Cycrin® (Medroxyprogesteron) – Ausführliche Produktbeschreibung für Patienten in Österreich
Basisinformationen zum Produkt
- Wirkstoff (INN): Medroxyprogesteron
- Handelsnamen in Österreich: Cycrin®, Provera®
- ATC-Code: G03DA02
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: Tabletten à 5 mg und 10 mg; Injektionssuspension (Depot) 150 mg/1 ml
- Hersteller: Pfizer, Bayer, Generika von diversen europäischen Anbietern
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich)
Wirkmechanismus
Medroxyprogesteron ist ein synthetisches Gestagen, das den natürlichen weiblichen Sexualhormon Progesteron nachahmt. Es beeinflusst die Gebärmutterschleimhaut, hemmt den Eisprung (Ovulation), bewirkt eine Verdickung des Zervixschleims und moduliert den Hormonhaushalt.
Einfach erklärt:
Der Wirkstoff sorgt dafür, dass die Schleimhaut der Gebärmutter in einer bestimmten Phase bleibt und der Eisprung unterdrückt wird (je nach Anwendungsgebiet).
Für Fachkundige:
Medroxyprogesteron bindet an Progesteronrezeptoren und hemmt über negative Rückkopplungen die Sekretion von GnRH sowie LH und FSH in der Hypophyse, was zur Unterdrückung der Ovulation bzw. zur Transformation des Endometriums führt.
Pharmakokinetik
- Resorption: Schnelle Aufnahme nach oraler Gabe, maximale Blutspiegel etwa nach 2–4 Stunden.
- Metabolisierung: Leber, vor allem über Cytochrom P450 Enzyme (v.a. CYP3A4).
- Elimination: Ausscheidung überwiegend renal (über die Nieren) in Form von inaktiven Metaboliten.
- Wirkdauer: Tabletten ca. 24 Stunden, Depot-Injektionen bis zu 12–13 Wochen.
Alltagsgebrauch & Praktische Hinweise
- Typische Dosierungen: 5–10 mg pro Tag oral, gegebenenfalls vom 16. bis 25. Zyklustag, abhängig von der Indikation und ärztlicher Anweisung.
- Depot-Injektion: 150 mg alle 12–13 Wochen, meist im Rahmen der Kontrazeption.
- Medikament immer zur ungefähr gleichen Tageszeit einnehmen; Regelmäßigkeit erleichtert die Therapietreue.
- Dosierung und Einnahmedauer richten sich strikt nach der ärztlichen Verordnung.
- Besonderheiten im deutschen Ernährungs- und Lebensstil: Aufgrund der Vielfalt an Hauptmahlzeiten und Zwischenmahlzeiten in Österreich wird der Einnahmezeitpunkt i.d.R. an die individuellen Tagesgewohnheiten angepasst.
Hinweis:
Beim Überspringen einer Tabletteneinnahme möglichst bald nachholen. Injektions-Termine nicht verpassen, da sonst kein ausreichender Empfängnisschutz besteht!
Einnahme morgens vs. abends
- Morgens: Vorteil: Geringeres Risiko, die Einnahme zu vergessen. Nachteil: Mögliche leichte Müdigkeit am Vormittag.
- Abends: Vorteil: Günstig bei Müdigkeit als Nebenwirkung. Nachteil: Gefahr, abends das Medikament zu übersehen.
