behandelndem Arzt!
- Bei Einnahmeproblemen oder starker Müdigkeit: Arzt oder Apotheker konsultieren.
- Alkohol und andere dämpfende Medikamente vermeiden.
- Kinder: Strikte Einhaltung der ärztlichen Dosierung – Überdosierungsgefahr!
- Bei Anzeichen von allergischer Reaktion (Ausschlag, Atemnot, Schwellungen) sofort ärztliche Hilfe suchen.
- Regelmäßige Laborkontrollen bei Langzeittherapie empfohlen (Blutbild, Leberwerte, EKG).
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (nach Rückerstattung durch die ÖGK)
- Dimenhydrinat (Vomex A®): Häufig zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zugelassen, weniger wirksam bei schweren psychotischen Symptomen.
- Metoclopramid (MCP, Paspertin®): Wirksam bei Übelkeit, schnell wirkend, aber potentiell extrapyramidale Nebenwirkungen.
- Ondansetron (Zofran®): Sehr starkes Antiemetikum, Sonderfall bei Chemotherapie, keine sedierenden Effekte.
- Haloperidol (Haldol®): Primär bei psychischen Erkrankungen, auch gegen schwere Übelkeit, mehr Nebenwirkungen im Zentralnervensystem.
Vergleich: Compazine bietet eine Kombination aus antiemetischer und antipsychotischer Wirkung, arbeitet jedoch etwas langsamer als Metoclopramid und spricht auf Migräne-bedingte Übelkeit oft besser an.
Rechtlicher Status & Kostenerstattung (Österreich)
- Zugelassen und registriert gemäß Richtlinien des Österreichischen Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
- Rezeptpflichtig nach AMG §1. Keine Selbstmedikation erlaubt.
- Kostenerstattung bei entsprechender Indikation durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) möglich, insbesondere bei chronischer oder schwerer Übelkeit, Psychosen und Chemotherapie-bedingtem Erbrechen.
- Einschränkungen und Einzelinterventionsanträge bei Off-label-Use nach ärztlicher Prüfung.
Neueste klinische Erkenntnisse (2022–2025)
- Die S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen Patient:innen" (2023, Deutsche Krebsgesellschaft) empfiehlt Prochlorperazin insbesondere bei sekundärer Übelkeit oder Versagen von Setronen.
- Das Österreichische Ärzt:innennetzwerk psychiatrischer Störungen hat 2024 eine Richtlinie aktualisiert, in der Prochlorperazin als Zweitlinientherapie für Agitation und Unruhe im stationären Bereich empfohlen wird.
- Aktuelle Studien (z.B. Müller et al., Arzneimittelforschung 2024) dokumentieren einen günstigen Nutzen-Risiko-Bereich bei Kurzzeittherapie, aber einen deutlichen Anstieg extrapyramidaler Risiken bei Langzeitanwendung.
- Im Rahmen der Migräneprophylaxe bestätigt eine Metaanalyse (European Journal of Neurology, 2022) die Überlegenheit gegenüber Dopaminagonisten-bezogenen Präparaten.
Bitte beachten Sie bei aktuellen Studien stets den behandelnden Arzt zu Rate zu ziehen.
Erhältlichkeit & Lieferzeiten in Österreich
| Paketgröße | Angebot für | Unverbindlicher Apothekenpreis (2024) | Lieferzeit (Wien) | Lieferzeit (Graz) | Lieferzeit (Innsbruck) |
|---|---|---|---|---|---|
| 30 Tabletten, 5 mg | Akutgebrauch | ca. € 18,70 | sofort (<24h) | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 30 Tabletten, 10 mg | Dauertherapie | ca. € 21,40 | sofort (<24h) | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| 10 Suppositorien, 25 mg | bei schwerem Erbrechen | ca. € 23,90 | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
Das Arzneimittel ist seitens österreichischer Apotheken auf Bestellung verfügbar, Import kann bei Lieferengpässen erforderlich sein.
FAQ – Häufige Fragen von PatientInnen
- Kann ich Compazine mit anderen Medikamenten einnehmen?
Es bestehen zahlreiche potenzielle Wechselwirkungen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker immer über alle aktuell verwendeten Arzneimittel, gegenwärtige oder geplante Therapien und rezeptfreie Präparate. - Was mache ich, wenn ich die Einnahme vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sobald wie möglich ein. Liegt der nächste Einnahmezeitpunkt jedoch nahe, überspringen Sie die vergessene Dosis – keine Doppelgabe! - Darf ich während der Behandlung Auto fahren?
Kommt es zu Benommenheit oder Schläfrigkeit, ist das Führen von Kraftfahrzeugen und das Bedienen von Maschinen untersagt. Sprechen Sie hierzu mit Ihrem Arzt. - Darf ich mit Compazine Alkohol trinken?
Nein, Alkohol verstärkt die sedierende Wirkung und kann die Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen – daher sollte während der gesamtem Therapiezeit auf Alkohol gänzlich verzichtet werden. - Wie lange sollte ich Compazine einnehmen?
Die Dauer der Therapie legt Ihre Ärztin/Ihr Arzt individuell fest. Langzeitgebrauch sollte ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft werden.
Hinweis: Diese Information ersetzt nicht die persönliche Beratung durch Apotheker:innen oder Ärzt:innen. Wenden Sie sich bei Unsicherheiten stets an das Fachpersonal Ihrer Apotheke oder Ihren behandelnden Arzt.

