Anafranil (Clomipramin HCl): Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Clomipramin |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Anafranil®, Clomipramin Generika |
| ATC-Code | N06AA04 |
| Erhältliche Darreichungsformen & Stärken | Filmtabletten (10 mg, 25 mg, 75 mg), Retardkapseln (75 mg), Tropfen (10 mg/ml) |
| Hersteller | Novartis Pharma GmbH, diverse Generikaanbieter |
| Verschreibungsstatus | Verschreibungspflichtig (rezeptpflichtig, gemäß § 3 AMG und Rezeptpflichtgesetz) |
Wirkmechanismus
Für Patienten: Anafranil enthält den Wirkstoff Clomipramin, der zur Klasse der trizyklischen Antidepressiva gehört. Es wirkt, indem es die Konzentration bestimmter Botenstoffe (vor allem Serotonin und Noradrenalin) im Gehirn erhöht. Diese Stoffe sind wichtig für die Stimmung, das Antriebsempfinden und die Bewältigung von Stress.
Für Spezialisten: Clomipramin hemmt überwiegend die Wiederaufnahme von Serotonin (und in geringerem Maße von Noradrenalin) im synaptischen Spalt. Es besitzt eine relativ hohe Affinität zum Serotonintransporter (SERT), was entscheidend für seine Wirksamkeit bei Zwangsstörungen ist. Es blockiert zudem Histamin-, cholinerge und adrenerge Rezeptoren, was das Nebenwirkungsprofil mitprägt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Clomipramin wird nach oraler Gabe rasch und nahezu vollständig im Magen-Darm-Trakt aufgenommen (Bioverfügbarkeit: 50–70 %).
- Metabolisierung: Hauptsächlich hepatisch über CYP2D6. Aktiver Metabolit: Desmethylclomipramin.
- Ausscheidung: Über Niere und Galle.
- Wirkdauer / Halbwertszeit: Clomipramin: ca. 20–24 Stunden; Metabolit: ca. 69 Stunden.
Anwendung im Alltag und bewährte Praktiken
- Typische Dosierung bei Erwachsenen: 25–250 mg pro Tag, meist beginnend mit niedriger Dosis und langsamer Steigerung.
- Einnahme meist 1–3-mal täglich, abhängig von der Darreichungsform.
- Bei älteren Patient:innen oder Jugendlichen: meist niedrigere Einstiegs- und Zieldosis.
- Nicht plötzlich absetzen! Immer ausschleichen, um Entzugssymptome zu vermeiden.
- Tabletten unzerkaut mit ausreichend Wasser einnehmen.
- Tropfen können ins Wasser gegeben und anschließend getrunken werden.
Einnahme morgens vs. abends
- Morgens: Vorteilhaft bei Patienten mit Müdigkeit als Nebenwirkung; kann die Konzentrationsfähigkeit tagsüber beeinflussen.
- Abends: Sinnvoll bei Schlafproblemen, da die beruhigende Wirkung den Schlaf unterstützt; aber Tagesmüdigkeit vermeiden!
- Tabletten oder Kapseln möglichst zur gleichen Tageszeit einnehmen, um beständige Wirkstoffspiegel zu erreichen.
- Individuelle Abstimmung mit Ärztin oder Arzt ratsam.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Anafranil kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
- Einnahme zu einer Mahlzeit kann Magenbeschwerden reduzieren.
- Die typisch österreichische Kost (oft fettreich, voller Ballaststoffe) beeinflusst die Aufnahme nur minimal.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen.
