Zyloprim (Allopurinol): Umfassende Patienteninformation für Österreich
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Allopurinol |
|---|---|
| Handelsnamen in Österreich | Zyloprim®, Milurit®, Allopurinol Generika |
| ATC-Code | M04AA01 |
| Erhältliche Darreichungsformen & Stärken | Tabletten: 100 mg, 300 mg |
| Hersteller | GlaxoSmithKline, Teva, Sandoz, diverse Generikaanbieter |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (Rp.) – erhältlich nur auf ärztliche Verschreibung |
Wirkmechanismus
Für Laien: Allopurinol senkt die Harnsäurespiegel im Blut. Bei Krankheiten wie Gicht kann sich im Körper zu viel Harnsäure ansammeln, was zu Schmerzen und Entzündungen führt. Allopurinol blockiert ein Enzym (Xanthinoxidase), das die Bildung von Harnsäure aus Purinen fördert. Dadurch wird die Harnsäureproduktion reduziert, das Risiko von Gichtanfällen und Nierenproblemen sinkt.
Für Fachkräfte: Allopurinol ist ein kompetitiver Hemmer des Enzyms Xanthinoxidase und führt so zu einer Verringerung der Umwandlung von Hypoxanthin bzw. Xanthin zu Harnsäure. Dies senkt die Harnsäurekonzentration im Plasma und Urin und erhöht die Löslichkeit der Purine.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Verabreichung wird Allopurinol rasch aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen (ca. 90%).
- Metabolisierung: Der Wirkstoff wird in der Leber hauptsächlich zu Oxipurinol umgewandelt, das ebenfalls wirksam ist.
- Elimination: Überwiegend renal ausgeschieden (vorwiegend als Oxipurinol).
- Wirkdauer: Die Halbwertszeit von Oxipurinol beträgt ca. 14–30 Stunden, was eine einmal tägliche Einnahme ermöglicht.
Anwendung im Alltag & praktische Hinweise
Die Dosierung und Einnahme von Allopurinol wird individuell vom Arzt festgelegt. In der Regel beginnt man mit niedrigen Dosen (z. B. 100 mg/Tag), die schrittweise bis zur optimalen Erhaltungsdosis (meist zwischen 100–300 mg/Tag, selten bis zu 600 mg/Tag) gesteigert werden. Eine regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit verbessert den Therapieerfolg und minimiert das Risiko von Nebenwirkungen sowie Gichtanfällen.
- Lassen Sie sich die Tabletteneinnahme vom Arzt oder Apotheker genau erklären.
- Verwenden Sie bei Schluckbeschwerden ggf. Tablettenteiler, falls Tabletten teilbar sind (Packungshinweis beachten).
- Nicht abrupt absetzen – Rücksprache mit Ihrem Arzt bei Therapieänderungen oder -unterbrechungen!
- Während der Behandlung: Regelmäßige Laborkontrollen (Harnsäurewerte, Nierenfunktion).
Morgens oder abends einnehmen?
Vorteile der morgendlichen Einnahme:
- Erleichtert die Einhaltung eines regelmäßigen Einnahmeplans.
- Vermindertes Risiko nächtlicher Magenbeschwerden.
- Manche Patienten berichten abends über bessere Verträglichkeit beim Einschlafen.
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
Allopurinol kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Wer zu Magenbeschwerden neigt, sollte die Tablette nach dem Essen mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. ein Glas Wasser) einnehmen.
In der österreichischen Alltagskost (purinreiche Speisen wie Innereien, Wurst, Hülsenfrüchte, Bier) sollte auf die Reduktion solcher Lebensmittel geachtet werden, um die Behandlung zu unterstützen. Alkohol (besonders Bier) kann die Wirkung von Allopurinol mindern und Gichtanfälle begünstigen.
