Floxin (Ofloxacin) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Basisinformationen zum Arzneimittel
| Internationaler Freiname (INN) | Ofloxacin |
|---|---|
| Markenname in Österreich | Floxin®, Tarivid® (klassisch), diverse Generika |
| ATC-Code | J01MA01 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken | Filmtabletten (200 mg, 400 mg), Infusionslösung (200 mg/100 ml), Augentropfen (3 mg/ml), seltener als Ohrentropfen |
| Hersteller | Sanofi, Zentiva, Generika-Hersteller |
| Rezeptpflicht | Verschreibungspflichtig (Rezeptpflicht nach österreichischem Arzneimittelgesetz) |
Wirkmechanismus von Ofloxacin
Ofloxacin gehört zur Gruppe der Fluorchinolon-Antibiotika. Es wirkt, indem es bestimmte bakterielle Enzyme (DNA-Gyrase und Topoisomerase IV) hemmt, die für die Vervielfältigung und Reparatur der bakteriellen DNA notwendig sind. Dadurch wird das Wachstum und die Ausbreitung von Bakterien gestoppt.
Für Fachkreise: Ofloxacin wirkt bakterizid, beeinflusst vor allem gramnegative und bestimmte grampositive Erreger (z. B. Escherichia coli, Staphylococcus aureus). Die Hemmung der DNA-Gyrase verhindert die Übertragung der bakteriellen Erbinformation und führt zum Zelltod.
Pharmakokinetische Eigenschaften
- Resorption: Nach oraler Gabe werden etwa 95% des Wirkstoffs aus dem unteren Dünndarm rasch und nahezu vollständig aufgenommen.
- Bioverfügbarkeit: ca. 98% (oral).
- Metabolismus: Gering, primär hepatisch; Hauptsubstanz bleibt Ofloxacin.
- Elimination: 75–80% über die Nieren (unverändert), geringe biliäre Ausscheidung.
- Halbwertszeit: ca. 4–6 Stunden, bei eingeschränkter Nierenfunktion länger.
- Wirkeintritt: Rasch, innerhalb weniger Stunden nach Einnahme.
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis
Floxin/Ofloxacin wird zur Behandlung bakterieller Infektionen verschrieben, bei denen andere Antibiotika nicht mehr ausreichend wirksam sind oder eine Resistenzproblematik besteht. Es ist wichtig, die Arzneimitteltherapie exakt wie verordnet zu beenden – auch wenn die Symptome bereits abklingen – um Rückfälle und Resistenzen vorzubeugen.
Typische Dosierung:
- Erwachsene meist 200 mg bis 400 mg 1- bis 2-mal täglich, je nach Infektion und ärztlicher Verordnung (z. B. unkomplizierte Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfekte, Haut- und Weichteilinfekte).
- Augentropfen: 1–2 Tropfen alle 2–4 Stunden in das betroffene Auge, je nach Schwere.
Morgens oder abends einnehmen?
Die Einnahmezeit richtet sich nach der individuellen Therapieplanung. Es ist generell wichtig, einen fixen Einnahmezeitpunkt einzuhalten, um gleichmäßige Wirkspiegel zu gewährleisten. Eine morgendliche Einnahme kann Wachsamkeit steigern – abends eingenommen, können selten Schlafstörungen auftreten.
Tipp: Einnahme morgens mit viel Wasser, am besten zur gleichen Uhrzeit. Bei 2-mal täglich Einnahme: Möglichst alle 12 Stunden.
Einnahme mit oder ohne Nahrung? (Österreichische Ernährungstipps)
Ofloxacin kann mit oder ohne Mahlzeiten eingenommen werden. Die Wirkung ist unabhängig von der Nahrungsaufnahme, aber schwere, kalziumreiche Speisen (z. B. Käse, Milchprodukte nach typisch österreichischen Frühstücksgewohnheiten oder beim Abendessen) können die Aufnahme vermindern.
Tipp: 2 Stunden vor oder nach dem Genuss großer Mengen Milch/Käse oder kalziumhaltigen Mineralwassers einnehmen.
