Elavil® (Amitriptylin) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
- Wirkstoff (INN): Amitriptylin
- Handelsnamen in Österreich: Elavil®, Saroten®, Amitriptylin neuraxpharm®
- ATC-Code: N06AA09
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
- Filmtabletten: 10 mg, 25 mg, 50 mg, 75 mg, 100 mg
- Tropfen zum Einnehmen: 25 mg/ml
- Hersteller: diverse internationale und österreichische Unternehmen, u.a. neuraxpharm Austria, Teva, Sandoz
- Verschreibungsstatus: rezeptpflichtig (Rx), Abgabe nur gegen ärztliches Rezept ("grünes Rezept")
Wirkmechanismus
Einfach erklärt: Amitriptylin gehört zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva. Es wirkt im Gehirn, indem es die Konzentration bestimmter Botenstoffe (Serotonin und Noradrenalin) erhöht. Diese Stoffe beeinflussen unsere Stimmung, Schmerzempfindung und den Schlaf.
Für Spezialisten: Amitriptylin hemmt nicht-selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin an den präsynaptischen Neuronen. Zusätzlich blockiert es muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren, α1-adrenerge Rezeptoren sowie Histamin-H1-Rezeptoren, was viele der beobachteten Wirkungen und Nebenwirkungen erklärt.
Pharmakokinetik
| Eigenschaft | Beschreibung |
|---|---|
| Resorption | Gut (Bioverfügbarkeit ca. 30–60%), Wirkungseintritt nach 2–4 Stunden |
| Metabolisierung | In der Leber (CYP2D6, CYP2C19) zu Nortriptylin (aktiver Metabolit) |
| Elimination | Über die Nieren (Urinausscheidung), Halbwertszeit: 10–50 Stunden |
| Wirkdauer | Wirkeintritt nach 1–2 Wochen, anhaltende Wirkung bei regelmäßiger Einnahme |
Verwendung im Alltag & Anwendungstipps (Österreich-spezifisch)
- Typische Dosierung (Erwachsene): 25–75 mg pro Tag, bei schrittweiser Steigerung auf bis zu 150 mg. Die exakte Dosis legt der Facharzt fest, oft beginnend mit niedriger Dosis am Abend.
- Anwendung: Tabletten unzerkaut mit etwas Wasser einnehmen. Tropfen können mit etwas Wasser oder Saft verdünnt werden.
- Alltagstipp: Einnahme möglichst immer zur gleichen Zeit. Tablettenbox oder Erinnerungs-Apps können hilfreich sein.
- Begleitende Verhaltensmaßnahmen: Bei der Umstellung auf Amitriptylin, insbesondere die ersten Wochen, vorsichtshalber kein Auto fahren und keine Maschinen bedienen.
- Kostenübernahme: Amitriptylin-Präparate sind erstattungsfähig (SV, Privatversicherung) gemäß Österreichischer Heilmittelverordnung.
Einnahme morgens oder abends?
- Morgens: Nur auf Anweisung des Arztes, da müdigkeitsfördernde Wirkung.
- Abends: Generell empfohlen, da die sedierende Wirkung den Schlaf fördern kann.
- Tipp: Einnahme idealerweise 1–2 Stunden vor dem Schlafengehen zur Vermeidung von Tagesmüdigkeit. Bei Split-Dose (z.B. chronischer Schmerz) Einnahme nach Anleitung des Arztes.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Amitriptylin kann unabhängig von den Mahlzeiten genommen werden.
- Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach dem Essen, um Magenbeschwerden zu vermeiden.
- Wirkung und Aufnahme werden durch typische österreichische Mahlzeiten (z.B. Brotmahlzeiten, Obst, Milchprodukte) nicht beeinträchtigt.
Wechselwirkungen
Bitte achten Sie besonders auf folgende Wechselwirkungen:
| Substanz/Gruppe | Empfehlung/Hinweise |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkt sedierende Wirkung, erhöht Unfallrisiko. Alkoholkonsum minimieren. |
| MAO-Hemmer | Kombination kontraindiziert, erst mind. 2 Wochen Abstand halten. |
| Andere Psychopharmaka | Kombination mit SSRIs/SNRIs kann Risiko für Serotonin-Syndrom erhöhen. |
| Antihistaminika, Anticholinergika | Verstärkte Nebenwirkungen (z.B. Mundtrockenheit, Obstipation). |
| Grüner Tee, Johanniskraut | Kräuterpräparate können Stoffwechsel beeinflussen, Dosisanpassung möglich. |
| Herzglykoside, Antiarrhythmika | Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme, engmaschige Überwachung empfohlen. |
| CYP2D6-Inhibitoren (z.B. Paroxetin) | Können Plasmaspiegel erhöhen – ggf. Dosisanpassung nötig. |
Indikationen (zugelassen und Off-Label)
| Indikation | Zulassungsstatus |
|---|---|
| Depressive Episoden | Zugelassen (erstattet) |
| Chronische Schmerzen (z.B. neuropathische Schmerzen, Fibromyalgie) | Off-Label/Empfohlen gem. Leitlinien |
| Prävention von Migräne | Off-Label, anerkannter Standard |
| Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen, Kinder ab 6 J.) | Off-Label, bei Therapieresistenz |
| Angststörungen, Schlafstörungen | Off-Label, individuelle Therapieentscheidung |
Dosierung nach Indikation und Altersgruppe
| Indikation/Gruppe | Initialdosis | Erhaltungsdosis | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Erwachsene (Depression) | 25–50 mg/Abend | 75–150 mg/Tag | 200 mg/Tag* |
| Erwachsene (Schmerz/Migräne) | 10–25 mg/Abend | 25–75 mg/Tag | 100 mg/Tag |
| Kinder (Enuresis nocturna, ab 6 J.) | 10 mg/Abend | 10–20 mg/Tag | 20 mg/Tag |
| Ältere Patienten (>65 Jahre) | 10–25 mg/Abend | 25–50 mg/Tag | 75 mg/Tag |
* Nur auf spezialärztliche Anordnung.
