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Mirtazapine

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Mirtazapin ist ein Arzneimittel, das zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird. Es hilft, die Stimmung zu verbessern, Ängste zu lindern und den Schlaf zu fördern. Mirtazapin wirkt auf bestimmte Botenstoffe im Gehirn, um das seelische Gleichgewicht zu unterstützen. Die Einnahme erfolgt in der Regel einmal täglich, meist am Abend. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin entscheidet über die passende Dosierung und Dauer der Anwendung.

Mirtazapin – Umfassende Patienteninformation

1. Grundlegende Produktinformationen

  • Wirkstoff (International Nonproprietary Name, INN): Mirtazapin
  • Handelsnamen in Österreich: Remeron®, Mirtabene®, Mirtazapin HEXAL®, Mirtazapin Sandoz®, Mirtazapin ratiopharm®
  • ATC-Code: N06AX11
  • Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: Tabletten (15 mg, 30 mg, 45 mg), Schmelztabletten (oral dispersible, 15 mg, 30 mg, 45 mg)
  • Hersteller: Verschiedene, wie Organon, Sandoz, HEXAL, ratiopharm
  • Verschreibungsstatus: Verschreibungspflichtig (Rezeptpflichtig nach dem Arzneimittelgesetz – AMG)

2. Wirkmechanismus von Mirtazapin

Für Patienten erklärt: Mirtazapin gehört zu den sogenannten „atypischen Antidepressiva“. Es wirkt, indem es das Gleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmitter) Noradrenalin und Serotonin im Gehirn verbessert. Das kann die Stimmung heben, Ängste lindern und den Schlaf fördern.

Für Fachkreise: Mirtazapin blockiert zentral präsynaptische α2-adrenerge Autorezeptoren (verstärkte Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin) sowie postsynaptische 5-HT2- und 5-HT3-Rezeptoren. Dadurch kommt es zu einer gezielten Steigerung der noradrenergen und serotonergen Neurotransmission, bei gleichzeitiger Minimierung serotoninspezifischer Nebenwirkungen. Die antihistaminerge Wirkung trägt zur sedierenden Effektivität bei.

3. Pharmakokinetische Eigenschaften

  • Aufnahme (Resorption): Schnell und vollständig nach oraler Gabe, maximale Konzentration im Blut nach ca. 2 Stunden.
  • Verstoffwechselung (Metabolisierung): Hauptsächlich über die Leber durch Cytochrom P450-Enzyme (CYP1A2, CYP2D6, CYP3A4).
  • Ausscheidung (Elimination): Abbauprodukte werden via Urin (75 %) und Stuhl (15 %) ausgeschieden.
  • Wirkdauer: Eliminationshalbwertszeit beträgt ca. 20–40 Stunden (ermöglicht einmalige Tagesdosierung).

4. Anwendung im Alltag und bewährte Praxis

  • Typische Dosierung: Initialdosis meist 15 mg abends, Steigerung auf 30–45 mg täglich möglich.
  • Anwendung:
    • Die Tabletten werden unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt.
    • Schmelztabletten lösen sich im Mund auf und können ohne Wasser eingenommen werden.
    • Die Einnahme sollte regelmäßig zur gleichen Tageszeit erfolgen, bevorzugt abends.
  • Behandlungsdauer: Erste Wirkung nach 1–2 Wochen, dauerhafte Therapie oft über mehrere Monate nach Rücksprache mit Ärztin/Arzt. Nicht plötzlich absetzen.
  • Befolgen Sie stets die Anweisung Ihrer behandelnden Ärztin/Ihres Arztes und die Packungsbeilage!

5. Einnahme morgens oder abends?

  • Mirtazapin hat meist eine stark beruhigende (sedierende) Wirkung, v.a. zu Therapiebeginn.
  • Daher wird die Einnahme abends vor dem Schlafengehen empfohlen.
  • Vorteile der Abend-Einnahme: Besserer Schlaf, weniger Tagesmüdigkeit.
  • Falls ungewöhnliche Tagesmüdigkeit auftritt, ist eine Umstellung mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zu besprechen.
  • Tipp: Immer zur gleichen Zeit einnehmen, um einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel zu erzielen.

