Biaxin® (Clarithromycin): Umfassende Information für Patient:innen in Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Clarithromycin |
| Handelsnamen in Österreich | Biaxin®, Klacid®, Clarithromycin Generika |
| ATC-Code | J01FA09 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Filmtabletten (250 mg, 500 mg), Granulat zur Herstellung einer Suspension (125 mg/5 ml, 250 mg/5 ml) |
| Hersteller (AT) | AbbVie, Sandoz, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus (Österreich) | Rezeptpflichtig (Rx): Abgabe nur gegen ärztliche Verschreibung |
Wirkmechanismus
Für Laien: Clarithromycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide. Es bekämpft Bakterien, indem es deren Eiweißproduktion hemmt – dadurch sterben die Bakterien ab oder ihre Vermehrung wird gestoppt. Es hilft gegen verschiedene Infektionen im Körper, wie etwa der Atemwege, der Haut sowie Magenerkrankungen durch Helicobacter pylori.
Für Fachpersonen: Clarithromycin bindet reversibel an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen, hemmt die Translokation von Peptidyl-tRNA und blockiert so die bakterielle Proteinbiosynthese. Es wirkt bakteriostatisch, bei erhöhten Konzentrationen auch bakterizid gegen empfindliche Stämme.
Pharmakokinetik
- Absorption: Nach oraler Gabe wird Clarithromycin rasch und gut resorbiert. Die Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 55% und wird durch Nahrung minimal erhöht.
- Metabolisierung: Überwiegend hepatisch über CYP3A4 zu aktivem Metaboliten (14-Hydroxyclarithromycin).
- Elimination: Hauptsächlich über Leber und Galle, zu einem kleineren Teil renal (Urin).
- Wirkdauer: Ca. 6–8 Stunden (Terminale Halbwertszeit).
Einsatz im Alltag & Praktische Hinweise
Typische Dosierungen:
Erwachsene erhalten häufig 250 mg bis 500 mg alle 12 Stunden über einen Zeitraum von 7–14 Tagen. Kinder bekommen alters- und gewichtskonforme Dosierungen, meist als Suspension.
- Die Filmtabletten werden mit Wasser geschluckt, Suspensionen vor Gebrauch gut schütteln und mit beiliegendem Messlöffel dosieren.
- Tabletten unzerkaut einnehmen. Bei Schluckbeschwerden ggf. Suspension nutzen.
- Dosis nicht eigenmächtig verändern oder vorzeitig absetzen – immer Rücksprache mit dem Arzt halten.
Einnahme morgens vs. abends
- Vorteil der Einnahme morgens: Erleichtert die Kontrolle der Abstände zwischen den Dosen (z. B. 8:00 Uhr und 20:00 Uhr).
- Vorteil der abendlichen Einnahme: Minimiert gewisse Nebenwirkungen wie Übelkeit direkt vor dem Schlafen.
- Tipp: Die Einnahme sollte immer regelmäßig und möglichst zur selben Zeit erfolgen, um eine gleichmäßige Wirkstoffkonzentration zu gewährleisten.
Mit oder ohne Nahrung?
- Clarithromycin kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden. Die Wirkung wird dadurch kaum beeinträchtigt.
- Empfehlung im österreichischen Alltag: Einnahme während oder nach einer Mahlzeit (z. B. Frühstück oder Abendessen) kann Magenbeschwerden vorbeugen.
- Einnahme mit Milch, Joghurt oder anderen Milchprodukten ist unproblematisch.
- Auf sehr fetthaltige Speisen sollte verzichtet werden, da diese Magenreizungen fördern können.
Wechselwirkungen (Interaktionen)
| Interaktionspartner | Empfohlene Vorsichtsmaßnahme |
| Bestimmte Cholesterinsenker (Statine: Simvastatin, Atorvastatin) | Statinpause oder Alternativen bevorzugen, da Muskelschäden möglich sind |
| Antikoagulantien (z. B. Warfarin) | Gerinnungswerte engmaschig kontrollieren |
| Aminosäureglykoside (Gentamicin) | Kombination möglichst vermeiden |
| Alkohol | Möglichst meiden; erhöht das Risiko für Nebenwirkungen |
| Andere Makrolid-Antibiotika | Doppelte Gabe vermeiden |
| Lebensmittel: Grapefruit(-saft) | Kann Plasmaspiegel erhöhen – meiden |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Offizielle Zulassungen | Off-Label-Einsatz |
- Akute Bronchitis, Pneumonie
- Sinusitis, Pharyngitis, Tonsillitis
- Haut- und Weichteilinfektionen
- Helicobacter pylori – Eradikation (Triple-Therapie)
- Otitis media
| - Mycobacterium-avium-Komplex (bei Immunschwäche)
- Rarere Infektionen (nach Empfehlung der Infektiologie)
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Dosierungsempfehlungen nach Indikation und Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Kinder | Ältere Patienten |
| Atemwegsinfektionen | 250–500 mg alle 12 h (7–14 Tage) | 7,5 mg/kg KG alle 12 h (max. 500 mg/12 h) | Wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz |
| Helicobacter pylori | 500 mg alle 12 h + Begleitmedikation (7–14 Tage) | Richtwert wie Erwachsene ab etwa 30 kg KG | Wie Erwachsene |
| Hautinfektionen | 250 mg alle 12 h (7–14 Tage) | Wie oben | Wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil / Nebenwirkungen
| Häufige Nebenwirkungen | Seltene Nebenwirkungen | Warnhinweise |
- Übelkeit, Durchfall
- Geschmacksveränderungen
- Mundtrockenheit
- Abdominalschmerzen
| - Leberfunktionsstörungen
- Verlängerung des QT-Intervalls
- Allergische Reaktionen (Hautausschlag, Juckreiz)
- Pseudomembranöse Kolitis
| - Nicht bei bekannter Makrolid-Überempfindlichkeit anwenden
- Regelmäßige Kontrolle bei Leber- oder Niereninsuffizienz
- Sofort Arzt informieren bei Hautausschlag, Fieber, Gelbsucht oder Herzbeschwerden
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Richtlinien zur richtigen Anwendung (Apotheker- & Klinik-Tipps für Österreich)
- Packungsbeilage sorgfältig lesen und ärztliche/anamnestische Vorgaben beachten.
