Ivermectin – Umfassende Patienteninformation
Grundlegende Produktinformationen
- Wirkstoff (INN): Ivermectin
- Handelsnamen in Österreich: Stromectol® (nur international), Ivermectin-ratiopharm®, Ivecop® u.a.
- ATC-Code: P02CF01
- Verfügbare Darreichungsformen und Stärken:
- Tabletten (3 mg, 6 mg, 12 mg)
- Suspension zum Einnehmen (vor allem für Kinder, 3 mg/5 ml)
- Topische Anwendungen (Creme, Lotion – v.a. bei Rosazea, Kopfläusen, jedoch weniger gebräuchlich)
- Hersteller: Actavis, Teva, ratiopharm, diverse Generika-Anbieter
- Verschreibungsstatus: Verschreibungspflichtig in Österreich – nicht apothekenpflichtig ohne Rezept
| Darreichungsform | Stärke | Standardverpackung |
|---|---|---|
| Tabletten | 3 mg, 6 mg, 12 mg | 4er, 8er, 20er Packungen |
| Suspension | 3 mg/5 ml | 1 Flasche (30 oder 50 ml) |
| Lotion, Creme | 1% | 15g, 30g Tube |
Wirkmechanismus
Einfach erklärt: Ivermectin bekämpft Parasiten, indem es deren Nervenzellen lähmt und ausschaltet, wodurch sie absterben. Das Medikament wirkt gezielt auf Parasiten, greift jedoch nicht die menschlichen Zellen an.
Für Spezialisten: Ivermectin bindet mit hoher Affinität an Glutamat-aktivierte Chloridkanäle in den Nerven- und Muskelzellen von Wirbellosen (Parasiten), was zu einer Erhöhung der Membrandurchlässigkeit führt und zu Hyperpolarisation, Lähmung und Tod der Parasiten resultiert. Säugetiere werden verschont, da ihnen diese spezifischen Kanäle fehlen.
Pharmakokinetik
- Absorption: Schnelle Aufnahme nach oraler Gabe (max. Serumkonzentration nach 4–5 Stunden)
- Metabolismus: Über Leber (CYP3A4, CYP2D6 & CYP2E1)
- Ausscheidung: Überwiegend mit dem Stuhl (ca. 90%), geringe Mengen im Urin
- Wirkdauer: Mehrere Tage je nach Indikation
- Plasmaproteinbindung: ≥ 90%
Anwendung im Alltag und beste Praxis
In Österreich ist Ivermectin als Tablette am weitesten verbreitet und wird hauptsächlich für die Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:
- Starke Krätze/Skabies (vor allem in Fällen, in denen lokale Therapien versagen)
- Wurmerkrankungen im Magen-Darm-Trakt (z. B. Strongyloidiasis, Onchozerkose, Filariosen)
- Rosazea (topisch; Sonderfall, selten peroral)
Ivermectin wird je nach Indikation in Einmal- oder Mehrfacheinnahmen (z. B. im Abstand von 1–2 Wochen) eingenommen. Hinweis: Detaillierte Dosierungspläne siehe weiter unten!
- Tablette immer mit einem großen Glas Wasser einnehmen.
- Sollte am besten morgens auf nüchternen Magen eingenommen werden.
- Nach Einnahme mindestens 2 Stunden nicht essen, um optimale Wirksamkeit zu gewährleisten.
In Österreich wird Ivermectin nach ärztlicher Diagnose und Verordnung ausgehändigt, meist auch zur Kontrolle des Behandlungserfolgs wiederholt verschrieben.
Morgens oder abends? Tipps zur Einnahmezeit
- Morgens (empfohlen):
- Bessere Wirksamkeit auf nüchternen Magen
- Klares Einnahmeschema und Kontrolle
- Abends:
- Nicht empfohlen, da oft Abendessen eingenommen wird, was Aufnahme beeinflussen kann
Tipp: Die regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit erhöht Zuverlässigkeit und Wirksamkeit der Therapie.
Einnahme mit oder ohne Nahrung?