6. Einnahme mit oder ohne Nahrung

  • Mirtazapin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Österreichische Ernährungsgewohnheiten (z.B. reichhaltiges Abendessen) beeinflussen die Aufnahme nicht.
  • Bei empfindlichen Personen kann die Einnahme nach dem Essen Magenbeschwerden verhindern.

7. Warnhinweise zu Wechselwirkungen

Interaktionspartner Erklärung und Risiko Empfehlung
Alkohol Verstärkte sedierende Wirkung, vermehrte Unfallgefahr. Auf Alkoholkonsum möglichst verzichten.
Andere ZNS-dämpfende Medikamente (z.B. Benzodiazepine) Starke Beruhigung, erhöhte Sturzgefahr. Nur unter ärztlicher Kontrolle kombinieren.
SSRIs/SNRIs, MAO-Hemmer Gefahr des Serotonin-Syndroms (lebensbedrohlich!). MAO-Hemmer mind. 14 Tage vor/während/nach Mirtazapin meiden.
Antikoagulantien, Antiepileptika Blutungsrisiko bzw. Wirkungsverstärkung/Abschwächung möglich. Regelmäßige ärztliche Kontrolle erforderlich.
Johanniskraut Reduziertes Mirtazapin-Level, vermehrte Nebenwirkungen. Gleichzeitige Anwendung vermeiden.

8. Offizielle und alternative Anwendungsgebiete (Indikationen)

Anwendungsgebiet Status (AT)
Behandlung von depressiven Episoden (Major Depression) Offiziell zugelassen
Schlafstörungen im Rahmen einer Depression Off-Label, fachärztliche Begründung empfohlen
Generalisierte Angststörung Off-Label
Appetitverlust/Kachexie bei onkologischen Patienten Off-Label
PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) Off-Label

9. Dosierung nach Indikation, Alter und Patientengruppe

Indikation / Patientengruppe Empfohlene Tagesdosis Bemerkungen
Erwachsene (Depression) 15–45 mg abends Initial 15 mg, Steigerung nach Rücksprache
Ältere Menschen (≥65 J.) 15–30 mg abends Niedrige Anfangsdosis und langsame Steigerung
Kinder/Jugendliche (<18 J.) Off-Label, nicht empfohlen Keine routinemäßige Zulassung in AT
Patienten mit Leber-/Niereninsuffizienz Reduzierte Dosierung nach ärztlicher Anweisung Regelmäßige Kontrolle nötig

10. Sicherheit und Nebenwirkungen

Wie bei allen Antidepressiva können Nebenwirkungen auftreten, die mit zunehmender Dauer meist abnehmen. Melden Sie ungewöhnliche Beschwerden Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Apotheker/in.

Häufigkeit Typische Nebenwirkungen
Sehr häufig (>10 %) Erhöhte Müdigkeit, verstärkter Appetit/Gewichtszunahme, Mundtrockenheit
Häufig (1–10 %) Schwindel, Kopfschmerzen, Ödeme
Gelegentlich Niedriger Blutdruck, Übelkeit, Verstopfung, Hautausschlag
Selten Agranulozytose (schwerwiegende Blutbildveränderung), Leberfunktionsstörungen, Krampfanfälle
Warnhinweise Selbstmordgedanken (besonders zu Beginn der Behandlung), Entzugssymptome beim plötzlichen Absetzen, Serotonin-Syndrom (selten, aber gefährlich)
  • Regelmäßige Blutbildkontrollen empfohlen bei längerfristiger Einnahme.
  • Melden Sie bei Fieber/Halsschmerzen sofort Ihre/n Ärztin/Arzt (Agranulozytose-Gefahr).

11. Praktische Anwendungsrichtlinien

  • Verlassen Sie sich immer auf die ärztliche Dosierung!
  • Die regelmäßige Kontrolle in der Ordination (Blutbild, Gewicht, Stimmungslage) ist wichtig.
  • Kein abruptes Absetzen ohne ärztliche Rücksprache!
  • Auf gesunde Lebensweise achten: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Stressabbau fördern die Genesung.
  • Vorsicht im Straßenverkehr und beim Bedienen von Maschinen bis zur Gewöhnung an die mögliche Müdigkeit.
  • Besondere Vorsicht bei älteren Menschen wegen erhöhter Sturzgefahr.

