Propranolol – Umfassende Information für Patient:innen in Österreich
Grundlegende Produktinformation
- Internationaler Freiname (INN): Propranolol
- ATC-Code: C07AA05
- Handelsnamen in Österreich: Dociton®, Inderal®, Propranolol-ratiopharm®, Generika verschiedener Hersteller
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
- Tabletten (z. B. 10 mg, 40 mg, 80 mg, 160 mg)
- Retardtabletten/Kapseln
- Injektionslösung (meist im Krankenhausbereich)
- Hersteller: Mylan, Ratiopharm, Teva, Sandoz, Betapharm u.a.
- Verschreibungsstatus: Verschreibungspflichtig in Österreich (gemäß Arzneimittelgesetz, AMG)
Wirkmechanismus von Propranolol
Für Patient:innen verständlich: Propranolol gehört zur Klasse der sogenannten β-Blocker. Es blockiert bestimmte Rezeptoren (Beta-Adrenozeptoren) an Herz und Blutgefäßen. Dadurch wird das Herz „ruhiger“ – der Puls sinkt, das Herz muss weniger arbeiten und der Blutdruck wird gesenkt. Auch Symptome wie Zittern und Herzklopfen lassen nach.
Für Spezialisten: Propranolol ist ein nicht-selektiver β-Adrenozeptorantagonist ohne intrinsische sympathomimetische Aktivität. Es blockiert β1- und β2-Rezeptoren kompetitiv, hemmt die Wirkung von Adrenalin/Noradrenalin, senkt den kardialen Output, vermindert die Reninsekretion und vermindert den Tremor durch zentrale Wirkungen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme rasch, aber variable Bioverfügbarkeit (20–50 %) durch ausgeprägten First-Pass-Effekt in der Leber.
- Metabolisierung: Hauptsächlich in der Leber durch CYP2D6, CYP1A2 und CYP2C19.
- Elimination: Metaboliten überwiegend renal (<1% unverändert im Urin).
- Wirkdauer: 6–12 Stunden (Tabletten); Retardformen bis 24 Stunden.
Anwendung im Alltag und bewährte Praxis
- Typische Dosierung: Abhängig von Indikation, meistens 40–160 mg/Tag in 1–2 Gaben verteilt.
- Anwendung: Schlucken Sie die Tablette unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit. Tabletten möglichst immer zur selben Zeit einnehmen, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden.
- Hinweis: Die Einnahme soll nicht abrupt beendet werden – Dosis langsam ausschleichen, um Komplikationen (z.B. Rebound-Effekt) zu vermeiden.
- Individuelle Anpassung: Ihr Arzt/Ihre Ärztin stellt fest, welche Dosierung zu Ihrer Erkrankung und Lebenssituation passt.
Morgendliche oder abendliche Einnahme
- Morgens: Für Patient:innen mit Bluthochdruck oder Angina pectoris ist oft die morgendliche Einnahme vorteilhaft, da der Blutdruck tagsüber am höchsten ist.
- Abends: Bei starker Tagesmüdigkeit als Nebenwirkung kann eine Verlagerung auf den Abend sinnvoll sein.
- Retardpräparate: Werden meist 1x täglich (oft morgens) genommen – sorgt für gleichbleibenden Wirkspiegel.
- Tipp: Die Einnahmezeit sollte täglich gleich bleiben. Bei Unsicherheiten sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Apotheker.
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern
- Sie können Propranolol mit oder ohne Nahrung einnehmen.
- Einnahme mit einer Mahlzeit (z.B. Frühstück oder Jause) kann Magenbeschwerden vorbeugen und die Verträglichkeit verbessern.
- Fettreiche Speisen, wie sie in der österreichischen Ernährung (z.B. Schweinsbraten, Käse) mitunter vorkommen, können die Aufnahme leicht beeinflussen – klinisch oft jedoch nicht relevant.
- Vorzugsweise mit Wasser einnehmen, nicht mit Grapefruitsaft, da dieser die Wirkung verstärken kann.
