Dimenhydrinat: Anwendung, Wirkung und Hinweise in Österreich
Basisinformationen zum Produkt
| Internationale Freiname (INN) | Dimenhydrinat |
|---|---|
| Österreichische Markenbezeichnungen | Vomex A®, Superpep®, Reisegold®, Vertirosan® |
| ATC Code | N07CA02 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Tabletten (50 mg, 100 mg), Kautabletten, Zäpfchen (50 mg, 150 mg), Saft (12,5 mg/5 ml), orale Tropfen |
| Hersteller | Klinge Pharma, Berlin-Chemie AG, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus | Apothekenpflichtig (ohne Rezept erhältlich, Ausnahme: höhere Dosisstärken) |
Wirkungsweise (Mechanismus)
- Laienfreundlich: Dimenhydrinat blockiert bestimmte Botenstoffe im Gehirn, die für das Entstehen von Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind, insbesondere bei Bewegungsreizen.
- Für Spezialisten: Kompetitiver Antagonist an H1-Histamin-Rezeptoren im ZNS, zusätzlich anticholinerge Wirkung auf zentrale und periphere Muskarinrezeptoren; Hemmung zentraler vestibulärer Reflexbahnen.
Pharmakokinetik
- Resorption: Gute orale Bioverfügbarkeit, maximale Plasmaspiegel nach ca. 1–3 Stunden.
- Metabolisierung: Über Leber (hepatischer Metabolismus, Enzyme CYP2D6), aktiver Metabolit Diphenhydramin.
- Elimination: Über die Nieren, Eliminationshalbwertszeit 3–6 Stunden.
- Wirkdauer: 4–6 Stunden, gelegentlich bis zu 8 Stunden.
Anwendung im Alltag: Tipps & bewährte Praxis (für Österreich)
Dimenhydrinat wird vor allem zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Schwindel (z. B. bei Reisekrankheit, Magen-Darm-Infekten oder Gleichgewichtsstörungen) eingesetzt. In Österreich ist die Einnahme besonders bei Auto-, Bus-, Zug- oder Schiffsreisen sehr geläufig. Eine Einnahme erfolgt idealerweise 30–60 Minuten vor Reiseantritt bzw. vor der erwarteten Übelkeit.
- Typische Dosierung: Erwachsene 50–100 mg pro Dosis, max. 400 mg pro Tag. Kinder je nach Alter/Hinweis der Packungsbeilage oder ärztlicher Empfehlung.
- Anwendungshinweis: Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen; Zäpfchen rektal, Saft/Tropfen exakt dosieren; keine Kombination mit Alkohol.
- In Kombination mit anderen Maßnahmen: Leicht verdauliche Kost (z. B. Zwieback, Salzstangen, stilles Wasser, Fencheltee) bevorzugen, schweres/fettiges Essen und große Mahlzeiten vermeiden.
Morgendliche vs. abendliche Einnahme
- Vorteil morgens: Besonders geeignet zur Reisevorbeugung; kann Müdigkeit verursachen.
- Vorteil abends: Sinnvoll bei Schlafstörungen durch Übelkeit – gleichzeitiger sedierender Effekt.
- Regelmäßigkeit: Bei kurzfristigem Gebrauch (z. B. Reisen, akuter Schwindel) nicht zwingend notwendig; bei längerer Anwendung immer ärztliche Rücksprache!
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern?
- Einnahmeempfehlung: Dimenhydrinat kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme nach einer kleinen Mahlzeit.
In Österreich üblich: als Teil eines leichten Frühstücks (z. B. Brot, Haferflocken, mildes Obst) gut verträglich. - Hinweis: Zu reichhaltige oder fette Speisen können Übelkeitsgefühl verstärken. Große Mengen Kaffee/Säfte meiden.
