Terramycin® (Oxytetracyclin) – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Basisinformationen zum Produkt
- Internationaler Freiname (INN): Oxytetracyclin
- Handelsnamen in Österreich: Terramycin®, Oxytetracyclin GSK, diverse Generika
- ATC-Code: J01AA06
- Darreichungsformen und Stärken: Tabletten (250 mg, 500 mg), Augensalbe (1%), Suspensionen; selten auch als Infusion
- Hersteller: Pfizer, GlaxoSmithKline (GSK), diverse lizensierte Generikahersteller
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Verschreibung, § 14 AMG)
Wirkungsmechanismus
Für Patienten einfach erklärt: Oxytetracyclin gehört zur Gruppe der Tetracyclin-Antibiotika. Es hemmt das Wachstum von Bakterien, indem es in deren Zellen die Produktion lebenswichtiger Eiweiße verhindert. Dadurch können sich die Bakterien nicht weiter vermehren und werden vom Immunsystem abgebaut.
Für Fachpersonal: Oxytetracyclin bindet reversibel an die 30S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen und inhibiert so die Proteinbiosynthese. Die Blockierung der tRNA-Anlagerung verhindert die Verlängerung der Peptidkette und wirkt bakteriostatisch. Sensibilität gegenüber Oxytetracyclin variiert je nach Bakterienspezies.
Pharmakokinetik
- Resorption: Rasch und fast vollständig im oberen Dünndarm; Bioverfügbarkeit oral liegt bei 30–60% (durch gleichzeitige Nahrung, Milchprodukte oder Antazida vermindert).
- Verteilung: Weitgehend im Körper verteilt, auch in Bronchialsekreten, Galle, Leber und Hautstrukturen.
- Metabolisierung: Teilweise hepatisch (Leber), geringer Metabolitenanteil.
- Elimination: Hauptsächlich renal über den Harn, gering über den Stuhl. Elimination verzögert bei Nierenfunktionsstörungen.
- Wirkdauer: 6–12 Stunden (je nach Dosis und individueller Ausscheidungskapazität).
Anwendung im Alltag & Best Practices
- Typische Dosierung für Erwachsene: 250 mg alle 6 Stunden oder 500 mg alle 12 Stunden.
- Kinder (über 8 Jahre): Dosis nach Körpergewicht, in der Regel 25–50 mg/kg/Tag, aufgeteilt auf 2–4 Einzelgaben.
- Ältere Menschen: Dosis kann bei gesunder Nierenfunktion beibehalten werden, Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz!
- Tablettenform: Ganz mit reichlich Wasser einnehmen. Nicht im Liegen schlucken – Vermeidung von Speiseröhrenreizungen.
- Behandlungsdauer: Je nach Infektion 5–14 Tage; Therapie konsequent zu Ende führen!
- Augensalbe: 2–4 Mal täglich in den Bindehautsack geben, evtl. über Nacht mit geschlossenem Auge.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Vormittagseinnahme: Vorteilhaft bei Patienten mit säureempfindlichem Magen. Frühere Tageszeiten verhindern Wechselwirkungen mit den Hauptmahlzeiten (insb. Milchprodukte).
- Abendliche Einnahme: Möglich, jedoch mindestens zwei Stunden Abstand zu letzten Nahrungsaufnahme, insbesondere Milch, Käse oder Joghurt, einhalten.
- Tipp: Die Einnahme stets zur selben Uhrzeit erhöht die Therapietreue. Wecker oder Medikamentenbox nutzen!
Einnahme mit oder ohne Nahrung
Terramycin sollte – wenn möglich – 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach den Mahlzeiten mit reichlich Wasser eingenommen werden. In Österreich ist Milch ein häufig konsumiertes Nahrungsmittel; Milchprodukte wie Joghurt, Topfen, Buttermilch, Käse und Quark vermindern die Aufnahme und sollten mindestens 2 Stunden nach Einnahme von Terramycin verzehrt werden.
- Starke Kombination mit kalziumhaltigen Lebensmitteln (z.B. Frischmilch, Hartkäse, Molke) vorbeugend meiden.