Interaktionshinweise
| Kategorie | Beispiel | Warnhinweis |
|---|---|---|
| Arzneimittel | andere Beta-Blocker, Kalziumantagonisten (Verapamil, Diltiazem), Insulin, Antidepressiva (z.B. Fluoxetin), Antipsychotika, Antiarrhythmika | Verstärkung von Blutdrucksenkung, Bradykardie, Hypoglykämie; keine gleichzeitige i.v.-Gabe mit Verapamil! |
| Lebensmittel | Grapefruitsaft, hochprozentiger Alkohol | Grapefruitsaft erhöht Propranolol-Blutspiegel; Alkohol kann Nebenwirkungen (z.B. Blutdruckabfall) verstärken. |
| Krankheiten | Asthma, COPD, Diabetes mellitus, Herzblock | Bei Lungenerkrankungen kontraindiziert; bei Diabetes Gefahr, dass Unterzuckerung maskiert wird. |
Indikationen (offiziell & off-label)
| Indikation | Offiziell (Zulassung) | Off-Label |
|---|---|---|
| Arterielle Hypertonie | X | |
| Koronare Herzkrankheit (Angina pectoris) | X | |
| Herzrhythmusstörungen (Tachykardien) | X | |
| Migraineprophylaxe | X | |
| Essentieller Tremor | X | |
| Angst-/Prüfungsangst | X | |
| Thyreotoxische Krise | X | |
| Infantile Hämangiome (Säuglinge) | X |
Dosierungen gemäß klinischer Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
|---|---|---|---|
| Bluthochdruck | 40–160 mg/Tag, aufgeteilt auf 2–3 Dosen | Nach Körpergewicht, Start: 0,5–1 mg/kg/Tag | Start niedriger, Dosissteigerung langsam |
| Angina pectoris | 90–180 mg/Tag (aufgeteilt) | Nach ärztlicher Anweisung | Wie Erwachsene, jedoch vorsichtiger titrieren |
| Migraineprophylaxe | 40–160 mg/Tag (meist 2x täglich) | Nicht zugelassen, evtl. Off-Label | Wie Erwachsene, niedriger Beginn |
| Herzrhythmusstörungen | 10–40 mg 3–4x täglich | Individuelle Dosierung | Wie Erwachsene, ggf. Dosisreduktion |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Kategorie | Häufige Nebenwirkungen (≥1–10 %) | Seltene Nebenwirkungen (<1 %) | Warnhinweise |
|---|---|---|---|
| Herz/Kreislauf | Bradykardie, Hypotonie, kalte Extremitäten | AV-Block, Herzversagen | Herzpatienten beobachten, Blutdruck überwachen |
| ZNS | Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen | Albträume, Halluzinationen, Depression | Bei schweren Symptomen Arzt konsultieren |
| Atmung | — | Bronchospasmus, Atemnot (insbes. bei Asthma) | Kontraindiziert bei Asthma |
| Stoffwechsel | Beeinträchtigung der Blutzuckerregulation | Maskierung von Hypoglykämie-Symptomen | Diabetes-Patient:innen engmaschig kontrollieren |
| Sonstiges | Übelkeit, Durchfall, Kältegefühl | Leberfunktionsstörung, Hautausschläge | Bei Allergie oder starker Unverträglichkeit absetzen |
Richtige Anwendung (Beratungshinweise für Österreich)
- Setzen Sie Propranolol nicht eigenmächtig ab – bei Unsicherheiten sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin/Ihrem Apotheker.
- Regelmäßige Blutdruck-/Puls-Kontrollen, besonders zu Therapiebeginn.
- Informieren Sie Ihr medizinisches Team über alle weiteren Medikamente, die Sie einnehmen.
- Vorsicht bei sportlicher Aktivität: Propranolol vermindert die maximale Belastbarkeit.
- In Österreich gibt es Beratungsangebote über Apotheken oder bei der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH).
- Bei Reisen ins Ausland Arztbrief mitführen und ausreichend Medikamente einpacken.
- Auch bei Notdiensten: Immer aktuellen Medikamentenplan griffbereit haben (z.B. als Ausdruck in der Brieftasche).
Alternative Behandlungsoptionen (Erstattung durch die ÖGK)
- Andere Beta-Blocker: Metoprolol, Bisoprolol (besser selektiv, evtl. besser verträglich bei Lungenerkrankungen).