Wechselwirkungs-Warnungen
| Wechselwirkungsfaktor | Hinweis |
|---|---|
| Alkohol | Verstärkte ZNS-dämpfende Wirkung, erhöhte Unfallgefahr |
| Antidepressiva, Neuroleptika | Verstärkte dämpfende Wirkung; anticholinerge Nebenwirkungen erhöht |
| MAO-Hemmer | Hypertoniegefahr, zentrale Wirkungsverstärkung |
| Andere Antihistaminika / Schlafmittel | Kumulation der sedierenden Wirkung |
| Metoclopramid | Wechselseitige Wirkungsabschwächung |
| Johanniskraut-Präparate | Beeinflussung der Metabolisierung möglich |
| Grapefruitsaft | Kann die Wirkung verstärken oder Nebenwirkungen begünstigen |
Anwendungsgebiete (Indikationen)
| Indikation | Status |
|---|---|
| Reisekrankheit (Motion Sickness) | Offiziell zugelassen |
| Übelkeit und Erbrechen verschiedener Herkunft | Offiziell zugelassen |
| Schwindel bei vestibulären Störungen | Offiziell zugelassen |
| Hyperemesis gravidarum | Off-label, nur mit ärztlicher Rücksprache! |
| Erbrechen nach Operationen/Anästhesie | Off-label |
Dosierung je nach Indikation
| Indikation | Erwachsene | Kinder (3–6 J.) | Kinder (6–12 J.) | Senioren & Risikopatienten |
|---|---|---|---|---|
| Reisekrankheit (Prophylaxe/Therapie) | 50–100 mg 30–60 Min. vor Reise, ggf. Wiederholung alle 4–6 Std.; max. 400 mg/Tag | 12,5–25 mg; max. 75 mg/Tag | 25–50 mg; max. 150 mg/Tag | Niedrigste wirksame Dosis, erhöhte Vigilanz bzgl. Nebenwirkungen |
| Übelkeit & Erbrechen allgemein | Nach ärztlicher Anweisung, 50–100 mg alle 4–6 Std.; max. 400 mg/Tag | Siehe Ärzteempfehlung/PB | Siehe Ärzteempfehlung/PB | Besser bedarfsweise statt regelmäßig |
| Schwindel | 50 mg bis zu 3x/Tag | Individuelle Dosierung | Individuelle Dosierung | Niedrige Anfangsdosis empfohlen |
*Zur genauen Dosierung und zur Anwendung bei Kindern/Senioren immer Arzt oder Apotheker konsultieren!
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Klinische Erscheinung |
|---|---|
| Sehr häufig | Müdigkeit, Benommenheit, verminderte Reaktionsfähigkeit |
| Häufig | Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Magenbeschwerden |
| Gelegentlich | Hautausschlag, Unruhe, Konzentrationsstörungen |
| Selten | Herzrhythmusstörungen, allergische Reaktionen, Miktionsstörungen, Zittern |
| Vorsicht bei | Epilepsie, Glaukom, Prostatahyperplasie, chronischer Bronchitis, Schwangerschaft/Stillzeit (nur nach Rücksprache!) |
Richtiger Umgang und Anwendungsempfehlungen (Österreichische Perspektive)
- Einnahme immer nach Packungsbeilage oder persönlicher Rücksprache mit Apotheker/Arzt.
- Keine Kombination mit Alkohol oder anderen zentralwirksamen Arzneimitteln.
- Bei Reisen nach Möglichkeit vor Antritt anwenden.
- Bei Einnahme während Alltag (z. B. Arbeit, Schule): Vorsicht aufgrund Müdigkeit und Reaktionsminderung – keine Fahrzeuge lenken!
- Keine längerdauernde Einnahme ohne Rücksprache, spezielle Vorsicht bei Kindern, Senioren und in der Schwangerschaft.
- Arzneimittel trocken, lichtgeschützt, außerhalb der Reichweite von Kindern lagern.
- Im Falle von Überdosierung oder schwerwiegenden Nebenwirkungen: sofort medizinische Hilfe holen!
Alternative Therapieoptionen
- Andere Antihistaminika (z. B. Meclozin): Ähnliche Wirkung, häufig längere Wirkdauer, in Österreich teilweise rezeptpflichtig.
- Scopolamin (Transdermalpflaster): Effektiv bei starker Reisekrankheit, jedoch mehr Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Verwirrtheit).