12. Alternative Therapieoptionen gemäß österreichischer Erstattung (ÖGK/NFZ)

  • SSRIs: Sertralin, Escitalopram, Paroxetin (weniger müde machend, mögliche sexuelle Nebenwirkungen)
  • SNRIs: Venlafaxin, Duloxetin (wirksam bei Depression und Angst, evtl. Blutdruckanstieg)
  • Trizyklische Antidepressiva: Amitryptilin, Doxepin (gut sedierend, aber vermehrte Nebenwirkungen; ÖGK erstattet, Vorsicht bei älteren Patienten!)
  • Bupropion: Antriebssteigernd, wenig Gewichtszunahme, aber nicht sedierend.
  • Agomelatin: Beeinflusst Schlafrhythmus, günstiges Nebenwirkungsprofil, bei Depression.
  • Vergleich: Mirtazapin wird oft gewählt bei Schlafstörungen, Gewichtsverlust und Unverträglichkeit gegenüber SSRIs/SNRIs.

13. Rechtliche Zulassung, Registrierung und Erstattung in Österreich

  • Zulassung und Registrierung: Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) genehmigt für die Hauptindikation.
  • Erstattung: Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), günstige Generika sind erstattungsfähig (Rezeptpflicht, E-Card notwendig).
  • Rezeptpflicht: Möglich nur auf ärztliches Rezept in jeder Apotheke erhältlich.
  • Abrechnungsinfos: Aufgeführt im Erstattungskodex (EKO), übliche Zuzahlungen der Sozialversicherung.

14. Neueste Forschung und klinische Empfehlungen (2022–2025)

  • Studien belegen weiterhin die Wirkung von Mirtazapin bei therapieresistenter Depression und besonderen Schlafstörungen (Quellen: DGN Guideline 2024, American Journal of Psychiatry 2023).
  • Empfehlung für ältere Patienten: Dosierung vorsichtig anpassen, wegen erhöhter Sensibilität für Nebenwirkungen.
  • Die Nutzen-Risiko-Bewertung ist positiv bei Patienten mit Appetitlosigkeit oder Schlafproblemen.
  • Klinische Studien bestätigen: Kombinationstherapien immer nur nach sorgfältiger medizinischer Abwägung!

15. Verfügbarkeit, Packungsgrößen und Versandzeiten in Österreich

Packungsgröße (Tabletten) Stärke Apothekenpreis* (€) Lieferzeit Wien Lieferzeit Graz/Linz/Salzburg
20 15 mg ca. 10–13 sofort/1 Tag 1–2 Tage
60 30 mg ca. 25–30 sofort/1 Tag 1–2 Tage
60 45 mg ca. 32–37 sofort/1 Tag 1–2 Tage

*Preise als Durchschnittswert (Stand 2024); Kassenerstattung bei Kassenrezept, keine Mehrkosten für Versicherte der ÖGK bei Generika.

16. FAQ – Häufige Patientenfragen und verlässliche Antworten

  1. Werde ich durch Mirtazapin zunehmen?
    Gewichtszunahme ist eine häufige Nebenwirkung, v. a. zu Beginn. Eine gesunde Ernährung und Bewegung können dem entgegenwirken. Bei deutlicher Gewichtszunahme unbedingt ärztlichen Rat einholen.
  2. Wie schnell wirkt Mirtazapin?
    Erste leichte Besserung kann nach einer bis zwei Wochen eintreten. Die volle Wirkung zeigt sich meist nach vier bis sechs Wochen.
  3. Darf ich Alkohol trinken?
    Es wird dringend vom Konsum von Alkohol während der Einnahme abgeraten, da dies die beruhigende Wirkung erheblich verstärken kann und Risiken (z. B. Sturzgefahr) erhöht.
  4. Kann ich Mirtazapin eigenständig absetzen?
    Nein, das Absetzen darf nur in enger Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt erfolgen, um Absetzerscheinungen zu vermeiden.
  5. Wie lange muss ich Mirtazapin einnehmen?
    Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Therapieerfolg, beträgt jedoch meist mindestens sechs Monate. Die genaue Dauer legt Ihre Ärztin/Ihr Arzt fest.

Hinweis: Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt!

Zusätzliche Informationen

Dosierung: No selection

7.5mg, 15mg, 30mg

Paket: No selection

30 pill, 60 pill, 90 pill, 120 pill, 180 pill