Ivermectin wird in Österreich empfohlen, auf nüchternen Magen einzunehmen. Dies bedeutet:
- Morgens vor dem Frühstück
- Mindestens 2 Stunden nach dem letzten Essen
- Frühstück, Marmeladebrot, Müsli, Kaffee oder Milchprodukte erst frühestens 2 Stunden nach Einnahme
Eine fettreiche Mahlzeit erhöht die Aufnahme von Ivermectin – dies kann insbesondere relevant sein, wenn die Therapie individuell angepasst werden muss (z. B. bei schwer behandelbaren Infektionen). Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen.
Wechselwirkungen & Interaktionen
| Interaktionspartner | Hinweise |
|---|---|
| Lebensmittel | Fettreiche Speisen erhöhen die Aufnahme – am besten nüchtern einnehmen. |
| Alkohol | Gleichzeitige Einnahme nicht empfohlen – mögliche Verstärkung neurologischer Nebenwirkungen. |
| Arzneimittel (CYP3A4-Hemmer oder -Induktoren) | Vorsicht bei Makrolid-Antibiotika (z.B. Clarithromycin), Azol-Antimykotika (z.B. Itraconazol), HIV-Proteasehemmern, Rifampicin. Dosisanpassung erforderlich! |
| Warfarin | Wechselwirkungen möglich, engmaschige Gerinnungskontrolle erforderlich. |
| Antiepileptika (z.B. Carbamazepin) | Wirksamkeit von Ivermectin kann reduziert sein. |
Zugelassene und Off-Label-Indikationen
| Indikation | Zugelassen (Österreich) | Off-Label |
|---|---|---|
| Starke Krätze (Skabies) | Ja | |
| Strongyloidiasis | Ja | |
| Onchozerkose, Filariosen | Ja | |
| Kopfläuse (topisch) | Ja (topisch) | oral selten |
| Rosazea | Ja (topisch) | |
| COVID-19, andere Virusinfektionen | Nein | Studienlage unzureichend, keine Empfehlung |
Dosierung je nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder (≥15 kg) | Ältere Patienten |
|---|---|---|---|
| Strongyloidiasis | 200 μg/kg als Einzeldosis, ggf. Wiederholung nach 2 Wochen | 200 μg/kg als Einzeldosis | wie Erwachsene; Nierenfunktion prüfen |
| Skabies | 200 μg/kg, nach 7–14 Tagen wiederholen | 200 μg/kg, nach 7–14 Tagen erneut | wie Erwachsene; ggf. geringere Anfangsdosis |
| Onchozerkose | 150 μg/kg, 1x jährlich | 150 μg/kg | wie Erwachsene |
| Rosazea (topisch) | Dünn auf die betroffene Stelle 1x täglich auftragen | Nur nach Rücksprache mit Arzt | wie Erwachsene |
Sicherheitsprofil / Nebenwirkungen
- Häufig (≥1/10): Übelkeit, Durchfall, Schwindel, Kopfschmerzen
- Gelegentlich (≥1/100, <1/10): Hautausschlag, Juckreiz, Gelenkschmerzen
- Selten (≥1/1.000, <1/100): Leberwert-Anstieg, grippeähnliche Symptome, Sehstörungen
- Sehr selten (<1/10.000): schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, neurotoxische Erscheinungen (Verwirrtheit, Krampfanfälle)
| Warnhinweise |
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|---|
Hinweise zur richtigen Anwendung (Österreichischer Kontext)
- Genau an die verordnete Dosierung und Einnahmezeit halten.
- Einnahme am Morgen, mindestens 2 Stunden vor dem Frühstück.
- Nach Kontakt mit infizierten Personen (z. B. Krätze-Ausbruch in Familie/Wohnheim): Mitbehandlung aller nahestehenden Kontaktpersonen nach Rücksprache mit dem Arzt.
- Waschen/Bügeln von Bettwäsche, Körperpflegeartikel desinfizieren oder separat waschen.
- Bei ausbleibender Besserung nach 2 Wochen: Rückmeldung an die Fachärztin/den Facharzt.
- Tipp für Allergiker: Packungsbeilage auf Inhaltsstoffe prüfen!
Alternative Therapieoptionen (Vergleich, Erstattung durch OeGK/Sozialversicherung)?
- Permethrin (Creme, 5%): Standard bei Skabies, topisch.
- Vorteil: Sehr wirksam, erste Wahl, OeGK erstattungsfähig.
- Nachteil: Lokale Hautreizungen möglich.