- Bei starkem Magenreiz kann nach Rücksprache mit Arzt/Apotheker die Einnahme mit leichtverdaulicher Zwischenmahlzeit erwogen werden.
Wechselwirkungen – Wichtige Hinweise
| Interaktionspartner | Bedeutung/Empfehlung |
|---|---|
| Calciumhaltige Nahrung (Milch, Käse, Joghurt) | Vermindert die Aufnahme – min. 2h Abstand |
| Magnesium-/Aluminiumantazida | Verminderte Wirkung von Terramycin – vermeiden |
| Eisenpräparate, Zink-Supplemente | Können die Absorption blockieren – Abstand mind. 3h |
| Orale Kontrazeptiva ("Pille") | Wirkungsabschwächung möglich – zusätzliche Empfängnisverhütung empfohlen |
| Antikoagulanzien (z.B. Warfarin) | Verstärkt blutverdünnende Wirkung – INR kontrollieren |
| Alkohol | Erhöht Risiko für Leberbelastung – meiden oder nur in geringen Mengen |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Offizielle Indikationen | Off-Label-Anwendungen |
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Dosierung nach klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene (Standard) | Kinder (über 8 Jahre) | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Akute Infektion | 250–500 mg alle 6–12 Std. | 25–50 mg/kg/Tag (aufgeteilt) | wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion |
| Malaria-Prophylaxe (off-label) | 500 mg 1× täglich (Beginn: 1–2 Tage vor Reise, Fortsetzung bis 4 Wo. nach Rückkehr) | nach Rücksprache | wie Erwachsene |
| Bakterielle Konjunktivitis (Augensalbe) | 2–4× tägl. ins Auge | 2–4× tägl. ins Auge | 2–4× tägl. ins Auge |
| Akne (systemisch) | 500 mg 1× täglich (max. 3 Monate) | i.d.R. nicht empfohlen | wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Meist treten Nebenwirkungen mild bis mäßig ausgeprägt auf. Bei Anzeichen schwerwiegender Reaktionen bitte unverzüglich ärztliche Hilfe suchen.
| Häufige Nebenwirkungen (>1%) | Seltene/Schwerwiegende Reaktionen | Warnhinweise/Besondere Vorsicht |
|---|---|---|
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Richtige Anwendung – Praktische Tipps aus der Apotheke
- Einnahme immer mit ausreichend Wasser – so werden Speiseröhrenreizungen vermieden.
- Uhrzeiten der Einnahme einhalten; die Tabletten stets aufrecht sitzend oder stehend schlucken.
- Sonnenbäder und Solarien meiden – Sonnenschutzcremes >LSF 30 nutzen, um Lichtempfindlichkeit zu vermeiden.
- Komplette Packung laut Verordnung aufbrauchen – auch bei schneller Besserung.
- Bei Vergessen einer Dosis: Nächste planmäßige Einnahme abwarten; keine "Doppeldosis" nachholen.
- Regelmäßige Kontrolle von Leber-/Nierenfunktion bei Langzeittherapie empfohlen.
