Metoprolol (Handelsname: Lopressor) – Informationen für Patient:innen in Österreich
Basisinformationen zum Produkt
| Wirkstoff (INN) | Metoprolol |
| Handelsnamen in Österreich | Lopressor®, Beloc®, Metohexal®, Metoprolol-ratiopharm®, u.a. |
| ATC-Code | C07AB02 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (25 mg, 50 mg, 100 mg), Retardtabletten (z.B. 95 mg, 190 mg), Injektionslösung (1 mg/ml, 5 mg/ml) |
| Hersteller (Auswahl) | Novartis, Hexal, ratiopharm, Sandoz, Teva, Generika-Hersteller |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig (nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich) |
Wirkmechanismus
Metoprolol gehört zur Arzneimittelgruppe der selektiven Beta-1-Rezeptorenblocker (Betablocker). Es wirkt, indem es die Wirkung bestimmter Stresshormone (vor allem Adrenalin) auf das Herz abschwächt. Dadurch werden Herzfrequenz und Blutdruck gesenkt und das Herz wird insgesamt entlastet.
- Für Patient:innen einfach erklärt: Metoprolol hilft, dass das Herz ruhiger und gleichmäßiger schlägt – dadurch wird das Risiko für Herzprobleme und Bluthochdruck gesenkt.
- Für Fachkräfte: Metoprolol blockiert kompetitiv β1-adrenerge Rezeptoren, senkt so die Sympathikusaktivität am Herzen, reduziert das Herzzeitvolumen, den systolischen Blutdruck sowie die Myokardialkontraktilität. Bei höheren Dosierungen sind geringe Effekte auf β2-Rezeptoren möglich.
Pharmakokinetik
- Resorption: Nach oraler Einnahme wird Metoprolol rasch (90–100 %) aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen, jedoch durchläuft es einen ausgeprägten First-Pass-Effekt (Bioverfügbarkeit ca. 50 %).
- Metabolisierung: Hauptsächlich in der Leber (CYP2D6-abhängig), einige Metaboliten pharmakologisch aktiv.
- Elimination: Metoprolol und seine Metaboliten werden überwiegend renal ausgeschieden.
- Wirkdauer: Unretardierte Tabletten: 3–6 Stunden, Retardtabletten: 12–24 Stunden.
Anwendung im Alltag & Best Practices
- Die Dosierung wird individuell vom Arzt/der Ärztin festgelegt und hängt von der Grunderkrankung sowie dem Ansprechen ab.
- Typische Startdosis bei Bluthochdruck: 50 mg einmal täglich, ggf. Steigerung auf 100–200 mg/Tag möglich.
- Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder nach Herzinfarkt: meist niedrigere Einstiegsdosis (z. B. 12,5–25 mg), langsame Steigerung unter ärztlicher Kontrolle.
- Tabletten oder Retardtabletten sollten mit Wasser (nicht kauen!) eingenommen werden.
- Regelmäßige Einnahme zum selben Tageszeitpunkt ist besonders wichtig.
- Vor- und Nach-Nahrungsaufnahme beachten (siehe Abschnitt unten).
- Keine plötzliche Absetzung! Ausschleichen nur nach ärztlicher Rücksprache.
Dosierung morgens vs. abends
- Morgens: Vorteilhaft, um tagsüber erhöhten Blutdruck oder Herzfrequenz zu senken. Vor allem bei Menschen, die morgens höhere Werte haben.
- Abends: Besonders geeignet bei vorwiegend nächtlichem Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen im Schlaf.
- Tipp: Konsequenz und Routine wichtiger als Tageszeit! Die Einnahme immer zum gleichen Zeitpunkt (z. B. nach dem Zähneputzen) fördert die Therapietreue.
Einnahme zu den Mahlzeiten?
- Metoprolol kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Wirkung wird durch Nahrung nicht wesentlich beeinflusst, eine Einnahme nach dem Frühstück ist in Österreich üblich.
- Bei häufigen Magenbeschwerden empfiehlt sich die Einnahme zu einer kleinen, fettarmen Mahlzeit.
- Dauerhafte Einnahme auf nüchternen Magen kann für manche Patient:innen zu Unverträglichkeiten führen.