- Kalziumantagonisten: Amlodipin, Verapamil (bei Unverträglichkeit von Beta-Blockern, besonders bei älteren Patient:innen).
- ACE-Hemmer/Sartane: Ramipril, Enalapril, Valsartan (insb. bei Bluthochdruck mit Begleiterkrankungen).
- Diuretika: Hydrochlorothiazid (ergänzende Therapie).
Vergleich: Propranolol bietet Vorteile bei Migraineprophylaxe und Tremor. Selektive Beta-Blocker wie Metoprolol sind allgemein besser bei Lungenproblemen geeignet, weil weniger Einfluss auf Bronchien.
Gesetzlicher Status, Zulassung und Kosten in Österreich
- Zulassung: Propranolol ist in Österreich als verschreibungspflichtiges Medikament zugelassen (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, BASG/AGES).
- Erstattung: Standardmäßig im „Erstattungskodex“ (EKO) der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gelistet.
- Verfügbarkeit: In allen öffentlichen Apotheken auf Rezept erhältlich.
- Preisspanne: 50 Tabletten (z.B. 40 mg) kosten ca. 8–20 € je nach Marke und Verpackungsgröße (Stand: 2024).
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Laut Österreichischer Kardiologischer Gesellschaft (ÖKG) bleibt Propranolol Mittel der Wahl bei bestimmten Herzrhythmusstörungen und in der Migräneprophylaxe (Leitlinien 2023).
- Deutsche Hypertonie-Leitlinie (DHL, 2023) empfiehlt Beta-Blocker nicht mehr als Erstlinientherapie bei Hypertonie, jedoch weiterhin relevant bei bestimmten Komorbiditäten.
- Off-label bei infantilen Hämangiomen zugelassen nach internationalen Studien (NEJM 2022; Lancet 2024).
- Forschung zu Angststörungen und Propranolol: Studien belegen Nutzen bei Prüfungsstress („Social Anxiety Faculty“ 2024, Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft).
- Interdisziplinäre Empfehlung, bei Asthma und chronischer Bronchitis auf kardioselektive Beta-Blocker zu wechseln.
Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Lieferzeiten
| PZN* | Packungsgröße | Tablettenstärke | Preis (ca.) | Verfügbarkeit | Lieferzeit (Beispielstädte) |
|---|---|---|---|---|---|
| 1372336 | 50 Stk. | 40 mg | 9,80 € | Österreichweit ab Lager | Wien: 1–2 Tage; Graz: 1–2 Tage; Linz: 2–3 Tage; Innsbruck: 2–3 Tage |
| 1372359 | 100 Stk. | 10 mg | 10,20 € | Meist auf Bestellvorrat | Wien/Graz/Linz: 1–3 Tage |
| 1372365 | 98 Stk. | 80 mg | 19,50 € | Standardliefrung | alle Bundesländer: 2–4 Tage |
*PZN = Pharma-Zentralnummer Österreich
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Propranolol
1. Darf ich Propranolol eigenständig absetzen?
Nein! Das plötzliche Absetzen kann gefährlich sein (z.B. Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg). Immer Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin halten und Dosierung langsam ausschleichen.
2. Kann ich Alkohol trinken, wenn ich Propranolol nehme?
In Maßen ja, aber Vorsicht: Alkohol verstärkt den blutdrucksenkenden Effekt und kann zu Schwindel/Müdigkeit führen. Verzichten Sie auf hochprozentigen Alkohol.
3. Ist Propranolol für ältere Menschen geeignet?
Ja, aber niedrig dosiert und unter ärztlicher Kontrolle. Die Empfindlichkeit für Nebenwirkungen steigt mit dem Alter.
4. Kann ich Propranolol während der Schwangerschaft einnehmen?
Nicht empfohlen, außer nach ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung! Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn Sie schwanger sind oder werden wollen.
5. Beeinflusst Propranolol meine sportliche Leistungsfähigkeit?
Ja, bei Ausdauer- und Sportarten mit hoher Belastung können Pulssteigerung und Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein.

