Clarithromycin – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Clarithromycin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Klacid®, Clarithromycin Genericon®, Clarithromycin Actavis®, Clarithromycin Sandoz®, Clarithromycin Ranbaxy® |
| ATC-Code | J01FA09 |
| Erhältliche Darreichungsformen und Stärken |
|
| Hersteller | Abbott, Sandoz, Actavis, Genericon, Ranbaxy u.a. |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig gemäß österreichischer Arzneimittelgesetzgebung) |
Wirkmechanismus
Clarithromycin gehört zur Klasse der Makrolid-Antibiotika. Es wirkt, indem es das Wachstum von Bakterien hemmt. Genauer gesagt bindet Clarithromycin an die bakterielle 50S-Ribosomenuntereinheit und verhindert dort die Proteinsynthese, die für das Bakterienwachstum und Überleben notwendig ist. Dadurch werden die Bakterien in ihrem Wachstum gehemmt oder abgetötet („bakteriostatische/bakterizide Wirkung“), insbesondere bei empfindlichen Erregern.
Für medizinisches Fachpersonal:
Clarithromycin inhibiert spezifisch die Translokation von Peptidyl-tRNA und stört so die Elongation der Polypeptidkette. Das Spektrum umfasst grampositive, einige gramnegative sowie atypische Erreger (z. B. Mykobakterien, Chlamydien, Legionellen).
Pharmakokinetik
- Resorption: Rasche und gute Aufnahme im Gastrointestinaltrakt (F=50–55%), maximale Plasmakonzentration nach ca. 2 Stunden (Tabletten), Retardformen entsprechend verzögert.
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch (Leber) über CYP3A4 zu aktivem Metaboliten 14-Hydroxy-Clarithromycin.
- Elimination: Über Leber (invertiert zu aktiven u. inaktiven Metaboliten), ca. 30–40% unverändert renal ausgeschieden.
- Halbwertszeit: 3–7 Stunden (Dosis- und Nierenfunktionsabhängig).
Anwendung im Alltag und empfohlene Vorgehensweise
Clarithromycin wird üblicherweise zweimal täglich eingenommen (morgens und abends im Abstand von 12 Stunden). Die Tabletten/Suspension sollten regelmäßig zur gleichen Zeit eingenommen werden, um einen wirksamen Plasmaspiegel aufrechtzuerhalten. Die Einnahmedauer beträgt je nach Infektion 5–14 Tage.
- Tabletten mit einem Glas Wasser einnehmen, nicht zerkauen.
- Suspension gut schütteln.
- Retardtabletten unzerkaut schlucken.
- Bei Dosierungsfehlern: Dosis baldigst nachholen, nicht doppelt einnehmen.
Morgens oder abends einnehmen?
Clarithromycin sollte gleichmäßig (z. B. 8 Uhr und 20 Uhr) eingenommen werden. Die gleichzeitige Nahrungsaufnahme verzögert nur geringfügig, beeinflusst aber die Wirksamkeit kaum. Die Regelmäßigkeit ist das Wichtigste. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen kann es hilfreich sein, die Dosis nach den Mahlzeiten zu nehmen.
- Vorteil am Morgen: Besseres Erinnern, weniger nächtliche Verdauungsbeschwerden.
- Vorteil am Abend: Bei Schläfrigkeit als Nebenwirkung ggf. besser toleriert.
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
Clarithromycin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, allerdings kann die Einnahme mit Nahrung Magenbeschwerden vorbeugen – das ist speziell für typisch österreichische, fettreiche Mahlzeiten (z. B. mittags: Schweinsbraten, Pizza, Fast Food) relevant. Patienten mit empfindlichem Magen wird die Einnahme nach leichtem Essen oder einer Jause empfohlen.
