Periactin® (Cyproheptadin): Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Cyproheptadin |
| Österreichische Handelsnamen | Periactin®, Cyproheptadin Generika |
| ATC-Code | R06AB03 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Tabletten 4 mg |
| Hersteller | Merck Sharp & Dohme, diverse Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verschreibung erforderlich in Österreich) |
Wirkungsweise
- Für Patient:innen verständlich erklärt:
Cyproheptadin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation. Es blockiert die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin, der für allergische Symptome wie Niesen, Juckreiz und laufende Nase verantwortlich ist. Zudem hemmt es bestimmte Effekte des Hormons Serotonin, was in anderen klinischen Situationen genutzt wird. - Fachliche Darstellung:
Cyproheptadin ist ein kompetitiver H1-Rezeptorantagonist und hat zugleich anticholinerge und antiserotonerge Eigenschaften. Zusätzlich können die sedierenden Effekte auf eine ZNS-aktive Histaminblockade zurückgeführt werden.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle und vollständige Resorption nach oraler Einnahme, maximale Plasmaspiegel nach ca. 2–3 Stunden.
- Metabolisierung: Hepatisch über Leberenzym-Systeme, vor allem CYP3A4. Bildung von inaktiven Metaboliten.
- Ausscheidung: Überwiegend renal (Niere) als Metabolite, geringe Anteile unverändert.
- Wirkdauer: 4 bis 8 Stunden nach Einzeldosis, maximale Wirkung meistens nach 1–2 Stunden.
Anwendung im Alltag & Best-Practice (Österreich-spezifisch)
Vor allem wird Periactin® zur Linderung allergischer Beschwerden wie Heuschnupfen, allergischer Rhinitis und Nesselsucht eingesetzt. In Österreich wird es zudem gelegentlich zur Appetitanregung und als unterstützende Therapie bei Migräne empfohlen. Ein ärztliches Gespräch zur Klärung der Indikation ist erforderlich. Die typische Anfangsdosis beträgt für Erwachsene 4 mg (1 Tablette) zwei- bis dreimal täglich. Die Dosis kann je nach individuellem Bedarf angepasst werden. Kinder erhalten in der Regel eine niedrigere Dosis, die vom behandelnden Arzt individuell festgelegt wird.
Einnahme morgens vs. abends
- Vorteile morgens: Bereitschaft für Allergensaisons im Verlauf des Tages, Wirkung gegen morgendlichen Heuschnupfen.
- Vorteile abends: Sedierende (müdemachende) Wirkung kann beim Einschlafen helfen und tagsüber weniger beeinträchtigen.
- Empfehlung: Beginn vorzugsweise abends. Bei Mehrfachgabe Verteilung entsprechend Tagesbedarf.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern
- Die Aufnahme von Cyproheptadin wird durch Nahrung nicht wesentlich beeinflusst. Es kann mit oder ohne Essen eingenommen werden, vorzugsweise aber mit einem Glas Wasser.
- Bei Magenproblemen empfiehlt sich die Einnahme zu den Hauptmahlzeiten, was in Österreich meist die Mittags- oder Abendmahlzeit bedeutet.
Wechselwirkungen & Warnhinweise
| Stoff/Lebensmittel/Medikament | Mögliche Wirkung | Empfehlung |
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, Konzentrationsstörungen | Vermeiden |
| Andere Antihistaminika | Verstärkung anticholinerger/zentralnervöser Wirkungen | Nur nach ärztlicher Absprache |
| CNS-dämpfende Medikamente (z. B. Benzodiazepine, Opioide) | Gegenseitige Verstärkung der Sedierung | Ärztliche Kontrolle erforderlich |
| MAO-Hemmer | Gegenseitige Wirkungsverstärkung; Risiko erhöhter Nebenwirkungen | Kontraindikation (nicht kombinieren) |
Indikationen: Offiziell & Off-Label
| Indikation | Status in Österreich | Kommentar |
| Allergische Rhinitis, Heuschnupfen | Offiziell zugelassen | Standardindikation |
| Nesselsucht (Urtikaria) | Offiziell zugelassen | Vor allem wenn andere H1-Blocker nicht ausreichend wirken |
| Migräneprophylaxe (Kinder/Jugendliche) | Off-Label | Unter ärztlicher Kontrolle, nach Leitlinie zulässig |
| Appetitanregung (z. B. bei Untergewicht, Anorexie) | Off-Label | Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich |
Dosierung nach Indikationsgebiet und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder (2–6 J.) | Kinder (7–14 J.) | Ältere |
| Allergien | 8–12 mg/Tag, verteilt auf 2–3 Dosen | 2 mg 2x/Tag (max. 8 mg/Tag) | 4 mg 2x/Tag (max. 16 mg/Tag) | Beginn mit niedriger Dosis, regelmäßige Überwachung |
| Appetitanregung | 4 mg 2–3x/Tag | Nur nach ärztlicher Anweisung, individuelle Dosisanpassung |
| Migräneprophylaxe | Von spezialisierten Fachärzten nach aktuellem Stand der Leitlinien |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
- Sehr häufig: Müdigkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, gesteigerter Appetit
- Häufig: Schwindel, Übelkeit, Gewichtszunahme, Sehstörungen
- Gelegentlich: Verstopfung, Unruhe, Herzrasen
- Selten: Allergische Hautreaktionen, Blutbildveränderungen, Krampfanfälle (v.a. bei Kindern)
- Warnhinweise: Keine Anwendung bei Engwinkelglaukom, Blasenentleerungsstörungen, schwerer Leberinsuffizienz, während Schwangerschaft und Stillzeit nur nach ärztlicher Risikoabwägung.