Interaktionswarnungen
| Lebensmittel/Getränke | Wechselwirkung |
| Alkohol | Kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken, Gefahr von Schwindel |
| Grapefruit(-saft) | Klinisch irrelevant bei Metoprolol, jedoch bei paralleler Einnahme anderer Betablocker bitte Vorsicht |
| Koffein | Kann die Herzwirksamkeit verringern, sollte in Maßen konsumiert werden |
| Medikamente |
| Calciumantagonisten (z. B. Verapamil, Diltiazem) | Gefahr schwerer Herzrhythmusstörungen |
| Antiarrhythmika (z. B. Amiodaron) | Erhöhte Wirkung & Nebenwirkungen (Bradykardie) |
| Antidiabetika | Symptome von Unterzuckerungen können maskiert werden |
| MAO-Hemmer/Antidepressiva | Stärkere Blutdrucksenkung möglich |
| NSAR (z. B. Ibuprofen, Diclofenac) | Blutdrucksenkende Wirkung von Metoprolol kann abgeschwächt werden |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Offizielle Indikationen (in Österreich) | Off-Label-/Nebenindikationen |
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- Chronisch stabile Angina pectoris
- Chronische Herzinsuffizienz (Stadium II–III; Zieldosis niedrig, Einschleichen notwendig)
- Herzrhythmusstörungen (vor allem supraventrikuläre Arrhythmien)
- Nach Herzinfarkt (Sekundärprävention)
| - Vorbeugung von Migräne
- Angststörungen (kurzfristig, spezifisch nach ärztlicher Anweisung)
- Hyperthyreose (zur Kontrolle der Herzfrequenz)
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Dosierung gemäß Indikation & Patientengruppe
| Indikation | Erwachsene | Ältere Menschen | Kinder/Jugendliche* |
| Bluthochdruck | 50–100 mg/Tag, ggf. bis 200 mg/Tag steigerbar | Startdosis 25 mg/Tag, langsam steigern | 1 mg/kg/Tag, max. 2 mg/kg/Tag |
| Herzinsuffizienz | 12,5–25 mg/Tag, langsames Aufdosieren bis Maximaldosis | Gleich, ggf. geringere Maximaldosis | Off-Label, nur auf Spezialanweisung |
| Angina pectoris, Arrhythmien | 50–200 mg/Tag (auf 2 Dosen verteilt) | niedrige Startdosis, Ansprechmonitoring | Selten angewendet |
| Nach Herzinfarkt | Start: 50 mg alle 6 Stunden, Erhaltungsdosis: 100–200 mg/Tag | Individuelle Dosisanpassung nötig | Keine Daten |
* Die Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern ist begrenzt; Anwendung nur auf ärztliche Empfehlung und unter spezieller Überwachung. Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufig | Gelegentlich/selten | Spezielle Warnhinweise |
- Müdigkeit, Schwindel
- Bradykardie (langsamer Herzschlag)
- Kopfschmerzen
- Kalte Hände/Füße
- niedriger Blutdruck
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen)
| - Depressive Verstimmung
- Schlafstörungen, Albträume
- Muskelschwäche
- Sehstörungen
- Allergische Hautreaktionen
- Potenzstörungen
| - Asthma/COPD: Bronchospasmen möglich
- Diabetes: Warnsymptome der Hypoglykämie können verborgen werden
- Herzinsuffizienz: Einschleichen nötig
- Schwangerschaft/Stillzeit: Abwägung durch Arzt notwendig
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Richtige Anwendung – Wichtige Hinweise aus der Apotheke/Klinik
- Einnahme immer zur selben Uhrzeit wählen und in die Tagesroutine integrieren.
- Arzneimittel nicht eigenmächtig absetzen oder die Dosis ändern!
- Blutdruck und Puls regelmäßig selbst kontrollieren und dokumentieren.
- Hinweise zum Autofahren: Vorsicht bei Therapiebeginn, da Konzentration/Koordination beeinträchtigt sein kann.
- In allen Apotheken Österreichs sind generische Präparate erhältlich – Rücksprache bei Tablettenwechsel sinnvoll.
- Im Verdachtsfall von Überdosierung (z. B. Ohnmacht, starke Bradykardie) Notruf (144) wählen.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (erstattungsfähig in Österreich nach Erstattungskodex, EKO)
- Andere Betablocker: Bisoprolol, Atenolol, Nebivolol (meist ähnlich wirksam, unterschiedliche Halbwertszeiten und Verträglichkeit)
- ACE-Hemmer: Ramipril, Enalapril – v. a. bei Herzinsuffizienz und Diabetes sehr beliebt
- Angiotensinrezeptorblocker (Sartane): Valsartan, Candesartan
- Calciumantagonisten: Amlodipin, Lercanidipin
- Thiazid-Diuretika: Hydrochlorothiazid, Chlortalidon (zum Teil als Fixkombination verfügbar)
Die Wahl der Alternativtherapie richtet sich nach Begleiterkrankungen, Alter, Lebensstil und Verträglichkeit. Betablocker sind besonders zur Sekundärprävention nach Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz bewährt, während ACE-Hemmer und Sartane bei Diabetes/chronischer Nierenerkrankung bevorzugt eingesetzt werden.
