Ondansetron – Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
- Wirkstoff (INN): Ondansetron
- Handelsnamen Österreich: Zofran®, Ondemetil®, Generics verschiedener Hersteller
- ATC-Code: A04AA01
- Darbietungsformen und Stärken:
- Filmtabletten: 4 mg, 8 mg
- Orodispersible Tabletten (schmelzen im Mund): 4 mg, 8 mg
- Lösung (Trinklösung): 4 mg/5 ml
- Injektionslösung (Ampullen): 2 mg/ml (2 ml oder 4 ml Ampullen)
- Hersteller/Pharmaunternehmen in Österreich (Auswahl): Novartis, ratiopharm, Accord Healthcare GmbH
- Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig (Abgabe nur gegen gültiges Kassen- oder Privatrezept in der Apotheke)
Wirkmechanismus
Für Patient:innen einfach erklärt: Ondansetron wirkt, indem es bestimmte Signale im Gehirn, die Übelkeit und Erbrechen auslösen, blockiert. Es wird vor allem eingesetzt, wenn Übelkeit durch eine Chemotherapie, Strahlentherapie oder nach Operationen entsteht.
Für Fachpersonal: Ondansetron ist ein selektiver 5-HT3-Rezeptorantagonist, der im peripheren und zentralen Nervensystem die durch Serotonin vermittelten Nervenimpulse hemmt, die Brechzentrum und Vagusnerv aktivieren.
Pharmakokinetik (Aufnahme, Verteilung, Ausscheidung)
- Absorption: Rasche Aufnahme nach oraler Gabe, maximale Blutspiegel nach ca. 1,5 Stunden. Bioverfügbarkeit ca. 60% (First-Pass-Effekt).
- Metabolisierung: Leber, v.a. durch CYP3A4 (zusätzlich CYP1A2, CYP2D6 beteiligt).
- Ausscheidung: Überwiegend renal (Niere) und fäkal (Darm) als Metaboliten.
- Wirkdauer: 8–12 Stunden nach einer Einnahme, verlängert bei Leberinsuffizienz.
Alltag & Praktische Anwendungstipps
- Typische Dosierung: Erwachsene meist 8 mg 1–2x täglich, abhängig von Anlass und Verträglichkeit; Kinder und Jugendliche siehe Tabelle weiter unten.
- Wie anwenden?
- Filmtablette mit etwas Wasser unzerkaut schlucken.
- Orodispersible Tablette auf die Zunge legen, dort zergehen lassen.
- Lösung kann abgemessen und direkt oder in einem halben Glas Wasser eingenommen werden.
- Anwendungshäufigkeit: So regelmäßig wie vom Arzt/Ärztin vorgegeben, zumeist vor belastenden Therapien (z.B. Chemotherapie) oder bei akuter Übelkeit.
- Hinweis: Keine Selbstmedikation, Dosierung und Anwendungsdauer immer ärztlich abklären.
Anwendung morgens vs. abends
- Morgens: Vorteilhaft, wenn übelkeitserzeugende Therapien oder Situationen am Tagesanfang geplant sind.
- Abends: Empfehlenswert bei späten Anwendungen/Strahlentherapien oder wenn Übelkeit abends auftritt.
- Tipp: Möglichst immer zur gleichen Tageszeit, Regelmäßigkeit erhöht Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Einnahme mit oder ohne Nahrung
- Mit oder ohne Nahrung einnehmbar – die Wirksamkeit bleibt gleich. Mahlzeiten beeinflussen die Aufnahme nicht wesentlich.
- Bei stärkeren Magenproblemen: Einnahme mit etwas leichter Kost (z.B. Weißbrot, Zwieback) kann Verträglichkeit steigern. Österreichische Standardmahlzeiten müssen vor Einnahme nicht angepasst werden.
- Ausnahme: Bei Übelkeit unmittelbar nach dem Essen ärztlichen Rat einholen.