Interaktionswarnungen
| Interagierende Substanzen/Mittel | Empfohlene Maßnahmen |
|---|---|
| Statine (z. B. Atorvastatin, Simvastatin) | Dosisanpassung oder Aussetzen, Risiko für Muskelschäden steigt |
| Orale Antikoagulanzien (z. B. Warfarin) | Gerinnungswerte engmaschig überwachen |
| Andere Makrolide, Azol-Antimykotika | CYP3A4-Interaktionen beachten |
| HIV-Medikamente, Ciclosporin, Tacrolimus | Blutspiegelkontrolle, Risiko für Nebenwirkungen steigt |
| Kalziumantagonisten (z. B. Verapamil) | Herzrhythmusstörungen möglich, Rücksprache mit Arzt |
| Alkohol | Kann Nebenwirkungen verstärken, geringer Konsum empfohlen |
| Lebensmittel | Keine gravierenden Interaktionen, aber fettreiche Mahlzeiten verzögern Aufnahme |
Indikationen (zugelassene und Off-Label-Anwendungen)
| Indikation | Status |
|---|---|
| Akute bakterielle Infektionen der Atemwege (Sinusitis, Bronchitis, Pneumonie) | Zugelassen |
| Haut- und Weichteilinfektionen | Zugelassen |
| Helicobacter pylori-Eradikation (in Kombination) | Zugelassen (Triple-Therapie) |
| Mykobakterielle Infektionen (z. B. M. avium) | Zugelassen / Off-Label |
| Chronisch-obstruktive Bronchitis/Prophylaxe (COPD) | Off-Label/Einzelfall |
| Borreliose (Frühes Stadium, bei Penicillinallergie) | Off-Label |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Patientengruppe/Indikation | Empfohlene Dosis | Dauer |
|---|---|---|
| Erwachsene (Atemwegs-/Hautinfektionen) | 2 × 250–500 mg täglich | 7–14 Tage |
| H. pylori-Eradikation (Erwachsene) | 2 × 500 mg täglich (mit Amoxicillin + PPI) | 7 Tage |
| Kinder >12 kg (Suspension) | 15 mg/kg KG/Tag in 2 Einzeldosen | 7–10 Tage |
| Ältere Patienten | wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz | — |
| Niereninsuffizienz | Halbe Dosis (1 × täglich) bei GFR <30 ml/min | — |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Mögliche Nebenwirkungen | Vorsicht/Warnhinweis |
|---|---|---|
| Sehr häufig | Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Geschmacksstörungen | Meist selbstlimitierend |
| Häufig | Erbrechen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit | Bei Auftreten Arzt kontaktieren |
| Gelegentlich | Leberfunktionsstörungen, Hautreaktionen (Rasch) | Therapieabbruchs-indikation bei schweren Symptomen |
| Selten | Herzrhythmusstörungen, Anaphylaxie, Krampfanfälle | Notarzt aufsuchen |
| Besonderes Risiko | QT-Verlängerung, schwere Leber- oder Niereninsuffizienz | Spezielle Kontrolle erforderlich |
Ratschläge zur richtigen Anwendung (Apotheke/Arzt)
- Packungsbeilage beachten und im Zweifel immer Rücksprache mit Apotheker oder Arzt halten
- Vollständige Einnahme der verordneten Behandlungsdauer – auch bei Besserung der Symptome!
- Regelmäßige Einnahme ist essenziell für Therapieerfolg
- Arzneimittel nicht eigenständig abbrechen oder dosieren
- Suspension kindersicher lagern, Tabletten nicht teilen, sofern nicht ausdrücklich erlaubt
- Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion (Atemnot, Schwellungen, Hautausschlag): Notarzt verständigen!