Warnhinweise zu Wechselwirkungen
| Kategorie | Interaktion | Hinweis |
|---|---|---|
| Alkohol | Verstärkt sedierende Wirkung | Alkoholkonsum während der Einnahme möglichst vermeiden |
| Nahrungsmittel | Keine klinisch relevanten Interaktionen | Kann zu/zwischen den Mahlzeiten genommen werden |
| Medikamente | MAO-Hemmer, SSRIs, Antikoagulantien, Antiepileptika, Antihypertensiva | Strenge ärztliche Kontrolle, ggf. Dosisanpassung |
| Rauchen | Induktion von CYP1A2 | Kann Plasmaspiegel senken, Info an den Arzt bei Rauchstopp |
| Starke CYP2D6-Hemmer (z.B. Paroxetin, Fluoxetin) | Erhöhte Clomipramin-Spiegel | Gefahr von Nebenwirkungen steigt |
Indikationen
| Indikation | Offiziell zugelassen (Österreich) | Off-label |
|---|---|---|
| Depressionen | Ja | Nein |
| Zwangsstörungen (OCD) | Ja | Nein |
| Phobien, Panikstörung | Teilweise | Ja |
| Chronische Schmerzen (z. B. Migräneprophylaxe) | Nein | Ja |
| Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen, Kinder) | Ja (ab 5 Jahre - spezielle klinische Indikationen) | Nein |
| Kataplexie bei Narkolepsie | Nein | Ja |
Dosierung nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Depressionen | 25–250 mg/Tag, einschleichend | nicht empfohlen | niedrigere Dosis, streng ärztlich überwachen |
| Zwangsstörung | 50–250 mg/Tag, einschleichend | 25–200 mg/Tag (ab 5 J.), nur unter Facharztaufsicht | wie Erwachsene, langsam steigern |
| Panik-/Angststörung | 25–100 mg/Tag | nicht empfohlen | Dosis wie Erwachsene, ggf. Reduktion nötig |
| Enuresis nocturna | nicht zutreffend | 10–25 mg am Abend (ab 5 Jahre) | nicht zutreffend |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig / häufig: Mundtrockenheit, Müdigkeit, Verstopfung, Benommenheit, Schwindel, Schwitzen, Gewichtszunahme, Herzrasen.
- Gelegentlich: Zittern, sexuelle Funktionsstörungen, allergische Hautreaktionen, Kopfschmerzen.
- Selten / sehr selten: Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Harnverhalt, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Suizidgedanken (v. a. zu Therapiebeginn).
| Warnhinweise | Bemerkungen |
|---|---|
| Erhöhte Suizidgefahr | Insbesondere zu Beginn der Behandlung, engmaschige ärztliche Kontrolle! |
| Serotonin-Syndrom | Bei Kombination mit anderen serotonergen Arzneimitteln Gefahr erhöhter Nebenwirkungen |
| QT-Verlängerung | Kardiale Überwachung bei Risikopatienten empfohlen |
| Anticholinerge Effekte | Vorsicht bei Glaukom, Prostatahyperplasie |
Empfehlungen zur richtigen Anwendung
- Starten Sie die Therapie stets mit niedriger Dosis, wie vom Arzt oder der Ärztin verordnet.
- Keine plötzliche Beendigung der Einnahme – schrittweise absetzen!
- Regelmäßige Gespräche mit Ärztin oder Arzt, v. a. bei Verdacht auf Nebenwirkungen oder fehlende Wirkung.
- Vorsicht im Straßenverkehr und bei Bedienung von Maschinen, bis die individuelle Verträglichkeit feststeht.
- Bei Kindern und Jugendlichen: Behandlung nur unter spezieller kinder- und jugendpsychiatrischer Kontrolle.
- Bei älteren Menschen: Engmaschige Kontrolle der Herzfunktion und Blutwerte ratsam.
- Blutdruck und Herzfunktion regelmäßig prüfen lassen.
Alternative Arzneimittel (mit Erstattung durch österreichische Sozialversicherung)
- SSRI (z. B. Sertralin, Fluoxetin, Escitalopram): Oft erste Wahl bei Zwangsstörung und Depression, günstigere Nebenwirkungslage, Wechselwirkungen möglich.
- SNRIs (Venlafaxin, Duloxetin): Wirksam bei Depressionen sowie bei manchen Angst- und Schmerzsyndromen.
- Anderes Trizyklikum: Amitriptylin – stärker beruhigend, aber auch anticholinerge Nebenwirkungen.