- Ingwerpräparate (z. B. Zintona, Reisetabletten mit Ingwer): Bei milder Reisekrankheit und leichter Übelkeit, rezeptfrei, kaum Nebenwirkungen.
- Mittel mit Metoclopramid oder Domperidon: Vor allem bei starker Übelkeit/Erbrechen, aber nur nach ärztlicher Verordnung.
Erstattung: Gängige Präparate zur Behandlung von Übelkeit sind von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) meist nur mit Rezept und spezieller Indikation erstattungsfähig.
Rechtlicher Status & Erstattung in Österreich
- Rechtliche Zulassung: Dimenhydrinat ist bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) registriert und als apothekenpflichtiges Arzneimittel zugelassen (URPL).
- Verschreibungspflicht: In Standarddosierungen rezeptfrei, höhere Dosen sind verschreibungspflichtig.
- Erstattung: Nicht generell im Erstattungskodex (ELGA), aber nach ärztlicher Verschreibung bei besonderen Indikationen und Beantragung möglich.
- Kontrolle & Überwachung: Nach österreichischem Arzneimittelgesetz, regelmäßige Überprüfung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG).
Aktuelle Studien & klinische Leitlinien (2022–2025)
- Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) – Leitlinie Schwindel (2022) ist Dimenhydrinat Erstwahl bei akuter vestibulärer Übelkeit im Rahmen von Gleichgewichtsstörungen.
- Cochrane-Review 2023: Bestätigt gute Wirksamkeit in der Reiseprophylaxe, Nebenwirkungen (Müdigkeit) sollten jedoch individuell berücksichtigt werden.
- Keine Hinweise auf teratogene Risiken bei kurzfristiger Anwendung in der Schwangerschaft, dennoch Off-label und nur nach ärztlicher Beratung anzuwenden (Schrör K et al., Arzneimitteltherapie 2023).
- Laufende Pharmakovigilanzprojekte seit 2024 bestätigen Sicherheitsprofil bei korrekter Anwendung (BASG-Berichte 2024).
Verfügbarkeit, Packungsgrößen, Preise & Lieferzeiten
| Form | Packungsgröße | Indikativer Apothekenpreis (EUR) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Innsbruck | Lieferzeit Linz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Tabletten | 10, 20, 50 Stk. | 4–15 | sofort – 24 Std. | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Zäpfchen | 6, 10 Stk. | ca. 8–15 | sofort – 24 Std. | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
| Lösung/Saft | 60 ml, 100 ml | 5–12 | sofort – 24 Std. | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage | 1–2 Werktage |
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
1. Kann ich Dimenhydrinat auch Kindern geben?
Ja, Dimenhydrinat ist für Kinder ab 3 Jahren geeignet, in speziellen Dosierungen und Darreichungsformen (z. B. Saft, Zäpfchen). Halten Sie sich streng an die Packungsbeilage und ärztliche Empfehlungen. Nie überdosieren!
2. Darf ich mit Dimenhydrinat Auto fahren?
Nach Einnahme von Dimenhydrinat ist das Reaktionsvermögen stark vermindert. Verzichten Sie während der gesamten Wirkdauer auf das Führen von Kraftfahrzeugen oder das Bedienen von Maschinen!
3. Kann Dimenhydrinat in der Schwangerschaft/Stillzeit eingenommen werden?
Nur nach ärztlicher Rücksprache! In Ausnahmefällen möglich, aber nicht Mittel der ersten Wahl. Bitte aktuelle Empfehlungen und den Rat des Apothekers einholen.
4. Was tun bei versehentlicher Überdosierung?
Sofort ärztliche Hilfe suchen! Symptome können Unruhe, Verwirrtheit, Krampfanfälle bis Koma sein – insbesondere bei Kindern und älteren Menschen!
5. Gibt es zuverlässig wirksame Alternativen bei Reiseübelkeit?
Ja. Neben Dimenhydrinat sind in Österreich für die Selbstmedikation auch Ingwer-Präparate und, ärztlich verordnet, weitere Antihistaminika oder Scopolamin erhältlich. Lassen Sie sich individuell beraten!