- Bei Therapiebeginn auf Allergien oder Vorerkrankungen hinweisen.
- Keine Dosis auslassen; falls vergessen: möglichst bald nachholen, aber niemals doppelt nehmen.
- Sind nach Einnahme starke Nebenwirkungen zu beobachten, unverzüglich Kontakt mit Arzt/Ärztin aufnehmen.
- Antibiotika nie an andere weitergeben oder übrig gebliebene Tabletten aufbewahren!
- Nicht mit Grapefruitsaft einnehmen.
Alternativen & Vergleich (Erstattung durch OeGK – frühere Hauptverband/NFZ)
- Azithromycin: Ähnliche Wirksamkeit, längere Halbwertszeit (tägliche Einnahme), gut verträglich, aber höhere Resistenzraten bei manchen Erregern.
- Erythromycin: Altes Makrolid; mehr Magen-Darm-Nebenwirkungen und häufiger Dosierung.
- Amoxicillin (± Clavulansäure): Penicillin-Antibiotikum, erste Wahl bei vielen Indikationen, falls keine Allergie.
- Doxycyclin: Tetrazyklin-Antibiotikum; gute Alternative bei vielen Infektionen, aber nicht für Kinder <8 Jahre geeignet.
Fazit: Die Auswahl richtet sich nach Resistenzlage, Unverträglichkeit und Indikation. Biaxin®/Clarithromycin wird von der OeGK/nfZ bei entsprechender medizinischer Indikation erstattet.
Recht, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: In Österreich von der AGES/MAG/BASG zugelassen.
- Verordnung: Nur auf ärztliches Rezept, Dokumentation in der E-Medikation empfohlen.
- Erstattung: Im Rahmen der Grünen Box von OeGK/nfZ bei entsprechender Diagnose. Aufzahlungsfreie Generika erhältlich.
- Apothekenpflichtig: Keine Abgabe ohne Beratung durch die Apotheke.
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Die aktuellen Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten (ÖGInf) und der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) betrachten Clarithromycin weiterhin als Mittel der Wahl bei bestimmten Atemwegs- und Hautinfektionen sowie bei Helicobacter pylori-Infektionen (Leitlinien 2023).
- Weltweit zunehmend problematisch sind steigende Resistenzraten, vor allem bei ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen. Die Kombinationstherapie und rationale Antibiotikavergabe bleiben zentrale Empfehlungen (Kresken et al., 2022, European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases).
- Laut Studien (2024, Universitätsklinikum Wien) bleibt Clarithromycin in der H. pylori-Eradikation sinnvoll, sofern keine Resistenz vorliegt.
- Der routinemäßige Einsatz bei unkomplizierten Infekten ohne bakteriellen Nachweis wird in aktuellen Fachpublikationen ausdrücklich abgelehnt (Robert Koch-Institut – RKI-Report 2025).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Lieferzeiten in Österreich
| Packungsgröße | Inhalt | Ungefähre Preise* | Lieferzeit (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) |
| Kleinpackung | 14 Tabletten à 500 mg | € 21,– (Generikum: ab € 14,–) | Wien: 1 Tag, Graz/Linz: 1–2 Tage, Salzburg/Innsbruck: 2 Tage |
| Suspension | 70 ml (125mg/5ml) | € 16,– | Wie oben |
| Großpackung | 28 Tabletten à 500 mg | € 36,– | Wie oben |
*Preisangaben ohne Gewähr. Erstattung durch OeGK/KFA/PVA meist möglich. FAQ – Häufige Patientenfragen
- Muss ich die Tabletten wirklich immer ganz aufbrauchen?
Ja, auch wenn Sie sich früher besser fühlen, ist es wichtig, die Behandlung wie verordnet fertigzustellen, um Resistenzbildung zu verhindern. - Was mache ich, wenn ich eine Dosis vergesse?
Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein. Liegt bereits der Zeitpunkt für die nächste Dosis nahe, lassen Sie die vergessene Dosis aus – niemals zwei Dosen auf einmal nehmen. - Kann ich während der Einnahme Alkohol trinken?
Es wird empfohlen, auf Alkohol zu verzichten, da Nebenwirkungen wie Leberbelastungen verstärkt werden können. - Sind Wechselwirkungen mit Pollen-/Allergietabletten möglich?
In der Regel nicht, dennoch sollten Sie vorab mit Apotheke oder Arzt Rücksprache halten und alle eingenommenen Medikamente angeben. - Darf ich Clarithromycin einnehmen, wenn ich schwanger bin oder stille?
Die Einnahme ist in der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch Ihre Ärztin/Ihren Arzt erlaubt.