Calan SR (Verapamil) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Verapamilhydrochlorid |
|---|---|
| Österreichische Handelsnamen | Calan SR®, Isoptin SR®, Verapamil SR Generika |
| ATC-Code | C08DA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Retardtabletten: 120 mg, 240 mg (teilweise weitere Stärken je nach Hersteller) |
| Hersteller (in Österreich verfügbar) | Boehringer Ingelheim, diverse Generikahersteller (z. B. ratiopharm, Sandoz) |
| Rezeptstatus | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig gemäß Arzneimittelgesetz; keine OTC-Abgabe) |
Wirkmechanismus von Verapamil
Für Patient:innen verständlich erklärt: Verapamil ist ein sogenannter Kalziumkanalblocker. Das bedeutet, es verhindert, dass Kalzium in die Muskelzellen des Herzens und der Blutgefäße gelangt. Dadurch werden die Blutgefäße entspannt und das Herz schlägt langsamer und mit weniger Kraft, wodurch der Blutdruck sinkt und das Herz entlastet wird.
Für medizinisches Fachpersonal: Verapamil blockiert spezifisch die L-Typ Kalziumkanäle der glatten Muskulatur und myokardialen Zellen im Herzen, was zur negativen Chronotropie, Dromotropie und Inotropie führt. Gleichzeitig wird die vasotonische Antwort peripher gehemmt, was eine Senkung des systemischen Blutdrucks zur Folge hat.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme wird Verapamil nahezu vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen, erreicht jedoch aufgrund eines ausgeprägten First-Pass-Effekts in der Leber eine Bioverfügbarkeit von etwa 20–35 %. Retardformen führen zu gleichmäßigen Plasmaspiegeln.
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch über CYP3A4 und andere Isoenzyme; relevante Metabolite mit teilweise aktiver Wirkung entstehen.
- Elimination: Hauptsächlich renal (80–90 %, überwiegend als Metaboliten) und minimal biliär. Plasmaproteinbindung ca. 90 %.
- Wirkdauer: Bei Retardtabletten 8–24 Stunden, je nach Präparat und Dosierung.
Anwendung im Alltag und Empfehlungen für beste Praxis
- Typische Dosierung: Erwachsene starten meist mit 120–240 mg/Tag, aufgeteilt auf 1–2 Einnahmen je nach Präparat und Indikation. Dosisfindung individuell durch behandelnde Ärzt:innen.
- Anwendung in Österreich: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen. Die Einnahme erfolgt stets regelmäßig, am besten zur gleichen Tageszeit (z. B. morgens und/oder abends). Nicht zerkleinern oder kauen.
- Achtung: Medikament niemals eigenständig absetzen! Rücksprache mit Ärzt:in bei Unklarheiten oder Nebenwirkungen.
Morgens oder abends einnehmen? – Tipps zur Einnahmezeit
- Morgens: Vorteilhaft bei Patienten mit Bluthochdruck, da das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in den Morgenstunden erhöht ist. Gleichmäßige Blutdruckkontrolle tagsüber.
- Abends: Sinnvoll, wenn unter der Therapie Tagesmüdigkeit auftritt, oder falls die Hauptwirkung nachts benötigt wird (z. B. Herzrhythmusstörungen).
- Tipps: Konsistenz ist entscheidend: Täglich zur selben Zeit einnehmen. Tabletten möglichst nicht teilen, sofern nicht vom Arzt empfohlen.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder auf nüchternen Magen?
Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Allerdings kann eine Einnahme zu oder nach einer Mahlzeit Magenbeschwerden vorbeugen. Da die typische österreichische Ernährung oft eine große Hauptmahlzeit mittags und ein kleineres Abendessen beinhaltet, wird empfohlen, die Tablette zur jeweils am besten passenden Zeit einzunehmen und möglichst mit Flüssigkeit (Wasser) zu schlucken. Grapefruitsaft sollte vermieden werden, da er den Stoffwechsel von Verapamil beeinflussen kann.