Wechselwirkungen (Interaktionen & Besonderheiten)
| Interaktionspartner | Mögliche Wirkung/Empfehlung |
| Alkohol | Keine direkte Wechselwirkung, Alkohol kann jedoch Übelkeit verstärken und die Wirkung beeinträchtigen. Alkoholkonsum während Therapie möglichst vermeiden. |
Andere Serotonin-beeinflussende Medikamente (z.B. SSRI, SNRI, Triptane) | Erhöhtes Risiko für das Serotoninsyndrom – ärztliche Überwachung erforderlich. |
| Medikamente, die Herzrhythmusstörungen verursachen (z.B. Amiodaron) | QT-Zeit-Verlängerung möglich – regelmäßige EKG-Kontrollen empfohlen. |
| Enzyminduktoren bzw. -inhibitoren (z.B. Rifampicin, Phenytoin, Carbamazepin) | Können die Ondansetron-Konzentration im Blut verändern – Dosisanpassung kann nötig werden. |
| Johanniskraut | Mögliche Wirkungsminderung von Ondansetron – besser vermeiden. |
| Lebensmittel/Saft | Kein Einfluss, normale Ernährung in Österreich möglich. |
Indikationen (Anwendungsgebiete)
| Klinische Indikation | Zugelassen (in Österreich) | Off-label |
| Prävention und Behandlung von Übelkeit/Erbrechen bei Chemotherapie (CINV) | Ja | – |
| Prävention und Behandlung von Übelkeit/Erbrechen bei Strahlentherapie (RINV) | Ja | – |
| Prävention und Behandlung postoperativer Übelkeit/Erbrechen (PONV) | Ja | – |
| Übelkeit in der Schwangerschaft („Hyperemesis gravidarum“) | Nein | Empfohlen als Reserve, strikte ärztliche Abwägung |
| Gastroenteritis-bedingte Übelkeit (v.a. Kinder) | Nein | Individuell, im Krankenhaus unter ärztlicher Kontrolle |
Dosierung nach Patientengruppe und Indikation
| Gruppe | Indikation | Empfohlene Dosierung |
| Erwachsene | Chemo-/Strahlentherapie | 8 mg 1–2x täglich (max. 32 mg/Tag, i. d. R. über 1–5 Tage) |
| Erwachsene | Postoperative Übelkeit (PONV) | 4 mg bei Bedarf, evtl. Wiederholung nach 4 Stunden |
| Kinder (ab 6 Monate) | Chemo-/Strahlentherapie | 0,1–0,15 mg/kg alle 4–6 Std. (max. 4 mg p. Dosis) |
| Kinder (PONV) | Postoperativ | 1 mg (<40 kg KG) bzw. 2 mg (≥40 kg KG) einmalig |
| Ältere Menschen | Alle Indikationen | Wie Erwachsene, bei Leber- oder Niereninsuffizienz Dosisreduktion erwägen |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Hinweise/Warnungen |
| Sehr häufig | Kopfschmerzen | Selbstlimitierend, bei anhaltenden Beschwerden Arzt verständigen |
| Häufig | Verstopfung, Wärmegefühl, Hitzewallungen | Meist mild, symptomatisch behandelbar |
| Gelegentlich | Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung), Leberwert-Anstieg, allergische Reaktion | EKG-Überwachung bei Risikopatienten empfohlen |
| Selten | Anaphylaktische Reaktion, Krampfanfälle, Sehstörungen | Sofortige ärztliche Behandlung erforderlich |
| Sehr selten | Serotoninsyndrom (bei Kombination mit serotonergen Medikamenten) | Notfall, sofort Klinik aufsuchen |
Richtige Anwendung und Tipps
- Arzneimittel kühl, trocken und lichtgeschützt lagern, außerhalb der Reichweite von Kindern.
- Kein eigenständiges Absetzen oder Dosierungsänderungen ohne ärztliche Rücksprache.
- Tabletten nicht zerkleinern oder teilen, sofern nicht ausdrücklich in der Packungsbeilage oder vom Arzt vorgesehen.
- Gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln immer die Wechselwirkungsgefahr bedenken.
- Bei Anzeichen einer allergischen Reaktion (Atemnot, Hautausschlag) sofort den Notruf wählen (144 in Österreich!).
- Wenden Sie sich bei länger anhaltenden oder ungewöhnlichen Beschwerden an Ihre Apotheke oder Ihren behandelnden Arzt.
- Aktuelle österreichische Leitlinien und Patienteninformationen finden Sie auf der Website der Österreichischen Apothekerkammer (www.apotheker.or.at).
Alternative Therapien (NFZ-erstattete Medikamentenübersicht)
- Metoclopramid (MCP): Häufig 1. Wahl bei Übelkeit verschiedenen Ursprungs. Gefahr von extrapyramidalen Nebenwirkungen.
- Domperidon: Weniger zentral wirksam, manchmal als Alternative bei Unverträglichkeit von MCP.
- Dexamethason: In Kombination bei Chemotherapie-assoziierter Übelkeit. Vorteil: additive Wirkung, Nachteil: Nebenwirkungen wie Blutzuckeranstieg.
- Dimenhydrinat und Diphenhydramin: Bei Reiserkrankungen, weniger stark wirksam bei therapiebedingter Übelkeit.
- Granisetron, Tropisetron (5-HT3-Antagonisten): Ähnlich wirksam wie Ondansetron, teuerer, zum Teil engere Indikationsstellung.