- Tipp: Feste Einnahmezeit nach täglicher Routine wählen – z.B. nach dem Frühstück oder zum Abendessen.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Medroxyprogesteron kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Nahrung beeinflusst die Wirksamkeit nicht wesentlich, kann aber Magenbeschwerden vorbeugen. In Österreich, wo oft ein ausgiebiges Frühstück oder Mittagessen verbreitet ist, empfiehlt sich die Einnahme mit einer Mahlzeit, wenn Magenunverträglichkeit besteht.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Substanz/Kategorie | Interaktion | Empfehlung |
|---|---|---|
| Bestimmte Antiepileptika (z.B. Carbamazepin, Phenytoin) | Abschwächung der Wirkung möglich | Alternativen prüfen, ärztliche Rücksprache |
| Rifampicin, Rifabutin (Tuberkulose-Antibiotika) | Erhöhte Metabolisierung, Wirkung kann ausbleiben | Verhütungsstatus kontrollieren |
| Johanniskraut | Reduzierte Hormonwirkung | Johanniskraut meiden |
| Alkohol | Keine direkte Wechselwirkung, aber vermehrte Nebenwirkungen möglich (z.B. Schwindel) | Mäßigen Konsum, auf individuelle Reaktion achten |
| Andere Hormonpräparate | Gegenseitige Wirkungsbeeinflussung | Arzt/Psychiater informieren |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Status | Kurze Erläuterung |
|---|---|---|
| Menstruationsstörungen (z.B. sekundäre Amenorrhö, Dysfunktionelle Uterusblutungen) | Zugelassen | Zur Zyklusregulierung und Vorbeugung von Blutungsstörungen |
| Endometriose | Zugelassen | Linderung von Schmerzen und Hemmung des Endometriumwachstums |
| Kontrazeption (Verhütung – Depotform) | Zugelassen | Langanhaltender Empfängnisschutz |
| Hormonelle Ergänzungstherapie in der Menopause | Zugelassen | Schutz der Gebärmutter bei Östrogen-Therapie |
| Off-Label: Unterdrückung des Geschlechtshormons bei hormonabhängigen Tumoren | Teilweise üblich | Therapie bestimmter Krebserkrankungen (z.B. Endometrium-, Brust-, Prostatakarzinom) |
Dosierung nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Ältere | Kinder/Jugendliche |
|---|---|---|---|
| Menstruationsstörung | 5–10 mg oral, 5–10 Tage/Monat | Wie Erwachsene | Nur bei eindeutiger Indikation & ärztlicher Kontrolle |
| Endometriose | 10 mg, 3x täglich, 90 Tage | Wie Erwachsene | Im Regelfall nicht empfohlen |
| Laufende Hormontherapie | 5–10 mg, an 12–14 Tagen im Zyklus | Individuell anpassen | Keine Standardanwendung |
| Empfängnisverhütung (Depot) | 150 mg alle 12–13 Wochen (i.m.) | Vorsicht wegen erhöhter Osteoporose-Gefahr | Nur in Ausnahmefällen |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig (≥10 %): Zyklusstörungen, Schmierblutungen, Kopfschmerzen, Brustspannen
- Häufig (1–10 %): Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Akne, Haarausfall
- Gelegentlich (0,1–1 %): Thromboembolische Ereignisse, Depression, allergische Reaktionen
- Selten (<0,1 %): Leberfunktionsstörungen, Osteoporose (bei Depot-Anwendung), schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen
- Warnhinweise: Bei Überempfindlichkeit gegen Medroxyprogesteron, unbehandelten Erkrankungen der Leber, ungeklärten vaginalen Blutungen, bestehender bzw. Verdacht auf Brustkrebs
Bitte Rücksprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt halten!
Empfehlungen zur richtigen Anwendung
- Nehmen Sie das Medikament stets gemäß ärztlicher Anweisung ein und brechen Sie die Therapie nicht eigenmächtig ab.
- Lagern Sie Cycrin trocken und lichtgeschützt bei Zimmertemperatur (bis 25°C).
- Informieren Sie Ihre(n) behandelnde(n) Arzt/Ärztin und Apotheker/in über alle eingenommenen Arzneimittel.
- Alle drei Monate Kontrolle bei Depot-Anwendung empfohlen (Knochenstatus, Gewicht etc.).
- Blutdruck, Zuckerstoffwechsel und Cholesterinspiegel regelmäßig überprüfen lassen.