Wechselwirkungen – Was ist zu beachten?
| Substanz/Gruppe | Art der Wechselwirkung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Grapefruitsaft | Kann Verapamil-Spiegel erhöhen (CYP3A4-Hemmung) | Meiden |
| Alkohol | Kann Nebenwirkungen (z. B. Blutdruckabfall) verstärken | Reduzieren oder vermeiden |
| Betablocker | Additive kardiodepressive Effekte, Risiko von AV-Block, Bradykardie | Nur unter strenger ärztlicher Überwachung anwenden |
| Digoxin | Erhöhte Digoxinspiegel, Gefahr von Toxizität | Dosisanpassung ggf. erforderlich |
| CYP3A4-Induktoren und -Inhibitoren | Verändern die Wirksamkeit/Spiegel von Verapamil | Mit Apotheker oder Arzt abklären |
Indikationen
| Indikation | Status | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Essenzielle Hypertonie (Bluthochdruck) | Offiziell zugelassen | Blutdrucksenkung, besonders bei Unverträglichkeit von ACE-Hemmern |
| Chronische stabile Angina pectoris | Zugelassen | Reduktion der Anfallshäufigkeit und -intensität |
| Herzrhythmusstörungen (supraventrikuläre Tachykardien, Vorhofflimmern/-flattern) | Zugelassen | Frequenzkontrolle |
| Migraineprophylaxe | Off-Label | Bei Therapieversagen anderer Mittel, nur nach ärztlicher Anweisung |
| Clusterkopfschmerz | Off-Label | In speziellen Fällen, Dosierungsanpassung erforderlich |
Dosierung gemäß klinischer Indikation
| Alter/Gruppe | Indikation | Empfohlene Dosis/Tag | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | Hypertonie | 120–240 mg, 1–2×/Tag | Individuell, langsam auftitrieren |
| Erwachsene | Angina pectoris | 120–240 mg, 2×/Tag | Retardpräparate bevorzugt |
| Erwachsene | Rhythmusstörungen | 120–240 mg, 1–2×/Tag | Enge Überwachung nötig |
| Ältere Patienten | Alle | 60–120 mg, 1–2×/Tag | Dosis meist niedriger, langsam auftitrieren |
| Kinder | Selten: SVT, Migräneprophylaxe (off-label) | 2–10 mg/kg/Tag, verteilt auf 2–3 Dosen | Strenge ärztliche Überwachung erforderlich |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispiele für Nebenwirkungen | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Sehr häufig | Ödeme (Beine/Füße), Kopfschmerzen, Schwindel, Mattigkeit | Meist mild, bei Persistenz Arzt verständigen |
| Häufig | Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Verstopfung), Flush, Bradykardie | Symptome klingen meist mit Anpassung ab |
| Gelegentlich | Hypotonie, AV-Block I–III°, Hautausschläge | Bei Herzsymptomen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen |
| Selten | Leberfunktionsstörungen, allergische Reaktionen, Gingivahyperplasie | Sofortige ärztliche Beratung, Therapieabbruch abwägen |
| Sehr selten | Lungenödem, schwere Bradykardie, Synkope | Notfall; sofort in Spitalsambulanz |
Hinweise zur richtigen Anwendung – Apotheker- und Klinikempfehlung
- Regelmäßige Einnahme maximiert die Wirksamkeit. Werden Tabletten versehentlich vergessen: möglichst rasch nachholen, aber keine doppelte Dosis einnehmen.
- Bei Fahrten, Dienstreisen o. Ä. Ersatzdosen (z. B. in Reiseapotheke/Handtasche) mitführen, besonders bei Therapie mit mehreren Medikamenten.
- Regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen zu Hause empfohlen; Werte nach Plan dokumentieren und beim nächsten Arztbesuch vorzeigen.
- Bei neuen Symptomen wie starken Schwindel, Ohnmacht oder Kurzatmigkeit: umgehend ärztlichen Rat einholen.
- Die Arzneimittelbox schützt vor Verwechslungen – besonders nützlich bei Polypharmazie im Alter.
- Saisonale Umstellungen (z. B. Hitzeperiode, Fastenzeit) mit der behandelnden Person absprechen, da Kreislaufbelastung und Wirkung schwanken können.
- Dauerbezug/E-Rezept: Arzneimittelverfügbarkeit rechtzeitig prüfen, Rezepte rechtzeitig erneuern, besonders in Urlaubszeiten.
Alternative Therapieoptionen (in Österreich erstattungsfähig, Vergleich)
- Andere Kalziumkanalblocker: Amlodipin, Nifedipin (Langzeitprodukte) – ähnliche Wirkung, weniger kardiodepressiv, aber oft stärkere periphere Ödembildung.
- ACE-Hemmer: Enalapril, Ramipril – besonders bei Herzinsuffizienz oder nach Herzinfarkt, gut verträglich, Nierenfunktion beachten.