- Kein gemeinsames Einnehmen mit Grapefruitsaft, da Wechselwirkungen möglich sind
Alternative Therapieoptionen (Österreich, NFZ-Erstattung)
- Amoxicillin (Breitspektrum-Penicillin, sehr gut verträglich, günstiger – aber nicht bei Allergie geeignet)
- Azithromycin (auch Makrolid, längere Halbwertszeit – einmal täglich, andere Interaktionsprofile)
- Doxycyclin (bei Atemwegsinfektionen als Ersatz möglich, nicht für Schwangere/Kinder geeignet)
- Cefuroxim (Cephalosporin, bei Penicillinallergie mit Einschränkung)
Vergleich: Clarithromycin wirkt breiter als Penicilline gegen sogenannte „atypische Erreger“ (z. B. Chlamydien, Mykoplasmen), hat jedoch mehr Wechselwirkungen, und Resistenzen entwickeln sich zunehmend. Die Kosten werden vom österreichischen Dachverband der Sozialversicherungsträger (ehemals NFZ) bei zugelassener Indikation übernommen.
Rechtlicher Status, Registrierung und Kostenerstattung (Österreich)
- Zulassung: Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES Medizinmarktaufsicht)
- Kostenerstattung: Wird bei zugelassenen Indikationen grundsätzlich von den österreichischen Sozialversicherungsträgern übernommen
- Nicht rezeptfrei: Verschreibungspflichtig
- Apothekenpflicht: Nur in öffentlichen Apotheken erhältlich
- Preisbildung: Festpreis laut Erstattungsliste, Zuzahlung je nach Kassenstatus
Aktuelle Studienlage und klinische Empfehlungen (2022–2025)
Neue Studien aus Deutschland und Europa (u.a. Deutsche Gesellschaft für Infektiologie, ESCMID, 2023) bestätigen die Wirksamkeit von Clarithromycin bei Infektionen der oberen und unteren Atemwege und bei H. pylori-Eradikation. Allerdings wird zur gezielten Anwendung aufgrund steigender Resistenzen geraten („antibiotic stewardship“). Für die triple-Therapie bei H. pylori empfiehlt die österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie weiterhin Clarithromycin als Bestandteil, sofern keine Resistenz vorliegt.
Wichtiger Hinweis: Routineeinsatz bei banalen Infekten, ohne Nachweis einer bakteriellen Ursache, wird nicht empfohlen. Neue Studien prüfen auch den Einsatz gegen COVID-19-Folgeinfektionen, bislang ohne abschließende Evidenz.
Verfügbarkeit und Lieferzeit (Stand April 2024, Österreich)
| Paketgröße | Typischer Apothekenpreis/Packung (EUR) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Innsbruck/Salzburg |
|---|---|---|---|---|
| 10 Tabletten (500 mg) | ca. 18–22 € | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 2 Werktage |
| 14 Tabletten (250 mg) | ca. 14–18 € | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 2 Werktage |
| 70 ml Suspension (125 mg/5 ml) | ca. 15–19 € | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 2 Werktage |
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Clarithromycin
- Kann ich Clarithromycin mit meinen anderen Medikamenten kombinieren?
Clarithromycin kann mit vielen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Bitte geben Sie Ihrem Arzt und Apotheker eine vollständige Liste Ihrer Medikamente. Besonders Statine, Blutverdünner, Kalziumantagonisten und Immunsuppressiva können kritisch sein. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis baldmöglichst ein, lassen Sie sie aus, falls es bereits Zeit für die nächste reguläre Dosis ist. Bitte nie die doppelte Menge einnehmen! - Darf ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Kleine Mengen Alkohol sind möglich, aber können Nebenwirkungen (vor allem Magen-Darm-Beschwerden) verstärken. Ein maßvoller Umgang ist ratsam. - Darf ich Milchprodukte oder Kaffee konsumieren?
Ja, Milchprodukte und Kaffee beeinflussen die Wirkung von Clarithromycin nicht, aber bei empfindlichem Magen kann Kaffee die Verträglichkeit verschlechtern. - Wann wirkt Clarithromycin?
Meist bessern sich Symptome bereits nach 1–2 Tagen, die Antibiotikatherapie sollte jedoch immer vollständig wie verschrieben durchgeführt werden, um Rückfälle und Resistenzentwicklung zu vermeiden.
Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt, Ihre Apotheke oder informieren Sie sich auf www.basg.gv.at oder www.gesundheit.gv.at.