- Benzylbenzoat: Alternative, insbesondere bei Permethrin-Unverträglichkeit.
- Vorteil: Kostengünstig.
- Nachteil: Brennen/Juckreiz auf der Haut.
- Albendazol/ Mebendazol: Breitspektrum-Anthelminthika für bestimmte Wurmerkrankungen.
- SARMs, Antihistaminika, andere lokale Therapieoptionen: Nicht für alle Erkrankungen geeignet.
Rechtlicher Status, Zulassung & Kostenerstattung in Österreich
- Zulassung: Durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES, www.basg.gv.at)
- Rezeptpflicht: Medikamente mit Ivermectin sind verschreibungspflichtig.
- Kostenerstattung: Bei medizinischer Notwendigkeit im Regelfall auf Kassenrezept (OeGK, BVAEB, SVS) erhältlich.
- Lieferstatus: Meist innerhalb von 24–72 Stunden in den meisten Österreichischen Apotheken lieferbar.
Aktuelle Studienlagen & Leitlinien (2022–2025)
- Ivermectin bleibt ein global anerkannter Standard bei Skabies (siehe Leitlinien der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und international, z. B. Cochrane Review 2022).
- COVID-19: Laut EMA, AGES, WHO und internationalen Studien (z. B. Hill et al. 2023) besteht keine Evidenz für Wirksamkeit von Ivermectin bei COVID-19; Anwendung nicht empfohlen, Off-Label Anwendung zu vermeiden.
- Studien zur Kombinationstherapie (Permethrin + Ivermectin), z. B. bei schwer behandelbarer Krätze, zeigen verbesserte Therapieerfolge (Deutsches Ärzteblatt 2023).
- Entwicklung toleranzminimierter Darreichungsformen für Kinder in Entwicklung (Stand 06/2024).
Verfügbarkeits- und Lieferinformationen (Preise, Versanddauer)
| Packungsgröße | Preis (ca.) | Lieferdauer Wien | Lieferdauer Graz | Lieferdauer Linz | Lieferdauer Salzburg |
|---|---|---|---|---|---|
| 4 Tabletten (6 mg) | ca. 23–28 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
| 20 Tabletten (6 mg) | ca. 100–130 € | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
| Suspension 30 ml | ca. 45–60 € | 2–4 Werktage | 3–5 Werktage | 2–4 Werktage | 3–5 Werktage |
| Cremes/Lotion (15/30g) | ca. 18–36 € | 1–2 Werktage | 1–3 Werktage | 1–2 Werktage | 2–3 Werktage |
Bitte beachten: Preise können je nach Apothekennetzwerk und Hersteller leicht schwanken.
FAQ – Ihre häufigsten Fragen zu Ivermectin
- Wie schnell wirkt Ivermectin bei Skabies?
Bereits nach 1–3 Tagen kann eine deutliche Besserung spürbar sein. Der Juckreiz hält oft noch 1–2 Wochen an, da die Haut heilt. Gegebenenfalls ist eine zweite Dosis erforderlich. - Kann ich Ivermectin auch ohne ärztliches Rezept kaufen?
Nein, in Österreich ist Ivermectin verschreibungspflichtig und darf nicht ohne ärztliches Rezept abgegeben werden. - Darf ich Ivermectin zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
Bestimmte Medikamente (siehe oben, v.a. CYP3A4-Hemmer, Warfarin, Antiepileptika) können mit Ivermectin wechselwirken. Bitte sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder Apotheken-Team. - Ist Ivermectin auch für Kinder geeignet?
Ivermectin ist für Kinder ab 15 kg Körpergewicht zugelassen. Es sollte niemals ohne ausdrückliche ärztliche Anordnung bei Kindern angewandt werden. - Wann soll ich die Behandlung wiederholen?
Die Wiederholung erfolgt bei Skabies meist nach 7–14 Tagen, individuell nach ärztlicher Empfehlung. Beachten Sie die Therapieanweisung!
Wichtige Hinweise: Nehmen Sie Ivermectin ausschließlich nach ärztlicher Anweisung ein. Bei weiteren Fragen stehen Ihnen Ihr Apothekenteam und Ihre behandelnde Ärztin/Ihr behandelnder Arzt gerne zur Verfügung.