Alternative Antibiotikatherapien – Übersicht
- Doxycyclin: Bessere Bioverfügbarkeit, weniger Einfluss von Milchprodukten, 1× täglich, sehr gut wirksam bei Atemwegs- und Hautinfektionen
- Clarithromycin: Alternativ bei Unverträglichkeit gegenüber Tetrazyklinen, Makrolidantibiotikum, auch für Schwangere teils möglich
- Penicilline (z.B. Amoxicillin): Erste Wahl bei vielen Infektionen, sofern keine Allergie vorliegt und das Erregerspektrum passt
- Ciprofloxacin: Nur bei resistenten Keimen oder spezifischen Indikationen, wegen Nebenwirkungen zurückhaltend einsetzen
| Name | Erstattungsstatus NFZ | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Doxycyclin | Erstattet | 1x täglich, weniger Lichtempfindlichkeit | nicht für Schwangere/Kinder |
| Clarithromycin | Erstattet | Gute Verträglichkeit, auch bei Penicillinallergie | Interaktionen mit anderen Arzneien |
| Amoxicillin | Erstattet | Breitband, günstiges Nebenwirkungsprofil | Allergierisiko, keine Wirkung bei atypischen Erregern |
| Ciprofloxacin | Nur gezielte Indikation | Reserveantibiotikum | Sehnenrisiko, viele Nebenwirkungen |
Rechtliche Registrierung, Verfügbarkeit & Erstattung (Österreich)
- Zulassung durch: Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)
- Rezeptpflicht: Strikte Apothekenpflicht – Abgabe nur gegen gültige ärztliche Verordnung
- Erstattungsfähigkeit: Aufnahme in die „Erstattungsliste“ des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger; Teil- oder Vollerstattung möglich (je nach Indikation und Kassenvertrag)
- Apothekenpflicht: Kein Verkauf über den Versandhandel außerhalb von Apotheken (gesetzlich geregelt gemäß AMG)
Aktuelle Forschung & Klinische Empfehlungen (2022–2025)
Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (2023) sowie die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Fachbereiches Infektiologie der Österreichischen Ärztekammer (2024) betonen den zurückhaltenden und zielgerichteten Einsatz von Tetrazyklinen. Lokale Resistenzen und die nachgewiesene gute Wirksamkeit bei atypischen Erregern wie Mykoplasmen, Chlamydien und Rickettsien rechtfertigen weiterhin die Verordnung besonders bei spezifischer Erregerzuordnung.
Wichtige Quellen:
- DGPI Leitlinie Antibiotikatherapie, Version 2023
- Empfehlungen des RKI: Tetrazyklinresistenzen, Stand März 2024
- Klinische Erfahrungen österreichischer Infektiologen, 2023–2025 (Fachjournale: Infektiologie Austria, Die Apotheke)
Verfügbarkeit & Preise in Österreich
Terramycin ist in allen österreichischen Präsenzapotheken sowie über autorisierte Online-Apotheken mit gültigem Rezept erhältlich.
| Paketgröße | Inhalt/Form | Ungef. Preis (EUR, Stand 2024) | Lieferzeit (Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck, Linz) |
|---|---|---|---|
| 20 Tabletten | à 500 mg | ca. 29–35 € | Wien/Graz: 1 Werktag, Salzburg/Innsbruck/Linz: 1–2 Werktage |
| Augensalbe 5 g | 1% | ca. 12–15 € | Wien/Graz: 1 Werktag, andere Städte: 2 Werktage |
| Suspension 100 ml | 125 mg/5 ml | 24–29 € | Alle Großstädte: 2 Werktage |
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Kann ich Terramycin mit Milch oder Joghurt einnehmen?
Nein, kalziumhaltige Lebensmittel wie Milch, Joghurt oder Käse sollten mindestens 2 Stunden vor und nach der Einnahme gemieden werden, um die Wirksamkeit des Medikaments nicht zu beeinträchtigen. - Darf ich während der Einnahme von Terramycin Alkohol trinken?
Kleine Mengen Alkohol sind grundsätzlich möglich, jedoch kann erhöhter Alkoholkonsum die Leber zusätzlich belasten. Wenn Sie regelmäßig oder größere Mengen Alkohol konsumieren, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt. - Was tue ich, wenn ich eine Tablette vergessen habe?
Nehmen Sie die nächste reguläre Dosis zum gewohnten Zeitpunkt ein. Nehmen Sie niemals eine doppelte Menge ein, um eine vergessene Einnahme nachzuholen. - Ist Terramycin für Schwangere oder stillende Frauen geeignet?
Nein, Oxytetracyclin soll während Schwangerschaft oder Stillzeit nicht eingenommen werden, da es negative Auswirkungen auf die Zahnentwicklung und das Wachstum des Kindes haben kann. Fragen Sie Ihren Arzt nach geeigneten Alternativen. - Verursacht Terramycin eine Lichtempfindlichkeit?
Ja, die Haut kann empfindlicher auf Sonnenstrahlen reagieren. Während der Behandlung wird empfohlen, direkte Sonne zu vermeiden und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF > 30) zu verwenden.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Apotheke oder Ihren behandelnden Arzt.
Die Information ersetzt keine medizinische Beratung und dient lediglich der Vorabinformation für Patienten aus Österreich.

