Phoslo® (Calciumacetat) – Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Internationaler Freiname (INN) | Calciumacetat |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Phoslo®, Calciumacetat Generika |
| ATC-Code | V03AE07 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken |
|
| Hersteller/Vetrieb | Fresenius Medical Care, diverse Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (ärztliche Verordnung erforderlich) |
Wirkmechanismus
Einfach erklärt: Phoslo® bindet Phosphat aus der Nahrung im Magen-Darm-Trakt. Dadurch wird verhindert, dass zu viel Phosphat aus der Nahrung ins Blut gelangt. Dies ist besonders für chronisch Nierenkranke wichtig, weil deren Nieren Phosphat nicht mehr ausreichend ausscheiden können.
Für medizinisches Fachpersonal: Calciumacetat wirkt als Phosphatbinder durch Bildung unlöslicher Calciumphosphat-Komplexe im Darm. Es reduziert somit die intestinale Phosphatresorption und senkt die Serumphosphatkonzentration bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz und sekundärem Hyperparathyreoidismus.
Pharmakokinetik
- Resorption: Calciumacetat wird im Gastrointestinaltrakt nur gering absorbiert.
- Metabolismus: Calcium- und Acetat-Ionen werden physiologisch umgesetzt. Calcium wird teilweise in Knochen abgelegt, überschüssiges Calcium wird renal ausgeschieden.
- Elimination: Über Darm (Phosphat-Calcium-Komplex) und Nieren (freies Calcium); bei Niereninsuffizienz verzögerte Ausscheidung möglich.
- Wirkeintritt und Wirkdauer: Der Wirkungseintritt ist abhängig von der Nahrungsaufnahme, die Wirkdauer entspricht der jeweiligen Verweildauer im Magen-Darm-Trakt nach der Mahlzeit.
Anwendung und Alltagstipps (deutscher/österreichischer Kontext)
Phoslo® wird typischerweise mehrmals täglich zu den Hauptmahlzeiten eingenommen, um überschüssiges Phosphat aus der Nahrung zu binden. Besonders in der österreichischen Ernährung, die oft viel Ei, Milchprodukte und Fleisch enthält, kann die Phosphataufnahme erhöht sein.
- Typische Dosierung: 2 – 4 Tabletten (entsprechend 1,334 – 2,668 g) zu jeder Hauptmahlzeit. Die genaue Dosis richtet sich nach den aktuellen Laborwerten (insbesondere Serumphosphat) und wird individuell vom Arzt festgelegt.
- Anwendung: Tabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einnehmen; immer zu Mahlzeiten.
- Praktische Tipps: Tabletten als festen Bestandteil zum Frühstück, Mittag- und Abendessen einplanen; Dosen in Tablettenboxen vorbereiten; auf phosphatarme Ernährung achten.
Morgens vs. Abends – Einnahmezeitpunkt
- Morgens: Besonders effektiv, wenn das Frühstück eiweißreich (Milch, Käse, Wurst) ist.
- Abends: Sinnvoll bei phosphatreichem Abendessen (z.B. Fleischgerichte, Eier).
- Tipp: Die Einnahme sollte immer zusammen mit phosphathaltigen Mahlzeiten erfolgen; weniger relevant ist der Tageszeitpunkt, sondern der Zusammenhang mit der Mahlzeit.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Phoslo® sollte grundsätzlich immer zu oder direkt nach der Mahlzeit eingenommen werden.
- Andernfalls ist die Phosphatbindung unwirksam, da kein Phosphat aus der Nahrung verfügbar ist.
- Für die österreichische Küche (z.B. Fleisch, Wurst, Milchprodukte) besonders wichtig, da diese Lebensmittel oft viel Phosphat enthalten.
Wechselwirkungen & Warnhinweise
| Interaktionspartner | Hinweis/Empfehlung |
|---|---|
| Andere Calciumpräparate, Vitamin D | Erhöhtes Risiko für Hyperkalzämie; Blutwerte regelmäßig kontrollieren. |
| Antibiotika (Tetrazykline, Chinolone) | Calcium kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinträchtigen; Einnahme im Abstand von mindestens 2 Stunden. |
| Herzglykoside (z.B. Digoxin) | Erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen; ärztliche Rücksprache erforderlich. |
| Alkohol | Geringer Einfluss, aber übermäßiger Alkoholkonsum meiden. |
| Eisen-, Zink-, Magnesiumpräparate | Können in der Aufnahme gestört werden; Einnahme im Abstand von 2 Stunden. |
| Bestimmte Diuretika (Thiazide) | Kalziumspiegel können steigen; regelmäßige Kontrollen. |
| Lebensmittel (z.B. Käse, Milch, Cola) | Nahrungsmittel mit hohem Phosphat/Bioverfügbarkeit beeinträchtigen die Wirkung, bei starker Phosphataufnahme Dosisanpassung in Rücksprache mit dem Arzt. |
Indikationen
| Indikation | Status | Bemerkung |
|---|---|---|
| Hyperphosphatämie bei chronischer Niereninsuffizienz (Dialysepflichtig) | Zugelassen (offiziell) | Hauptanwendung, Standardtherapie |
| Hyperphosphatämie bei nicht-dialysepflichtigen Patienten | Off-label (ärztliche Einzelfallentscheidung) | Wenn phosphatarme Diät allein nicht ausreicht |
| Prävention von sekundärem Hyperparathyreoidismus | Off-label | Nur unter strenger Kontrolle |
Dosierungstabellen nach klinischer Indikation
| Patientengruppe | Empfohlene Anfangsdosis | Maximale Tagesdosis | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (bei Dialysepflicht) | 2 Tabletten à 667 mg zu jeder Hauptmahlzeit | Bis zu 12 Tabletten pro Tag | Anpassung an Serumphosphatwerte |
| Kinder ab 6 Jahren | Entsprechend Körpergewicht, meist 1 Tablette à 667 mg pro 10 kg KG/Tag | Individuelle Höchstdosis, max. 8 Tabletten/Tag | Strenge ärztliche Kontrolle |
| Ältere Patienten (≥65 Jahre) | Wie Erwachsene, aber engmaschige Überwachung | Wie Erwachsene | Höheres Risiko für Hyperkalzämie |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Sehr häufig (≥1/10): Hyperkalzämie (zu hohe Kalziumspiegel), Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Verstopfung)
- Häufig (≥1/100, <1/10): Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen
- Gelegentlich (≥1/1.000, <1/100): Appetitlosigkeit, Muskelschwäche, Juckreiz
- Selten (≥1/10.000, <1/1.000): Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszustände
- Warnhinweise: Regelmäßige Blutkontrollen (Phosphat, Kalzium); bei Symptomen wie starken Muskelschmerzen, Herzstolpern oder starker Müdigkeit sofort Arzt oder Notfallambulanz aufsuchen.