- Agomelatin, Bupropion: Je nach Symptomprofil und Vorliegen von Begleiterkrankungen.
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Als nichtmedikamentöse Alternative bei Zwangsstörung Pflichtbestandteil der Behandlung.
Vorteile von Anafranil: Sehr wirksam insbesondere bei hartnäckigen Zwangsstörungen (laut S3-Leitlinie, AWMF 2023).
Nachteile: Breiteres Nebenwirkungsprofil, Wechselwirkungen, nicht für alle Patient:innen geeignet.
Rechtliches, Zulassung & Kostenerstattung in Österreich
- Rezeptpflicht: Streng verschreibungspflichtig gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz. Abgabe nur in öffentlichen Apotheken mit gültigem Rezept.
- Zulassung: Von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zugelassen.
- Kostenerstattung: Erstattungsfähig (grüner Bereich) bei bestimmten, in der EKO-Liste der Sozialversicherung definierten Indikationen (z. B. Zwangsstörungen, Depressionen).
- Sonderregelungen: Bei Kindern/Jugendlichen und älteren Patienten erfolgt die Abrechnung meist auf chef-/fachärztliche Bewilligung.
Aktuellste Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- Die AWMF S3-Leitlinie (2023) empfiehlt Clomipramin weiterhin als Mittel der zweiten Wahl bei Zwangsstörungen, vor allem bei unzureichender Wirkung von SSRIs.
- Studien (German Journal of Psychiatry, 2024) belegen eine überlegene Wirksamkeit von Clomipramin im Vergleich zu Placebo bei Behandlung von Zwangsstörungen und Panikstörung.
- Laut European Psychiatric Association (2024): Einsatz bei Depressionen vor allem, wenn SSRI/SNRI nicht ausreichend wirken oder toleriert werden. Strenge Nutzen-Risiko-Abwägung wegen Nebenwirkungen notwendig.
- Die Umsetzung der Multimodalen Therapieansätze ist entscheidend: Pharmakotherapie + Psychotherapie.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße | Inhalt / Form | Indikativer Preis1 | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz |
|---|---|---|---|---|---|
| Klein | 30 x 25 mg Tabletten | € 22,50 | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Mittelgroß | 50 x 10 mg Tabletten | € 19,80 | 1 Werktag | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Groß | 100 x 75 mg Retardkapseln | € 88,00 | 1–2 Werktage | 2 Werktage | 2 Werktage |
1Preise sind Richtwerte (Stand: 06/2024) und können variieren.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
- Wie lange dauert es, bis Anafranil wirkt?
Erste Effekte können nach 1–2 Wochen auftreten, die volle Wirkung zeigt sich oft erst nach 4–6 Wochen. Bitte halten Sie Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, bevor Sie Veränderungen vornehmen. - Darf ich Anafranil mit anderen Antidepressiva kombinieren?
Die Kombination ist in der Regel nicht ratsam und muss durch einen Facharzt individuell festgelegt und streng überwacht werden, da schwere Wechselwirkungen auftreten können (Serotonin-Syndrom-Gefahr). - Kann ich mit Anafranil Auto fahren?
Zu Beginn der Behandlung kann es zu Benommenheit und Schläfrigkeit kommen. Verzichten Sie bitte mindestens in den ersten Tagen auf das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen, bis mögliche Nebenwirkungen bekannt sind. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Holen Sie die Einnahme so bald wie möglich nach. Ist es jedoch schon fast Zeit für die nächste Dosis, nehmen Sie keinesfalls die doppelte Tablettenmenge ein, sondern führen Sie den Einnahmeplan wie gewohnt fort. - Sind regelmäßige Kontrollen notwendig?
Ja, regelmäßige ärztliche und labortechnische Kontrollen (insbesondere Herz, Leber, Blutbild) sind bei langfristiger Therapie verpflichtend. Diese dienen zu Ihrer Sicherheit.
Wichtiger Hinweis
Diese Information ersetzt nicht die ärztliche Beratung. Änderungen der Dosierung oder des Einnahmeplans dürfen nur in enger Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal erfolgen.