- Praktische Empfehlung: Wahl des Mittels erfolgt immer individuell, unter Berücksichtigung von Ursache, Wirksamkeit, Verträglichkeit und Verfügbarkeit laut österreichischem Erstattungsverzeichnis der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).
Rechtlicher Status, Zulassung und Kostenerstattung in Österreich
- Zulassung: Durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
- Verordnung: Ausschließlich auf Rezept (Suchtgiftregisterpflichtig bei hoher Dosis nicht relevant).
- Erstattung: Aufnahme im Erstattungskodex (EKO) der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) – Kostenübernahme nach genehmigtem Rezept, insbesondere in onkologischen Indikationen.
- Apothekenpflichtig: Ja.
- Off-label-Einsatz: Strikte ärztliche Abwägung, Dokumentation sowie Information der Patient:innen nötig (z. B. bei Schwangerschaft).
Aktuelle Studienlage und klinische Leitlinien (2022–2025)
- Leitlinie der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO) und Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt Ondansetron als Standard bei hoch- und moderat-emetogener Chemotherapie (Onkopedia 2024).
- Aktuelle Meta-Analysen (Lancet Oncology 2023) zeigen eine deutliche Reduktion von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen unter 5-HT3-Antagonisten.
- Für den Einsatz in der Schwangerschaft: Neue Übersichtsarbeiten (Deutsches Ärzteblatt 2023) weisen auf ein minimales, aber nicht vollständig ausgeschlossenen Risiko für das ungeborene Kind hin. Nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung und bei Versagen anderer Therapien.
- Langzeitdaten (2022–2024) bestätigen gute Verträglichkeit bei kurzfristiger Anwendung, keine Hinweise auf Sucht- oder Missbrauchspotenzial.
Verfügbarkeit & Lieferung
| Packsungsgröße | Typ | Einheiten | Unverbindlicher Apothekenpreis (EUR; Stand 01.2024) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Innsbruck |
| Kleinpackung | Filmtabletten 4 mg | 10 Stück | ca. 16–18 € | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage |
| Standard | Filmtabletten 8 mg | 20 Stück | ca. 26–29 € | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage | 2–4 Werktage |
| Lösung | Trinklösung 4 mg/5 ml | 50 ml | ca. 17–20 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | 2–4 Werktage |
| Injektion | Ampullen 2 mg/ml | 5 x 2 ml | ca. 24–27 € | 2–3 Werktage | 2–4 Werktage | 2–4 Werktage |
- Ondansetron ist in fast jeder öffentlichen Apotheke in Österreich kurzfristig verfügbar. Im Online-Versand oft über Nacht lieferbar, sofern das Rezept digital eingereicht wird.
- Informieren Sie Ihre Apotheke rechtzeitig bei speziellen galenischen Bedürfnissen (z. B. Trinklösung für Kinder).
- Preisliche Abweichungen je nach Hersteller, Rabattverträge und regionale Versorgung.
FAQ – Häufige Patientenfragen
- 1. Wie schnell wirkt Ondansetron?
Die Wirkung tritt meist 30–60 Minuten nach Einnahme ein, bei Injektionen noch schneller (ca. 10 Minuten). Die anhaltende Wirkung beträgt typischerweise bis zu 12 Stunden. - 2. Muss ich während der Einnahme meine Ernährung umstellen?
Nein, Ondansetron kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Halten Sie jedoch bei starker Übelkeit eher leichte, gut bekömmliche Kost (wie Brot, Reis, Zwieback) bereit. Dies ist besonders bei typischer österreichischer Hausmannskost relevant. - 3. Wer darf Ondansetron auf keinen Fall einnehmen?
Sie dürfen Ondansetron nicht einnehmen, wenn Sie allergisch gegen den Wirkstoff sind oder eine angeborene QT-Verlängerung (bestimmte Herzrhythmusstörung) haben. Bei schwerer Leberfunktionsstörung und in der Schwangerschaft nur nach strenger ärztlicher Kontrolle. - 4. Was tun, wenn eine Dosis vergessen wurde?
Nehmen Sie die vergessene Dosis, sobald Sie daran denken, jedoch nie eine doppelte Dosis zur Kompensation einnehmen! Ist der reguläre Einnahmezeitpunkt bereits nah, fahren Sie mit dem gewohnten Schema fort. - 5. Kann ich Ondansetron selbst absetzen?
Das Absetzen erfolgt immer nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin. Ein abruptes Absetzen ist in der Regel ohne Folgen, sofern die ursprüngliche Übelkeit/Erbrechen nicht mehr besteht.