Wechselwirkungen
Einige Substanzen und Nahrungsmittel können die Wirkung von Allopurinol beeinflussen oder das Nebenwirkungsrisiko erhöhen. Bitte informieren Sie Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen.
| Interaktionspartner | Wirkung |
|---|---|
| Azathioprin, 6-Mercaptopurin | Verstärkte Wirkung – Dosisanpassung erforderlich. |
| Thiazid-Diuretika (z. B. Hydrochlorothiazid) | Erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen. |
| Antikoagulanzien (z. B. Warfarin) | Verstärkte Wirkung – Gerinnungswerte häufiger kontrollieren! |
| Aluminiumhydroxid (Antazida) | Abstand von mind. 3 Stunden zur Einnahme halten. |
| Alkohol | Schwächt Wirkung ab und begünstigt Gichtanfälle – möglichst meiden! |
Indikationen für die Anwendung
| Indikation | Zulassungssituation |
|---|---|
| Gicht (Urikämietherapie) | Offiziell zugelassen |
| Harnsäurenephropathie | Offiziell zugelassen |
| Harnsteine (Calciumoxalatsteine bei Hyperurikosurie) | Offiziell zugelassen |
| Hyperurikämie bei Tumorlysesyndrom (z. B. Chemotherapie) | Offiziell zugelassen |
| Andere (off-label: z. B. Leischropfschäden durch Purinstoffwechselstörungen) | Nach individueller ärztlicher Abwägung |
Dosierung nach klinischer Indikation
| Patientengruppe | Übliche Dosierung | Dosisanpassung |
|---|---|---|
| Erwachsene (Gicht, Hyperurikämie) | 100–300 mg/Tag, max. 600 mg/Tag (in mehreren Einzeldosen) | Bei Niereninsuffizienz Max. Tagesdosis 100 mg oder längere Einnahmeintervalle |
| Ältere Patienten (>65 Jahre) | S. Erwachsene | Niedrigere Anfangsdosis, sorgfältige Dosisanpassung |
| Kinder (selten, z. B. bei angeborenen Stoffwechselstörungen) | 10 mg/kg/Tag, meist 100–400 mg/Tag, aufgeteilt | NUR auf spezialisierte Verschreibung! |
Hinweis: Plötzliche Dosissteigerungen vermeiden – sie können Gichtanfälle provozieren!
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Beispiele für Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig / Häufig | Hautausschlag, Durchfall, Übelkeit, Anstieg der Leberwerte, Kopfschmerzen |
| Gelegentlich | Erhöhte Temperatur, Juckreiz, Magenbeschwerden |
| Selten / Sehr selten | Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen inklusive Stevens-Johnson-Syndrom, Knochenmarkdepression, Nierenfunktionsstörung |
- Hautausschläge oder allergische Symptome sofort ärztlich abklären lassen!
- Regelmäßige Laborchecks (Niere, Leber, Blutbild) empfohlen.
- Alte Menschen und Patienten mit Niereninsuffizienz sind besonders gefährdet für Nebenwirkungen.
Praxistipps & richtige Anwendung
- Empfohlene Trinkmenge: Mind. 1,5–2 Liter Wasser pro Tag (Ausnahme: schwere Herz-/Niereninsuffizienz).
- Purinarme Ernährung: Vermeiden Sie Innereien, Meeresfrüchte, rote Wurstwaren, Alkohol, besonders Bier.
- Kein kurzfristiges Absetzen bei Gichtschub – Arzt kontaktieren!
- Folgerezept rechtzeitig anfordern – chronische Erkrankung!
- Lagern Sie das Arzneimittel außerhalb der Reichweite von Kindern, trocken und nicht über 25°C.
Alternative Behandlungsoptionen (Erstattung durch das österreichische Gesundheitssystem)
- Febuxostat (Adenuric®): Alternative bei Unverträglichkeit von Allopurinol oder ungenügender Wirksamkeit; teurer, sollte bei Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
- Probenecid: Uricosurikum, zur Förderung der Harnsäureausscheidung; weniger gebräuchlich und eher bei jüngeren Patienten mit intakter Nierenfunktion.
- Lesinurad (Duzallo®): Option bei ungenügender Senkung der Harnsäure; meist als Kombinationspräparat – limitiert erstattungsfähig.