Empfehlungen zur richtigen Anwendung (apothekergestützt)
- Tabletten immer zu den Mahlzeiten einnehmen.
- Keine anderen Calciumpräparate ohne Rücksprache verwenden.
- Phosphat- und Kalziumwerte im Blut regelmäßig beim Arzt kontrollieren lassen.
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, falls ärztlich erlaubt.
- Tablettenteiler/Organizer können im Alltag unterstützen.
- Auf phosphatarme und ausgewogene Ernährung achten (keine Cola, wenig Wurst, Schmelzkäse, Fertiggerichte vermeiden).
Alternative Therapieoptionen (Kassenleistung/NFZ, Vergleich)
- Kalziumfreie Phosphatbinder:
- Sevelamer (Renvela®): Für Patienten mit Hyperkalzämie-Risiko, erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Probleme, teurer, aber Kassenleistung in AT.
- Lanthanumcarbonat (Fosrenol®): Ebenfalls calciumfrei, für spezielle Patientengruppen, Kassenleistung bei entsprechender Indikation.
- Aluminiumhydroxid: Veraltet aufgrund von Nebenwirkungsrisiken (Enzephalopathie, Osteomalazie); wird heute kaum noch verwendet.
- Diätetische Maßnahmen: Phosphatreduzierte Ernährung, individuelle Ernährungsberatung empfohlen.
Rechtliche, Registrierungs- und Erstattungsinformationen in Österreich
- Registrierung: Österreichische Arzneimittelagentur AGES/BASG.
- Erstattungsstatus: Phoslo® und Generika sind von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) bei entsprechender Indikation erstattungsfähig.
- Rezeptpflicht: Verschreibungspflichtig gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz.
- Apothekenpflicht: Nur in öffentlichen Apotheken erhältlich.
- Kennzeichnung: CE-gekennzeichnet für medizinische Anwendungen bei chronischer Niereninsuffizienz.
Aktuelle Forschung und klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Deutsche und internationale Leitlinien (KDIGO, DGFN, ÖGN 2022/2024): Calciumacetat weiterhin als Erstlinientherapie für Phosphatkontrolle empfohlen, solange keine Hyperkalzämie vorliegt.
- Studienlage (2023/2024): Mehrere Metaanalysen zeigen gleichwertige Wirksamkeit von Calciumacetat und Sevelamer, wobei bei erhöhtem Kalziumspiegel Sevelamer vorzuziehen ist.
Quellen: KDIGO Clinical Practice Guideline 2022, Deutsche Gesellschaft für Nephrologie 2023, Fresenius Medical Care Studienübersicht 2023. - Langzeiterfahrungen zeigen: Gute Verträglichkeit, jedoch gesteigertes Hyperkalzämierisiko bei nicht-angemessener Überwachung. Regelmäßige Blutwerte essenziell!
Verfügbarkeit und Lieferung
| Packungsgröße | Stückzahl | Richtpreis (Stand 06/2024)* | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz/Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleine Packung | 100 Tabletten | ca. 34–38 EUR | 24h-Lieferservice | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Große Packung | 180 Tabletten | ca. 60–65 EUR | 24h-Lieferservice | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
*Preise können je nach Apotheke und Erstattungsstatus variieren. Bei medizinischer Notwendigkeit Erstattung durch ÖGK/NFZ.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen zu Phoslo®
- Wie nehme ich Phoslo® am besten ein?
Immer während oder direkt nach den Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit. Die Einnahme sollte zu jeder phosphatreichen Hauptmahlzeit erfolgen – Ihr Arzt bestimmt die genaue Dosierung. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis bis maximal 1-2 Stunden nach der Mahlzeit ein. Niemals die doppelte Dosis beim nächsten Mal nachholen. - Muss ich meine Ernährung anpassen?
Ja, eine phosphatarme und ausgewogene Ernährung im Einklang mit Ihrem Ernährungsteam oder Nephrologen ist wichtig. Reduzieren Sie industrielle Fertigprodukte, Cola, Wurstwaren und schmelzfähigen Käse. - Welche Blutwerte müssen kontrolliert werden?
Vor allem Serumphosphat und Serumkalzium, regelmäßig durch den behandelnden Arzt. Auch Parathormon kann überprüft werden. - Kann ich Phoslo® gemeinsam mit anderen Medikamenten einnehmen?
Nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker, da Wechselwirkungen mit mehreren Arzneimitteln (z.B. Antibiotika, Vitamin D, Eisenpräparate) auftreten können.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Ihren Apotheker. Diese Information ersetzt nicht das ärztliche Beratungsgespräch.