Richtige Anwendung – Empfehlungen für Österreich
- Tabletten immer zur gleichen Tageszeit mit etwas Flüssigkeit einnehmen.
- Autofahren und Maschinenbedienung vermeiden, solange die individuelle Reaktion auf das Arzneimittel nicht bekannt ist.
- Alkohol strikt meiden.
- Im Falle von Nebenwirkungen oder Unsicherheiten sofort ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
- Kinder und ältere Menschen besonders engmaschig überwachen; Dosierung genau anpassen.
- Bei vergessener Einnahme niemals eine doppelte Dosis einnehmen!
Alternative Behandlungsoptionen – Kurzüberblick
- Andere Antihistaminika (z.B. Cetirizin, Loratadin, Desloratadin): Weniger sedierend, meist erste Wahl bei Allergien. Vorteil: Meist rezeptfrei und von der Sozialversicherung (ÖGK/NFZ) erstattungsfähig.
- Montelukast: Bei allergischer Rhinitis als Ergänzung möglich, aber nur bei speziellen Konstellationen.
- Kortison-Nasensprays (Beclometason, Fluticason): Wirksam bei starker allergischer Symptomatik. Lokal angewendet, systemische Nebenwirkungen gering.
- Migräneprävention: Bei Kindern z. B. Propranolol, Topiramat, Flunarizin als Alternativen, teils off-label. Wahl nach Migräne-Leitlinie und individueller Verträglichkeit.
Rechtlicher Status und Erstattungsfähigkeit in Österreich
- Zulassungsbehörde: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).
- Verordnung: Rezeptpflichtig gemäß AMBO (Arzneimittel-Bewilligungsordnung).
- Erstattungsstatus: Offizielle Indikationen sind im Erstattungskodex (EKO, NFZ) gelistet. Off-Label-Anwendungen (z. B. Appetitanregung) werden häufig nicht erstattet.
- Nahrungsergänzungsmittel mit ähnliche Wirkung (Kombinationspräparate): Nicht als Arzneimittel zugelassen, daher keine Erstattung.
Aktuelle Studienlage & Leitlinienempfehlungen (2022–2025)
- Die Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) empfiehlt Cyproheptadin bei persistierenden und therapierefraktären Allergien (Leitlinie Allergologie 2023).
- Bei Kindern mit Migräne besteht gemäß der International Headache Society (IHS) weiterhin ein Stellenwert für Cyproheptadin, insbesondere bei jüngeren und therapieresistenten Patient:innen (siehe: Cephalalgia, 2024).
- Zur Appetitanregung wird Cyproheptadin international weiterhin erforscht. Die aktuelle Datenlage rät jedoch nur zur gezielten, zeitlich begrenzten Anwendung bei Kindern mit diagnostiziertem Untergewicht (z.B. “Pediatric Obesity”, 2023; “Wiener klinische Wochenschrift” 2024).
- Keine neuen Warnungen durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zum Sicherheitsprofil seit 2022.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten
| Packungsgröße | Tabletten(á 4 mg) | Ungefähre Preisempfehlung (EUR) | Durchschnittliche Lieferzeiten 👇 |
| Klein | 20 | ca. 13,00 € | Wien: 1 Werktag, Graz: 2 Werktage, Linz: 1–2 Werktage |
| Mittel | 50 | ca. 28,00 € | Salzburg: 2 Werktage, Innsbruck: 2–3 Werktage |
| Groß | 100 | ca. 50,00 € | Alle Bundesländer: 2–4 Werktage |
Lieferung österreichweit über alle Apotheken mit Ärzterezepte. Hauszustellung durch Online-Apotheken oder Botendienste nach Apothekenrecht möglich.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Kann Cyproheptadin/Periactin bei Kindern eingenommen werden?
Ja, unter ärztlicher Kontrolle und mit altersgerechter Dosierung. Niemals eigenständig anwenden! - Macht Periactin® müde?
Ja, die meisten Patient:innen berichten über eine ausgeprägte Müdigkeit – insbesondere zum Behandlungsbeginn. Meist nimmt diese im Verlauf ab. Autofahrten und Maschinenbedienung sollten zunächst vermieden werden. - Ab wann wirkt das Medikament und wie lange hält die Wirkung an?
Die Wirkung setzt etwa 1–3 Stunden nach Einnahme ein, hält durchschnittlich 4–8 Stunden an. Bei regelmäßiger Einnahme ist eine anhaltende Wirksamkeit möglich. - Muss ich Periactin® zum Essen einnehmen?
Nicht zwingend. Wer empfindlichen Magen hat, bevorzugt die Einnahme zu einer Mahlzeit. Die Tabletten können mit ausreichend Wasser eingenommen werden. - Kann ich Periactin® als Appetitanreger über längere Zeit verwenden?
Nur nach ärztlicher Kontrolle und regelmäßigen Kontrollen. Eine Dauereinnahme zur Appetitsteigerung wird nicht generell empfohlen!