Interaktionswarnungen: Wichtige Hinweise zu Nahrungsmitteln, Alkohol und Arzneimitteln
| Interaktionspartner | Risiko/Hinweis |
|---|---|
| Milchprodukte, Kalziumreiche Speisen | Verminderte Aufnahme – Abstand von 2 Stunden empfohlen |
| Antazida (Aluminium-/Magnesiumhaltig), Eisenpräparate, Zink | Binden Ofloxacin, Wirkung verringert – zeitlicher Abstand erforderlich |
| Alkohol | Keine direkte Wechselwirkung, aber erhöhte Nebenwirkungsempfindlichkeit möglich |
| Blutzuckersenkende Mittel (z.B. Insulin, Sulfonylharnstoffe) | Gefahr von Hypo- oder Hyperglykämie – Blutzuckerkontrolle verschärfen |
| Antikoagulantien (z.B. Warfarin) | Blutungsrisiko erhöht – regelmäßige Gerinnungskontrollen |
| Andere QT-verlängernde Medikamente | Gefahr Herzrhythmusstörungen – ärztliche Rücksprache |
Indikationen (Zulassung, Off-Label Einsatz)
| Indikation | Zugelassen (AT) | Off-label |
|---|---|---|
| Unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfektionen | ✔ | |
| Atemwegsinfektionen (Bronchitis, Lungenentzündung) | ✔ | |
| Haut- und Weichteilinfektionen | ✔ | |
| Gonorrhoe, Chlamydieninfektionen | ✔ | |
| Prostatitis (chronisch, bakteriell) | ✔ | |
| Auge: Bakterielle Konjunktivitis | ✔ | |
| Multiresistente Keime, Reserveantibiotikum | ✔ |
Dosierung bei verschiedenen Indikationen
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Harnwegsinfektion | 200–400 mg 2x tägl. (oral) | Keine Empfehlung – nur Ausnahmefälle | 200 mg 1-2x tägl.; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz |
| Atemwegsinfektion | 400 mg 2x tägl. (oral/IV) | Keine Empfehlung | Dosisreduktion möglich |
| Augeninfektionen | 1–2 Tropfen/4–6x tägl. | Wie Erwachsene möglich | Wie Erwachsene |
Nebenwirkungen, Sicherheit & Risiken
- Sehr häufig / Häufig: Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Hautausschläge, Reaktionen am Applikationsort (bei Tropfen)
- Gelegentlich: Juckreiz, Appetitlosigkeit, Unruhe, allergische Reaktionen
- Selten / Sehr selten: Sehnenentzündung/-riss (v. a. bei älteren Patienten), QT-Verlängerung (Herzrhythmusstörungen), Leberschädigung, Lichtempfindlichkeit, schwere Hypoglykämie, periphere Neuropathie
- Warnhinweise: Floxin/Ofloxacin sollte nicht während Schwangerschaft/Stillzeit oder bei Kindern (außer bei vitaler Indikation) angewendet werden. Vorsicht bei Herzerkrankungen, Epilepsie, eingeschränkter Nierenfunktion.
Richtige Anwendung: Tipps aus Apotheke und Klinik (speziell für Österreich)
- Immer exakt nach ärztlicher Verordnung einnehmen, kein vorzeitiger Abbruch.
- Ausreichend Flüssigkeit (Leitungswasser, Mineralwasser ohne hohen Kalziumgehalt) zur Tabletteneinnahme verwenden.
- Sonnenbäder, Solarium meiden – Lichtempfindlichkeit möglich, Sonnenschutz verwenden.
- Keine selbstständige Umstellung der Dosierung, auch bei Besserung der Beschwerden.
- Bei Nebenwirkungen: Unverzüglich Arzt/Klinik kontaktieren (v. a. Sehnenschmerzen, Arme-/Beinschwäche, Herzstolpern).
Alternative Therapien (NFZ-Erstattung, Vor- & Nachteile)
- Amoxicillin/Clavulansäure: Breites Wirkspektrum, weniger Probleme mit Sehnen/Nerven, aber Resistenz zunehmend.
- Nitrofurantoin: Spezialist für Harnwegsinfekte; nur bei Nierenfunktionseinschränkung nicht anwenden.