- Betablocker: Bisoprolol, Metoprolol – spezifisch bei Arrhythmien und Herzinsuffizienz; nicht bei Asthma!
- Thiaziddiuretika: Hydrochlorothiazid – günstig in der Kombinationstherapie bei Bluthochdruck, Kontrolle der Elektrolyte notwendig.
- Sartane (Angiotensin-II-Rezeptorblocker): Losartan, Valsartan – Alternative zu ACE-Hemmern, insbesondere bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit.
Vorteile/Schwächen im Vergleich zu Verapamil: Keine andere Substanz vereint gleich stark antiarrhythmische mit antianginöser und antihypertensiver Wirkung wie Verapamil. Bei hohem Ausgangsimpuls oder bestimmten Formen der Herzinsuffizienz werden aber andere Wirkstoffe bevorzugt.
Rechtlicher, Zulassungs- & Erstattungsstatus in Österreich
- Zulassung: Österreichische Arzneimittelzulassungsbehörde (BASG) – zugelassene Präparate unterliegen der Verschreibungspflicht.
- Erstattung/Erstattungsliste (EKO): Verschreibbar auf Kassenrezept, Normverbraucherliste (NFZ/EKO) bei entsprechender Diagnose. Zuzahlungen möglich, je nach Kasse.
- Rezeptpflicht: Verbindlich, keine Abgabe ohne gültige Verschreibung durch Ärzt:in/Arzt.
- Apothekenpflicht: Nur in Apotheken erhältlich, keine Abgabe über Supermarkt, Internet nur via österreichische Versandapotheke mit Rezept.
Neueste Forschung & Leitlinien (2022–2025)
Hypertonie & Angina: Die 2023 publizierten ESC-Leitlinien und österreichische nationale Leitlinien empfehlen Verapamil besonders für Patienten, die Betablocker/ACE-Hemmer nicht vertragen. Die antiarrhythmische Wirkung bleibt im Fokus der Forschung, da Verapamil weiterhin eines der Mittel der ersten Wahl bei supraventrikulären Arrhythmien ist (Köhler et al., Dtsch Ärzteblatt 2022).
Migraineprophylaxe & Clusterkopfschmerz: Internationale Studien (u. a. Russo et al., Neurology 2024) bestätigen die Wirksamkeit in schwierigen Fällen, allerdings Off-label-Einsatz!
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten in Österreich
| Packungsgröße | Typ | Preis (indikativ, €)* | Lieferzeit Wien | Linz | Graz | Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 30 Retardtabletten | 120 mg | ca. 18–22 € | i. d. R. lagernd/1 Tag | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 1–2 Tage |
| 60 Retardtabletten | 240 mg | ca. 45–55 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 1–2 Tage |
| 100 Retardtabletten | 120 mg | ca. 55–70 € | 2 Tage | 2–3 Tage | 2–3 Tage | 2–3 Tage |
*Preise variieren je nach Hersteller und Kasse. Erstattung durch Sozialversicherung, u. U. Zuzahlung!
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Kann ich meine Verapamil-Tablette teilen?
Retardtabletten sollten nicht geteilt oder zerkaut werden, da sie sonst ihre Langzeitwirkung verlieren. Es gibt jedoch Tabletten mit Bruchkerbe; bitte immer ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen! - Was mache ich, wenn ich eine Einnahme vergessen habe?
Die vergessene Dosis baldmöglichst nachholen. Liegt der Zeitpunkt nahe an der nächsten Einnahme, die vergessene Dosis überspringen – niemals doppelt dosieren! - Darf ich unter Verapamil Auto fahren?
Prinzipiell ja, sofern keine Nebenwirkungen wie starker Schwindel, Benommenheit oder Sehstörungen auftreten. Direkter Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit ist selten; treten Unsicherheiten auf, lassen Sie sich beraten. - Können Grapefruit oder andere Lebensmittel die Wirkung beeinflussen?
Ja, insbesondere Grapefruitsaft kann die Verapamil-Wirkung deutlich verstärken. Vermeiden Sie Grapefruitprodukte während der Behandlung! - Wird Verapamil von meiner Krankenkasse bezahlt?
In den meisten Fällen wird Verapamil bei zulässigen Indikationen vom österreichischen Gesundheitssystem (EKO/NFZ) erstattet. Details zur Eigenbeteiligung gibt Ihre Apotheke oder Kasse bekannt.