- Nichtmedikamentöse Maßnahmen: Diätetische Purinreduktion, Gewichtsabnahme, ausreichende Flüssigkeitszufuhr. In Österreich sind beratende Ernährungsangebote erhältlich (Krankenkasse).
Vorteile von Allopurinol: Lange erprobtes Medikament, breite Erfahrung, günstig und von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) regulär erstattungsfähig bei korrekter Indikation.
Rechtlicher Status, Zulassung & Erstattung in Österreich
- Zulassung: Zentrales Arzneimittelregister des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES).
- Verschreibung: Nur auf Rezept nach ärztlicher Begutachtung.
- Erstattung: Kassenleistung (z. B. ÖGK, BVAEB, SVS) für die zugelassenen Indikationen, Details siehe Erstattungskodex EKO.
- Apothekenpflicht: Nur in öffentlichen Apotheken erhältlich.
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (2023): Allopurinol bleibt Mittel der ersten Wahl bei chronischer Gicht, Dosistitration individuell nach Nierenfunktion.
- Metaanalysen bis 2024 zeigen: Frühzeitiger Therapiebeginn schützt besser vor Gichtfolgen als verzögerte Einleitung.
- Febuxostat nur bei Unverträglichkeit für Allopurinol oder bei Niereninsuffizienz mit Vorsicht indiziert; potenzielles Risiko für kardiovaskuläre Nebenwirkungen wird weiter untersucht (DGRh, ÖGR).
- Quellen: DGRh-Leitlinie 2023, ÖGR-Positionen, EMA-Produktsicherheitsberichte 2024.
Erhältlichkeit, Packungsgrößen & beispielhafte Preise
| Packungsgröße | Beispielhafter Apothekenpreis* | Beliebte Städte (typische Lieferzeit, vor Ort Abholung) |
|---|---|---|
| 100 mg, 50 Tabletten | ca. € 13,50 | Wien (1 Werktag), Graz (1–2 Werktage), Linz (1 Werktag) |
| 300 mg, 50 Tabletten | ca. € 22,50 | Salzburg (1–2 Werktage), Innsbruck (1 Werktag) |
| 100 mg, 100 Tabletten | ca. € 22,90 | St. Pölten (1–2 Werktage), Villach (2 Werktage) |
*Preise bündeln Apothekendurchschnittswerte, Stand Anfang 2024. Erstattungsfähige Produkte – Selbstbehalt bei Kassenpatienten möglich. Für genaue Verfügbarkeit: Nachfrage in Ihrer Apotheke vor Ort oder Onlineapotheke Österreich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Wie lange muss ich Allopurinol einnehmen?
Für die meisten Patienten mit Gicht handelt es sich um eine lebenslange Therapie. Die regelmäßige Einnahme ist entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden. Änderungen bitte immer mit dem Arzt abstimmen. - Kann ich während der Behandlung Alkohol trinken?
Alkohol – vor allem Bier – wirkt sich ungünstig aus. Es wird generell empfohlen, Alkoholkonsum möglichst zu vermeiden, um Gichtanfälle und Nebenwirkungen vorzubeugen. - Muss ich die Ernährung zusätzlich anpassen?
Ja, eine purinarme, gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeit (1,5–2 Liter Wasser pro Tag) unterstützen die Wirkung von Allopurinol und reduzieren das Risiko von Gichtanfällen erheblich. - Soll ich die Tablette weiternehmen, wenn ein akuter Gichtanfall auftritt?
Ja, Allopurinol sollte auch bei Gichtschub weiter eingenommen werden. Der behandelnde Arzt kann die Therapie ergänzen (z. B. mit Colchicin oder NSAR). - Was kann ich tun bei Hautausschlag oder Allergieverdacht?
Brechen Sie die Behandlung nicht selbstständig ab und holen Sie sofort ärztlichen Rat ein. Bei schweren Symptomen (Atemnot, Schwellungen, großflächiger Ausschlag) notfalls Rettungsdienst verständigen!