Rechtslage, Registrierung & Kostenübernahme in Österreich
- Registrierung: Für alle Metoprolol-Präparate liegt eine Zulassung des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) sowie durch die europäische EMA vor.
- Erstattung: Die Kosten werden für die zugelassenen Indikationen von allen gesetzlichen Krankenkassen in Österreich gemäß EKO übernommen.
- Abgabe: Nur auf ärztliches Rezept erhältlich (Rezeptpflicht laut Arzneimittelgesetz).
- Kontrollierte Abgabe: Einmal-Verschreibung oder Dauermedikation nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer Ärztin.
Aktuelle Forschung & Leitlinien (2022–2025)
- Die aktuelle ESC-Leitlinie (2023) empfiehlt Betablocker weiterhin als Standardtherapie nach Myokardinfarkt und bei HFrEF (Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion), in Kombination mit ACE-Hemmern/Sartanen.
- Zur Langzeitprophylaxe der Migräne belegen neue Metaanalysen (Deutsche Gesellschaft für Neurologie 2022), dass Metoprolol und Propranolol sich ähnlich wirksam zeigen.
- Laut ÖGAM-Leitlinie (2024) bleiben Betablocker essenziell für die Behandlung von Patienten mit kombinierter Hypertonie und kardialen Problemen.
- Für Asthmapatient:innen vorsichtiger Einsatz empfohlen – siehe Statement der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (2023).
Quellen: ESC-Leitlinien 2023, DGN 2022, ÖGAM 2024
Verfügbarkeit, Packungsgrößen & Preise
| Packungsgröße | Darreichungsform | Preis* (EUR) | Lieferzeit (Wien) | Lieferzeit (Graz) | Lieferzeit (Innsbruck) |
| 30 Stück | Tabletten 50 mg | ca. 14,00 | 24–48 Std. | 24–48 Std. | 24–72 Std. |
| 100 Stück | Retardtabletten 95 mg | ca. 22,00 | 24–48 Std. | 24–48 Std. | 24–72 Std. |
| 50 Stück | Tabletten 100 mg | ca. 18,00 | 24–48 Std. | 24–48 Std. | 24–72 Std. |
*Unverbindliche Richtpreise, Stand Juni 2024, Kassenpatient:innen zahlen üblicherweise nur die Rezeptgebühr (aktuell 7,10 EUR). FAQ – Häufige Patientenfragen
- Wie lange muss ich Metoprolol einnehmen? Das hängt von der Grunderkrankung ab. Oft handelt es sich um eine Langzeittherapie, insbesondere nach Herzerkrankungen. Änderungen der Therapiedauer sollten immer mit dem/der behandelnden Arzt/Ärztin besprochen werden.
- Was soll ich tun, wenn ich die Einnahme vergessen habe? Holen Sie die vergessene Dosis nicht nach, sondern nehmen Sie die nächste reguläre Tablette zum gewohnten Zeitpunkt ein. Niemals die doppelte Menge einnehmen!
- Kann ich Metoprolol mit anderen Blutdruckmitteln kombinieren? Ja, häufig sogar empfohlen (z. B. mit ACE-Hemmern oder Diuretika). Die Kombination und Dosierung übernimmt Ihr Arzt/Ihre Ärztin.
- Welche Kontrolluntersuchungen sind wichtig? Blutdruck und Puls sollten Sie regelmäßig selbst messen. Vier- bis sechswöchentliche Kontrolltermine beim behandelnden Arzt sind zu Beginn sinnvoll. Langzeitkontrollen einmal pro Halbjahr reichen bei stabilen Verläufen oft aus.
- Was passiert, wenn ich unter der Therapie starke Nebenwirkungen spüre? Brechen Sie die Einnahme nicht abrupt ab. Suchen Sie baldmöglichst Ihre Apotheke oder Ihre behandelnde Praxis auf. Bei schweren Symptomen (Ohnmacht, Brustschmerzen) wählen Sie sofort den Notruf (144).
Für weitere Informationen und eine individuelle Beratung wenden Sie sich bitte an Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker oder an Ihre behandelnden Ärzt:innen. Diese Information ersetzt nicht das persönliche Beratungsgespräch.