- Bei Anzeichen einer schweren Nebenwirkung (z. B. plötzliche Atemnot, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen) umgehend medizinische Hilfe aufsuchen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (Erstattung durch die ÖGK)
- Andere Gestagenpräparate: Norethisteron, Dienogest (z. B. Visanne® für Endometriose)
- Kombinierte Hormonpräparate: Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Empfängnisverhütung und Hormontherapie
- Spiralen (Mirena®, Jaydess®): Längere Wirkdauer und geringeres Risiko für systemische Nebenwirkungen
- Keine hormonelle Alternative: Operative Verfahren, Phytotherapie (sofern geeignet), Schmerzmittel.
Für eine optimale Auswahl sollten Sie sich eingehend beim Facharzt oder in spezialisierten Zentren beraten lassen. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) erstattet zahlreiche Alternativtherapien auf Rezept.
Rechtlicher, Registrierungs- & Erstattungsstatus in Österreich
- Rezeptpflichtig: Abgabe durch niedergelassene Ärztinnen/Ärzte und Apotheken gemäß §1 AMG und Suchtmittelgesetz ausgeschlossen.
- Zulassung: Europäische Zulassung (EMA) und nationale Registrierung durch das BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen).
- Erstattung: Im Erstattungskodex (EKO) der ÖGK gelistet, Kostenübernahme üblicherweise bei medizinischer Indikation und gültigem Rezept.
- Verschreibungs- und Dokumentationspflicht: Beachten Sie gesetzliche Dokumentations- und Überwachungspflichten bei chronischer Anwendung (insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter).
Aktuellste Forschung und Leitlinien (2022–2025)
Gemäß aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie internationalen Konsensen (2023, ESHRE) bleibt Medroxyprogesteron weiterhin fester Bestandteil der Menstruationszyklusregulierung, Endometriosebehandlung und Empfängnisverhütung (Depot). Studien zur Sicherheit und zum Langzeitrisiko unterstreichen die Bedeutung einer individuellen Risikoeinschätzung, insbesondere bezüglich Knochendichte und Brustkrebsrisiko.
Fachliteratur: DGGG-Leitlinie „Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause“ (2023), ESHRE Guideline „Endometriosis“ (2022), Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2024).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferung
- Typische Packungsgrößen: 30, 60 oder 100 Tabletten; Depotinjektionen als Einzeldosis, 1er-/3er-Packungen
- Preis (indicativ): 30 Tabletten à 5 mg – etwa € 20–25 (je nach Hersteller und Apotheke, Stand 2024)
| Stadt | Apotheken-Vorbestellung | Standard-Lieferzeit |
|---|---|---|
| Wien | Abholung am gleichen oder nächsten Werktag | 1–2 Tage |
| Graz | Abholung am nächsten Werktag | 1–3 Tage |
| Linz | Abholung am gleichen oder nächsten Werktag | 1–2 Tage |
| Salzburg | Abholung am nächsten Werktag | 2–3 Tage |
| Innsbruck | Abholung am nächsten Werktag | 2–4 Tage |
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie lange darf ich Cycrin® einnehmen?
Die Einnahmedauer bestimmt Ihr behandelnder Arzt individuell nach Erkrankung, Ziel der Therapie und Verträglichkeit. Langzeittherapien (insbesondere bei Depot-Anwendung) sollten regelmäßig ärztlich überwacht werden. - Kann ich Cycrin® während einer Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden?
Eine Anwendung in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. In der Stillzeit ist nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung eine Anwendung möglich, jedoch wird das Stillen meist nicht empfohlen. - Verwandle ich durch Cycrin® zunehmen?
Gewichtszunahmen sind möglich, insbesondere unter Depot-Anwendung. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind sinnvoll, um dieses Risiko zu minimieren. - Wie erkenne ich Nebenwirkungen und was soll ich tun?
Bei plötzlicher Luftnot, Schmerzen in den Beinen oder auffälligen Blutungen suchen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe auf. Bei leichteren Beschwerden wie Kopfschmerz oder Unwohlsein informieren Sie bitte Ihren Arzt/Apotheker. - Darf ich das Medikament mit anderen Hormonen kombinieren?
Nur unter ärztlicher Kontrolle. Eine nicht abgestimmte Kombination kann Wirkung und Sicherheit beeinträchtigen.