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen:- Müdigkeit, Benommenheit
- Mundtrockenheit, Obstipation (Verstopfung)
- Schwitzen, Gewichtszunahme
- Kurzatmigkeit, Schwindel
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Herzrhythmusstörungen (bes. bei vorgeschädigtem Herzen)
- Krampfanfälle
- Agranulozytose (Blutbildveränderung)
- Augendrucksteigerung bei Engwinkelglaukom
- QT-Verlängerung: Kontrolle bei Herzpatienten vor und während der Therapie
- Suizidgedanken: Wachsamkeit insbesondere in der Frühphase
- Leberinsuffizienz: Dosisreduktion erforderlich
- Sturzgefahr bei älteren Menschen
- Keine gleichzeitige Anwendung mit MAO-Hemmern!
Empfohlene Anwendung (Tipps aus der Apotheke & Klinik)
- Regelmäßige Einnahme ist entscheidend, auch wenn es Ihnen bessergeht.
- Nie abrupt absetzen – immer langsam ausschleichen, um Absetzsymptome zu vermeiden.
- Regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt einhalten (Blutbild, EKG, Leberwerte).
- Achten Sie auf Ihre Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffreiche Ernährung, um Verdauungsstörungen zu vermeiden.
- Alkohol konsequent meiden, besonders in der Einstellungsphase.
Alternativen (über die Sozialversicherung - ÖGK erstattet)
- Andere trizyklische Antidepressiva: Doxepin, Clomipramin
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRIs): Sertralin, Escitalopram
- Sedierende Antidepressiva: Mirtazapin
- Spezifisch für chronische Schmerzen: Duloxetin (SNRI), Pregabalin (nicht-antidepressiv)
Im Vergleich:
Trizyklika wie Amitriptylin sind etablierter Standard bei Chronifizierung und Komorbiditäten (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen). SSRIs sind bei depressiven Episoden meist besser verträglich, haben jedoch weniger sedierende Effekte. Duloxetin eignet sich besonders für neuropathische Schmerzsyndrome.
Rechtlicher Status, Registrierung und Erstattung in Österreich
- Zulassung: Österreichische Zulassung gemäß BASG (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen)
- Verschreibungspflicht: Ja – rezeptpflichtiges Arzneimittel nach AMG (§ 57 Arzneimittelgesetz)
- Erstattung: Aufnahme im EKO (Erstattungskodex) der ÖGK & Privatkassen (Apothekenpflicht)
- Abgabe: Nur in öffentlichen Apotheken/Online-Apotheken mit ärztlicher Verschreibung
Neueste Forschung und Leitlinien (2022–2025)
- Österreichische und europäische Leitlinien empfehlen Amitriptylin weiterhin zur Behandlung therapieresistenter Depressionen und chronischer Schmerzen (Koller et al., Wiener klinische Wochenschrift 2023).
- Deutsche S3-Leitlinie (2023, DGPPN): Amitriptylin als Mittel der ersten Wahl bei neuropathischen Schmerzen und chronischen Schmerzzuständen trotz Off-Label-Status.
- Aktuelle Studien bestätigen die Wirksamkeit niedrig dosierter Amitriptylin-Gaben zur Migräneprophylaxe (z.B. CBO-Studie 2024, Dtsch Arztebl Int).
Verfügbarkeit & Lieferung in Österreich
| Packs./Stärken | Apotheken-Üblich | Preis (Stand 2024)* | Lieferzeit |
|---|---|---|---|
| 50 Tabletten à 25 mg | Ja | ab ca. 23,40 € | Wien: 1 Werktag, Graz: 1–2 Werktage, Linz: 1–2 Werktage, Innsbruck: 2 Werktage |
| 100 Tabletten à 50 mg | Ja | ab ca. 41,70 € | Wien: 1 Werktag, Graz: 1–2 Werktage, Linz: 1–2 Werktage, Innsbruck: 2 Werktage |
| Flasche Tropfen (100 ml, 25 mg/ml) | Ja | ab ca. 28,90 € | Wien: 1 Werktag, andere Städte: 2 Werktage |
* Preise können je nach Hersteller und Apotheke geringfügig abweichen.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wann merke ich eine Wirkung?
Erste Verbesserungen bei Schmerzen oder Schlaf treten oft nach einigen Tagen auf, die antidepressive Wirkung kann 1–3 Wochen benötigen. Geduld ist wichtig! - Darf ich Amitriptylin mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen kombinieren?
Ja, diese sind im Regelfall unproblematisch kombinierbar. Bei regelmäßiger Einnahme anderer Medikamente Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker halten. - Kann Amitriptylin abhängig machen?
Nein, es besteht kein Suchtpotenzial. Allerdings können beim plötzlichen Absetzen Absetzsymptome auftreten. Immer langsam ausschleichen. - Wie lange darf ich Amitriptylin nehmen?
Die Einnahmedauer wird individuell festgelegt. Viele Patienten nutzen Amitriptylin mehrere Monate bis Jahre, besonders bei chronischen Schmerzen oder als Migräneprophylaxe. - Kann ich mit Amitriptylin Auto fahren?
Zu Beginn und bei Dosiserhöhung kann die Aufmerksamkeit eingeschränkt sein. In der gewohnten Dosis (nach Einstellung) und guter Verträglichkeit ist Autofahren nach ärztlicher Rücksprache meist erlaubt.
Die Informationen ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Apotheke.