- Ciprofloxacin: Ähnliches Profil, jedoch geringfügig andere Wirkspektrum/Resistenzlage.
- Pivmecillinam, Fosfomycin: Häufig bei unkomplizierten Harnwegsinfekten, sehr gut verträglich.
- Doxycyclin, Makrolide: Vor allem bei atypischen Erregern in den Atemwegen oder Unverträglichkeit von Chinolonen.
Hinweis: Alle Alternativen sind ebenfalls rezeptpflichtig und werden unter Vorgaben der österreichischen Sozialversicherung (SV/ÖGK) erstattet.
Rechtslage, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: Floxin/Ofloxacin ist in Österreich durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) zugelassen.
- Verschreibung: Streng rezeptpflichtig, keine Selbstmedikation erlaubt.
- Erstattung: Aufnahme ins Erstattungskodex (EKO) für definierte Indikationen; Generika in Regelversorgung vergütet.
- Registrierung: Alle in Österreich angebotenen Präparate sind durch BASG geprüft und registriert.
Forschung & Aktuelle Leitlinien (Stand 2022–2025)
- Fluorchinolone (inkl. Ofloxacin) sind gemäß aktueller AWMF/Österreichischer Antibiotika-Leitlinien nur noch zweite Wahl, wegen seltener aber schwerer Nebenwirkungen. Sie sollen nur eingesetzt werden, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirksam sind oder Resistenzen vorliegen (AWMF-Leitlinie).
- Besondere Warnhinweise der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA, 2023) rücken potenzielle Muskel-/Sehnen- und Nervenschädigungen in den Fokus. Patienten müssen auf erste Warnzeichen geschult werden.
- Laut neuester Studienlage ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen bei Älteren und bei gleichzeitiger Kortison-Therapie erhöht (BMJ 2024).
- Ofloxacin-Augentropfen bleiben weiterhin Mittel der Wahl bei bakterieller Bindehautentzündung mit Nachweis sensibler Keime.
Verfügbarkeit & Lieferung (Preise, Verpackung, Versandzeiten)
| Packungsgröße | Form | Preis* (Stand 2024) | Lieferung Wien | Graz | Innsbruck | Linz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 10 Stk. | Tabletten 200 mg | ca. 18 € | 24 Std. | 24 Std. | 48 Std. | 48 Std. |
| 20 Stk. | Tabletten 400 mg | ca. 33 € | 24 Std. | 24 Std. | 48 Std. | 48 Std. |
| 5 ml | Augentropfen 3 mg/ml | ca. 13 € | 24 Std. | 24 Std. | 48 Std. | 48 Std. |
FAQ – Häufige Fragen zu Floxin (Ofloxacin)
- Kann ich Floxin bei Erkältungen oder Grippe einnehmen?
Nein, Floxin ist ein Antibiotikum und hilft nicht bei viralen Infekten wie Erkältung oder Grippe. Es sollte nur bei bakteriellen Infektionen und nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. - Muss ich Floxin/Ofloxacin zu den Mahlzeiten einnehmen?
Nein, Sie können die Tablette unabhängig von den Mahlzeiten einnehmen. Meiden Sie jedoch zeitgleiche Einnahme von Milchprodukten oder Kalziumpräparaten. - Was tun bei vergessener Einnahme?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sobald wie möglich ein. Ist es bald Zeit für die nächste, lassen Sie die vergessene aus – nie doppelt einnehmen! - Sind Alkohol und Floxin miteinander verträglich?
Alkohol kann die Nebenwirkungsrate erhöhen (z. B. Schwindel), ist aber nicht streng kontraindiziert. Halten Sie dennoch Maß – und informieren Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt über sonstige Medikamente. - Wann darf ich kein Ofloxacin einnehmen?
Bei Allergie gegen Fluorchinolone, bei Kindern/Jugendlichen (außer ärztlich indiziert), in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei bestehenden Sehnenproblemen oder schweren Herzrhythmusstörungen ist Floxin/Ofloxacin kontraindiziert.
Für weitere individuelle Beratung wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre österreichische Apotheke.

